1. #1
    Registriert seit
    Jun 2005
    Ort
    Katar - jetzt wieder in Österreich
    Beiträge
    888

    1.Kapitel - Kindheit ohne Vater

    Es war wieder ein schoener Sommer am Land.Es roch nach frischen Stroh und Heu,nach Pferden und es war mein Reich.
    Grossvater pflegte am Wochenende seine Klaviermuse,seine Pferde und sein GartenIdyll.
    Ich pflegte in meiner Phantasie internationale Kontakte.
    Ich vokalisierte Englisch,Franzoesisch und Italienisch,als wuerde ich diese Sprachen fliessend beherrschen und komunizierte so mit den mir ausgedachten Personen.Nur der,der diese Sprachen wirklich sprechen konnte haette den Unterschied zu den Phantasievokabeln bemerkt.
    Mein Dreiradler war einmal ein Cadillac,oder ein Chevrolet,auch ab und zu ein RollsRoyes.
    Cadillac gefiel mir am besten,denn ich wusste von meiner Mutter Erzaehlungen,dass mein Vater ein solches Auto – einen solchen Schlitten furht,als er sie von der Akademie in Wien abholte.Sie erzaehlte mir auch,wie stolz sie darauf war solch einen Mann kennengelernt zu haben.Doch leider es gab viel Unglueck in ihrem Leben.Es wurde durch den Lauf der Zeit alles anders,als gewuenscht.Es wurde anders als von guter Leute Haus erwartet.

    Ich war sehr beschaeftigt.ich war da,unweigerlich spuerbar fuer alle.Ich war das einzige kleine Maedchen im Haus und wurde fuer vieles beachtet und bewundert.
    Es war mir wichtig diese Beachtung zu bekommen.Ich sah es als Selbstverstaendlichkeit hier zu sein,am Leben zu sein,und dort zu sein,wo ich eben gerade mein Ich, meine Kunst aus mir fliessen lassen konnte.
    Meine Tante war sehr intensiv um mich herum.Ich bewunderte sie.Ihr starkes selbstbewusstes lustig und positives Auftreten versetzte mich in stilles Staunen.Ich hatte viel Respekt vor ihren kuenstlerischen Arbeiten,denen ich im Schaffensprozess oft beiwohnte.
    Meine Grossmutter erlebte ich,wie meine zweite Mutter,doch sie war anders als meine Mutter.Sie war resolut und stark durch den Alltag schreitend.Sie war kompetent und verantwortlich.Sie konnte in ihren Aufgaben kaum aufgeben,obwohl sie im Laufe der Jahre nach und nach von der Krankheit niedergezwungen wurde.Solange sie ihren Platz kannte,war sie stark und ueberzeugend.Sie dachte einfach gerade und praktisch.Spielereien,ohne Wert,nur als Verfuehrung zum Abweichen vom Guten brachte in ihr Ungeduld auf.
    Sie war bereit auf die Menschen zuzugehen und ihren Standpunkt zu vertreten,ohne Kompromisse.
    Jetzt weiss ich,dass ihr Leben viele Kompromisse abverlangte,doch fuer meine Kinderaugen glaenzte alles.
    Meine Mutter war immer vorhanden,obwohl ich mich nicht erinnern kann sie als Zentrum meiner Kindheit zu empfinden.Sie war fuer mich eine koerperliche Selbstverstaendlichkeit in der Erziehung zu Sauberkeit und Ordnung.
    Ordnung war fuer mich meist unbewaeltigbar.Mein Schaffensdrang und meine ausgelebte Phantasie machte es mir fast unmoeglich die von mir verlangte allgemein gueltige Ordung meines Zimmers,aufrechtzuerhalten.Da trat dann meine Mutter ins Spiel.Die Ermahnungen,die zur Ordnung aufrufen sollten und dann die Hilfe Ordnung zu schaffen.
    Stundenlang war ich in meiner Phantasie verloren,wenn ich mit meinen Puppen spielte.Natascha,Katharina,Luisi....das waren Holzkopfpuppen mit Strohgefuellten Koerpern,die von meiner Tante und meinem Grossvater als Weihnachtsgeschenk hergestellt wurden.Sie hatten einfache,aber sorgsam hergestellte Kleider,romantisch,wie im 19.Jahrhundert,und aufgemalte Gesichter,dessen Besonderheiten ich mich bis heute erinnern kann.Der typische kunstvolle Strich aus der Kuenstlerhand meiner Tante.Spaeter bekam ich auch Plastikpuppen,die ich aber so umformen und gestalten wollte,wie es meiner Phantasie entsprach:Haare schneiden,schminken,doch leider mit Kugelschreiber,der nie mehr zu entfernen war und die Haare wuchsen auch nicht mehr nach.Doch ich kuemmerte mich wohl um sie alle.Ihre Waesche waschen,das Puppenhaus gestalten und mit Puppengeschirr hantieren,um Essen bereit zu halten – mit Erde gefuellt,mit Blaetter und alles,was nahrungsaehnlich und essbar anmutete.

