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Thema: Reinkarnation

  1. #1
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    Reinkarnation

    Verzeih'n sie, meines Herzens Schöne,
    ich will so gar nicht sie erschrecken.
    Erlauben sie, dass ich erkläre,
    warum Vertrautheit mich ergriffen.

    Sei'n sie gewiss, mir liegt es fern,
    sie einer Antwort zu bemühen,
    allein für mich, für meinen Frieden,
    ist die Begegnung mir so wichtig.

    Ich bin nun an die 90 Jahre,
    ein jeder Tag ist mir Geschenk.
    Erst gestern hab' ich sie gesehen
    und heute weiß ich, wer sie sind.

    Vor mehr als 1000 Jahren schon
    stand meines Herzens Schöne hier,
    sie sind das Bild aus jener Zeit,
    uns war bestimmt ein Wiederseh'n.

    Sie lächelte, doch nicht verlegen,
    etwas schien ihr so vertraut,
    nur für Sekunden ein Erkennen,
    aber unmöglich zu verstehn.

    Dann hörte sie bestürztes Schluchzen
    und wandte sich dem Kinde zu,
    bald kam die Mutter, die es suchte
    und schon begann ein neues Spiel.

    Die Glücksfee, wieder ganz im Hier,
    es war an ihr das Rad zu drehen,
    schaute versonnen in die Menge,
    Herz-As gewann als Glückssymbol.


    [Geändert durch Dana am 29-08-2005 um 21:57]
    Geändert von Dana (04.01.2007 um 22:31 Uhr)

  2. #2
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  3. #3
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    War sehr ergriffen von deinem Werk. Die Worte des alten Mannes sind entzückend.
    In S1 Z4 müsste es da nicht heissen ...mich ergriffen?
    Sehr schön.

    Gruß

  4. #4
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    Hallo keeno_saya,
    ich danke Dir zweifach; für die positive Kritik und für den Hinweis auf mit/mich. Dafür besonderen Dank. Du kennst die
    Blindheit für eigene Werke sicherlich auch.
    Versteht man beim Lesen eigentlich worum es mir ging?
    (Hoffentlich gibt es dafür nicht gleich eine Rüge)
    Liebe Grüße,
    Dana
    [Geändert durch Dana am 13-08-2005 um 21:39]

  5. #5
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    Hallo Dana!

    Von all deinen Gedichten, die ich bisher gelesen habe, gefällt mir diese hier mit am besten. Eine wunderschöne Geschichte. Ich habe es mehrmals gelesen und jedesmal kann ich sie ein bisschen deutlicher sehen, deine Glücksfee. V.a. die Sprache gefällt mir sehr gut - und wie der alte Mann redet...

    Liebe Grüße,
    traumfänger

  6. #6
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    an Traumfänger

    Bitte sag mir, ob Du erkannt hast, was ich meine.
    Anders finde ich keine Ruh!
    Sag, was Du spontan fühlst.
    Bis dann,
    Dana

  7. #7
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    Ich weiss nicht, ob ich erkannt habe, was du meinst, aber was ich spontan fühle will ich dir gerne sagen.

    Ich fühle die erregung und das Staunen des alten mannes, der nach so vielen Jahren, ganz unerwartet, an der gleichen Stelle wie damals die Frau sieht, die er liebt und nach der er sich oft so schmerzlich sehnt.
    Ich spüre das Verständis der Glücksfee, gemischt mit Mitleid, die ihn bewegt auf die Wange küsst, um ihm auf ihre Art zu zeigen, dass sie ihn versteht - Worte dafür gibt es nicht.
    Und auch in ihrer Sorge um das weinende Kind und der Erleichterung der Mutter fühle ich eine unendliche Größe und Güte, eine Anteilnahme, die alle Menschen haben sollten und einen Trost, nach dem sich jeder Mensch sehnt, wenn er einsam ist.
    Deine Glücksfee steht für all das Gute, für die Schönheit, für die Freude, die wir mit einer kleinen Geste machen können und für unsere Träume - alles Dinge, die wir leider nur zu oft vergessen.

    Findest du nun Ruhe?

    traumfänger

  8. #8
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    hallo,
    das Gedicht hatte zu Beginn den Titel "Reinkarnation".
    Es sind sich zwei begegnet, die schon einmal vor 1000 oder nur 500 oder auch nur 100 Jahren, zusammen waren.
    Der alte Mann ahnt, spürt es, und weiß es nicht. Er wirkt eher verwirrt, was er darf, weil er an die 90 Jahre alt ist.
    Selbst das junge Mädchen (eines von heute, das den Job einer Glücksfee ausübt) reagiert nur, ohne zu wissen (gegen eig'ne Art). Dennoch sind sich die zwei von daaaaaamals begegnet, ohne zu wissen. Vielleicht, weil sie die Fähigkei dazu längst verloren haben - und dennoch ist es da.
    Kennst Du das, man geht so vor sich hin, sieht einen Menschen und man lächelt sich (ohne Grund?) an?

