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Thema: Und neben dir

  1. #1
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    Und neben dir

    Und neben dir

    für A.B.

    In stiller Nacht
    bin ich heut aufgewacht,   ganz unverhofft und sachte.
    Um dich im Schlafe nicht zu störn, setzt ich mich leise
    auf meiner Seite unsres Lagers auf. Da brachte
    dich eine kleine Regung auf geschickte Weise

       in meine Sicht.
    Dort hob im Mondenlicht   sich deine Silhouette
    in sanften Atemzügen sorglos auf und nieder,
    die sonst so wild und tief, wenn wir in einem Bette
    uns gierig lieben, in mich dringen, meine Glieder

       zum Beben bringen.
    Da wollt ich dich umschlingen,   küssend dich erwecken.
    Doch ach! des Schlummers Frieden lag auf deinen Wangen.
    Kann denn der Schlaf dein Fühlen nicht einmal verstecken?
    Du süße Sanftmut hast mich heillos eingefangen...

    Und neben dir
    entflammte meine Gier   den Kampf mit meinen Lüsten.
    Du brummtest wohlig nur - ein Kind, das ohne Sorgen
    von Nascherein noch träumend hängt an Mutters Brüsten.
    Ich aber wachte geduldig, erwartete den Morgen.


    © LeVampyre | XIX, Feb. 2006

    Dieser Text kann als mp3 auf meiner Homepage angehört werden.
    Bitte beachtet auch die besonderen Lizenzbestimmungen an meinen kreativen Werken!
    Eine Liste meiner bei Gedichte.com veröffentlichten Texte gibt es u.a. in meinem Sammelfaden.
    Geändert von levampyre (19.03.2006 um 23:27 Uhr)

  2. #2
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    Guten Morgen , levampyre,


    eine kurz dahin gehuschte Impression zu dem, was ich eben las.

    the.metrix und Eindrücke:

    xXxX
    xXxXxX | xXxXxXx
    xXxXxXxX | xXxXx (zwei Elisionen?) (leiste?)
    xXxXxXxXxX | xXx
    wxXxXxXx (|) XxXxXx

    - xXxX (Grammatische Konstruktion: Die Atemzüge des lyr. Ich’s bringen durch Eindringen zum Beben? Eigtl. ein schönes Bild, aber irgendwie schmeckt es seltsam.)
    xXxXxX | xXxXxXx
    xXxXxXx | XxXxXx
    xXxXxXxX | xXxXx
    xXxXx | xXxX | XxXx

    - xXxXx (weiche Kadenz?)
    xXxXxXx | XxXxXx
    xX | xXxXxXxXxXx
    xXxX (|) xXxXxXxXx (unschön: „kann DENN“ – „KANN denn“ wäre natürlicher)
    xXxXxXxXxXxXx

    xXxX
    xXxXxX | xXxXxXx (en?) (fehlendes Satzzeichen)
    xXxXxX | xXxXxXx
    xXxXxXxX | xXxXx (Elision) (fehlendes Komma nach „Nasch..“ oder „träumend“) (negativer Ausdruck, Brüste ist hart und unangenehm, besonders in Verbindung mit Mutter, und das Bild ist autsch!)
    xXxXxxXx | xXxXxXx (huch?)

    Bis auf die wenigen Anmerkungen ist es formal ein Schmuckstück; doch trotzdem kann ich mich heute des Eindrucks nicht erwehren, dass Du dieses Mal - einmal - sehr spontan geschrieben hast, denn die kleinen Fehler, in denen ich sonst eine Fährte vermuten würde, weisen mir keinen Weg.

    Das Reimschema ist wirklich sehr schön, sauber und der Reim meist unverbraucht; und V1 jeweils auf die Hebung vor der Zäsur zu reimen macht mir als Leser wirklich Spaß und bildet das Gespür, den anderen Gleichklängen nachzuforschen.

