1. #1
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    Die Aufgabe: Verfassen sie ein Gegengedicht, das mit dem Vers beginnt: "Die Frau"



    Gottfried Benn

    Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke


    Der Mann:
    Hier diese Reihe sind zerfallene Schöße
    und diese Reihe ist zerfallene Brust.
    Bett stinkt bei Bett. Die Schwestern wechseln stündlich.

    Komm, hebe ruhig diese Decke auf.
    Sieh, dieser Klumpen Fett und faule Säfte,
    das war einst irgendeinem Mann groß
    und hieß auch Rausch und Heimat.

    Komm, sieh auf diese Narbe an der Brust.
    Fühlst du den Rosenkranz von weichen Knoten?
    Fühl ruhig hin.Das Fleisch ist weich und schmerzt nicht.

    Hier diese blutet wie aus dreißig Leibern.
    Kein Mensch hat soviel Blut.
    Hier dieser schnitt man
    erst noch ein Kind aus dem verkrebsten Schoß.

    Man läßt sie schlafen. Tag und Nacht.- Den Neuen
    sagt man: Hier schläft man sich gesund.- Nur sonntags
    für den Besuch läßt man sie etwas wacher.

    Nahrung wird wenig noch verzehrt. Die Rücken
    sind wund. Du siehst die Fliegen. Manchmal
    wäscht sie die Schwester. Wie man Bänke wäscht.

    Hier schwillt der Acker schon um jedes Bett.
    Fleisch ebnet sich zu Land. Glut gibt sich fort.
    Saft schickt sich an zu rinnen. Erde ruft.



    Nicht alle Menschen sind glücklich, die froh erscheinen. Ich habe schon oft gelacht, um nicht zu weinen ...

  2. #2
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    Oh Gott, was für eine Aufgabe. Heftig. Ich habe (ehrlich gesagt) dieses Gedicht nie wirklich leiden können, weil es einfach so abstoßend ist.
    Was ist mit "Gegengedicht" gemeint?
    Cavete-Late-Night-Lesen, die Lesebühne in Marburg an der Lahn, immer am ersten Mitwoch des Monats.
    Wer bei uns auftreten möchte melde sich mit Textprobe per e-mail bei mir.

    Gesammelte Werke

  3. #3
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    Die Frau:
    Hör zu beklemmender Stille
    und dort ein leises Röcheln.
    Allein und allein! Die Ärzte können nicht helfen.

    Puh, vielleicht bringt dir das was. Ich muß schon sagen das dieser Text echt heftig ist, weil er sich sehr nah in der Realität beschreibt.
    Träume sind Wahrheit
    Wenn man versteht
    Es gibt keine Zeit
    Nur das Leben vergeht

  4. #4
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    Ich weiß auch nicht so genau, was mit Gegengedicht gemeint ist, ich denke, dass kann man sich aussuchen, ob die Frau es aus ihrer Sicht beschreibt, oder ob sie das gesagte kommentiert. Macht einfach irgendwas, denn ich bekomme auch nichts gebacken...

    Für den Anfang ist es schon nicht schlecht, aber doch leider etwas zu kurz... Vielleicht kannst du da noch ein paar strrophen zuschreiben...

    Trotzdem schon einmal danke....

    Herz_der_Sonne

    P.S.: ich mag es auch nicht wirklich leiden...
    Nicht alle Menschen sind glücklich, die froh erscheinen. Ich habe schon oft gelacht, um nicht zu weinen ...

  5. #5
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    Hör zu beklemmender Stille
    und dort ein leises Röcheln.
    Allein und allein! Die Ärzte können nicht helfen.

    Schmecke die Ängste in der Luft,
    jeder hängt am Leben.
    Doch Niemand hier hat Zeit,um tröstend zu sprechen!

    Hier herrscht der Tod, hat keinen Feind.
    Es fehlt an Licht, Liebe heilt!
    Geschundene Leiber wollen sich entspannen,
    Warum bringt man sie nicht zum Garten?