    Wir hatten viele Dinge im Haus,einem richtigen Kuenstlerhaus,die fuer mich Spielzeug waren,die meine Phantasie zum Leben-spielen anregte.
    Meine Tante unterstuetzte diese Gedanken und gab noch ihre Ideen dazu,die mich lustig und selbstbewusst in meiner eigenen Gedankenwelt schaffen liessen.
    Ein Vogelkaefig,der sehr filigran,doch so mindestens einen Meter hoch und breit war, wird mir immer in Erinnerung bleiben.Oft hat meine Familie versucht ihn zu reparieren und so zu sagen auf Hochglanz zu bringen.er stand oft im Sommer im Hof und gab der Umgebung einen aeusserst romantischen stilvollen Eindruck.Meine Tante hatte auch eine zeitlang indische Reisvoegel darin eingesperrt,doch die sind sehr empfindlich und nach und nach wurden sie nach ein,zwei Jahren immer weniger.
    (Fortzetzung des ersten Kapitels folgt)
    [Geändert durch Amrei-lyrics am 18-08-2005 um 10:53]
    Licht ist Nahrung fuer die Seele

    Sammlung

  2. #2
    Registriert seit
    Jun 2005
    Ort
    Katar - jetzt wieder in Österreich
    Beiträge
    888
    Fortsetzung des ersten Kapitels

    Die Zeit auf dem Gutshof meiner Grosseltern wurde kuehler.Die Erntezeit der Feldern war beendet,fuer den Winter alles vorbereitet.Es begann wieder Herbst.
    Auch die Ferien meiner Tante gingen dem Ende zu.Sie musste im September wieder jeden Tag morgens nach Wien in die Akademie fahren,unterrichten.Mein Grossvater musste wieder ins Architekturbuero Plaene zeichnen.Haeuser bauen – auf Planpapier.
    Meine Mutter entschied auch in unsere wiener Wohnung zu ziehen,um mich in den Kindergarten und spaeter in die Schule schicken zu koennen .
    So war mein Leben auf dem Lande wieder unterbrochen.,fuer mich fuer unbestimmte Zeit.
    Ich besuchte meine Tante in der Akademie in den Klassen,wie Atelies und wenn das Wochenende nahte,holten wir gemeinsam meinen Grossvater vom Architekturatelie ab,und ich fuhr fuer ein,zwei Tage wieder mit aufs Land.
    Die Zeit in der Stadt erlebte ich dunkler ,ruhiger und einsamer.
    Der Besuch des Kindergartens waehrte nicht lange,denn ich weigerte mich von Gleichaltrigen angesprochen,herausgefordert und eingeordnet zu werden.Andere Kinder loesten in mir eine Art unerklaerliche Angst aus.Auch,wenn ich mich unterhalten konnte und mit ihnen spielen fuehlte ich mich fremd.Es gab andere,die in der Auswahl vor mir drankamen,oder bemerkt wurden,das schuechterte mich ein.Es gab auch Buben dort,die mit ungestuemen Spielen Konfrontation suchten und genau das wars,warum ich in diesen Kindergarten keinen Schritt mehr setzen wollte.
    Ich begann langsam unbewusst festzustellen,dass meine Mutter und ich ja alleine waren.Andere Kinder hatten einen Vater,der sie abholte.Es wurde auch im Kindergarten oft von Eltern – sprich Vater und Mutter gesprochen.Ich war irritiert,ich beobachtete um spaeter meine Mutter zu fragen,was da bei mir anders ist.
    Sie sagte er sei in Amerika,weit weg.Das sollte fuers erste genuegen.Doch innerlich arbeitete mein Fragen unbewusst weiter.