    Schade ist, dass sich diese Vorzäsurhebung in S1 phonetisch an den Endreim V2 angleicht und ich in den weiteren Strophen danach suchte - enttäuschte Erwartungshaltung…

    Ebenfalls gelungen ist die optische Trennung der strophenübergreifenden Enjambements in der optischen Darstellung. Aber die fetten Kapitalen am Strophenbeginn entziehen sich wie immer meiner Erkenntnis. Sie sehen meist hübsch aus (bei kleinen Buchstaben jedoch, besonders wenn eingerückt, mag ich sie nicht), haben etwas Märchenhaftes; nur lese ich hier kein Märchen.

    Dein kurzer Einleitungsvers (warum einmal weich endend?) stimmt jeweils ein, er findet in dem inneren Reim eine Antwort und gibt dann dem Kreuzreim ein schönes Vorspiel. Rhythmisch sehr schön und sehr gezügelt, so wie das lyr. Ich sich zügelt. Die erzwungenen Pausen nach jedem Vers (2-5), indem Aufklang auf die weiche Kadenz folgt, gibt diesem Gedicht eine starke Ruhe und untermalt eine Stimmung, die mit dem Inhalt konform geht. Eine langsame Entwicklung vom Erwachen, der beginnenden Lust und dem Genuss der Schönheit einer „Unschuld“, der der Selbstmäßigung Boden gibt.

    Ja, dieses Gedicht ist sehr sinnlich, ich denke, es ist Nach-Erotische-Poesie (Genuss) oder auch vor-erotisch (Vorfreude), damit momentan ein derart liebevoller Blick, eine poetische Hand, die das Gegenüber umschließt, und eine Preisung der Facetten dessen, was ist.
    Es beschreibt, welcher Sinnescocktail sich ergibt, wenn man wirklich tief fühlt, beim Anblick des Neben-Mir und Ganz-selber-Ich.

    Insgesamt, trotz Moserei: Ich mag Dein Gedicht sehr. Und ich bin gespannt. - Darauf, was Du noch daraus machst, falls ich die Fehlerchen als solche richtig deutete.

    Ich genieße mal weiter den Ausblick auf ein prickelndes Aufwachen, bevor ich träumen gehe. Danke. )


    Liebe Grüße
    Anke

  3. #3
    Taurus ist offline L' Héautontimorouménos
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    Hallo LeV

    Also formal ist ja wohl alles besprochen, aber ich wollte noch kurz auf s.4 v.4 eingehen, denn diese hat er beonders gut gefallen in diesem gelungenen Gedicht.

    Ich interpretiere das auf folgende Weiße:
    Er ist, im gegensatz zu dem lyr. Ich ein recht junger Bursche. Er ist nähmlich irgendwie immer noch ein Kind(sind aber wohl alle Männer ), vllt kürzlich erst von den Eltern weggezogen und die Beziehung mit dem lyr.Ich ist vllt die erste ernst zu nehmende Beziehung, und deshalb träumt er noch von "Mutters Brüsten".

    Aber das nur als Idee die ich beim lesen hatte...

    lg
    Taurus
    ..........(___)...............................Im Moment ist mir aber diese Masse von Dichtern zuwider,
    ...........|Oo|...............................die weder Innovatives noch Attraktives produziert
    .... /```` OO)...Tauri are fine!........und wo sich hinter jedem Satz ein
    .../ |____-- ................................"Was mach ich hier eigentlich?" versteckt.
    .*...L....L....................................-AiAiAwa-

  4. #4
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    Wink Und neben Dir

    Ich hab jetzt „Und neben dir“ einen ganzen Tag lang mit mir rumgetragen, incl. der „Kritik“ von therzi; immer wieder durchgelesen,
    in mich aufgesogen,
    dabei um den Genuss betrogen.

