1. #1
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    Er kam nach nunmehr dreißig Jahren,
    als Fremder jetzt, in seine Stadt,
    ging an die Stelle des Verbrechens,
    das er als kleiner Junge sah.

    Das Haus der Eltern war nicht mehr,
    es musste einem Parkplatz weichen.
    Dafür das Hochhaus wie ein Mahnmal,
    sarniert, verbarg es ein Versprechen.

    Und wieder, für Sekunden nur,
    wie alte Fotos in schwarzweiß,
    sah er das Fenster und den Mann
    und Vater, wie er Zeitung las.

    Warum er kam und was er wollte
    konnte er nicht in Worte fassen,
    zu tief verschüttet ist der Tag,
    wo er gelernt hat, nicht zu sprechen.

    Lese dazu 1. Gedicht: Niemand sah den kleinen Jungen

    http://www.gedichte.com/showthread.php?threadid=46054
    [Geändert durch Dana am 24-09-2005 um 22:54]

  2. #2
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    Hey Dana!

    Puh, nochmal kalt erwischt.
    Auch dieses Gedicht macht sehr nachdenklich, sogar noch mehr als das erste, weil es zeigt, wie sehr das Verbrechen das Leben des kleinen Jungen beeinflusst hat.

    Wir sollten besser auf "unsere" Kinder aufpassen, damit ihnen sowas erspart bleibt. Und wo wir das nicht können, müssen wir unbedingt vorbeugen, auf jede mögliche Weise - so wie du, indem du wachrüttelst!

    Liebe Grüße,
    traumfänger

  3. #3
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    Wem sagst Du das, traumfänger. Die Gedanken an Kinder und über Kinder haben mich zu diesen Strophen geführt.
    Ich kann es oft nicht ertragen, wenn man sich über "verhaltensgestörte" Kinder aufregt oder seltsame Erwachsene als "Trottel" abtut, ohne nachzudenken, warum sie so sind.
    Dir alles Gute,
    Dana

  4. #4
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    Ja, ich weiss, wovon du redest.
    Ich finde auch diese Erwachsenen unmöglich, die Kinder wie Puppen ohne eigenen Willen, die nichts von dem verstehen, was um sie herum gesteht, behandeln. "Das verstehst du nicht, Schatz, das geht nur die Erwachsenen was an."
    Gerade dabei wird doch übersehen, wie sehr Kinder unter manchen Dingen leiden. Und es führt dazu, dass sie über ein Verbrechen (egal welcher Art) schweigen und diese Angst dann ihr ganzes Leben beeinflusst.

    In diesem Sinne nochmals "Danke!" für beide Gedichte.

    Alles Liebe,
    traumfänger


  5. #5
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    halo traumfänger,
    hast Du es bemerkt? Du hast mich mit Deinem Kommentar zu einer Änderung verleitet. Vielen Dank,
    Dana

  6. #6
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    Hallo Pringles,
    ja, bitte mache es für mich. Für mich ist ein PC immer noch nur eine bessere Schreibmaschine. Vielleicht lerne ich aber dazu - nur nicht jetzt und hier.
    Danke für Dein Verständnis und Deine Hilfe,
    Dana

  7. #7
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  8. #8
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    Ach du je,

    das ist ganz schön harter Lesestoff. Ich finde dein Gedicht richtig gut. Wenn Kinder verlernen zu sprechen, weil sie etwas sehen mussten, was ihr kleines Herz und ihr kindlicher Verstand nicht verkraften konnte und was dazu führte, dass das Schweigen die einzige Möglichkeit ist um nicht drüber sprechen zu müssen.
    Dein gedicht macht mich traurig und nachdenklich, vorallem wenn man bedenkt wie die Gesellschaft darauf reagiert... Mit Ablehnung und Azsgrenzung, derweil ist dieser Mensch doch unschuldig und eigentlich das Opfer.