    Meine Mutter renovierte die Wohnung selbst,Sie malte Hinterglasbilder ,Schusscheiben und restaurierte Ikonen und alte Oelbilder um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.Sie war immer beschaeftigt mit Haushalt und um alles so ordentlich wie moeglich zu halten.
    Eines schoenen Sommertags in der Stadt,bemerkte ich beim offenen Fenster unserer grossen Altbauwohnung einen Marienkaefer.Ich liess ihn auf meine Hand krabbeln und zeigte ihn meiner Mutter.Ich fuehlte mich wohl.Ein Stueck Natur vom Land war zu mir gekommen.Meine Mutter beobachtete mich und sagte dann:"Du kannst ihm sagen,was du dir wuenscht.Er bringt dann diese Botschaft zum lieben Gott und es wird vielleicht in Erfuellung gehen.Lass ihn dann fliegen.."
    Schnell durchstreifte ich meine Gedanken nach den wichtigsten Wuenschen,die ich hatte,nach einer Weile sagte ich:"Ich wuensche mir eine Schwester."
    So.Nun blas auf den Kaefer und lass ihn fliegen.." antwortete sie.So tat ich und er flog weg.
    Ein paar Monate spaeter,kam mein kleiner Bruder auf die Welt.Ich hatte mir das anders vorgestellt.Er war ja noch viel zu klein,um mit ihm etwas anfangen zu koennen und eine Schwester war's auch nicht.Trotzdem war ich positiv ueberrascht und in meinen Gedanken bestaerkt,denn der liebe Gott hat mir einen Wunsch erfuellt,wenn auch nicht ganz nach meinem Programm,doch das wurde mit der Zeit unwichtiger.

    Es wurde wieder September.Der erste Schultag war irgendwie graesslich und aufregend zugleich.Ich sah alle anderen mit Schultueten vor der Schule mit den Eltern herumstehen und reden.
    Ich fragte meine Mutter wozu die anderen solche spitzen Tueten halten und was es da fuer Aufregung gibt.Sie sagte nur,dass die anderen das eben so machen und ging mit mir recht schnell nach Hause.
    Jeden Tag brachte sie mich dann am Morgen in die Schule und holte mich mittags wieder ab.
    In einer gewissen Weise,war ich stolz in der Schule zu sein.
    Es wurde das Alphabet gelernt.Das konnte ich ja schon.Das war ein Leichtes fuer mich.Wir sollten Zeichnen,Basteln und Handarbeiten,Rechnen lernen.Nach und nach lernten wir auch Aufsaetze schreiben und nacherzaehlen.Immer wieder wurde in der Klasse von den Eltern gesprochen.Wie heisst die Mutter,wie heisst der Vater.Welchen Beruf hat der Vater,was isst er am liebsten,spielt er mit euch,habt ihr Geschwister...?
    Hier blieb ich dann stumm.Mein Grossvater lernte mir Klavierspielen,meine Mutter lernte mir Stricken und Haekeln,Meine Tante spielte mit mir,doch ich hatte auf vieles keine Antwort,einfach Leere.Auch erkannte ich schnell,dass bei mir alles irgendwie anders laeuft als bei allen anderen Kindern.Doch ich nahm es als Besonderheit hin.
    Es kamen Tage,die fuer mich eine grosse Herausforderung bedeuteten,Ich musste vor der Klasse laut reden.Ich musste laut vorlesen.Welch ein Irrsinn.Ich wusste ueber die Spaesse der anderen Kinder bescheid.Ich wusste,wie sie sich gegenseitig auslachten und welche Gedanken hinter ihrer Lustigkeit verborgen waren.Grausame Kinder.
    Ich brachte keinen Ton ueber die LippenDer Hals war abgeschnuert,ich bebte.
    Die freundlichen Aufforderungen der Lehrerin halfen nicht.Es wurde schlimmer.Ich stotterte
    Die Reaktion der anderen Kinder war moerderisch.
    Ich rollte mich innerlich ein und konnte keinen Gedanken fassen.Ich war angeprangert..Ich war oeffentlich zur Schau gestellt.Auch die Ermahnungen der Lehrerin aenderte nichts an meinem Inneren,denn ich wusste die Gedanken der Kinder waren trotzdem vorhanden,auch wenn die Lehrerin ihnen verbot zu lachen.
    Dies wiederholte sich und die Lehrerin musste sich mit meiner Mutter unterhalten,um zu klaeren,was eigentlich mit mir los sei.Man verordnete mir einen linqistischen Kurs fuer sprachlich gestoerte Kinder.Schnell bemerkte man,dass das nichts half .Ich war nicht "sprachlich gestoert".ich konnte reden,wie ein Wasserfall,ich konnte alles aussprechen,ohne Fehler und wurde als besonders intelligent eingestuft.
    So entschied man mir Ausnahmen zu gestatten,vielleicht lege sich das Problem ja von ganz alleine.Ich durfte Pruefungen und Tests schriftlich ablegen und wurde von oeffentlichen Redeveranstaltungen und Pruefungen befreit.
    Obwohl ich am Religionsunterricht nicht teilnehmen sollte,da ich auf Papier keiner Religion angehoerte,wollte ich freiwillig teilnehmen und arbeitete interessiert mit.Ich stellte auch Fragen zum Thema,die ich trotz stottern halbwegs normal ueber die Lippen brachte.
    Die Zeugnisse fiehlen recht gut aus.Es war alles so ja in Ordnung.Ich konnte meinen besonderen Platz in meiner Umwelt behalten.ich durfte Ausnahmen in Anspruch nehmen.
    Es war ja alles halb so schlimm.
    In meiner freien Zeit zeichnete ich viel. Ich konnte mich meinen Phantasiespielen, Gespraechen und Gedanken ganz hingeben und jedes Lob machte mich gluecklich und stark.
    Licht ist Nahrung fuer die Seele