    Zu der formalen Geschichte kennt ihr beide euch weitaus besser als ich aus –bin bekennende Nichtswisserin- aber man möchte sich ja weiterentwickeln. Ich geh da eher aus dem Bauch raus und lieg dabei meistens nicht so verkehrt, kanns halt nur nicht so schön erklären oder begründen warum etwas passt oder nicht. Nur soviel: Mich hat das Reimschema der ersten beiden S auch sehr angesprochen, mag diese Art der Dichtkunst sehr, vor allem: das noch weiterlesen (müssen) nach dem Reim, also dass der Satz nach dem Reim in der nächsten Zeile noch weitergeht. Wenn ich richtig verstanden habe ist das, wie Therzi meint „auf die Hebung vor der Zäsur zu reimen“. Ab und an versuch ich mich darin auch, mag mir jedoch bei weitem noch nicht so gut gelingen.

    Zum Inhalt:
    beim ersten (Über-) Lesen dachte ich beim letzten Vers eine Überraschung erleben zu müssen, d.h. hoppla das lyr. Du ist ja ein Kind (Zeigefinger heb). Was sich natürlich beim nochmaligen Lesen als falsch erwiesen hat (S 2, Z3-4 und S4, Z 1-2), mich aber ohne die besagten Stellen irgendwie gereizt hätte (ohne perdif. Gedanken): Denn die ersten sechs Zeilen und S 3 hätten durchaus auch auf die Gefühlsbeschreibung der Mutterliebe passen können; und dieses Gefühl kann ich gut nachvollziehen, oft erlebt:
    Voller Liebe zergehen beim Anblick des schlafenden Kindes,
    es am liebsten hochnehmen und liebkosen wollen.
    Dann hätte auch die vor-letzte Zeile in das Bild gepasst. Die Brüste ansich find ich nicht so tragisch , mich stört nur das Verb „hängt“ in dieser Verbindung. „An der Brust hängen“ hat für mich negative Assoziationen. Ruht oder liegt an Mutters Brüsten!?

    Wenn jedoch das lyr. Du der/die Geliebt ist, wovon auszugehen ist, finde ich die letzte Zeile ebenso wie Therzi etwas- entschuldige- daneben (autsch war der bessere Ausdruck). Es passt halt nicht- finde ich-. Es sei denn:
    Thaurus hat Recht und es handelt sich um einen "jungen Burschen", dann könnt mans durchgehen lassen und dann wäre auch das an der Brust hängen i.O. da die negative Ass. dann ja gewollt und stimmig wäre. Wobei ich mich frage woran Th. festmacht dass das lyr. Du männlich ode weiblich ist, ich kann hierfür keinen Hinweis finden.

    Nun, wie denn auch sei: Ich hab gelernt, durch Kritiken schreiben kann man was lernen und werd dein Gedicht vielleicht zum Anlass nehmen, die oben erwähnte Mutterliebe mal in Zeilen zu packen (findet man dan aber nicht unter Erotik)
    Tu, was Du fürchtest und die Furcht stirbt (Nietzsche)

  5. #5
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    Sorry, Taurus, hab dich oben mit h geschrieben.

    und was ich noch sagen wollte:
    Der der weiss, dass er nichts weiss
    weiss mehr als der
    der nicht weiss, dass er nichts weiss

    (ihr wisst schon, von wem)
    Tu, was Du fürchtest und die Furcht stirbt (Nietzsche)

  6. #6
    Taurus ist offline L' Héautontimorouménos
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    das mit dem h geht schon in ordnung.
    hmmm...
    Woher ichs weiß...ich denk wenn cih recht hab und der Partner jünger und unerfahrender ist als das lyr. ich, dann kann es nur ein Männchen sein der noch in Gedanken an den Brüsten der Mutter hängt.
    Es gibt ja den ausdruck Muttersöhnchen, aber nicht Muttertöchterchen....
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  7. #7
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    Danke therzi, Nachfalke und Taurus für eure netten Kommentare. Ich möchte mal auf einige gemeinsame Punkte eingehen, ohne zu viel über mein Verständnis vom Text sagen zu wollen. Denn ich schätze das, was bei euch entsteht und will nicht im Nachhinein daran rumrütteln.

