Thema: Eheprozedur

  1. #1
    Registriert seit
    Mar 2005
    Beiträge
    194
    Grauer noch als deine Hosen
    die dich schon seit Jahren kleiden
    sind die vielen inhaltlosen
    Tage unser Zwecksymbiosen.
    deren Dreck wir nicht vermeiden.
    Täglich putz ich Alltagsschatten,
    klammer mich an meinen Schwamm,
    führe Selbstgesprächsdebatten,
    funktionier wie ein Programm.


    Frustgelahmte Schritten hallen
    trist durch unser Wohnung Flur,
    der Gewohnheit zum Gefallen
    als ein Teil der Prozedur.
    Jeden Tag die gleichen Wege,
    jeden Tag das gleiche Wort,
    immer wirkt es fahl und träge,
    niemals geht der Staub hinfort.
    Wie ein fester Wegparcours
    mit Alltäglichkeitsgravur
    laufen wir an uns vorbei.
    inhaltlos und freudenfrei.


    Möchte mich der Sicht entbehren,
    suche nach Entschuldigungen,
    die mir meine Hoffnung nähren
    und die Zweifel fortbekehren,
    doch sie klingen sehr gezwungen.
    Glaubensferne Geistausreden
    blenden meine Ahnung nicht.
    Ständig stopf ich neue Schäden,
    bis der Nadel Faden bricht.


    Monologe die mich spalten,
    dringen nie in dich hinein.
    Sind wie feine Bügelfalten,
    wahren nur den schönen Schein.
    Ich vertusche deine Fehler,
    bis ich selbst sie nicht mehr seh,
    bin ein guter Trugerzähler,
    Worte sprechen tut nicht weh.
    Lüge schon jahraus jahrein,
    rede mein Bedürfnis klein,
    denn der Arm der mich nachts hält,
    tagerwacht zu Eis zerfällt.


    Pflichtgehauchte Küsse schmieren,
    moderschwer auf meinen Lippen.
    Lebenslust ist am Erfrieren,
    Lachen soll den Frost garnieren.
    Sehnsucht schneidet in die Rippen.
    Ihre Stimme säuselt leise,
    durch der Sinne leerer Raum,
    weint sich nächtens eine Schneise
    und verliert sich ganz im Traum.


    Glückgesuchte Wege führten
    allesamt nicht an das Ziel,
    denn das Feuer, das wir schürten,
    kurz darauf zu Staub zerfiel.
    Täglich kehre ich die Asche
    unser kalten Einsamkeit,
    doch egal wie oft ich wasche,
    grau bleibt unser Tage Kleid.
    Sie entbehren viel zu viel,
    schuld daran das Täuschungsspiel.
    Doch nun leb ich mich heraus,
    was schon tot, ist nun auch aus!



    Füllertintentanz /= Sandra Pulsfort
    Bewege die Schranken,
    die dich beschränken;
    und du wirst beweglicher
    denn je.

  2. #2
    Registriert seit
    Jun 2005
    Ort
    Katar - jetzt wieder in Österreich
    Beiträge
    888
    Dein Gedicht gefaellt mir.Es erzaehlt lebensnah und doch in kunstvoller Sprache.Es ist nachvollziebar,wie es eben in einer abgelebten Ehe so laeuft.
    Es bedarf aller beider Intention das zu aendern.Einer kann ja mal anfangen.....

    ...Tage unser Zwecksymbiosen.
    Deren Dreck wir nicht vermeiden.


    Frustgelahmte Schritte hallen
    trist durch unser Wohnung Flur,




    denn der Arm der mich nachts hält,
    tagerwacht zu Eis zerfällt.

    Ich faende es rhytmisch besser zu schreiben :denn der Arm,der nachts mich haelt....


    Täglich kehre ich die Asche
    uns'rer kalten Einsamkeit,

    Das waren nur kleine Fehlerchen.Sonst alles wirklich gut!
    Amrei-lyrics

    Licht ist Nahrung fuer die Seele

    Sammlung

  3. #3
    Registriert seit
    Jul 2005
    Beiträge
    4.366
    Hy Füllertintentanz,
    Dir ist etwas gelungen, wofür andere einen Roman schreiben müssen oder einen langen Film drehen.
    Gelungen zum totalen Gefallen - stimmt traurig und doch ist
    es so.
    Du hast Worte gefunden oder zusammengesetzt, die alleinstehend
    ganze Geschichten erzählen.
    Ein guts Gedicht, gut erfasst in einer besonders guten Sprache.
    Liebe Grüße,
    Dana

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