    Sammlung

  3. #3
    Registriert seit
    Jul 2005
    Ort
    Hannover
    Beiträge
    485
    hallo amrei,
    tja, was soll ich dazu sagen? fertig ist es ja noch lange nicht, zu der geschichte selber KANN ich also noch nichts sagen. das lesen hat aber zum ende hin angefangen, spaß zu machen. soll das ein roman werden? am anfang schreibst du viel zu gekünstelt, mit ausgewählten fremdwörtern usw., das passt nicht in einen roman und stört den lesefluss. schreib doch einfach locker, was du uns mitteilen willst

    was mir aufgefallen ist, sind die vielen sprachlichen fehler. rechtschreib fehler sind zu verstehen, beim schreiben, aber du hast doch oftmals grammatische und sprachliche fehler gemacht. das solltest du auf jeden fall nochmal überarbeiten. du hast teilweise sätze geschrieben, die mich zum lächeln brachten, da man schon merkt, dass du keine professionelle schriftstellerin bist
    aber alles in allem bin ich sehr positiv überrascht.
    hört sich vielversprechend an. ich möchte mehr davon!!!
    wo bleibt die fortsetzung?
    dancefloor
    Ich freue mich über eine Kritik:
    Die Gedanken sind frei , Geheimnisse der Liebe, Gitterstäbe , Nacht der Menschheit , Zweifel ,

    Schwarze Engel , Vergängliches Glück
    (unter Liebe und Romantik)

    Winternacht eines Waldes , Herbst (unter Natur)

    Eine Definition der Leidenschaft (unter Kurzgeschichten)

    Wer bin ich? , Der Mord (unter Philosophischem)

  4. #4
    Registriert seit
    Jun 2005
    Ort
    Katar - jetzt wieder in Österreich
    Beiträge
    888
    Guten Abend!
    Danke,dass du es gelesen und komentiert hast.
    Ich habe einfach die Erinnerungen und Gedanken aufgeschrieben,ohne allzu tief die Grammatik zu bearbeiten.
    Ich selbst lese es wahrscheinlich anders,als es nicht beteiligte lesen,deswegen fallen mir die Fehler nicht wirklich auf.Es waere schoen,wenn du mir die Stellen mit Fehlern irgendwie aufzeigen wuerdest,denn das wuerde es fuer mich leichter sein,es zu verbessern,denn du hast ja sicherlich mehr Abstand dazu.
    Nun moechte ich schon ein Stueck des zweiten Kapitels folgen lassen:


