1. #1
    Registriert seit
    Aug 2005
    Beiträge
    16
    Gib mir deine Hand!
    Ich will dir etwas zeigen!
    Wie Rosenköpfe an der Wand
    Sich vor Regenschauern neigen!

    Hast du die Blumen nie gesehen
    Sahst die Natur nie auferstehen,
    so wirst du die Hoffnung nie erblicken
    die in meinem Kopf ersticken.

    Ich hoffe, dass ich auferstehe
    Aus meinen Ängsten und Qualen
    Hoff, dass ich die Gedanken nie wieder sehe
    Die mir das Trauern befahlen.

    Siehst du dort drüben die Tulpen im Winde?
    Schau dir deren Köpfe an!
    Sie brechen ab, wie meiner, ich finde
    Ihn nicht, muss suchen, wo ich kann!

    Ich bin einsam, muss suchen allein
    In der Dunkelheit, kein Sonnenschein
    Wird ihn mir endlich weisen,
    meine Glieder sind schwer wie Eisen!

    Ein harter Weg ist´s , den ich gehe,
    weil ich keine Hoffnung sehe!
    Doch wenn die Natur auferstehen kann,
    dann halte ich mich auch daran!


    Heidi Matthaes 17.05.04
    Sage nicht immer, was du weißt, aber wisse immer, was du sagst!

  2. #2
    Registriert seit
    Jul 2005
    Ort
    Wien
    Beiträge
    2.656
    Hallo,

    ich finde, dass du in deinem Gedicht ein paar wirklich sehr schöne Zeilen hast, die mir ausgezeichnet gefallen habe. Allerdings ist das Gedicht als Ganzes, wie ich finde, weniger gut gelungen.

    Kommen wir aber mal zu den schönen Momenten deines Gedichtes: Die Strophe 1 gefällt mir persönlich sehr gut. Ein schönes Bild, eine leise Aufforderung (die vielleicht noch besser rüberkommt, wenn du die Rufzeichen weglässt, stattdessen vielleicht so: Gib mir deine Hand, ich will dir etwas zeigen: Wie Rosenköpfe an der Wand sich vor Regenschauern neigen.) - wirklich gelungen!

    Die letzte Strophe hat auch wieder was für sich. Ich finde, die ist dir auch ganz gut geglückt, bis auf die allerletzte Zeile, die etwas zu konstruiert wirkt.

    Was mir nicht gut gefallen hat, das ist, dass du zweimal die Reime sehen/auferstehen verwendest (Strophe 2 und 3). Da müsste mehr Abwechslung rein.

    Weiters schreibst du "so wirst du die Hoffnung nie erblicken / die in meinem Kopf ersticken". Problem hierbei: Hoffnung ist im Singular und in der 4. Zeile verwendest du Plural. Das geht nicht, ist grammatikalischer Unsinn. Außerdem frage ich mich bei der ganzen Strophe nach dem Sinn dahinter. Wie kann man Hoffnung erblicken, die im Kopf erstickt? Von den Zeilen 1 und 2 der 2. Strophe würde ich eher darauf schließen, dass du Hoffnung aus der Natur schöpfst - und dieser Hoffnung willst du gleich darauf in Zeile 4 gnadenlos die Luft ausblasen? Das geht nicht, daran musst du arbeiten.

    Gestört habe ich mich auch an S3V3-4: Gedanken, die das Trauern befehlen? Erstens ist Trauer ein Gefühl und geht nicht auf rationale Gedanken zurück, zweitens wirken die beiden Verse sehr konstruiert. Auch hier gibt es Abzugspunkte.

    Strophe 4 würde ich eher schreiben "Siehst du dort drüben die Tulpen im Wind / ... / Sie brechen ab, wie meiner, ich find / ihn nicht ...", wobei hier der Bruch zwischen Zeilen 3 und 4 nicht optimal ist.

    S5V1: Ein hingebogener Satz, der grammatikalisch zu Gunsten des Reimes vernudelt wurde. Sieht nicht gut aus. Und was meinst du mit "ihn" in S5V3?

    Auch wechselst du das Schema - in den Strophen 2, 5 und 6 verwendest du Paarreime, in den anderen Strophen Kreuzreime. Das ist nicht besonders glücklich gemacht, aber darüber möchte ich mich nicht allzu sehr auslassen, denn das ist ein Problem, das ich gut kenne und an dem ich selbst arbeite. Insofern weise ich nur kurz auf diese Stellen und halte sonst diesbezüglich meine Schnauze.

    Und zur Metrik: Größtenteils nicht vorhanden. Auch hier bin ich eher still, da ich selbst noch kein Großmeister der Metrik bin (nicht einmal Padawan), aber trotzdem kann ich erkennen, dass eine Metrik deinem Gedicht gut tun würde.

    Aber alles in allem ein Versuch mit sehr guten Ansätzen, wie ich finde. Das, was es zu bemängeln gibt, kann man ja leicht ausbessern und dann ist dieses Gedicht sicherlich gut. Vom Inhalt und von deinen Umsetzungsideen her spricht es mich jedenfalls sehr an.

    Grüße

    Thomas
    "Man schreibt nicht, was man schreiben möchte, sondern was man zu schreiben fähig ist."
    Jorge Luis Borges


    Mein Wiedereinstiegsgedicht nach all der Zeit: So ist mein Herz ein dunkler Teich

    Meine Werke und meine Empfehlungen.