    S4V4: An Mutters Brüsten liegen oder ruhen klingt in der Tat nach einer liebenden Mutter, die ihr schlafendes Kind betrachtet. Es wäre rein metrisch kein Problem gewesen, diese Worte zu wählen, trotzdem steht "hängend". Auch die Brüste sind nicht etwa im Reimzwang zu V2 entstanden, da V4 vor V2 erdacht war und beide Verse quasi parallel ausgeformt wurden. Fakt ist, der Vergleich nutzt ganz bewußt diese Wortwahl, um... Nein, ich denke, ich fühlt schon genau das, was ich damit bezwecken wollte. Es will nur noch nicht so recht in euer sonstiges Bild vom Text passen.

    @therzi:
    Die zwei Rechtschreibfehler waren schon vor deiner Kritik ausgebessert. Ein Problem mit Kontraktionen und Elisionen hatte ich noch nie, sofern es nicht grammatische Endungen beschneidet und darin überhand nimmt, was es hier nach meinem Empfinden nicht tut. Die grammatische Konstruktion in S2 ist deshlab so seltsam, weil sich der Relativsatz nicht auf das Subjekt des Hauptsatzes bezieht, dafür aber das Verb des Relativsatzes eher zum Subjekt paßt. Das ist sehr subtil, fand ich aber witzig. Ich hatte gehoff, jemand käme, um mir zu erklären, dass die Silhouette Einzahl ist.

    Weiche Kadenz? Ja, denn ich stelle mich nicht unter Kadenzzwang, sondern unter Sprachzwang. Die weiche Kadenz tut der Atmosphäre hier keinen Beinbruch und formell kommt der dazugehörige Binnenreim trotzdem auf die dritte Hebung, wie zuvor auch.

    Kann DENN oder KANN denn - mir eigentlich Wurst, beton es, wie es dir besser gefällt! Für mich liegt das Augenmerk nicht auf dem Können, sondern auf der Fassungslosigkeit des Subjektes, der durch das "denn nicht einmal!!1!" mehr Nachdruck verliehen werden sollte. Vor dem Adverb in S4V4 kommt kein Komma, das ist ein Satz. Die Brüste habe ich oben schon besprochen, dabei bin ich mir noch immer im Unklaren darüber, ob ich aus dem "brummtest" nicht doch noch ein "schmatztest" machen sollte, weil das besser zum Naschen paßt (hat aber auch drei /t/s). Auch dem "geduldig" hat noch nicht das letzte Stündlein geschlagen. Das Wörtchen erscheint mir inhaltlich perfekt und auch formell unterstützt es durch sein Geholper die Atmosphäre der Ungeduld. Ich bin mir aber trotzdem noch unsicher, ob es da nicht nochmal eine Änderung geben wird. Ich habe an der Stelle schon lange hin und her überlegt.

    @groper:
    Ihr irrt, mein reimgeplagter Verseschmieder,
    auch Schlangenmänner zähln der Schwänze zwei.
    Ist, was ihr über die fossilen Glieder
    der Hominiden sagt, auch Narretei?

    Ja, wenn's in eurem Kopfe richtig ist,
    dann gönn' ich euch den homophoben Spaß,
    auf dass ihr euch vor Lachen doch bepißt!
    Lest ihr erst das, beißt ihr gewiss ins Gras.
    Geändert von levampyre (08.02.2006 um 14:20 Uhr)
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  8. #8
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    so butterweich geschrieben - gefällt mir gut ... auch wenn ich es jetzt wirklich nicht soooo auseinaderpflücken kann wie oben von Euch schon getan ... ich glaub da fehlt noch ein wenig "rethorische Ausbildung" um alle Regeln zu kennen, die die Dichterkunst mit sich bringt ....

