1. #1
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    Ein Gläschen Wein zum Reimeschmieden
    regt an auf höchst frappante Weise.
    Ich hab’ das früher stets gemieden,
    heut probier ich’s ausnahmsweise.
    Zum Wohl, ein Schluck, erst nippe ich.
    Kein Pegasus beflügelt mich.
    Wahrscheinlich braucht man mehr.

    Noch ein Schluck. Wie war der Titel?
    Ach ja, die „Bürgschaft“, neu gefasst.
    Es diene mir der Wein zum Mittel,
    dass Schiller noch im Grab erblasst.
    Zu Dionys, so fang ich an, da schlich
    Damon um den Wüterich
    mit dem Dolch zu meucheln.

    So weit so gut, wie geht es weiter?
    Ein Schlückchen wird behilflich sein.
    Zum Wohl! Wie ist mir seltsam heiter
    zumute? Wirkung zeigt der Wein.
    Der Tyrann fragt dann den Damon aus,
    was dieser will in seinem Haus.
    Und Damon wurde frech.

    Schluck, gluck, es geht ein zweites Glas.
    Ach, wie fliegen die Gedanken.
    So stirb, du Unhold, beiß ins Gras,
    über dich soll sich der Efeu ranken!
    Schnell das Glas, hicks, mit dem Saft
    der Rebe, hicks, das wär’ geschafft.
    Damon bat dann um drei Tage.

    Wie schnell der Mensch doch trinken kann,
    schon wieder an der Neige.
    So fülle ich halt nochmals an.
    Rülps! Tschuldigung! Dann zeige,
    sagt der Herrscher hämisch lächelnd
    und vor Mordlust tückisch hechelnd,
    zeige Damon, was du kannst!

    Was, die Flasche ist schon leer?
    Hicks, ich bin noch lang nicht fertig.
    Schnell ein frisch Gebinde her,
    noch bin ich geistesgegenwärtig.
    Er lief, upps, was er saufen konnte,
    zum Bruder, der weit draußen wohnte,
    um, hicks, ihn zu befrei’n.

    Jetz geht es flott, ich merge das.
    Glucks, schluck, ein wahrlich guder Tropfen.
    Beim Dichten genn ich geinen Spaß,
    jetz noch’n Bier aus bestn Hopfn.
    Der Doman rannde, was er hicks,
    vakubbelt seine Tante fix.
    Wo gommt das weiße Mäuschn her?

    Sum Finale noch’n kleines Schnäpschn,
    schließlich, hicks, ich ferdig werden.
    Aus der Bowle noch ein Häppchen,
    schön is es, rülps, hi, hi, auf Erdn.
    Doman rannde, hicks, sogleich
    surügg zum, na ich glaub sum Scheich,
    doch fiel er under Räuba.

    Der Doman oder, glucks, er heißt,
    der Dorman is kein mieser Suft,
    Was brings ihm, wenna Treu beweist?
    Prost! Gsundheit! Hicks! Die Gruft!
    Der Doman, Demen?, is surüg,
    der Gönig gennt ein neues Glügg
    und wär’ da Dridde gern im Bunde.

    Sabber, röchel, sagsn du?
    Ich sag, hicks, der Alkool,
    mir is schlecht, gehörd dasu,
    wenn, hicks, Schmerse vieden sol.
    Ich abs bewiesn, willsn mehr,
    meine Bgschaf is, würg, flüssiger.
    Sabber, röchel, würg und kotz!
    Ibrahim (Ingo Baumgartner)

  2. #2
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    Wollte nur sagen, dass ich's nicht richtig gelesen hab. Zu lang.
    Blöde Zitate.

  3. #3
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    zu lang

    Wer liest heutzutage noch lange Balladen? Noch dazu versoffene. Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, ich jedenfalls nicht.
    Lg
    Ingo
    Ibrahim (Ingo Baumgartner)

  4. #4
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    Hallo,

    @ Bogus: Schade, dass du dafür nicht die Geduld aufgebracht hast. Da hast du echt was verpasst!

    @ Ingo: Ich habe einen neuen Favoriten unter deinen Gedichten - nämlich dieses hier! Ich habe mich zerbröselt - einfach genial, wie du den steigenden Alkoholpegel in dein Gedicht einfließen lässt - man wird förmlich mitgerissen und ist als Leser am Ende genau so beschwipst wie das lyrische Ich.

