1. #1
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    Korrekte Zeichensetzung/ Groß-Kleinschreibung in Gedichten

    Hallo!

    Ich habe die Leitfaden gelesen, aber trotzdem keine Antwort auf meine Fragen gefunden. Kann mir vielleicht jemand weiterhelfen?
    Ich finde immer wieder (auch in veröffentlichten Gedichten) falsch Geschriebenes, aber ich kenne die Regeln nicht, wann was "falsch" und wann "künstlerische Freiheit" ist. Ich hab's mal so aufgeschrieben, wie ich's bis jetzt verstanden hab, aber bin nicht sicher, ob das so stimmt. Könnte jemand das mal überprüfen?

    *Entweder man schreibt alle Zeilenanfänge groß, oder man benutzt durchgehend korrekte Groß- und Kleinschreibung.
    *Entweder man missachtet die Regeln der Zeichensetzung komplett, oder man setzt Kommata und Punkte korrekt.
    *Außer bei Punkten am Ende einer Zeile, die darf man auch weglassen.


  2. #2
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    Hallo Goldlocke.

    Dahingehend gibt es keine unantastbaren Regel. Es haben sich aber mit der Zeit einige gängige Methoden eingebürgert.

    Zu deinen Punkten, wie ich das sehe:
    1. Nein, nicht unbedingt.
    2 und 3. (die gehören eigentlich zusammen) Ja, aber: Zeichensetzung finde ich sehr wichtig für das Verständnis und die Lesbarkeit eines Textes, deshalb sollte man sie dem Leser zuliebe gebrauchen.

    Ich möchte dir gerne die vier geläufigsten Beispiele zeigen:
    • Es war heute Morgen. Heute Morgen, halb neun,
      denn ich hörte die Kirchenglocken schlagen.
    • Es war heute Morgen. Heute Morgen, halb neun,
      Denn ich hörte die Kirchenglocken schlagen.
    • Es war heute morgen. heute morgen, halb neun,
      Denn ich hörte die kirchenglocken schlagen.
    • es war heute morgen. heute morgen, halb neun,
      denn ich hörte die kirchenglocken schlagen.


    1. Ganz normale Gross- und Kleinschreibung, Zeichensetzung
    2. Ganz normale Gross- und Kleinschreibung, Zeichensetzung + Zeilenanfänge immer gross
    3. Kleinschreibung + Zeichensetzung, aber Zeilenanfänge gross
    4. Kleinschreibung + Zeichensetzung

    Für alle gilt: Punkte am Satzende können weggelassen werden.

    Liebe Grüsse,
    olaja
    Geändert von olaja (24.01.2006 um 18:28 Uhr)
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  3. #3
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    Danke, olaja, hast mir sehr geholfen.

    lg!
    Goldlocke

  4. #4
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    Bitte. Das freut mich.

    Liebe Grüsse,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  5. #5
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    Da gab es noch die Frage, wann was künstlerische Freiheit sei und wann nicht und dazu möchte ich gerne noch meinen Senf abgeben.

    Diejenigen, die das Wort "Künstlerische Freiheit" mal aufgebracht haben, gingen davon aus, dass jeder Künstler vorab einen Plan von dem hat, was unter seiner Hand entsteht, z.B. der Dichter von seinerm Gedicht. Er arrangiert die Sprache also so, dass das, was dabei entsteht, seiner Vorstellung von dem, was entstehen soll, möglichst nahe kommt. Dabei darf er natürlich jedes sprachliche Ausdrucksmittel (z.B. Satz-Zeichen)*1 so verwenden, wie es ihm zweckdienlich erscheint, seinen Plan zu verwirklichen. Sofern er im Umgang mit den Ausdrucksmitteln erfahren ist und für einen sensiblen Leser schreibt, erreicht er dadurch auch sein Ziel.

    Es gibt Regeln der deutschen Rechtschreibung, die klare Aussagen über Groß- und Kleinschreibung, sowie Zeichensetzung machen. Falls darüber Zweifel bestehen, empfiehlt sich ein Blick in die Duten Grammatik. Ich persönlich folge in meinen Gedichten größtenteils diesen Regeln, erlaube mir aber an der einen oder anderen Stelle gewisse Ausnahmen, eben "künslterische Freiheiten". Darüber hinaus gibt es bestimmte Handhabungen, die sich eingebürgert haben, z.B. der große Zeilenanfang oder das Wegfallen von Punkten am Satzende, oder gerade in Mode sind, z.B. komplette Kleinschreibung oder das generelle Wegfallen von Satzzeichen.