    Gruß Kerlchen32

  9. #9
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    Edit:.. Infolge eines Missverständnisses, das den gelungenen Text aber nicht schmählern kann.

    LG,
    Arno.
    Geändert von AB0907 (09.02.2006 um 15:57 Uhr)
    Mehr von mir? Arno Boldt, seit Jahren mit Blog auch auf Wordpress.

    --------------------------------
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    The Lyrical Battleground von Schorschen und mir (+ diverse Gäste im Prolog des Worttanzes).

  10. #10
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    @kerlchen:
    Ich danke dir für deinen Kommentar, finde es aber um deinetwillen schade, dass du dich darauf ausruhst, kein rhetorisches Talent zu haben. Mal abgesehen davon, dass das Wort Talent in unserer Gesellschaft heillos überbewertet wird, lernst du das mit dem "Auseinanderpflücken", ach, sagen wir lieber, "Hinterfragen" dadurch nicht. Die Gründe für dein Behagen oder Unbehagen an einem Gedicht sind nämlich im Text zu finden, etwas im Text spricht deinen Geschmack an oder eben nicht. Hinterfragst du den Text bezüglich deines Geschmacks, wirst du schnell zu mehr Aussagen über den Text fähig sein. Und es wird sich auch positiv auf dein Schreiben auswirken, weil du vor dem Schreiben schon weißt, was dir an einem Gedicht gefällt und was nicht, was du also schreiben und was du nicht schreiben willst. An dem Punkt setzt das Handwerk an, nämlich sprachlich umsetzen zu können, was man sich von einem guten Gedicht erwartet.

    @pringles:
    Da hat wohl einer zu viel "Brokeback Mountain" geguckt? Ich weiß zwar nicht, was genau in meinem Text die Assoziation von Wüste und Cowboy auslöst (wüßte ich gern), aber ich möchte dir deine Wunschvorstellung sicher nicht kaputt machen.

    Davon mal ganz abgesehen eine allgemeine Frage an dieser Stelle: Wie kommt es eigentlich zustande, dass so eine Diskussion über das Geschlecht der beiden Subjekte entsteht. So weit ich meinen Text einschätze, findet sich darin kein eindeutiger Hinweis auf ein Geschlecht. Ist es also allein die Phantasie meiner Leser, die da Geschlechter zuordnet?

    @AB:
    Mich freut es natürlich, dich so emotional überwältigt zu haben mit meinem Text. Aber ich glaube, die Gründe dafür liegen gar nicht wirklich im Text, sondern in der Widmung verborgen. Hm, wie bring ich dir das jetzt schonend bei? Ähem, also die Initialen sind ja gar nicht so selten und deine beginnen ja eigentlich mit N. und na ja, also meine neue Liebe... also ich meine, das Gedicht ist meiner neuen Liebe gewidmet. Hätte ich dir doch sonst sofort gesagt.
    --LeV

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  11. #11
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    Oh mist, entschudlige. Ich dachte nur wegen des Versprechens letztes Jahr und dem nahestehenden Titel zu einem meiner Werke (-> "und nebem ihm"). Dies sah ich als weitergehende Indizien, neben den Initialien.

    Nichts für ungut. Dennoch danke für so einen Text.

    Geändert von AB0907 (09.02.2006 um 23:07 Uhr)
    Mehr von mir? Arno Boldt, seit Jahren mit Blog auch auf Wordpress.

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  12. #12
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    Ha, ein guter Hinweis! Ich hatte die ganze Zeit schon überlegt, warum mir der Titel so verdammt bekannt vorkommt. Ich fand ihn irgendwie unglaublich passend. Jetzt weiß ich warum. Dann danke ich dir für diesen schönen Titel und dafür, dass du anscheinend nicht sauer bist, dass ich ihn quasi geklaut habe.
    --LeV

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  13. #13
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    Hi Lev.

    Selten entdecke ich ein Erotikgedicht, das vom Grundkonzept her meiner Vorstellung eines guten erotischen Gedichts entspricht. Deines würde ich dazu zählen. Teile davon sind relativ schlicht, der Akt selbst wird zwar erwähnt (II 4/5), aber er wird weder gierig oder lüstern mit aller Sogkraft in den Vordergrund gedrängt - und trotzdem erkennt man den sinnlichen Gehalt des Gedichts auch ohne entsprechende Rubrik.

    Die Betrachtung des lyrischen Du finde ich eine gelungene Raumschaffung. Dieser Gerüstekomplex lässt sich mit deinen Bildern gut tapezieren.
    Die erste Strophe ist ein leichter Einstieg und gefällt mir gut. Durch das Enjambement werden die Strophen geschickt miteinander verknüpft. Für die zweite Strophe spreche ich dir (ausser für das Wort "Mondenlicht") meine wahre Begeisterung aus! Sie ist das Schmuckstück in diesem Werk. Der Atem als Leitmotiv vom momentanen Zustand zum vergangenen und (wie bereits angesprochen) die direkte Beschreibung des Akts mit viel Tiefe und ohne Obszönität. Diese Strophe ist sehr gelungen. Natürlich ist es schwer, dieses hohe Niveau (zumindest mir erscheint es als solches) in den beiden letzten Strophen weiter durchzuziehen. Die dritte ist bereits weniger intensiv (die erste gefällt mir besser), die vierte entspricht kaum mehr meinem Geschmack (die Mutter-Sohn Beziehung wurde bereits genügend thematisiert, nur kurz: An sich ein interessantes Bild, um den Schlaf zu beschreiben, aber andererseits ein weiter Schritt weg von der innigen Sinnlichkeit).

    Man könnte natürlich jetzt Vergleiche anstellen, warum gerade die zweite Strophe von viel Intensität geprägt ist (z.B. Verdeutlichung des Schlafs: ruhend - aufkeimend - herabsinkend - langsam ausklingend). Von meinem subjektiven Empfinden her sehr geprägt, will ich gar nicht weiter herumstochern. Falls du einmal ein Erotikgedicht ganz im Sinne der zweiten Strophe schreibst, gibt mir unbedingt Bescheid. Ansonsten gefällt mir immer noch die Grundidee und dass sich dein Gedicht sowieso von sehr vielen übrigen in dieser Rubrik abhebt, muss ich nicht explizit erwähnen.

    btw: In letzter Zeit sind deine Kritiken von einer sehr positiven Stimmung umgeben, ob das eventuell was mit dem lyrischen Du zu tun hat, welches man in diesem Gedicht kennen lernt, lasse ich mal mit einem Fragezeichen im Raum stehen.

    Liebe Grüsse,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  14. #14
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    Hi Ola,

    obgleich ein Freund des wilden Geschlechtsaktes, bin ich in der lyrischen Reflexion desselben eher der sinnliche Typ. Andeutungen von Erotik sind wie Frauen, deren Blöße sich, versteckt hinter Seidentüchern, nur der Phantasie offenbart. Ich möchte keine Pronographie schreiben, sondern etwas, dessen Erotik sich der Phantasie offenbart. Vermutlich trifft sich unser beider Geschmack auf dieser Ebene.

    Daher freut es mich umso mehr, dass ich dich mit meiner zweiten Strophe beeindrucken konnte. Auch mir gefällt sie ausgesprochen gut. Ich meine jedoch, dass sie an Reiz verlöre, wenn auch die übrigen drei Strophen wie sie funktionieren würden.

