Thema: Mneme

  1. #1
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    Mneme

    - mit einem Anklang von Gottfried Benns Aus Fernen, aus Reichen -


    Segel, erdachte, an trostlosen Himmeln verschwanden auch sie
    "Klage nicht, Tochter! Ergebe nur Dich der erwarteten Not.
    Sein sind die Fernen, die Reichen. Verbleichen denn Zeiten, geteilte?"

    Wünsche, belachte; an trunkenen Bechern verweilt sein Geschmack
    "Weine nicht, Schwester! Erkenne nun Wunden von Jahren geheilt.
    Er weilt in Fernen, in Landen. Bedenke das Lachen, verhalltes.”

    Bande, entfachte, verwirken Geschick an verwaltender Macht
    “Zweifle nicht, Mutter! Erwarte nicht länger ein Zeichen von nah.
    Ihn, aus den Fernen und Weiten, verfolgen noch Blicke, berauschte.”



    [Geändert durch gott (thanks admin) am 21-10-2005 um 21:19]

  2. #2
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    Schwer zu lesen, aber interessante Struktur. Ich kenne allerdings Gottfried Benns Aus Fernen, aus Reichen nicht.

    Ich mußte an Penelope denken, die auf Odysseus wartet.
    Jemand der Drogen kauft unterstützt damit Kriminelle, und das sind gewöhnlich keine netten Menschen und haben das Geld nicht verdient.

  3. #3
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    Hallo Mein-Gott-chen,


    ich habe wenig auszusetzen. Es gefällt mir gut, Dein Gedicht. Zu einer echten Interpretaion fehlt mir aufgrund der letzten Strophe und einer "allgemeinen Auslegung" der Musen etwas, aber ich sende Dir mal meine Gedanken dazu:

    Ich bin aber zunächst verwirrt. Ich ging davon aus, dass das Werk aus Sicht der Mneme geschrieben sei, also einer der drei Musen nach Homer. Doch dass die Mutter genannt wird, wäre das dann eher die Version der neun Musen, deren Mutter die Mnemosyne ist... ? Vielleicht willst Du das Ganze ja verquicken, um das Gedächtnis greifbarer zu machen? Thema scheint mir ja die Erinnerung zu sein, an einen Geliebten, der nun fort ist, auch wenn nun alles seiner gemahnt. Und die freundliche Stimme, die einen daran erinnert, dass man es besser hätte wissen sollen.

    Ein bisschen lässt mich ja die letzte Strophe stutzen. warum muss nun die Mutter überzeugt werden? Ist sie doch der Hoffung, dass etwas sich zum Guten kehrt? Da wäre ich für Nachdenkhilfe dankbar. Ebenso für das Ersetzen des Emperativs durch einen Imperativ: "Ergib" nicht "Ergebe" (Ergib Du Dich). Und S2V1 ist doppeldeutig, wenn das zweite Komma ein Semikolon wäre, wäre es besser, oder? Ansonsten würdest Du den Wünschen das "seinen Geschmack" zuordnen.

    Was mir sehr gefällt, sind die internen Ketten, sehr gut gelungen!
    1. erdachte, belachte, entfachte
    2. verschwanden, verweilt sein, verwaltender
    3. Klage, Weine, Zweifle
    4. Tochter, Schwester, Mutter
    5. Fernen: die Reichen, in Landen, und Weiten
    6. Ergebe (ihgitt ), erkenne, erwarte
    7. Kadenzen: hart, hart weich - 3 mal
    8. der fast identische Aufbau der Einzelverse

    Lia, das gefällt mir sehr! Wirklich gelungen, für mich.


    Liebe Grüße an Dich,
    Anke



  4. #4
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    Jepp, und diesmal kann man nichtmal an schlechten Reimen oder ähnlichem rumnörgeln. Ein wirklich gelungenes Gedicht.
    Tu was du willst, das ist das ganze Gesetz - Aleister Crowley

  5. #5
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    Guten Abend!

    Das passiert wohl, wenn man über Recherche am Ende der Hyperlinks immer zur griechischen Mythologie kommt...

    @ Windsbraut: Das Gedicht ist sowohl vom Inhalt, als auch in Bezug auf den Fernen und Reichen an Benns Gedicht angelehnt... es empfiehlt sich auf jeden Fall

    @ Demon_Wolf: Es geschehen noch Zeichen und Wunder

    @ therzi: Freut mich, daß eins meiner Werke Dich mal wieder erreicht hat

    Ich bin aber zunächst verwirrt. Ich ging davon aus, dass das Werk aus Sicht der Mneme geschrieben sei, also einer der drei Musen nach Homer. Doch dass die Mutter genannt wird, wäre das dann eher die Version der neun Musen, deren Mutter die Mnemosyne ist... ?
    Jepp, so ist das wohl. Griechische Mythologie hat so seine Stolperfallen. Tatsächlich ist hier aber nicht Mneme die Angesprochene, sondern fungiert nur als die personifizierte Erinnerung derselbigen. Die treibenden Kraft, die den Verlorenen nicht vergessen läßt.

    Und die freundliche Stimme, die einen daran erinnert, dass man es besser hätte wissen sollen.
    Dies ist genau der Grund warum ich Deinem Emperativ *hüstel* nicht zustimmen mag. Dabei ginge zumindest in meinem Lesefluß die Betonung auf Dich verloren und da bin stur Außerdem mag ich an der Stelle keinen hellen Ton wie ein langes i.

    warum muss nun die Mutter überzeugt werden?
    Hier liegt keine Umkehr der Anrede statt, in allen drei Strophen wird dieselbe Person angesprochen von jeweils drei Generationen.

    Und S2V1 ist doppeldeutig, wenn das zweite Komma ein Semikolon wäre, wäre es besser, oder?
    Als jemand, der sich in der Zeichensetzung bei Gedichten ohnehin gern in die Nesseln setzt... Wird geändert

    Wie immer bin ich von Deiner Aufdröselung entzückt und danke Dir.

    alles liebe
    gott




  6. #6
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    Mneme

    Das muss bei Aiode stehen.
    Wenn das Gedächtnis so gut funktioniert, kann,muss und darf das Schöne weh tun.
    Wäre nicht schlecht, wenn Melete alles ein wenig besänftigt und abrundet.
    Gruß,
    Dana

  7. #7
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    Hallo Gott

    Ich bin zu müde, um noch etwas Schlaues hinzuschreiben; ausserdem habt ihr da ja schon eingehend besprochen.
    Ich hab's sehr gern gelesen. Interessante Form; im Moment noch sehr schwebender Inhalt, schöne Wortwahl.

    Wiedermal mein Lieblingslob: Schwelgen in Sprache.

    In fitterem Zustand vielleicht noch mehr.

    LG
    yarasa
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
    yarasas Fingerübungen

    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  8. #8
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    Hallo Ihr beiden!

    @ Dana: Beim falschen Thema zu antworten kann schon mal passieren... und die beiden gehören ja auch irgendwie zusammen. Wie ich schon andernorts sagte: Melete wird versöhnlicher und auch ein Stück ruhiger. Mal sehen, wann mich entsprechende Stimmung erhascht.

    @ Yarasa: Auch Dir ein Dankeschön. Und zum Schwelgen bewegt man sich ja auch auf dieser Seite

    alles liebe
    gott

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