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  1. #1
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    S t u r m n a c h t

    Mein Kopf fließt langsam in die Kissen,
    noch ungeborne Träume füllen sich mit Tagesbildern.
    Den Körperlosen folgt mein Leib,
    während die Ängste sich vermehren.

    Auf meinen Händen werden Narben sichtbar,
    die mir der Tag geschlagen hat.
    Und meine Seele kriecht mit krummem Rücken
    unter ein regenschweres Ahornblatt.

    Im Sturm der Träume schreit sich `s lautlos,
    kein Wort dringt durch das Dickicht an dein Ohr.
    Dennoch spürst du das Bitten um Erlösung,
    geschrieben auf die schweißbedeckte Stirn.

    Als deine Hand mich sanft berührt,
    zerbersten all die Traumgestalten.
    Ins Sonnenlicht zurückgekehrt,
    streift sich die Seele Asche von den Kleidern.

    In deinen Augen seh ich Morgen
    und Bilder, die Gedichte sind.
    Verstummt sind jene schweren Schatten,
    die wie die Kirsche wieder Blüten tragen.

    Mein Kopf fließt still in deine Hände,
    noch ungeborne Träume tragen Zukunft.
    Du schenkst mir Licht aus deiner Zeit
    und Wünsche leugnen die Vernunft.



    © by Herbert Gerke

  2. #2
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    Wahnsinn!!!!
    Kann nichts anderes dazu sagen. Es sind "nur" die Augen eines Lesers.
    Doch, es sind ja auch die "einfachen" Leute, die Gedichte lesen, und wenn ich deine Zeilen so lese, werden Bilder wahr, die mir selber bekannt vorkommen. Ja sehr bekannt.
    Das immer dunklerwerdene...und dann das Helle erscheint und mal selber als Leser aufatmet, und denkt Jaaa genau...
    Mmmmm
    Weiter so...

  3. #3
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    Ich mach weiter,

    Ich mach weiter,
    keine Frage!

    Hallo *Erwenis*!
    Danke für deine Begeisterung.
    Ich würde mich freuen,
    von dir mehr über die entstehenden
    Bilder zu erfahren.

    Bis dahin!

    Gruß

    H e r b e r t

  4. #4
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    Ah, du möchtest wirklich wissen?Also Gut.
    Es hat mich allgemein an eine ganz besondere Woche für mich erinnert.die Woche,die ich mit meiner großen Liebe verbracht habe.
    Stell dir vor,jede Nacht war ich unruhig,durch Alpträume etc., und jedesmal, wenn ich aufwachte, sah ich die wartenden Augen, die mich sanft wieder ruhig streicheln wollten, begleitet mit leisen murmelden Worten. "komm zu mir..."
    AN diese spezielle Zeit erinnert es mich, aber noch mehr.
    Ja die ersten zwei Strophen erinnern mich, an meine innerliche Unruhe, die ich besonders dann spüre, wenn ich schlafen gehe, und der Tag sich verabschieden will...
    Ahornblatt, ist ein schönes Wort gewählt..gefällt mir sehr darin. Wie es nach unten gewölbt den Regen runterperlen lässt...
    Ja, und dann Wie die Asche abgestreift wird. Kommt mir vor, als wären das die Dinge, die einem am Tag und im Traum begleiten und anfangen zu zerfallen, durch den anderen errettet, ist es nur noch nutzlose Asche, die man einfach abstreift kann...was vor dem Traum nicht möglich war. Würde ich jedenfalls so verstehen...
    Und dann ist alles vergessen und man blickt in die stille Schönheit des Momentes, wo man den anderen tief anblickt und geborgen nimmt...
    Und dieser Moment ist ein erlebtes Gedicht...
    Ja so sehe ich es, gerade weil mir diese Bilder bekannt vorkommen.
    Kann sein, das du es anders meintest, aber Künstler und Leser formen das Bild. Ich habe gehört, es arbeiten immer zwei daran!
    Ja, ich bin beeindruckt!

