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Thema: Zornesfänger

  1. #1
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    Zornesfänger


    Fächelst hämisch' Lächelklänge
    über trübe Überreste.
    Augenblaue Aufgesänge
    feiern heiser Schleierfeste
    wutverflocht'ner Lustbarkeit.

    Lippen lichten Hindernisse.
    Zungen schlucken Unbehagen.
    Wohlig' Wogen stopfen Risse,
    die mich wieder siedend plagen
    in gewollter Grausamkeit.

    Schmeichelst eitel Geifersehnen
    liebesgierig' Widerstreiten.
    Zorneswonnen Wochen dehnen.
    Lenkst Du selbst noch Ebbezeiten,
    grollerleg'ner Mattigkeit.


    Audio-Aufnahme

    [Geändert durch gott (thanks admin) am 28-12-2005 um 14:05]

  2. #2
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    Das ist so schööön. Aber müsste der Titel in Bezug auf Deine divine Stellung nicht eher "Erzürnungsfänger "lauten?

    An alle: Ja, das ist ernst gemeint!
    [Geändert durch Tiaowulong am 17-09-2005 um 18:50]
    Mein Tiger!

    Stolzer Beiwohner einer kollektiven Halluzinationen: Denn ich bin Hopfen-Gandalf

  3. #3
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    Hallo mein Drache!

    Abgesehen davon, daß ich mich freue, Dich jetzt auch mal hier anzutreffen, freue ich mich unheimlich über Dein Lob. Aber das weißt Du ja.

    Erzürnung ist leider keine Emotion im eigentlichen Sinne... und Wut paßt schon irgendwie... aber Dein titel würde auch passen *lach*

    alles liebe
    gottchen

  4. #4
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    Götter sind nun mal nicht wütend, sie sind erzürnt,...frag Biff.

    Ach ja, Zweiwegekommunikation
    Mein Tiger!

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  5. #5
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    Lach, Du machst doch nicht den fehler und verwechselst Lyr. Ich mit Autorin (okay bei meinen Sachen kann man da nicht viel falschmachen)... aber Du weißt ja, in meiner jetzigen weltlichen Existenz beschränkt sich die Erzürnung aufs Füßestampfen...

    gottchen

  6. #6
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    Ursprünglich eingetragen von gott (thanks admin)
    Lach, Du machst doch nicht den fehler und verwechselst Lyr. Ich mit Autorin
    Doch, passt grad so gut!
    Außerdem: Jene Trennung würde ja ebenfalls auf eine mögliche Ausdifferenzierung der Entität "Gott" hinweisen, egal in welcher Erscheinungsform, ceter et mordio, Hexen brennen wieder (was für Dich doppelt ärgerlich sein dürfte) und L. wird ans Kreuz genagelt. Und das alles nur, weil ich mich um literarisch-lyrische Feinheiten bemühe.
    Nene, da such Dir nen anderen Verwirrer.

    Feuerprust, der Drache
    Mein Tiger!

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  7. #7
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    Huhu, mein gottchen ,


    da hast Du je dem Liebesspiel gleich noch ein Silbenspiel an die Seite gestellt. Inhaltlich *g* gefällt es, auch die Form von Reim und Fluss ist anständig, aber Deine Vokalketten... Naja, zu Anfang ja noch sehr erfrischend. Aber sie stoßen dann so gegen die Reime, und das tut weder dem einen noch dem anderen gut (fast hätte ich gesagt, sie tun sich Gewalt an), das Du das so hinzwingen musst. Besonders unschön finde ich dem Zusammenhang S2V3. Ansonsten eine sehr flüssige und auch spannende Schreibart, nur das Spiel ein wenig übertrieben. Gefällt mir sonst. Sehr gern gelesen


    Dicken *äh* GR-uß,

    Anke





    (prost-iv)

  8. #8
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    Och, mein Drache... warum schreib ich denn extra noch drunter, daß das bei mir schon hinhaut... Du zeigst übrigens geniale Interpretationsansätze... vor allem den hexenverbrennungskram steck ich lieb lächelnd ein... und Du bist mir als Verwirrer lieb und teuer, das weißt Du doch.

