1. #1
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    Der Winter unsrer Unzufriedenheit


    dem Schwertträger

    Dies ist der Winter unsrer Unzufriedenheit.
    Wenn wir als waise Seelen stehen an des Jahres End,
    geloben alten Schwüren zu entsagen und -
    verschweigen, was wir lange teilten. Diesen Bund,
    der uns statt Sternen einen Weg verriet zum Firmament.
    Und Trost uns war in seiner zagen Flüchtigkeit.

    Dies ist das Jahr der letzten Treuepflicht.
    Wenn wir uns beide dem entziehen, was bestand.
    Und nur noch einmal darin schwelgen, was verblieb,
    uns gegen Himmel und die eignen Wünsche trieb.
    So werden wir dem Mut erliegen, fremder Hand
    die Freiheit geben und - der Eid zerbricht.

    Dies ist das Leben einer vagen Möglichkeit...

  2. #2
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    Hallo gott,

    ich kann nur sagen: Sehr schön, anmutig dargebracht. Sogar der Inhalt erschließt sich mir.

    Sehr interessant auch das Reimschema. Gelungen!

    Über die Metrik braucht man hier auch nicht groß reden, auch wenn es bei mir zwei Zeilen gedauert hat, bis ich drin war (war die ersten Zeilen immer versucht, die jeweils erste Silbe zu betonen).

    Fazit: Gut wie immer!

    Liebe Grüße

    Thomas
    "Man schreibt nicht, was man schreiben möchte, sondern was man zu schreiben fähig ist."
    Jorge Luis Borges


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    Und hier noch auf Wunsch von Nachteule etwas von ihm (als Dank für die Hilfe im Mod-Faden): Nachteule

  3. #3
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    Hallo gott,
    darin steckt Philosophie, Trauer, Düsteres und Hoffnung.
    Nicht ein Deut für Fröhliches, aber weise ist es und so gut "erzählt", dass es Schauer verursacht. Schauer, die nur eine gute Poetin verursachen kann.
    Ich weiß nicht, wie ich sonst dieses Werk loben soll.
    Der Satz: "So werden wir dem Mut erliegen, fremder Hand die Freiheit geben und - der Eid zerbricht", davon bin ich überzeugt, wird einmal ein Zitat, ein geflügeltes Wort sein.
    Ich übertreibe nicht, wenn ich Dir für dieses Gedicht danke.
    Liebe Grüße,
    Dana
    [Geändert durch Dana am 29-12-2005 um 01:20]

  4. #4
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    Ursprünglich eingetragen von Dana
    Hallo gott,
    darin steckt Philosophie, Trauer, Düsteres und Hoffnung.
    Nicht ein Deut für Fröhliches, aber weise ist es und so gut "erzählt", dass es Schauer verursacht. Schauer, die nur eine gute Poetin verursachen kann.
    Ich weiß nicht, wie ich sonst dieses Werk loben soll.
    Der Satz: "So werden wir dem Mut erliegen, fremder Hand die Freiheit geben und - der Eid zerbricht", davon bin ich überzeugt, wird einmal ein Zitat, ein geflügeltes Wort sein.
    Ich übertreibe nicht, wenn ich Dir für dieses Gedicht danke.
    Liebe Grüße,
    Dana
    Habe einen Fehler verbessert und falsch geklickt, sorry.
    [Geändert durch Dana am 29-12-2005 um 01:22]

  5. #5
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    Hallo Gott

    Auch mich berührt dein Gedicht - auch wenn ich wenig Hoffnung und keine Fröhlichkeit darin finde, finde ich doch Versönlichkeit und Trost.

    Es enthält sehr viel an Anziehung und Fliehkraft, die uns beide auf unserer Bahn halten. Passt sehr in meine Stimmung.

    Die äussere From wurde bereits gelobt, ich werde mich diesem Lob einfach anschliessen.


    LG
    yarasa
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
    yarasas Fingerübungen

    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  6. #6
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    Hallo Ihr drei

    @ Roderich: Von Dir habe ich in diesem Leben wohl keinen Verriß mehr zu erwarten Daß man ein klein wenig Zeit benötigt um in den Lesefluß einzusteigen, war mir bewußt... aber ich konnte mich einfach nicht von der Formulierung der ersten Zeile trennen.

    @ Dana: Daß irgendein Ausspruch von mir mal zum geflügelten Wort wird, wage ich zwar zu bezweigeln, dennoch danke ich Dir für Dein Lob.
    Die Hoffnung - Fröhliches ist darin sicherlich nicht zu finden - liegt in der letzten Zeile. Ein Möglichkeit, vage und wie immer sie auch aussehen mag, die dem lyr. Wir eine Chance einräumt. Entweder aus dem erlebten zu lernen oder vielleicht sogar mehr

    @ yarasa: Auch Dir ein Danke. Versöhnlichkeit und Trost war der Grundtenor meiner Intention.

    alles liebe
    gott

  7. #7
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    Ursprünglich eingetragen von gott (thanks admin)
    @ Roderich: Von Dir habe ich in diesem Leben wohl keinen Verriß mehr zu erwarten
    Selbst schuld. Schreib halt schlechtere Gedichte!

    Ich wünsche dir einen guten Rutsch und ein schönes, frohes, erfolgreiches neues Jahr!

    Liebe Grüße

    Thomas
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  8. #8
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    Hallo Thomas!

    ich geb mir schon Mühe, aber niemand weiß das zu würdigen...
    Nein, ehrlich, ich bin werksblind genug, um alles von mir erst mal mittelmäßig bis schlecht zu finden. Daß die Leserschaft da ab und an anderer Meinung ist, kann ich nur begrüßen

    Dir auch einen guten Rutsch
    gott

  9. #9
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    Lieber Gott,
    wirklich gelungen, ich fühlte mich beim Lesen sogar ertappt und an die eigene momentane Lebenslage erinnert. Naja, die vage Hoffnung am Ende macht ja etwas Mut.
    Liebe Grüße.

  10. #10
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    Hallo Nina, hallo Jimknopf!

    Auch Euch ein Danke für das Lob, noch dazu so überschwengliches. Ich bin froh, daß die letzte Zeile den erwünschten Effekt erzielt hat.

    alles liebe
    gott

  11. #11
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    Der Winter unserer Unzufriedenheit

    Liebe gott,
    manchmal gehe ich rückwärts in den Fäden, um zu schauen, was es so gegeben hat. Wenn ich dann etwas Gutes finde, übermannt es mich und ich möchte es den anderen ebenso in Erinnerung bringen.
    Ein total gutes Werk.
    Lieben Gruß,
    Dana

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