Thema: Serendipity

  1. #1
    Registriert seit
    Oct 2004
    Ort
    Berlin, wo sonst?
    Beiträge
    6.589
    Serendipity


    - der Kindin angedacht -

    Laut um Laut
    stetig Dir, dem Kind, entlocken
    Wiegenlied voll Trost und Heim
    Deine Träume stören
    Kann ich?

    Bild um Bild
    vielfach Dir, der Reinen, schaffen
    Pinselspur aus Klang und Duft
    Deine Unschuld färben
    Soll ich?

    Wort um Wort
    manchmal Dir, der Holden, finden
    Sündenfall in Ton und Mal
    Deine Zweifel nähren
    Will ich?

    Stein um Stein
    niemals Dir, der Frau, erbauen
    Hurenhaus der Lust und Tat
    Deine Grenzen sprengen
    Darf ich?!


  2. #2
    Registriert seit
    Dec 2004
    Ort
    Narrennest Nod
    Beiträge
    1.601
    Hallo, Du GOTT

    Dann will ich mich Mal wie versprochen so richtig schön blamieren!

    Eine Metrikanalyse lasse ich weg. Es ist - irgendwie clever gelöst mit der Grammatik - eine originelle Odenstrophenform, derer Du dich hier bemächtigst. Und ich sehe den Zweifel in deinen Augen. Und ich sehe die grüblerischen Blicke in deinen Augen (darf man Gott eigentlich Duzen? - Egal!), wie Du verzweifelt vor der Tontafel saßt, und dich fragtest: wen soll ich, wo Ich das höchste Wesen in den sieben Sphären bin, überhaupt mit meiner Ode preisen??? Und somit lassen sich auch die Fragezeichen am Ende fast einer jeden Strophe erklären. Und so fragte der Herr:

    Wort um Wort
    manchmal Dir, der Holden, finden
    Sündenfall in Ton und Mal
    Deine Zweifel nähren
    Will ich?

    Und diese war die wichtigste aller Strophen in diesen Versen. Und es waren die ersten Verse ,und Gott sah, dass diese Verse gut waren, denn am Anfang stand das „Wort“. Uraltes kabbalistisches Wissen besagt nämlich, dass man bei einer Gedichtanalyse immer mit der dritten Strophe anfangen sollte.
    Diese Strophe zeigt nämlich, mit welcher boshaften Schamlosigkeit uns Gott eine Konserve aufgetischt hat (das „originelle Odenstrophe“ nehme ich also weg). Aber sie hat ihr Gutes, denn Gott erzählt uns, wie es wirklich zuging - damals - beim „Sündenfall“. Gott - wer ihre Attitüden im Forum kennt, weiß, wovon ich spreche - ist nicht nur der gute, barmherzige… und womit Mann sonst noch schleimt, wenn er von Ihr spricht - sondern auch die böse, hinterlistige Schlange, als die sie sich auch auf .com zu „erkennen“ gibt: „Deine Zweifel nähren Will ich?“, heißt nämlich: ich überlege, dir, „der Frau“ (ich sage nur: Lesbenflüsterin) die verbotene Frucht zu reichen.
    Denn was Gott brauchte, um eine Ode zu schreiben, ist etwas Ebenbürtiges, dass die gleichen Laster kennt, Gut und Böse etc. .
    Doch was zur Hölle (äh, darf ich so fluchen?) bedeutet dieses MAL?

    … Komme gerade vom Klo wieder! Nachdem ich mich meiner Notdurft entledigte, sah ich in den Spiegel und: JETZT WEISS ICH, WAS ES BEDEUTET. Und erdreiste dich nicht, zu behaupten, ich sei hypersensibel: Ha!, das Mal ist eine eindeutige Anspielung auf mein Muttermal BÄH!,. jetzt hab ich dich: ich liege richtig mit meiner Analyse!…

    Und Gott zweifelte (Ist das jetzt Blasphemie?):

    Laut um Laut
    stetig Dir, dem Kind, entlocken
    Wiegenlied voll Trost und Heim
    Deine Träume stören
    Kann ich?

    Und so schwebte (ab jetzt darf chronologisch analysiert werden) Gott zu diesem „Kinde„, das seelenruhig - meine These: unter dem Baum - schlief (Wiegenlied voll Trost und Heim - es wird nicht darauf eingegangen, wer es einlullte?). Als Kind terminieren einige philosophischen Schulen einen Menschen, der noch nicht über sein Leben reflektieren kann, da er dazu der Erkenntnis(!) bedarf.
    Und Gott fragte sich, ob dieses Kind aus seinen Träumen erweckt werden darf, ist es doch unschuldig und hat nicht die Sorgen, die Gott mit all seinem Wissen hat. Doch Gott erwog:

    Bild um Bild
    vielfach Dir, der Reinen, schaffen
    Pinselspur aus Klang und Duft
    Deine Unschuld färben
    Soll ich?

    Und Gott erkannte, dass die Einsamkeit ihre größte Sorge war. Niemand war da, das Wunder der Schöpfung mit ihr gemeinsam zu genießen. Was also sollte schlimm sein, Evas Augen (Bild um Bild), Ohren (Klang) und die Nase (Duft) mit einer „Pinselspur“ allmählich zu erwecken? - Schlimm war, dass die reine, unschuldige Eva auch die andere Seite Gottes erblicken würde (Womit wir wieder bei meinem Mal wäre: Diesen bestialischen, terroristischen Racheakt habe ich dir übrigens noch immer nicht verziehen): die Schlange!
    Doch Gott kam zu folgendem Schluss:

    Stein um Stein
    niemals Dir, der Frau, erbauen
    Hurenhaus der Lust und Tat
    Deine Grenzen sprengen
    Darf ich?!