    Prost!

    Thomas
    "Man schreibt nicht, was man schreiben möchte, sondern was man zu schreiben fähig ist."
    Jorge Luis Borges


    Mein Wiedereinstiegsgedicht nach all der Zeit: So ist mein Herz ein dunkler Teich

    Meine Werke und meine Empfehlungen.

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    Und hier noch auf Wunsch von Nachteule etwas von ihm (als Dank für die Hilfe im Mod-Faden): Nachteule

  5. #5
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    Hallo Ibrahim,
    witzige Idee und gelungen witzig umgesetzt.
    Ich konnte mich nicht befreien, den Vortrag dieses Gedichtes nur in einer Bütt zu sehen.
    Gruß,
    Dana

  6. #6
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    Hallo Ibrahim!

    Mannomann, das ist ein Gustostueckerl! Sowas muss einem erstmal einfallen..wahrlich..meisterhaft!


    Mfg
    Lailany

  7. #7
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    Zu spät, du rettest den Freund nicht mehr.....
    *lol* selten so gelacht, du hast mein Humorzentrum direkt und ohne Umwege angesprochen. Wer weiß, wieviel Gedichte wirklich unter solchen Umständen entstanden sind? Natürlich muss man am nächsten Tag noch mal Korrektur lesen - aber solch revoluzionäre Gedanken kommen einem tatsächlich oft erst, wenn man sich die natürliche Hemmschwelle weggeschwem... äh weggetrunken hat.

  8. #8
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    Einfach nur genial. Aber das weißt du ja selber. Probier ich heut Abend auch mal aus....

  9. #9
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    Hi Ingo,

    also ich hab bei jeder Strophe ein wenig mehr gelacht . Trotzdem ich die Bürgschaft eigentlich besonders gerne mag (bitte mich jetzt nicht auslachen ..).

    Was hier so als witzig, schmissiges Werk dasteht, ist aber m.E. bestimmt sehr viel Arbeit gewesen. Denn du beginnst ganz "nüchtern", schön wie du die einzelnen Worte dann im Suff zerfließen lässt, und das Ende ist wohl fast jedem bekannt *übel*.

    Ich kenne noch jemandem, der da sicher gernde drüber lacht,

    Wieder ein neues Guststückerl von Ibrahim!

    Liebe Grüße
    Eva
    EvaAdams

    (c) Mein Werkverzeichnis: Unterm Feigenbaum = überholungsbedürftig, aktuelles bitte unter Profil nachsehen


    Die WÖRTERWUNDERTÜTE ist da!

    Mein Buch Leitersprossen

  10. #10
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    Lieber Ingo,

    Schön hast du uns hier gezeigt,
    wie ein Dichter das vergeigt,
    was er plante hinzuschreiben.
    Denn durch schluckhaftes Betreiben
    lässt die Muse sich nicht wecken,
    mag sie doch nicht jene Gecken,
    die da glauben Alkohol
    fördere des Geistes Wohl
    und der Sinne Antriebskraft.

    Weder Mittels Gerstensaft,
    noch mit Schnäpsen oder Wein
    stellt sich jene Wirkung ein,
    die er sich davon versprach.
    Doch wir sehen es ihm nach,
    denn Erfahrung muss man sammeln.

    Liest der Dichter dann sein Stammeln,
    wird er sich dafür erst schämen
    und danach noch lange grämen,
    was er da an Unsinn schrieb.

    Hat er sich dann wieder lieb,
    dichtet nüchtern -ohne Lallen-
    er zum großen Wohlgefallen
    seiner Leser fürdahin,
    und nur das macht tiefen Sinn.

    Habe mich wieder mal köstlich über deine gekonnte Persiflage amüsiert, wie du deinen LI-Dichter sich peut á peut abfüllen lässt, glaubend er schreibe nun etwas besonders Geniales, und sei es nur "Die Würgschaft"

    Liebe Grüße
    crux

  11. #11
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    Moin Ibrahim
    Mein Bravo für diese gelungene Satire stelle ich gerne mit dazu. Köstlicher Lesespaß, schön den Schiller hops genommen und prima umgesetzt. Allerschmunzelnd gelesen und lachend geendet.
    Lyr. Grüße
    mechellion

  12. #12
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    Ibrahim du dichter Dichter,gekrümmt und gehüpft bin ich vor Lachen,
    himmlisch,herrlich wun-der-BAR

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