    Das sich das Gedicht nicht reimt, hat mich gar nicht gestört. Reime unterliegen einen Schema und sind geregelt in ihrem auftreten. Für diesen Menschen ist aber alles mit dem Verbrechen aus den Fugen geraten. daher passt es wieder.

    LG Herrin vom See
    Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.
    Friedrich Nietzsche

  9. #9
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    Hallo Herrin vom See,
    herzlichen Dank für Deine Gedanken zu meinem Gedicht.
    Wie ich schon zu Traumfänger sagte, es ist nicht auszudenken,
    wie viele Schicksale einfach hingenommen werden, belächelt oder gar bestraft, und nie erfährt man, warum es so ist. Das betrifft nicht nur Stumme. Viele können selbst mit Sprache nicht erklären, weil der Grund für ihre Störung zu tief ver- graben ist. Aus Hilflosikeit gehen sie in Verteidigung und verletzen die, die evtl. helfen wollten.
    Alles Liebe,
    Dana

  10. #10
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    Niemand sah ....

    Falls ich jetzt etwas mache, was nicht erlaubt ist, bitte ich um Entschuldiggung, aber es war von Anfang an mein Wunsch, dass Teil I nie ohne Teil II auftaucht.
    Habe nur keine Ahnung, wie man es anders anstellen kann, obwohl mir schon geholfen wurde.
    Also nichts für ungut, nur zum Anschauen, weil es wirklich zusammen gehört.
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

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  11. #11
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    Liebe Dana

    jagte mir der erste Teil schon Schauer über den Rücken, so bin ich jetzt tief ergriffen.

    Was wird dieser Mensch sein Leben lang gelitten haben und noch leiden?

    Mit Gruß und gute Nacht, Katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  12. #12
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    Niemand sah ...

    Hallo supikatzi,
    hab' vielen Dank für Deinen Kommentar. Es ist eine "Freude", wie intensiv Du in die Inhalte der Gedichte einsteigst.
    Lieben Gruß,
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

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  13. #13
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    Hallo Dana

    spät komme ich hier vorbei und bin tief berührt, so wie alle vor mir, von deinem in jeder Hinsicht beeindruckenden Gedicht. Die Schrecken der Kindheit, die auch mir nicht ganz erspart geblieben sind, allerdings ohne schlimmere Folgen, werfen lange böse Schatten in die Zukunft eines jeden, der es erleben musste.

    Einzig die letzte Zeile, wenn ich das sagen darf, machte mich ein wenig stutzig:

    wo er gelernt hat, nicht zu sprechen.

    gelernt
    kommt mir im Kontext wenig stimmig vor, denn es wurde ihm ja aufgezwungen. Daher schlage ich vorsichtig vor: als man ihn zwang, nie mehr zu sprechen

    Das hätte durch "zwang" dann einen härteren impact auf den Leser, finde ich.

    Alles Liebe dir
    crux

  14. #14
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    Niemand sah ...

    Hallo crux,
    danke für's Lesen. Natürlich darfst Du vorschlagen, (auch schlagen, wenn Du totalen Mist bei mir vorfindest). Das musste ich zum richtigen Verständnis zuerst sagen - Dana mault bei Kritiken so gut wie nie , nein sie wägt ab und denkt nach.
    Hier wollte ich mit "gelernt hat" unterstreichen, dass wir zu wenig sehen. Wir bringen Kindern Verhaltensweisen bei (auch harmlosere), die für sie ganz andere, für uns ungeahnte Folgen haben.
    Dazu kommt, ich war anfangs sehr ergiebig. Habe auf jeden Vorschlag hin geändert und mein Denken dabei fast ausgelassen.
    Wenn weitere Stimmen dazu kommen, dann gehe ich in mich.
    Bitte richtig verstehen - ach tust Du sowieso, mein Halbslawe .
    Vielen Dank und lieben Gruß,
    Dana
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  15. #15
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    Immer werte Vollslawin!

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