    Tat! Was für ein grässliches Wort. Hinzu auch noch in einem Gedicht! Pfui!, schäm dich!, dachte ich. Da bist Du Herr aller Reiche, und schufst zuerst das Wort, um so einen Müll zu schreiben - dachte ich. Allerdings fiel mir dann ein, dass Goethes Faust seine Bibel mit: “Am Anfang war die “Tat”.“, übersetzen wollte. Zum Glück hat er das widerrufen (Hmm?, glaub ich.!). Doch nicht nur, dass sich hier ein weiterer Beweis für die Richtigkeit meiner textimmanenten Analyse findet. Es ist gleichzeitig ein Hinweis:
    Aus welcher Sprache suchte Faust die Bibel zu übersetzen? Nicht aus dem Hebräischen, wie man als Laie vermuten möchte, sondern aus dem Latein. Und das lateinische Wort für “Tat”, facinus, lässt sich auch mit Untat und Verbrechen übersetzen. Wer jetzt immer noch nicht von den morbiden sexuellen Fantasien Gottes überzeugt ist, möge bis zum Schluss weiter lesen! - Ich verspreche, es ist nicht mehr viel. Ehrlich!
    Es ist nicht mehr nur ein Fragezeichen, und somit der Zweifel, der die vierte Strophe beendet, sondern ein Ausrufezeichen:!. Und Gott hat also im leidenschaftlichen Wahne einer “Stürmer- und Drängerin” (somit erklärt sich die Grammatik!) die “Grenzen” zu Evas Unschuld “gesprengt”, um ihr “Stein um Stein”(vgl. Pinselspur) ein “Hurenhaus der Lust (Ha!) und (Un-)Tat zu erbauen”.

    Kommen wir also abschließend zur wichtigsten Frage: Warum endet hier die Ode? Möchte man jetzt, nachdem sich Gott und Eva… (DAS!, möchte ich dem geneigten Leser ersparen!) nicht meinen, dass der Lobgesang hier erst beginnen möge und, da Gott so unendlich poetisch ist, dass ein Ode ungeahnten Ausmaßes hätte geschrieben werden müssen?
    Nun! - Und Gott hatte sich geirrt:

    Und Eva erblickte nicht Gott, nachdem sie aus ihrem Schlaf erwachte, sondern Adam. Und da er zwar gut aussah, aber dumm war, dachte sie, sie könne ihn mit einer Frucht verführen, damit er ihr in ihr Freudenhaus folge, und da nahm das Verhängnis seinen Lauf… wie man der Bibel entnehmen kann.

    Es grüßt

    Kajn


    PS.: Tja, Du Gott, dachtest Du allen Ernstes, Du könntest mich damit überlisten, dass Du das Gedicht in “Diverses” gepostet hast? Hmm, aber was soll jetzt dieses "Serendipity"?
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  3. #3
    Registriert seit
    Oct 2004
    Ort
    Berlin, wo sonst?
    Beiträge
    6.589
    Hallo Kaschne!

    Ich war ja versucht, meine Antwort mit zahllosen Insidern zu spicken um Dich zu ärgern. Aber da ich ja bekanntlich lieb und nett bin, verzichte ich darauf - mehr oder weniger

    Du bist ja inmitten der biblischen Querschläger (die, pfui, völlig unberechtigt sind) dem Kern der Sachen ziemlich nahe gekommen.

    Was Du so humoristisch geprägt auf den Sündenfall beziehst (herrje, mußtest Du Dich ausgerechnet an diesem einem Wort aufhängen?), ist letztlich nichts weiter als die ewige Frage, wie weit man gehen kann. Hier am Beispiel einer Holden. Nimmt man ihr einTeil ihrer Unschuld, um sie vor den Härten dieser Welt zu schützen, oder beläßt man sie in ihrer Reinheit und riskiert, daß sie daran zugrunde geht?

    Und das lateinische Wort für “Tat”, facinus, lässt sich auch mit Untat und Verbrechen übersetzen. Wer jetzt immer noch nicht von den morbiden sexuellen Fantasien Gottes überzeugt ist, möge bis zum Schluss weiter lesen!
    Das sowieso Aber verwechsle hier nicht lyr. Ich und Autorin (jajaja, ich weiß, die Kindin...). Um auch auf die Frage nach dem Serendipity zurückzukommen. Die Bedeutung dürfte Dir klar, sein. Das lyr. Ich gerät in seinen Überlegungen, inwieweit es dazu in der Lage und moralisch imstande ist, die Unschuld des lyr. Du zu zerstören, immer weiter an die Grenze zum Vergnügen (was unvermutet eintritt). So ist das letzte "Darf ich?!" keine Gewissensfrage mehr, sondern eine leicht lüstern geprägte Frage an das lyr. Du.

    Und grade fällt mir ehrlich gesagt nichts mehr ein, was Du nicht schon ausführlich auseinander genommen hättest

    alles liebe
    gott


    P.S.: Nein, die Kabbalah sagte etwas von der geheiligten elften zeile... aber das kommt ja hier aufs selbe hinaus
    P.P.S.: Du hast ein Muttermal? Wie schnell man sowas vergißt....

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden