1. #1
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    Wenn der Regen kommt


    Wenn der Regen kommt,
    wird die Luft zu Blei.
    Schwerer Wolkendunst
    zieht rasant herbei.

    Gräser zittern blass,
    neigen sich hinab.
    Wolkenstiefel, nass,
    brechen Halme ab.

    Menschen flüchten rasch
    furchtsam unter Mauern.
    Die Blumen aber blühen
    in orientalischen Schauern.

    In Düften des Regens erzittert
    die Luft in pastellfarbnen Taschen.
    Koriander, Zitronen und Ingwer,
    im Wasser des Himmels gewaschen.

    Die Städte verneigen sich sachte
    zur Erde hin, lehmig verflossen,
    gereinigt vom Menschengestanke.

    Ich habe den Regen genossen.



    [Geändert durch Roderich am 14-08-2005 um 01:05]
    "Man schreibt nicht, was man schreiben möchte, sondern was man zu schreiben fähig ist."
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  2. #2
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    Guten Morgen Roderich!
    Deine Beschreibung des Regens hier erinnert mich an Regen hier in Doha.Ein bis zweimal im Jahr findet das statt,was du hier beschreibst.Du beschreibst es fast so,als haettest du es selbst erlebt.

    Amrei-lyrics
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  3. #3
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    Guten Morgen Amrei,

    zunächst einmal Respekt für deine eifrigen Kritiken, habe schon gesehen, dass du heute am Morgen schon das halbe Forum aufgearbeitet hast. Daran kann man sich ein Beispiel nehmen.

    Du sitzt in Doha? Nicht schlecht, beneidenswert. Aber dann kennst du dich mit orientalischen und arabischen Regenschauern besser aus als ich, denn so weit bin ich in meinem kurzen Leben noch nicht vorgedrungen. Ich habe hier eher an Indien gedacht, an den einsetzenden Monsun. Die Bilder entstanden alle in meiner Fantasie, umso mehr freut es mich, wenn ich damit ein Stück Wirklichkeit einfangen konnte.

    Grüße

    Thomas
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  4. #4
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    Hallo Roderich!
    Ich habe Indien nur im tagelangen Nieselregen erlebt.Dort "riecht" es einigermassen intensiver,aber nicht so schoen nach Blumen,wie du dir das vorstellst,vor allem in der Stadt nicht.
    Die letzte Strophe drueckt am deutlichsten aus,wie es hier in Doha bei Regen ist.Die Strasse ist vor lauter Schlamm oft gar nicht zu sehen sie bewegt sich nur langsam vorwaerts.
    Die Menschen hier vermissen den Regen sehr,deswegen verbinde ich es mit der Verneigung der Stadt.Es ist wie die Erloesung nach langen darben und warten...
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  5. #5
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    Hallo Amrei,

    danke für die Info. Nachdem ich weder Regen in Doha noch Regen in Indien selbst erlebt habe, ist das für mich natürlich interessant zu wissen. Aber eigentlich nicht so wichtig, wir wollen uns ja nicht in geographischen Diskussionen verstricken, denn diese können bei einem Gedicht, denke ich, beiseite gelassen werden. Hauptsache ist, dass das Gedicht gefällt und Emotionen weckt. Wenn das gelingt, bin ich schon rundum zufrieden.

    Aber schön, wie du den Regen in Doha kurz skizzierst, ich kann mir das gut vorstellen.

    Grüße

    Thomas
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  6. #6
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    Hallo Thomas,

    jetzt versucht sich Deine Schülerin einmal an einem Deiner Gedichte. Ich finde es sehr schön, war ich doch in der Lage beim Lesen den herausbrechenden Regen zu spüren, zu riechen und zu atmen. Besonders gut gefällt mir Dein Ende, das Absetzten Deiner letzten Zeile verdeutlicht sehr schön die Stimmung die der Autor beim verfassen des Gedichtes verspürt hat. Deine Worte scheinen mir mit viel Mühe, Geduld und bedacht gewählt zu schein. Einzig das Wort “Mauern” in der dritten Strophe hat mich ein wenig irritiert. Wenn ich das Wort “Mauer” richtig verstanden habe, so ist eine Mauer nur schwerlich in der Lage jemandem Schutz vor einer Gefahr von oben zu geben. Oder sage ich jetzt Unsinn?

    Ganz liebe Grüße

    Aljona

  7. #7
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    Hallo Aljona,

    vielen lieben Dank für dein Feedback. Es freut mich, dass mein Gedicht gefallen konnte.

    Ich kann mich aber nur wiederholen: Ein Lehrer bin ich keinesfalls. Ich bin mir sicher, dass du im Schreiben von Gedichten unendlich mehr Erfahrung hast, wie dein erstes Gedicht hier gezeigt hat. Insofern bin ich es, der mehr von dir lernen kann als umgekehrt.

    Mit den Mauern hast du absolut Recht. Was ich hier gemeint habe, das waren die Mauern der Häuser, die einen schützend umgeben. Allerdings habe ich mich hier nicht klar genug ausgedrückt in meinem Gedicht. Vielen Dank für den Hinweis.

    Liebe Grüße

    Thomas
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  8. #8
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    Hallo Thomas,

    metrisch ist dein Gedicht nicht überall flüssig, aber ich weiß ad hoc da nichts konstruktives zu zu sagen.

    Außerdem ist mir aufgefallen, daß in den ersten beiden Strophen sich die erste und dritte Zeile je noch reimen, in den letzten drei Strophen aber nicht mehr. Das koinzidiert mit dem Wechsel von der Gewalt des Regens zu dem Guten, das er mit sich bringt, aber mir persönlich gefällt es nicht. Die Idee, den Stil zu wechseln finde ich zwar gut und mache das auch selber öfter, aber einfach nur das Reimschema brechen klingt ungewollt.

    Ansonsten mag ich (fast) alle Gedichte über Regen Ich kann mich da nur den anderen anschließen, es ist ein schönes Bild.

    LG, Phona
    Jemand der Drogen kauft unterstützt damit Kriminelle, und das sind gewöhnlich keine netten Menschen und haben das Geld nicht verdient.

  9. #9
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    Hallo Phonona,

    vielen Dank für dein Feedback.

    Gleich einmal zur Metrik: In Strophe 3 habe ich einen (gewollten) Metrikwechsel. Ob der aber so schlau ist, weiß ich nicht.

    Kurze Aufschlüsselung der Metrik:

    Strophen 1 und 2:
    XxXxX

    Strophe 3:
    XxXxX
    XxXxX
    xXxXxXx
    xXxxXxxXx

    Strophen 4 und 5:
    xXxxXxxXx

    Ich wollte bewusst das Tempo herausnehmen, da ab Strophe 3 das vorher eher negativ aufgebaute Bild des Regens in ein positives umgewandelt wird. Aber wie gesagt, ob das gelungen ist, kann ich nicht sagen.

    Zu den Reimen: Es reimen sich immer die 2. und 4. Zeile. In Strophe 1 reimen sich die 1. und die 3. nicht, in Strophe 2 ist mir der Reim mehr oder weniger "hinein gerutscht". Wenn das für Verwirrung sorgt, dann ist das schade.

    Aber schön, dass dir mein Bild grundsätzlich gefallen konnte - das ist doch wohl schon mal ein guter Ansatz, auf dem ich aufbauen kann.

    Grüße

    Thomas
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