    Zweites Kapitel

    DAS ERWACHEN,oder die Suche nach dem Bild des Vaters


    Langsam begann ich aufzuwachen.Ich erkannte,was um mich herum passierte.Ich versuchte Begruendungen zu finden und zu verstehen.
    Der Vater meines Bruders hatte auch einen anderen Weg gewaehlt,als zu erwarten gewesen waere.Ich war eigentlich froh darueber,doch musste ich sehen,Tag fuer Tag staerker,dass meine Mutter nicht froh war.
    Eine weitere Enttaeuschung brach ueber sie herein,und ohne,dass sie es wollte fuehlte ich ihren Schmerz mit.
    Diese Art des Schmerzes,war nicht einfach nur Liebeskummer,oder Ehescheidung.
    Sie lebte es als ein sich selbst durch und durch in Frage stellen.
    Unweigerlich musste ich die Traenen sehen und die Enttaeuschung in ihrem Herzen.
    Immer oefter begann ich diese Situationen in mir selbst zu hinterfragen und zu vergleichen.
    Doch mir fehlten diese wichtigen kleinen Dinge des Lebens,um Vergleiche mit meinem Vater anzustellen.Es gab kein Bild,keine Handschrift,kein Geruch von ihm.
    Es gab ein Schreiben von der Botschaft in Ottawa,dass es ihnen nicht moeglich sei diese Person – meinen Vater - ausfindig zu machen.
    Es wuerde mit hohen finanziellen Ausgben zu rechnen sein,wenn man intensiver und zielfuehrend die Suche nach ihm fortsetzen wuerde.Wenn er sich nicht selbst auf diese Anfrage hin melden wuerde.....,denn es gibt keine Vertraege mit Oesterreich und Canada".........dann haette man halt Pech gehabt?
    Es war fuer mich unverstaendlich.
    Wieso gibt es niemanden anderen,ausser meiner Mutter,die von ihm erzaehlen koennte,oder ein Photo von ihm haette?
    Eine Schulkolegin meiner Mutter bekam manchmal Opernkarten,oder Theaterkarten fuer besondere Urauffuehrungen von ihm zugesandt.Wieso hat sie eine Kontaktmoeglichkeit und ich nicht? Warum erzaehlte sie nichts von ihm?
    Eines Tages hoerte ich sie sagen,dass er keine Karten mehr geschickt hat und gar nichts mehr wissen will.Er habe keine Zeit mehr....
    Ich war irgendwie irritiert und konnte auch eigentlich mit niemanden,ausser mit meiner Familie darueber sprechen.Ich war veraergert,boese,wuetend.Warum konnte das nicht anders sein?
    In Zeiten,wenn ich allzu intensiv meine Mutter bedraengte,mir mehr und mehr Informationen ueber ihn zu geben und sie auch keine Antworten mehr wusste,sagte sie :"Schau dich in den Spiegel,dann schaust du ihn an,"
    Das begann fuer mich,wie ein Schluesselsatz fuer die kuenftigen Jahre zu werden.
    Ich suchte ihn durch mich selbst.
    Ich suchte mich selbst um ihn zu finden.

    Es begannen schoene Zeiten.Ein Freund der Familie kuemmerte sich wieder um meine Mutter.
    Er war es,der meiner Mutter,als sie mit mir schwanger war und nach Amerika auswandern wollte,doch bitter enttaeuscht wurde, nach Oesterreich zurueckholte.
    Ploetzlich,nach all den Trauerstunden mit meiner Mutter,den Schmerzenstagen des zerstoerten Vertrauens,kam ein Anruf.
    Seit langem sah ich meine Mutter wieder entspannt laecheln und zu all der Freude waren mein Bruder und ich in diese Freude miteinbezogen.
    Wir sollten in Italien alle gemeinsam Urlaub machen,ganze zwei Monate lang bis die Schule wieder anfing.
    Das war es ,was ich mir vorstellte.So wuenschte ich mir meine Familie.Gute Zeiten miteinander verbringen,teilhaben zu duerfen...

    In dem Ort,wo wir waren,gab es erst wenige Hotels.Wir lebten in einem Appartment direkt am Strand.Es gab Panini,Mozarella,unvergleichlich wunderbares Eis,Nudel in allen Variationen,Pfirsiche groesser wie Tennisbaelle,und vieles mehr,was Suesse und Freude in den Alltag brachte.
    Unser alter Freund kam oft und kochte,oder lud uns zum Essen ein.
    Unweigerlich lernte ich schnell Italienisch,denn ich war stolz so sprechen zu koennen,wie diese freundlichen,sonnigen Leute dort.Ich fuehlte mich warm aufgenommen zu Hause.

    Die nachdenkliche Zeit im Herbst und Winter war weniger drueckend.Da gab es die Freude auf Weihnachten,die Zeit bei meinen Grosseltern und meiner Tante am Hof auf dem Land und im Sommer das volle Wasser-Wellen-Sand-Strand Erlebnis in Italien.Doch jedesmal Ende August kam auch die Trauer und die Enttaeuschung.Ich musste mich immer wieder von meinen Freunden in Italien trennen.Ich wusste nicht,ob ich sie im naechsten Jahr wiedersehen wuerde.Ich war verliebt in die wichtigsten und schoensten Burschen meines Freundeskreises. Doch denke ich heute,haben sie mich ein wenig belaechelt,denn ich war ja mit meinen acht bis zehn Jahren wirklich viel zu jung fuer irgendeine Art von Verliebtsein.