    @ therzi: ich nehme deine konstruktive Kritik mit Freuden auf, bekomme ich doch selten mal welche... ich lasse es mir noch mal durch den Kopf gehen, vielleicht finde ich ja eine elegantere Lösung... Danke Dir.


    ergebenst
    gottchen

  9. #9
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    Ist es abnorm, dass ich Dir jetzt "wohlig...[wiegend]... Risse stopfen" wollen würde?

    Gefällt jedenfalls. Mir gefallen deine Neologismen, obwohl eigentlich sind's ja zusammengesetzte Substantive: augenblau, Lächelklang, zorneswonnen usw. Wirkt dadurch frisch ohne dabei peinlich überladen (weil krampfhaft versucht) zu wirken. Interessant finde ich auch, wofür sich die Silben "übe" auf einer Zeile verwenden lassen. Obwohl: ich bewundere es eher. Fein, fein.

  10. #10
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    Hallo Raskolmian!

    Ist es abnorm, dass ich Dir jetzt "wohlig...[wiegend]... Risse stopfen" wollen würde?
    Abnorm wohl kaum Aber dazu müßte ich erstmal wütend, zornig oder - um dem Drachen Genüge zu tun - erzürnt sein...

    Danke auf jedenfall für Dein Lob. Vor allem was die Neologismen betrifft... die besten haben ja leider schon schlaue Leute vor mir erfunden...

    gottchen

  11. #11
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    Talking

    Heißt das, Du bist nur in einem Stadium des Zornes zu haben? Oder verachtest Du ganz einfach nur den Kuschelsex?

    [i]Ursprünglich eingetragen von gott (thanks admin) die besten haben ja leider schon schlaue Leute vor mir erfunden... [/B]

    Es ist in jedem Falle ein Problem, mit dem sich angehende angehende Dichter herumschlagen müssen (ich bin selber einer; ich hoffe nur, dass ich nicht wie der auf seine Tafeln zeigende Moses vom Berg Sinai scheine). Gerade in diesem Forum, das ich nun schon seit einiger Zeit beobachte, ist das Problem mit den Wortneuschöfpungen in vielen Gedichten von von sich selbst sehr überzeugt auftretenden Dichtern zu beobachten: einige wirken so erzwungen, weil viele Autoren der Gefahr des Kitsches zu entgehen versuchen, dass die Gedichte häufig ihre angestrebte Wirkung verlieren. Und somit nur Versuch bleiben.

  12. #12
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    Ursprünglich eingetragen von Raskolmian
    Heißt das, Du bist nur in einem Stadium des Zornes zu haben? Oder verachtest Du ganz einfach nur den Kuschelsex?
    *hüstel* Kein Kommentar

    Nun das Problem bei Neologismen ist auf jeden Fall auch, ob Autor und Rezipient den selben Sinn darin sehen. Ein geniales Liebesfluchten von Bernhard Schlink ist zwar im ersten Moment durchaus unmißverständlich, kann aber bei längerem Genuß, durchaus zu verschiedenen Deutungen führen.
    Leider wirken Neologismen oft erzwungen, auch wenn sie ihren Sinn sofort offenbaren... Aber genau darin liegt die Kunst... neue Worte zu schaffen, für deren Sinn es noch keine Entsprechungen in der jeweiligen Sprache gibt (man versuche zum Beispiel ein so wohl bekanntes deutsches Wort wie Schadenfreude in eine andere Sprache zu übersetzen...)

    alles liebe
    gott

  13. #13
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    Ich schätze, wir haben da ein lyrisches Ich, dass sich selbst verachtet, weil es (sie) ganz wider ihren Willen durch den Beischlaf einer (mitlerweile) ungeliebten Person doch noch immer Lust empfindet. Eine verzehrende, ungesunde Lust an der Hingabe
    Vielleicht ein Beischlaf mit dem Ex (und hopp)? Ein Fick mit einem, der zum bloßen Gestänge verkommen ist?

    Grausam gut umgesetzt die Selbstzerfleischung, die selbst in dieser Agonie der Wut noch den Ruch der Befriedigung trägt.