    Hast du aber als Künstler einen Plan dessen, was du erschaffen möchtest und erscheint es dir darob sinnvoll, so oder so zu schreiben, dann nennt man das "künstlerische Freiheit". Ein sensibler Leser sollte soetwas durchaus erkennen und von grober Fahrlässigkeit oder Ignoranz unterscheiden können.

    *1 Sprachliche Ausdrucksmittel sind übrigens nicht nur Satz-Zeichen, auch die Aufteilung von Text im Raum, Schriftgröße oder die Entscheidung zu abgesetzten Zeilen für jeden Vers gehören dazu. Die Angewohnheit, Verse in Einzelzeilen zu schreiben, ist übrigens keineswegs ein Muß. Die konkreten Lyriker machen es jetzt wieder vor, aber auch im Mittelalter schrieb man Verse als Fließtext.
    Geändert von levampyre (28.01.2006 um 23:42 Uhr)
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  6. #6
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    Hallo levampyre!

    Vielen Dank nochmal für deine ausführliche Antwort. Entschuldige bitte, ich war, nachdem ich olajas Antwort gelesen habe, lange nicht mehr hier, Gedichte schreibe ich ohnehin keine mehr, aber für KGs gilt das Problem natürlich genauso.

    Es gibt Regeln der deutschen Rechtschreibung, die klare Aussagen über Groß- und Kleinschreibung, sowie Zeichensetzung machen. Falls darüber Zweifel bestehen, empfiehlt sich ein Blick in die Duten Grammatik. Ich persönlich folge in meinen Gedichten größtenteils diesen Regeln, erlaube mir aber an der einen oder anderen Stelle gewisse Ausnahmen, eben "künstlerische Freiheiten". Darüber hinaus gibt es bestimmte Handhabungen, die sich eingebürgert haben, z.B. der große Zeilenanfang oder das Wegfallen von Punkten am Satzende, oder gerade in Mode sind, z.B. komplette Kleinschreibung oder das generelle Wegfallen von Satzzeichen.

    Hast du aber als Künstler einen Plan dessen, was du erschaffen möchtest und erscheint es dir darob sinnvoll, so oder so zu schreiben, dann nennt man das "künstlerische Freiheit". Ein sensibler Leser sollte soetwas durchaus erkennen und von grober Fahrlässigkeit oder Ignoranz unterscheiden können.
    Genau so sehe ich das auch. Aber du hast es besser ausgedrückt, als ich es wahrscheinlich je könnte. Das Problem: Ich BIN durchaus ein sensibler Leser. Die Frage war für mich vielmehr, wie erkläre ich meinen Kritikern (das sind die, die meine Kritiken mit so Hinweisen zurückweisen wie "Das ist kein Fehler, das ist halt mein Schreibstil!!!", oder, noch besser: "Die Rechtschreibfehler sollen meine Gefühle beim Schreiben ausdrücken!" (wirklich passiert!), wo künstlerische Freiheit aufhört und Blödsinn anfängt?

    Egal. Vielen Dank

    Lieben Gruß!
    Goldlocke

  7. #7
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    nunja, ich denke der anfängliche post erklärt sich von selbst, wenn man etwas darüber nachdenkt. Man kann mit der gestaltung generell komplett frei sein. die ziele und absichten die dahinter stecken sind eigentlich entscheidend. man könnte einen persönlichen stil prägen. Ich zB Schreibe jeden Zeilenanfang groß. in jedem gedicht. natürlich kann man auch in bestimmten gedichten mit diesem stil brechen um etwas bestimmtes zum ausdruck zu bringen.
    Und dann gibt es noch absichtliche Fehler an ganz bestimmten stellen im gedicht. so könnte man zum beispiel in einem gedicht "Der Riese" klein schreiben, um einen gegensatz zu schaffen. (also der "riese")
    An sich ist alles erlaubt.

  8. #8
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    Kommt darauf an wie du schreiben willst. Ich verzichte fast generell auf Satzzeichen bei Gedichten und benutze die Großschreibung zum Beispiel statt einem ausgelassenem Beistrich. Bei Prosa oder Essays bemühe ich mich schon sehr korrekt zu schreiben.

    Lieben Gruß

    Gem

    edit: Ohne meine Gedichte propagieren zu wollen:

    Blutige krallen
    Und (Hier ersetze ich das "Und" gegen ein ;

    wenn er lachte entblößte er Reißzähne (Hier nehme ich mit der Kleinschreibung die Geschwindigkeit aus dem Text)
    Wie gemacht um Fleisch von Knochen zu reißen (Hier trete ich durch die Großschreibung wieder aufs Gas und nehme Fahrt auf)

    Das Großschreiben am Anfang ist ein Stilmittel von Brecht denke ich.

    Gem
    Geändert von Gemini (05.09.2015 um 06:39 Uhr)

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