    Nun musste auch einmal wieder die ernste Zeit beginnen.Schulzeit.
    Meine Mutter hatte nun ein Auto.und auf Anraten des alten Freundes sollten wir doch lieber wieder aufs Land ziehen,zu meinen Grosseltern.Die alte Tante meiner Grossmutter starb an einem Oberschenkelbruch im Spital.Sie war auf einem Zwetschkenkern ausgerutscht,den sie am Vortag selbst mit anderen Obstresten vor die Tuer in den Hof geworfen hatte.

    Nun begann das Ausbauen des Dachbodens und das Umbauen der ebenerdigen Wohnmoeglichkeiten.Das alte Haus erstrahlte mit all den neuen Fenstern,Giebeln und weissen Waenden.Licht war eingezogen.Eine freudige Zeit.

    Ich wurde in eine andere Schule geschickt.Fuenfzehn Kilometer von unserem Ort entfernt.
    Viele neue Leute,viele neue Gesichter und all die neuen Lebensumstaende verdraengten mein immerwaehrendes Suchen nach meinem inneren Bild meines Vaters.
    Ich war sogar schon so vertrauensseelig geworden und glaubte unser alter Freund koennte fuer mich Vater sein.Ich fragte ihn ganz unvoreingenommen,ob er nicht mein Vater sein wolle,denn ich mag ihn und meine Mutter mag ihn auch.Er zoegerte und versuchte mir zu erklaeren,dass das ja aber nicht wirklich so ist und er ja eigentlich......doch meine Euphorie und mein Draengen liess gar keine Erklaerungen,oder Ablehnungen zu.
    Er meinte er koenne das schon,wenn er da ist,doch kann er nicht immer da sein.....
    Ohne viel weiter zuzuhoeren war ich uebergluecklich.Ich habe einen Vater gefunden.Jetzt kann ich allen erzaehlen,dass ich auch einen Vater habe und dass er Italiener ist und tolle Autos faehrt und Geld genug fuer Urlaub haette und um uns ein schoenes zu Hause zu geben......und mich von der Schule abholen ,damit alle es sehen koennten.......
    Ich war voller Kraft – intensiv,zum platzen gluecklich.
    Dieser Tag ging fuer mich wie in einem Rausch vorbei.Beseelt von den ganzen Wuenschen und Zukunftstraeumen schlief ich am fruehen Abend ein.Es gab nichts mehr zu versaeumen,ich fuehlte mich wohlgebettet.
    Ich hoerte nicht,und spuerte nicht welcher Sturm durch das Haus fegte,waehrend ich schlief.
    Ich wurde geweckt von meiner Tante,die mir sagte,dass der alte Freund jetzt weg ist.Er ist einfach weggefahren und wird nicht mehr wieder kommen,denn meine Mutter und er hatten verschiedene Vorstellungen,wie es weiter gehen sollte.
    Ich war geschockt.Mein glaesernes, inneres Freudengeruest brach mit grossen Schluchzen in sich zusammen.Ich konnte es nicht begreifen,so betrogen zu werden.Ich richtete allen meine Enttaeuschung gegen meine Mutter.Sie war Schuld,denn sie hat ihn gehen lassen.
    Alle in der Familie ausser mein Grossvater redeten mit und meine Grossmutter hatte oft sehr undiplomatische Reaktionen.Was ihr nicht passte sagte sie frei heraus.Das war fuer einen selbstbewussten reifen Mann,der als Goenner sich gewissen Respekt erwirtschaftet hat zu viel.

    Es begann der offene Krieg mit meiner Mutter.Es begann eine immer staerker werdende Auflehnung gegen jegliche Art von Erziehung dieser Leute,die sich meine Familie nannten.
    Das Vertrauen war am Boden zerstoert.
    Ich entschied, ich werde meine Entscheidungen selbst treffen.ich lasse nichts und niemanden zwischen mich und meine geliebten Personen treten.Ich muss fuer meine Liebe,fuer mein Ego und meine Traeume selbst kaempfen.
    Also,wenn ich mich in den Spiegel sehe und meinen Vater sehen kann,dann muss ich einfach diese Kraft tun lassen.Mein Vater soll angeblich ein beruehmter Mann gewesen sein.Er sollte Marilyn Monroe gekannt haben und alle anderen Filmgroessen der damaligen Zeit,also muss ich auch bekannt werden koennen,vielleicht sogar beruehmt.
    Mir war der Unterschied von "beruehmt" und "beruechtigt" noch nicht so klar,daher hatte ich eine aeusserst naive Vorstellung von allen Moeglichkeiten,die ich in Erwaegung zog.