  5. #5
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    Danke *Erwenis* für die Mühe,

    Danke *Erwenis* für die Mühe,
    die du dir gemacht hast.
    Zum Einen ist es wunderbar, solch eine
    Woche voller Glück erlebt zu haben – zum Anderen
    gleichwohl eine bezaubernde Fügung, daran erinnert
    zu werden durch nur ein paar Worte.

    Was die Unruhe angeht, wenn wir uns schlafen legen:
    Vielleicht ist es die Angst, dem Tod etwas näher zu sein,
    weil Schlafes Bruder uns wohl möglich daran hindert,
    aufzuwachen. Wer weiß – da spielen Urängste eine Rolle.
    Daran wollte ich eigentlich nicht wirklich erinnern.

    Aber die Hoffnung ist da: wie die Asche abgestreift wird… so
    hellt sich die Dunkelheit auf.

    „Und dieser Moment ist ein erlebtes Gedicht...“ – schöner, tiefer
    hätte ich es nicht ausdrücken können. Hier hat der Leser das Bild
    geformt. Danke dafür.

    Und… Ja, ich bin beeindruckt!


    Herzliche Grüße


    H e r b e r t



  6. #6
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    An Herbert

    Hallo Gedichtezauberer,
    natürlich kann man das Gedicht nicht lesen, ohne den Autor zu loben!
    Ich kenne Angstträume sehr, sehr gut - und Du hast mit diesem Gedicht den Eingang zu ihnen und den Weggang von ihnen erfaßt.
    Das regenschwere Ahornblatt und die Narben auf den Händen haben mich besonders beeindruckt.
    Eine wunderbare Sprache.
    Inzwischen freue ich mich, wenn ich Deinen Namen im Eintrag sehe.
    Liebe Grüße,
    Dana

  7. #7
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    Schluss damit!

    Schluss damit!
    Wir wollen hier Gedichte schreiben…
    …wollen Leser verzaubern. Gegen Wölfe kämpfen.
    …wollen Angstträume bezirzen. Mit den Tauben heulen.

    Nicht Narben auf den Händen zählen!

    Unter den Regen jenseits dieses Tages
    fiel `s Ahornblatt auf meinen Weg
    wo ich dich fand, sagte, nun wag es
    blieb dir und mir ein schmaler Steg
    am Rande jener Wasser, die du weintest
    jetzt noch, wo du mich sterbend meintest,
    unter den Regen jenseits unseres Moments…
    im Augenblick des Meeres, das verrinnt…
    Vielen Dank, D a n a.

    H e r b e r t

  8. #8
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    Hallo Herbert!

    Eindrucksvolle Bilder, schöne Sprache, bewegende Gefühle - toll, ich bin beeindruckt.

    Grüße,
    traumfänger

  9. #9
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    ...was hast du heut` in deinem Netz?

    Nun Traumfänger,

    was hast du heut` in deinem Netz?
    Eine bunte Kinderphantasie vielleicht? Oder den Wunsch
    des alten Mannes, der sich nach dem Meere sehnt?

    Ich habe keine Ahnung. Es ist erst 9 und noch nicht Zeit zum Schlafen.
    Geschweige denn, sich träumend auf die Wolken dort über dem Horizont
    zu legen, um Bilder zu erfinden, die Tausende schon vor mir sahen.

    Nun also, gib mir deine Beute; eventuell nur jeden zweiten Traum.
    Was schon in Ordnung wäre. Das gäbe mir und meiner Hoffnung Raum.

    Ende jetzt. Ich lese es noch einmal:
    Eindrucksvolle Bilder schöne Sprache bewegende Gefühle toll

    Und wieder lässt es sich nicht leugnen: ich bin beeindruckt….

    Danke …. Traumfänger


  10. #10
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    Ich träumte schon so manchen Traum
    und vieles ist ins Netz mir gegangen
    doch harte Arbeit ist's in vielen Fällen.

    Du bittest mich,
    die Beute mit dir zu teilen?
    Nun gut, solange du mir so schöne Lektüre bietest, ist's für mich nur von Vorteil.