    Alle meine Gedichte sind thematisch sehr unterschiedlich. Eine Sache, die sie aber alle gleichermaßen verbindet, sind die Selbstkonflikte. Meine lyr. Ichs müssen sich immer mit irgendwelchen Problemen herumschlagen, die in ihrem Inneren entstehen und allein dort ausgefochten werden. Alles, was darum passiert, ist nur Rahmen der Selbstwahrnehmung meiner Subjekte, erdacht, damit es für den Leser nachvollziehbar wird.

    Für den Leser muss der Konflikt vor- und nachbereitet werden, damit dieser den Ernst der Problematik in sich aufnimmt und sich selbst in die Situation projizieren kann. Die Subjekte taumeln quasi vom einen Fühlen in das nächste, in ständigem Konfilkt mit sich selbst. Dadurch wird der Text emotiv facettenreich. Das heißt aber auch, dass m.E. auf keinen Fall zwei Strophen dasselbe Fühlen, dasselbe Refelktieren beinhalten sollten. Ich nenne hier das Stichwort Prägnanz. Wird der Konflikt nicht eingebettet in eine "Handlung" oder sagen wir besser lyrische Situation, fehlt eine Spannungskurve, fehlt der emotive Facettenreichtum. Erwecke ich mit vier Strophen jeweils dasselbe Gefühl im Leser, so hätte ich mir drei Strophen sparen können.

    So kann also ein erotisches Gedicht, dass nur zweite Strophen enthält grundlegend nett sein. Mir erschiene es jedoch als zu eintönig, wohlmöglich undifferenziert, aber sicher auf Dauer langweilig, weil zu wenig abwechslungsreich. Vielleicht erklärt das ein bisschen, weshalb ich deine Kritik nicht als Verbesserungsvorschlag betrachte, sondern lediglich als geschmackliche Impression. Dass es neben der zweiten Strophe eine erste, dritte und vierte gibt, ist gewollt.
    --LeV

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  15. #15
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    @kerlchen:
    Ich danke dir für deinen Kommentar, finde es aber um deinetwillen schade, dass du dich darauf ausruhst, kein rhetorisches Talent zu haben. Mal abgesehen davon, dass das Wort Talent in unserer Gesellschaft heillos überbewertet wird, lernst du das mit dem "Auseinanderpflücken", ach, sagen wir lieber, "Hinterfragen" dadurch nicht. Die Gründe für dein Behagen oder Unbehagen an einem Gedicht sind nämlich im Text zu finden, etwas im Text spricht deinen Geschmack an oder eben nicht. Hinterfragst du den Text bezüglich deines Geschmacks, wirst du schnell zu mehr Aussagen über den Text fähig sein. Und es wird sich auch positiv auf dein Schreiben auswirken, weil du vor dem Schreiben schon weißt, was dir an einem Gedicht gefällt und was nicht, was du also schreiben und was du nicht schreiben willst. An dem Punkt setzt das Handwerk an, nämlich sprachlich umsetzen zu können, was man sich von einem guten Gedicht erwartet.

    .... ich glaube ich habe nie geschrieben, dass ich nicht bereit wäre für Weiterentwicklung, hinterfragen oder verändern ... klingt zumindest in Deinen Worten so ... ich denke seit ich diese Foren besuche hat sich viel geändert am Stil meinerseits oder an der Bandbreite was man zulässt und versucht .... talent mein ich durchaus etwas zu haben ... dennoch NOCH nicht das rethorische FACHwissen was die "Top Leute" haben, die sich dies auch in der Regel erarbeitet haben - ABER ich lerne solang ich lebe
    was ich jedoch nie möchte ist für die letzten 5% schreiben, die sich auserwählt sehen ... das wäre nämlich Kreuzworträtsel machen ... außerdem finde ich sind manche Dinge, die völlig aus dem Bauch kommen auch die ehrlichsten und machmal fast genialer als lang erarbeitetes - aber natürlich gibt es auch die Texte, die werden einfach nur gut wenn man die Birne bis zum Abwinken rauchen lässt .... so long ... Grüße und Danke für die Worte
    Kerlchen32

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