    Die neue Schule war zu Beginn gut zu bewaeltigen.Trotz meines Stotterns konnte ich mich durchsetzen und fand auch neue Bekanntschaften.
    Solange der Unterrichtsstoff interessant war,so wie Zeichnen,Deutsch,Religion,Musik oder Englisch konnte ich leicht folgen .
    Es kamen aber Zeiten,in denen sich meine seelische Anspannung so intensiv ueber mich stuelpte,dass ich meist gedankenabwesend dem Unterricht beiwohnte,ohne nur ein wenig verstanden zu haben.
    Mein innerer Krieg,meine inneren Turbulenzen steigerten sich.Ich hatte oft tagelang kein Wort ohne stottern herausgebracht,so blieb ich eher ruhig,und nur als Beobachter dabei.
    Ich wollte die Leute ansprechen und beachtet werden.
    Doch oft wurde ich auf die Beachtung,die ich bekam nur dann aufmerksam,wenn ich reden sollte.
    Reden war also nicht moeglich,dass hiesst ich musste schreiben.
    Tiefer und tiefer zog ich mich in mich zurueck und verbrachte stundenlang alleine schreibend und zeichnend.
    Gespraeche mit meiner Mutter verliefen meist gespannt und unwillig.
    Meine Tante versuchte mich aufzumuntern und lud mich ins Restaurant ein,oder zu einem anderen kleinen Ausflug ins Burgenland.
    Doch auch diese Ereignisse verminderten sich.

    Ich wollte alleine denken und entscheiden.Ich kannte einen jungen Mann,ich war unsterblich verliebt.Er war Maler.Faszinierend fuer mich.Doch all die Jahre,die ich ihn kannte,war es mir unmoeglich mit ihm ueber mich selbst und mein Empfinden zu sprechen.Ich war einfach nur still immer wieder da.Berechenbar und ausdauernd.Ich war so gehemmt und angespannt,dass ich in seiner Gegenward kein Wort ueber die Lippen brachte.Die Scham er koennte mich Stottern hoeren,war wie ein Seil um meinen Hals geschnuert.

    Lehrer erkannten nun langsam auch,meine Seelenlage."Sie ist ja sehr intelligent,aber sie muesste viel mehr lernen,oder besser bei der Sache sein..." erklaerten sie meiner Mutter.
    Wir gingen zum Therapeuten,zum Psychiater zur Wahrsagerin und Neurologen,doch eigentlich aenderte sich nichts an meinem Zustand.
    Ich hatte einfach eine Mauer gebaut,die alle diejenigen spueren sollten,die ich fuer schuldig hielt.
    Diese Mauer wurde aber langsam zu einem Gefaengnis fuer mich selbst.
    Ich bekam von den Lehrern und von meiner Familie jede Unterstuetzung,doch ich hatte Angst einfach diese Mauer zu durchbrechen.
    Ich schrieb fast jeden Tag.Alles was mir einfiel,schrieb ich auf.
    Ich wollte Musik lernen,singen,tanzen,fuer das Drama meines Lebens.
    Ich wollte Bilder malen,um meine Liebe zu der Schoepfung kundzutun.
    Ich wollte Schreiben,um zu klaeren und zu kritisieren.Ich wollte schreiben,was ich nicht sagen,nicht vortragen konnte.
    Mit der gleichen Intensitaet suchte ich auch nach Anerkennung,meiner Kreativitaet.

    "Dein Leben mit Kuenstlern und unausgegorenen Jugendlichen kann nicht so weitergehen.Du hast schlechten Umgang.Du kommst aus besserem Haus.Wir haben Angst um dich ........"