    In meinem Netz zappelt es - ich sehe:

    Träume aus der Tiefe steigen, wie Rauch, um einen gequälten Geist zu jagen.
    Wunderschön finde ich das Bild vom "regenschweren Ahornblatt" - ich glaube, das habe ich am längsten betrachtet. Es strahlt Sicherheit und gleichzeitig unendliche Einsamkeit aus und erinnert mich intensiv an Herbst.
    Ich kann regelrecht die Erleichterung der armen Seele - auch sehr schön beschrieben - fühlen, die glaubt, eine Zuflucht vor dem Sturm gefunden zu haben. Sie rollt sich zitternd zusammen und hofft, in einer kurzen unbemerkten Pause ein wenig Erholung von ihren schweren Erinnerungen zu finden - umsonst.
    Doch als sie sich verloren glaubt, naht Rettung: jemand hat das Ahornblatt gefunden, die Regentropfen abgewischt und seine wunderschönen Farben wieder zu Leben erweckt.
    Und die kleine Seele huscht ans Feuer, trocknet und wärmt sich und jemand tröstet sie, macht ihr Mut, verscheucht die bösen Geister und umarmt sie. Nun ist sie beruhigt, warm und geborgen darf sie sich von ihrer Müdigkeit überwältigen lassen und endlich, endlich Ruhe finden - o dass ihr Glück niemals endet!
    Dieser "Retter" ist in allem das Gegenteil der quälenden Traumgestalten - eine Frau, wunderschön, mit hellen Augen, ruhiger Stimme und sanften Händen. Und ihr Lächeln erhellt alles im Raum.
    Wieder sehe ich Träume aufsteigen, doch diesmal sind sie wie Sommerwolken - leicht und unbeschwert und ich kann mich noch ein wenig von ihnen davontragen lassen, danke!


    Ich weiss leider nicht, wie ich die Bilder besser in Worte fassen kann, fast habe ich das Gefühl, dein Gedicht nur in anderen Worten zu erzählen, bitte zürne nicht!
    Doch es ist wie eine Geschicht, die vor meinem inneren Auge abläuft, fast ein Märchen.

    Interpretieren will ich das Gedicht nicht, was soll man zu Albträumen noch sagen? Jeder weiss den Trost eines lieben Menschen zu schätzen, wenn er schweißbedeckt und zitternd aus dem Schlaf emporschreckt.

    Ich bleibe bei dem, was ich zuerst sagte: "Eindrucksvolle Bilder, schöne Sprache, bewegende Gefühle - toll, ich bin beeindruckt."
    Alles andere, denke ich, ist zu viel der Worte!


    Grüße vom Horizont und weiter,
    traumfänger



  11. #11
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    Ich weiß, was du meinst.

    Ich weiß, was du meinst.
    Und damit ist die Asche abgestreift.
    Was mehr, sollten Worte sagen können.

    Es grüßt ein Stückchen Phantasie
    …….
    von Traum zu Traum

    H e r b e r t

    P.S.: Demnächst in diesem Forum
    mehr davon.
    Auch ich
    freue mich darauf.



  12. #12
    Registriert seit
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    "Es grüßt ein Stückchen Phantasie
    …….
    von Traum zu Traum"

    ...

    Und Sehnsucht schweigt voll Wehmut.



    Du inspirierst - die Träume danken...erlaubst du, dass ich daran weiterarbeite?

    traumfänger



    [Geändert durch traumfänger am 10-08-2005 um 23:49]

  13. #13
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    Ja! Ist inspiriert

    Ja! Ist inspiriert
    und hiermit erlaubt.

    Bin mal gespannt.


    Herzliche Grüße


    H e r b e r t

  14. #14
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    Hi auch
    Ich muss dir leider Gestehen, dass dieses Werk mir sogar zusagt
    Die Bilder die du dieses mal vermittelst sind überaus ansprechend. Und laden den Leser direkt zum Träumen ein. Auch die Wortwahl ist meines Erachtens sehr gut gelungen. Bei diesem Werk hat das Lesen wirklich Spass gemacht. Metrik erkenne ich auf den ersten Blick nicht, aber man kann ja nicht alles haben, oder?
    Tu was du willst, das ist das ganze Gesetz - Aleister Crowley

  15. #15
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    Dankend angenommen!

    Dankend angenommen!

    Gruß

    H e r b e r t

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