    Entschuldigung, wenn es jetzt auf eine ganz andere Bahn geht.
    Hoffentlich trotzdem bis bald,
    Dana

  9. #9
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    Ja, kenne ich, mit Menschen und auch mit Orten. Ist so eine Art Deja-vue. Und auch das mit dem Lächeln ist mir schon passiert.

    Hättest du den Titel bei "Reinkarnation" gelassen, wäre ich vermutlich drauf gekommen. Ich hab mal ganz kurz in die Richtung überlegt, wegen dem "vor mehr als 1000 Jahren schon".
    Doch dann dachte ich, dass wäre mehr das Gefühl des alten Mannes, weil die Begegnung schon so lange zurückliegt.

    Auch mit der Aussage gefällt mir das Gedicht, ist sogar noch interessanter.


    Bis bald,
    traumfänger

  10. #10
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    Morgen!

    Ich habe das Mädchen tatsächlich als Glücksfee gesehen. Sie gibt den Menschen ihr Glück - ihre Liebe(n), vielleicht unbewusst, aber doch. Der Mutter gab sie ihr Kind und dem alten Mann schenkte sie mit senen 90 Jahren noch einmal, das letzte Mal vor seinem Tod, das Bild seiner großen Liebe, die er vor vielen Jahren (1000 Jahre hab ich hier bildlch gesehen, da er ja schon so alt ist und die Zeit für ihn andere Dimensionen angenommen hat) verloren hat.
    Das war meine erste Assoziation, aber die Aussage, die du bezweckt hast, ist auch sehr schön. Mit dem Titel Reinkarnation hätte ich mir auch leichter getan mit der richtigen Interpretation, aber das wäre ja dann vielleicht doch zu leicht gewesen und hätte des Lesers Phantasie nicht so angeregt .

    Liebe Grüße

  11. #11
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    GÄNSEHAUT...erinnert mich daran, dass ich erst kürzlich darüber sinnierte, dass es wohl "Alte Seelen" geben muss. Alte Seelen sind die, welche sich immer wieder begegnen, sich "erkennen" und sich lieben (auf welche Art, sei hier dahin gestellt). Einzig das Bewusstsein dafür ist uns in Jahrtausenden abhanden gekommen.

    Wenn wir eine unserer "Altbekannten Seelen" treffen, dann spüren wir es - immer wieder.

    Ja, genau das vermittelt mir dein Gedicht. Wiedererkennen und somit eine zärtlich-warme Gänsehaut aus Wohlgefühl.

    Danke für ein sprachlich sehr schönes und gefühlvolles Gedicht.

    Lieb grüßt das murmeli
    Lächeln!!!

  12. #12
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    Guten Abend, Ihr drei,
    und herzlichen Dank für Eure Kommentare.
    Ist es nicht spannend, wie unterschiedlich man interpretieren kann? Da muss ich an die Schulzeit denken, wo man eine 4 bekam, nur weil man das Gefühl des Lehrers nicht getroffen hat.
    Bis dann,
    Dana

  13. #13
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    Reinkarnation

    In Abstimmung mit der Moderation möchte ich mein Lieblingsgedicht verändert noch einmal vorstellen.
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  14. #14
    Schorsch Guest
    Hallo Dana,
    habe vor kurzem einen Roman gelesen da ging es um das Thema, eine Liebe zwischen Menschen, russischer Maler und BRAut, die so groß ist, dass sie nach ihrem Tod immer wieder reinkarnieren, aber auch die Feindin, die Vernichterin dieser Liebe hat einene so großen Hass, dass sie reinkarniert um ihr böses Werk fortzusetzen. Schaurig wie sich die Liebenden jesmal wiederfinden, egal in welcher Zeit...

  15. #15
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    Reinkarnation

    Hallo Schorsch,
    ich bin durch Lesen vieler solcher Geschichten und Glaubensrichtungen
    zu diesem Gedicht inspiriert worden. Wie oft begegnet man "fremden" Menschen, die einem durch und durch vertraut sind, wie oft sendet man im Vorübergehen ein Lächeln, einen Gruß, ohne den Menschen zu kennen.
    Ich danke Dir für Deinen Kommentar dazu.
    Liebe Grüße,
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

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