    Respekt,
    Peter

  14. #14
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    @Tiaowulong:
    Also, mein Lieber, selbst wenn Götter erzürnen, würde ein Erzürnungsfänger doch nur von der sprachlichen Inkompetenz Gottes zeugen. Denn wenn schon, dann heißt das ganze doch wohl Zornesfänger. Aber ich verstehe, dass du ein Problem mit dem Titel hast. Wutfänger klingt in der Tat widersprüchlich hart im Vergleich zu dem, was dann im Textkorpus kommt. Das liegt an den zwei aufeinandertreffenden Hebungen XXx, die klingen total nach Thor's Hammer und fettigen Bärten. Wutenfänger wär da schon gedämpfter, aber auch das Wort gibt es nicht.

    @Gott:
    Ich sehe, ich entwickle mich zusehens zu einem Liebhaber deiner Gedichte. Dies ist nun das zweite, das ich von dir lese und das mich auf seine individuelle und kreative Art fasziniert. Das finde ich sehr interessant, da weder das eine noch das andere grundsätzlich dem von mir favorisierten, poetischen Stil entsprichen und ich dadurch erkenne, dass ich anderem Stilen mitnichten abgewand bin (was mir bei Zeiten vorgeworfen wird), so sie denn zu überzeugenden Kompositionen führen.

    Ich muss zugeben, dass ich den Text mehrmals unter großer Anstrengung und Konzentration lesen mußte, um ihm inhaltlich zu folgen. Das liegt nicht daran, dass er inhaltlich so komplex und unverständlich wäre oder gar inkohärent in den Metaphern. Es liegt daran, dass er mich formell so wohlig umschmeichelt, dass mein Kopf sich abschalten möchte (und das auch tut, denn ich gebe mich gerne dem Schönen hin), um nicht mehr die inhaltlichen Zusammenhänge zu verfolgen, sondern die Form als rein ästhetische Dimension voll auf sich wirken zu lassen. So plapperte ich also mehrmals die Worte wie in Trance vor mich her, ihre klangliche Schönheit genießend, aber nicht weiter auf ihren Sinn achtend.

    Und ich gehe weiter: Es wäre auch egal gewesen, wenn der Text nicht weiter tiefgründig gewesen wäre, denn die Form allein ist das Magische daran. Sie ist verantwortlich dafür, dass das, was alle immer so vorlaut "Gefühle" nennen, direkt vermittelt wird. Das vermag kein ich-liebe-dich der Welt.

    Und so kommt es eben, dass ich höchste Wonne bei einem Text wie Guillaumes "Douce Dame jolie" oder Konrads "Gar bar liet wiet walt, kalt snê wê tuot: guot", einfach weil sie handwerklich so fein und liebenswert geformt sind.

    Ich bezweifle übrigens, dass ein lyr. Ich, dass sich beim Sprechen in solchen Arabesken verliert, tatsächlich sehr wütend ist und also bezweifle ich, dass der Titel Wutfänger, der klanglich das ganze Gegenteil des Textes ist, ehrlich gemeint sein kann. Ich habe mich zumindest ganz und gar nicht wie einer Gefühlt, als ich dein Gedicht las. Zu spüren ist die Wut wirklich nur ein einziges Mal, nämlich im Titel, wenn unser Verstand uns auch sagt, dass sie bei wutverflochten, Grausamkeit und Geifer sicherlich gemeint war. Dies also als Kritik, dass Gefäß und Inhalt sich bei näherem Hinsehen nicht entsprechen.

    Meinen Vorrednern, die etwas an der Zwanghaftigkeit deiner Verse bemängelt hatten, kann ich mich hingegen nicht anschließen. Ja, die Verse sind artifiziell, aber als zwanghaft oder gestelzt empfinde ich sie überhaupt nicht. Mir fiele nicht ein, was dort stehen sollte, wenn nicht genau das, was dort steht. In diesem Sinne, viel Lob und ein wenig Kritik.
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  15. #15
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    Hmm, naja, ich finde eigentlich auch, dass der Leser nach einer gewissen Zeit genug von dem Silbenspiel hat, irgendwann war ich ganz und garnicht mehr davon begeistert, für mich wirkte es nach einiger Zeit sehr künstlich und aufgesetzt.
    Tu was du willst, das ist das ganze Gesetz - Aleister Crowley

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