Thema: Was bleibt

  1. #1
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    Was bleibt

    ::im Hier::
    Verlassene Borsten: ausgefranst im Glas
    ein Loch - an dem ihr Clownbild hing
    im Altpapier: ein Heft, in dem sie las
    die Tür - aus der sie schliesslich ging

    ::in mir::
    Abgesiebte, grobgekieste Schwere
    gramgetünchter, tagverdorrter Tang
    nachtgetrübte, quälendstille Leere
    willenloser, umgedroschner Drang

    Ich.
    Geändert von Andvari (08.07.2008 um 16:45 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Andvari.

    Ich habe deine Gedicht gelesen und finde es sehr erfrischend. Ein interessanter Aufbau mit den Trennungen der Realität und was im Inneren vorgeht. Die zweite Strophe gefällt mir besonders gut , da sie deine Verzweiflung gut widergibt und vor allem setzt du nochmal ein Zeichen mit Ende. Nur eine Frage hab ich : Warum ein Clownsbild? Würde mich über Aufklärung freuen, liebe Grüße

  3. #3
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    Hallo Andvari,


    da musste ich gleich beim ersten Lesen mit dem lyr. Ich schlucken. Nicht nur wegen des wirklich tristen, Leere vermittelnden Bildes der Verlassenheit. Auch, weil Du mich immer wieder stolpern lässt. Ich erkläre mir selbst, wie das kommt:


    xX A ("hier" bitte "Hier"! Es ist ein Substantiv.)
    xXxxXx|XxXxX 11 B
    xX|xXxXxX 8 C
    xXxX|xXxXxX 10 B (Komma nach Heft)
    xX|xXxXxX 8 C

    xX A
    XxXx(|)XxXxXx 10 E Kann mit den Zaesuren in Klammern gelesen werden, muss aber nicht, da Du das unauffälligere Komma einsetzt.
    XxXx(|)XxXxX 9 E
    XxXx(|)XxXxXx 10 D
    XxXx(|)XxXxX 9 E

    Xx kR

    Deine Zweisilber, die Du nicht nur reflektierend einsetzt, sind ein Grund, der das Ganze so eindringlich zu lesen macht. Sie wollen den Rhythmus brechen, was der Inhalt klar begründet. Die empfundenen und gesehenen Zaesuren in der ersten Strophe, zumal nicht ganz gleichmäßig gesetzt, sorgen ebenfalls für einen sehr langsamen Leserhythmus, da Du hiermit Aufmerksamkeit und Pausen einbaust. Allerdings stört mich doch der Rumpler nach der ersten Hebung in S1V1 sehr. Kannst Du nicht eine Elision verwenden: Verlassne? Der Wechsel von Jambus in Trochäus gelingt Dir gut und schafft eine sehr betonende Lesart, die Du vorher durch die eingebauten Zaesuren schon etabliert hattest. Du setzt sie sogar im allerletztebn Vers fort.

    Technisch ein wirklich gelungenes Gedicht, bis auf die eine Stelle, die mir gerade für einen einleitenden Vers nicht gefällt, mit dem Metrikfehler und der verschobenen Zaesur. Inhaltlich sehr offen und sehr deutlich -- und sehr einsam.


    Gern gelesen, Andvari,
    liebe Grüße
    Anke

  4. #4
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    Hallo,

    @Farina

    Danke für deine positive Rückmeldung.

    Der Vers mit dem Clownbild und dem Loch soll für die Leere stehen, die verbleibt, nach dem mit dem lyr. Du auch die nach aussen gerichteten Emotionen verschwunden sind. Ich dachte an so ein (kitschiges) Bild mit dem weinenden Clown (kennst du sicher), da es eine enorme Spannweite an Emotionen in sich vereint.

    @therzi.

    Ja ja, diese „verlassene Borsten“. Das Wort hat in den verschiedenen Gedichtversionen folgende Wandlung gemacht: es begann mit „vergessene“, dann „vergessne“, dann „verlassne“ und schliesslich „verlassene“. D.h. ich hatte die Rohfassung mit vergessene, habe dann der Metrik wegen elidiert, das Wort getauscht und die Elision wieder rückgängig gemacht...

    Nun, ich war der Meinung, dass die Gedankenfetzen die im geistigen Auge des lyr. Ich aufflackern so unrhythmisch daherkommen, dass sich hier kein Lesefluss einstellen darf. Viel mehr sollen die Zäsuren an den unterschiedlichen Positionen und der Rhythmus, der von Vers zu Vers mehr fällt (Versakzent wandert nach links: Glas, Clownbild, Heft, Tür) eben dieses unrhythmische Aufflackern formal nachbilden.

    Bei alledem hätte ich nicht gedacht, dass diese zusätzliche Hebung den (nicht vorhandenen) Fluss übermässig stört – aber es ist schon möglich, dass so der Bogen dann doch überspannt wird (vor allem, da dieses Mittel nur gerade an dieser Stelle auftritt). Schaun’ mer mal..

    Vielen Dank für deine Rückmeldung und das Korrekturlesen

    Gruss an beide

    Andvari

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