    Wär garnicht schlecht wenn hier mal jemand einsteigt und diese Fragmente etwas ordnet, so komm ich nämlich kaum weiter (wird das grausig!)
    Träume sind Wahrheit
    Wenn man versteht
    Es gibt keine Zeit
    Nur das Leben vergeht

  6. #6
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    hallo!
    das ist mit abstand das widerlichste nicht-gedicht, das ich je gelesen habe....ich hatte während meiner schulzeit - gott sei dank - nie damit zu tun......

    trotzdem hab ich mal was gebastelt....mal sehen, vielleicht hilft es dir.....man muss sich ja an kein reimmass halten....@torturer: ich hab dabei deine zeilen verwendet und ein bisschen geändert....ich hoffe, dass ist ok...

    die Frau:
    Hör zu beklemmende Stille
    und dort ein leises Röcheln
    Allein und allein! Die Ärzte können nicht helfen

    Schmecke die Ängste in der Luft
    jeder hängt am Leben
    doch niemand hier verweilt, hat Zeit
    um tröstend, sprechend Qual zu lindern

    Hier herrscht der Tod, hat keinen Feind
    es fehlt an Lich, Liebe heilt!
    Warum bringt ihr Schatten nur und damit Leid?

    Geschundne Leiber wollen sich entspannen
    zufrieden aus dem Leben gehn
    bringt sie doch in den Garten
    Luft, Sonne bringen Schwung in Apathie

    Doch lieblos wird die Qual gezähmt
    der Schlaf geht nahtlos in den Tod
    nur liegen, schlafen - macht wenig Arbeit

    Einzig Lichtblick sind die Besuche
    Geist darf reger sich verhalten
    sonst sieht er nur die Decke ober dem Bett
    soll nicht abgelenkt werden von seinem Schicksal

    Betten die schon Gräbern ähneln
    Verfäulnis kaum noch abgewährt
    abgestumpfte Seelen vegetieren hier dahin
    Leben und Tod - unterschiedslos während der Totengräber wartet

    ich hoffe, es hilft dir ein bisschen
    alles liebe,
    sternentraum

    Stir of time, the sequence
    returning upon itself, branching a new way. To suffer pain, hope.
    The attention
    lives in it as a poem lives or a song
    going under the skin of memory.

    "Heavy" by Denise Levertov

  7. #7
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    das ist super... Danke euch beiden, vielmals...Danke (ich kann es nicht oft genug sagen...

    Viele liebe Grüße,

    Herz der Sonne
    Nicht alle Menschen sind glücklich, die froh erscheinen. Ich habe schon oft gelacht, um nicht zu weinen ...

  8. #8
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    @Sternentraum
    Dafür war es da, um noch geändert zu werden, ich will nochmal auf deine Vorschläge eingehen (obwohl ich diesen Text langsam genauso krank finde wie das Original...)
    Mir fehlt nämlich ein bißchen die Anrede an den Mann, dem die Frau nach meiner Meinung direkt antworten sollte.

    die Frau:
    Hör zu beklemmende Stille
    und dort ein leises Röcheln
    Allein und allein! Die Ärzte können nicht helfen

    Schmecke die Ängste in der Luft
    jeder hängt am Leben
    doch niemand hier verweilt, hat Zeit
    um tröstend, sprechend Qual zu lindern

    Hier herrscht der Tod, hat keinen Feind
    es fehlt an Lich, Liebe heilt!
    Warum bringt man Schatten und so noch mehr Leid?

    Geschundne Leiber wollen sich entspannen
    liebkost aus dem Leben gehn
    Komm wir bringen sie in den Garten
    Luft, Sonne bringen Schwung in Apathie

    So lieblos wird hier die Qual gezähmt
    der Schlaf geht nahtlos in den Tod
    nur liegen, schlafen - macht wenig Arbeit

    Einzig Lichtblick sind die Besuche
    Geist darf reger sich verhalten
    sonst sieht er nur die Decke über dem Bett
    ohne Ablenkung vom schweren Schicksal

    Betten die weißen Gräbern ähneln
    Verfäulnis kaum noch abgewährt
    abgestumpfte Seelen vegetieren hier dahin
    Leben und Tod - unterschiedslos während der Totengräber wartet

    Das Grauen will ich nicht mehr schaun
    Wir greifen hier ein oder gehen
    um wie die Anderen in heiler Welt zu leben


    Sternentraum was meinst du dazu? Eventuell nochmal daran schrauben?

    [/B][/QUOTE]

    [Geändert durch torturer am 25-02-2002 um 17:20]
    Träume sind Wahrheit
    Wenn man versteht
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    Nur das Leben vergeht

  9. #9
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    hm......krank....aber gut, ich muss zugeben, dass du mit der direkten anrede an den mann recht hast.......so klingt es noch einen deut....besser.....(obwohl mir das ganze zuu extrem ist bwz. krank, was anderes passt da nicht)
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  10. #10
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    Habe jetzt das Gedicht von Sternentraum genommen. Habe das andere erst heute gesehen...aber ich finde beide Gedichte klasse.... Nochmals ein dickes Dankeschön an euch beide... *thanks*

    Herz der Sonne
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