1. #1
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    Asphaltgedanken (andvari & olaja)

    Asphaltgedanken

    Harrende Schritte vergassen sich
    in der langen Weile des Asphalts,
    bei ihrem Anblick des endlosen Hier
    verblassten mit mir Beginn und Ziel

    Und der sehnsuchtsgestundete Tag
    gebar den flüchtig vergangenen Pfad
    zur euphorisch gepflasterten Zeit -
    Stunden aus Kopfstein und Seele

    Zögernd keimten sie im dürren Zweifel,
    hin, ins Leid der entwurzelten Planken,
    und tranken die ausschweifenden Träume
    als Wein des sauer gegorenen Glücks

    Bis sie neue, feine Knospen trugen,
    in deinen hoffnungsgefangenen Augen,
    die aufsahen zu gewundenen Wegen –
    Serpentinen unserer Vergangenheit.

    12/05 andvari & olaja (Gemeinschaftsproduktion)
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  2. #2
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    Hallo,

    das erste Bild, das ich beim Lesen dieses Gedichts in meinem Kopf sah, war ein langer gewundener Weg - und auf diesem ein riesiges Fragezeichen.
    Ein sehr verschwommener Inhalt.

    Aber erst mal: "Harrende Schritte vergassen sich" - vergaßen

    Soweit ich es verstanden habe, ist das lyr. Ich zunächst auf dem Weg zu einem Treffen mit einer Person, zu der es sich sehr verbunden fühlt. Es erinnert sich im Voranschreiten auf dem Weg an die Vergangenheit, die zweifelnde Gedanken in ihm aufwirft. Doch als es die Person dann trifft, verfliegen diese abwegigen Gedanken und es keimt Hoffnung auf.
    Der (gewundene) Weg ist dabei mit seinen Planken und dem Kopfstein das Symbol für die Vergangenheit.

    Sehr schöne Wortwahl, die eine berauschende Atmosphäre erzeugt. Auf Form wurde nicht geachtet, was aber sicher nicht weiter tragisch ist.

    Was aber macht dieses Gedicht philosophisch?
    Ich bitte um Kritiken. Sie fallen bei mir sehr rar aus:
    Naturalienkabinett (Natur++)
    Wenn die Liebe spräche
    Die neue Wissenschaft
    Schicksalseigentum
    Danke vielmals.

  3. #3
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    Hallo cuckoo (ich antworte mal, olaja kann mich ja dann noch korrigieren),

    Vielen Dank für deine Antwort und alles Beste für 2006!

    Für vegassen, resp. vergaßen habe ich dir 2 mögliche Erklärungen
    1. Es steht auch für „die Gasse“ und fügt sich so in die Strassenmetaphorik
    2. Wir sind Schweizer und kennen dieses Eszett-Ding nicht... ich finde es auch auf meiner Tastatur nicht und musste es oben bei dir kopieren und einfügen. Ich weiss nicht, wie es bei olaja aussieht, aber ich persönlich habe keinen blassen Schimmer, wann man „ss“ und wann man „ß“ schreibt. Anhand dieses Beispiels vermute ich mal, dass man „ß“ nach einem langen Vokal verwendet? (wahrscheinlich ist es viel komplizierter...). Mmm, auf jeden Fall bin ich froh, dass ich mich nicht damit herumschlagen muß(ss)


    Die Bestimmung der Rubrik ist natürlich oft etwas heikel, da es ja davon abhängt, wie man es liest, bzw. interpretiert. Ich lese es als nachdenklich und sinnierend. „Philosophisch“ ist ein vermeintlich grosses Wort, aber ist denn nicht jedes Sinnieren und jeder Versuch, sich mit Hilfe seines Geistes das Wesen der Dinge zu erklären philosophisch? Sozusagen der Versuch, durch Reflexion zu einer Art (persönlicher) Weisheit zu gelangen.

    Danke für „schöne Wortwahl und berauschende Atmosphäre“.

    Liebe Grüsse (mmh ich glaube Grüße)

    Andvari

  4. #4
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    Der Chef hat schon richtig gesprochen.

    Ich kenne die ß-Regeln nicht genau, außer eben diese mit dem langen Vokal. Mittlerweile weiß ich aber auch vom Sehen her bei welchen geläufigen Wörtern ein solches Ding vorkommt.

    Noch bezüglich Rubrik möchte ich ergänzen: Wir sind hier in "Nachdenkliches und Philosophisches". Philosophie kommt vom Griechischen (philosophia) und bedeutet "Liebe zur Weisheit", Philosophen werden auch als Liebhaber der Weisheit bezeichnet. Wie Andvari schon erwähnte, Philosophie zieht automatisch in eine Richtung des Sich-Fragen, des Nachdenken.

    Deine Inhaltauslegung finde ich sehr spannend.

    Danke für deinen Kommentar und liebe Grüsse,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

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