    Freiwillige Selbstverpflichtung 3:1

    Und hier noch auf Wunsch von Nachteule etwas von ihm (als Dank für die Hilfe im Mod-Faden): Nachteule

  3. #3
    Registriert seit
    Aug 2005
    Beiträge
    16
    Ursprünglich eingetragen von Roderich
    Hallo,

    ich finde, dass du in deinem Gedicht ein paar wirklich sehr schöne Zeilen hast, die mir ausgezeichnet gefallen habe. Allerdings ist das Gedicht als Ganzes, wie ich finde, weniger gut gelungen.

    Kommen wir aber mal zu den schönen Momenten deines Gedichtes: Die Strophe 1 gefällt mir persönlich sehr gut. Ein schönes Bild, eine leise Aufforderung (die vielleicht noch besser rüberkommt, wenn du die Rufzeichen weglässt, stattdessen vielleicht so: Gib mir deine Hand, ich will dir etwas zeigen: Wie Rosenköpfe an der Wand sich vor Regenschauern neigen.) - wirklich gelungen!

    Die letzte Strophe hat auch wieder was für sich. Ich finde, die ist dir auch ganz gut geglückt, bis auf die allerletzte Zeile, die etwas zu konstruiert wirkt.

    Was mir nicht gut gefallen hat, das ist, dass du zweimal die Reime sehen/auferstehen verwendest (Strophe 2 und 3). Da müsste mehr Abwechslung rein.

    Weiters schreibst du "so wirst du die Hoffnung nie erblicken / die in meinem Kopf ersticken". Problem hierbei: Hoffnung ist im Singular und in der 4. Zeile verwendest du Plural. Das geht nicht, ist grammatikalischer Unsinn. Außerdem frage ich mich bei der ganzen Strophe nach dem Sinn dahinter. Wie kann man Hoffnung erblicken, die im Kopf erstickt? Von den Zeilen 1 und 2 der 2. Strophe würde ich eher darauf schließen, dass du Hoffnung aus der Natur schöpfst - und dieser Hoffnung willst du gleich darauf in Zeile 4 gnadenlos die Luft ausblasen? Das geht nicht, daran musst du arbeiten.

    Gestört habe ich mich auch an S3V3-4: Gedanken, die das Trauern befehlen? Erstens ist Trauer ein Gefühl und geht nicht auf rationale Gedanken zurück, zweitens wirken die beiden Verse sehr konstruiert. Auch hier gibt es Abzugspunkte.

    Strophe 4 würde ich eher schreiben "Siehst du dort drüben die Tulpen im Wind / ... / Sie brechen ab, wie meiner, ich find / ihn nicht ...", wobei hier der Bruch zwischen Zeilen 3 und 4 nicht optimal ist.

    S5V1: Ein hingebogener Satz, der grammatikalisch zu Gunsten des Reimes vernudelt wurde. Sieht nicht gut aus. Und was meinst du mit "ihn" in S5V3?

    Auch wechselst du das Schema - in den Strophen 2, 5 und 6 verwendest du Paarreime, in den anderen Strophen Kreuzreime. Das ist nicht besonders glücklich gemacht, aber darüber möchte ich mich nicht allzu sehr auslassen, denn das ist ein Problem, das ich gut kenne und an dem ich selbst arbeite. Insofern weise ich nur kurz auf diese Stellen und halte sonst diesbezüglich meine Schnauze.

    Und zur Metrik: Größtenteils nicht vorhanden. Auch hier bin ich eher still, da ich selbst noch kein Großmeister der Metrik bin (nicht einmal Padawan), aber trotzdem kann ich erkennen, dass eine Metrik deinem Gedicht gut tun würde.

    Aber alles in allem ein Versuch mit sehr guten Ansätzen, wie ich finde. Das, was es zu bemängeln gibt, kann man ja leicht ausbessern und dann ist dieses Gedicht sicherlich gut. Vom Inhalt und von deinen Umsetzungsideen her spricht es mich jedenfalls sehr an.

    Grüße

    Thomas
    Danke für deine Kritik, Thomas!
    Ich freu mich wirklich, dass mir jemand sagt, was verbessert werden könnte,
    Mit "ihn" meine ich den Kopf.
    Das Wechseln des Reinschemas dient dem Ausdruck der Gefühle und ist auch sehr oft in alten Gedichten vorhanden.
    In EINEM Reinschema zu bleiben ist mir persönlich zu einseitig.
    Zeilensprünge sind auch stilistische Mittel, die nicht gemieden werden sollten in Gedichten

    "... sie brechen ab,wie meiner, ich find/ihn nicht"

    Ich schreibe eigentlich alles so auf´s Blatt Papier, wie die Gedanken in meinem Kopf erscheinen.
    Ich denk nicht darüber nach, sondern ich schreib es einfach auf.
    Ich danke dir auf jeden Fall für deine Kritik!
    Ich werde an mir arbeiten !

    Gruß

    Heidi
    Sage nicht immer, was du weißt, aber wisse immer, was du sagst!

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Tochter
    Von Gemini im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 07.12.2013, 22:46
  2. Meine Tochter
    Von Polarlicht im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 19.02.2010, 17:01
  3. mutter & tochter
    Von vladimir n. im Forum Erotik
    Antworten: 12
    Letzter Beitrag: 24.05.2009, 13:18
  4. Tod der Tochter
    Von Archimedes im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 05.02.2008, 00:11
  5. Tochter Sonett
    Von TyDario im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 17.11.2006, 21:08

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden