Als sie es erfuhr, gewitterte es. Es blitzte und donnerte und es regnete so stark, dass man fast nichts mehr sehen konnte. Sie konnte es nicht glauben! Diese Nachricht würde ihr ganzes Leben verändern, Leute würden sie anders behandeln und sie müsste vieles aufgeben. Sie saß nur da, ihr Blick war abwesend, ihr Mund stand offen. Und es gewitterte immer noch.

Es regnete die nächsten Tage.
Sie versuchte es vor ihren Freunden und Bekannten geheimzuhalten. Nur ihre Eltern und Geschwister wussten davon. Musste sie mal zu einer Untersuchung, erfand sie irgendwelche Ausreden. Der eine Tag, an dem sich alles ändern würde rückte immer näher. Sie versuchte normal zu wirken, doch ihre Freunde merkten, wie komisch sie sich benahm. Sie wurde immer magerer, sie vermuteten aber Magersucht.
Jeden Abend weinte sie, wenn sie daran dachte, was wohl passiert, wenn es nicht klappen würde, wenn es nichts bringen würde. Es regnete jeden Abend.

Es regnete weiter.
Sie konnte nach einiger Zeit immer weniger Aktivitäten machen, niemand viel auf, dass sie nun eine Perrücke tragen musste, da ihr ihre wunderschönen Haare entfernt wurden. Ihr Gesicht nahm von tag zu tag einen immer traurigeren Ausdruck an. Doch sie beschloss so normal wie möglich weiter zu leben, bis sie es verkünden würde, denn danach würde alles unnormal werden.
Die Sonne drang teilweise durch die Wolken hervor.
Sie versuchte zu lachen und fröhlich zu gucken, ließ sich so gut es ging, nichts anmerken, aber innerlich war sie aufgewühlt, hatte Angst und leidete.
Die Wolken versperrten immer mehr die Sonne.

Eines Tages, sie hatte es geschafft mit ihren Freunden weggehen zu dürfen, beschloss sie, es ihren Freunden zu erzählen. Doch es wurde so ein schöner Abend, sie fühlte sich zum ersten mal seit langem normal.
Die Sonne scheinte.
Sie lachte wieder ehrlich und ihre Freunde sahen ein ehrliches Lächeln auf ihrem gesicht. Sie vermuteten, sie war wieder annähernd normal. Doch dann passierte es.
Dunkle Wolken zogen auf und verdeckten die Sonne.
Sie konnte sich kaum an etwas erinnern, es war alles schwarz. Sie wachte kurz auf und befand sich in einem Krankenwagen, sie sah ein paar Ärzte über sich und eine Freundin war mitgekommen. Es wurde wieder alles schwarz.
Es begann wieder aus Kübeln zu regnen.
Ein paar tage später, stand sie vor dem Krankenhaus, ihr Vater lud ihren Koffer in den Wagen ein. Da kamen ihre Freunde. Sie sah krank aus, doch sie machte sich Mühe, dass das nicht so herausstach. Ihre Freunde standen um sie herum. Es herrschte Stille. Dann begann sie ihren Freunden die Wahrheit zu erzählen, wesshalb sie in letzer Zeit so komisch war. Sie sagten dazu nichts. Doch dann umarmten sie sie. Einer nach dem anderen. Und sie wünschten ihr alles gute und das sie heil nach Hause kommen möge. Zum Schluss gab ihr jeder etwas persönliches von sich. Sie fühlte sich ungewohnt stark und bereit es zu schaffen.
Die Sonne schien und es wurde wärmer.

Das Wetter während der Zeit in der sie weg war, war anfangs schlecht, besserte sich aber von tag zu tag. Ein Brief erreichte ihre Freunde nach einigen Wochen:

27.November
Hallo!
Die Therapie geht so, aber wenn sie mir hilft lasse ich sie gerne über mich ergehen. Wenn ich keine Kraft mehr haben, dann seh ich mir eure persönlichen Gegenstände an. Und die geben mir Kraft, weil ich weiß, dass ihr hinter mir steht, mich mental unterstützt! Alle sagen, mein Zustand habe sich gebessert und dass ich durchaus allen Grund zu hoffen hätte! Ich fühle mich auch immer besser! Ich glaube inzwischen fest daran, dass ich wieder gesund werde, und ich freue mich schon darauf zurückzukehren und euch in den Arm zu nehmen.

Ihre Freunde, ihre Familie und ihre Bekannten hatten sich alle versammelt. Es Gewitterte und regnete, wie nie zuvor. Sie alle standen um das Grab versammelt, und gedachten an sie. Sie alle weinten und der Gedanke schmerzte, sie nie wieder zu sehen. Nie wieder ihr Lachen zu hören. Sie war stark gewesen, hatte große Hoffnungen und Pläne. Sie wollte einmal Ärztin werden um anderen zu helfen.
Sie starb am Morgen des 28. Novembers. Sie hatte bis zuletzt um ihr Leben gekämpft.
Und es gewitterte noch Tagelang nach der Beerdigung.