    Ich konnte es nicht mehr hoeren.
    "Ihr habt mir meinen Vater verweigert,ihr habt kein Photo von ihm aufgehoben! Seid ihr denn besser.....tretet mal fuer eure Rechte selber ein und habt nicht dauernd Angst um etwas,oder jemanden.!"
    So schlug die Tuer ins Schloss und ich war wieder auf dem Weg ins naechste Abenteuer.Autostop in die naechste Stadt.Freundin treffen.Mit Leuten sprechen.Musik hoeren in der Natur herumsitzen und warten auf die Autobusse,oder auf die Reife in der Erkenntnis einer rebellierenden Jugendlichen.
    (Fortsetzung folgt)
    Licht ist Nahrung fuer die Seele

    Sammlung

  5. #5
    Registriert seit
    Jul 2005
    Ort
    Hannover
    Beiträge
    485
    hallo amrei,
    in diesem kapitel ist es mit den rechtschreibfehlern viel besser geworden. ich habe nicht wirklich lust, dir die ganzen anderen aus dem 1. kapitel aufzuschreiben, das wäre so viel arbeit :-/ ist das ok? in diesem ist es ja besser geworden.
    mir gefällt dieses kapitel auch vom inhalt besser als vorige. es macht spaß zu lesen. vielleicht solltest du einen roman schreiben?
    du schreibst jetzt auch nicht mehr so gekünstelt, sondern normal, sachlich. du hattest es zuvor zu sehr ausgeschmückt.
    so, ich warte auf mehr
    liebe grüße
    dancefloor
    Ich freue mich über eine Kritik:
    Die Gedanken sind frei , Geheimnisse der Liebe, Gitterstäbe , Nacht der Menschheit , Zweifel ,

    Schwarze Engel , Vergängliches Glück
    (unter Liebe und Romantik)

    Winternacht eines Waldes , Herbst (unter Natur)

    Eine Definition der Leidenschaft (unter Kurzgeschichten)

    Wer bin ich? , Der Mord (unter Philosophischem)

  6. #6
    Registriert seit
    Jun 2005
    Ort
    Katar - jetzt wieder in Österreich
    Beiträge
    888
    Hallo Dancefloor!
    Ich hatte bis jetzt nur deswegen noch nicht auf Deine Kritik geantwortet,weil ich zur Zeit mit meinen Gedanken und Aktionen ganz in aktuellen Familienangelegenheiten eingepackt bin.Ich musste viele wichtige Entscheidungen treffen und hatte kaum Zeit mich um das Forum und um die "Schriftstellerei"zu kuemmern.Ich kann auch erst dann diese Geschichte weiterschreiben,wenn ich mit all den Sachen zu Hause endlich klar gekommen bin.
    Bitte hab/habt noch etwas Geduld.Sicherlich werde ich bald wieder neue/sinnvolle/interessante? - Beitraege verfassen.
    Entschuldige bitte,ich habe meinen Kopf zur Zeit voll mit amtlichen und Real-Leben-Angelegenheiten...
    Ich danke Dir auf alle Faelle fuer dein Lesen und Deine Kommentare - Gruesse - bis bald
    Amrei-lyrics
    Licht ist Nahrung fuer die Seele

    Sammlung

  7. #7
    Registriert seit
    Jul 2005
    Ort
    Hannover
    Beiträge
    485
    hallo amrei,
    natürlich kann man nicht erwarten, dass du mit leib und seele hier reinschreibst, es gibt wichtigere sachen im leben!
    also, ich schaue hier mal ab und zu vorbei und sehe nach, ob du weiter geschrieben hast. die kritik werde ich dir nicht schuldig bleiben =)
    lieber gruß
    dancefloor
    Ich freue mich über eine Kritik:
    Die Gedanken sind frei , Geheimnisse der Liebe, Gitterstäbe , Nacht der Menschheit , Zweifel ,

    Schwarze Engel , Vergängliches Glück
    (unter Liebe und Romantik)

    Winternacht eines Waldes , Herbst (unter Natur)

    Eine Definition der Leidenschaft (unter Kurzgeschichten)

    Wer bin ich? , Der Mord (unter Philosophischem)

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Kindheit
    Von BERTI im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 10.11.2018, 14:52
  2. Vater, ohne dich
    Von Honigblume im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 12
    Letzter Beitrag: 13.04.2016, 12:11
  3. Ohne Vater sein
    Von Dr. Karg im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 10.06.2011, 21:08
  4. Ohne Titel, ohne Reim, ohne Plan...Hilfe erbeten
    Von Lailany im Forum Arbeitszimmer - Die Gedichte-Werkstatt
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 09.09.2006, 03:37
  5. Ohne Titel, für Vater, denke ich.
    Von Kondwiramur im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 27.03.2004, 18:21

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden