1. #1
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    Unhappy Schwalbe im Schnee

    Schwalbe im Schnee

    Eine Schwalbe irrt durch die verschneite Getreidegasse,
    und betrachtet mit verschlossenen Augen die Taubenmasse.
    Es ist stürmisch, verschneit und für sie viel zu kalt,
    sie sehnt sich nach dem Süden oder einem warmen Halt.
    Doch die Tauben sind taub, die Schwalben nicht da,
    wenn man zurückbleibt sind sie eben nicht nah.
    Die Schwalbe schweigt, die Schwalbe schreit,
    dass sie jemand von der Kälte kurze Zeit befreit.
    Doch die Tauben sind mit dem Winter altvertraut,
    denn ihre Federnhaut ist für den Zeitraum gut gebaut.
    Sie verstehen einen Vogel mit gebrochenem Flügel nicht,
    der zwar hier wohnt, aber ständig von Woanders spricht.

    © Elvis Kurtalić
    Und ich warte auf den Tod, wie andere Menschen auf den Bus. By Prezident

  2. #2
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    Hallo Elvis,

    zunächst einmal macht mich dein Gedicht neugierig. Ich kann mit dem Gefieder generell - und gerade im Hinblick auf die Vogelgrippe - nicht viel anfangen! Dennoch konnte ich einige schöne Ansätze zu erkennen, die mich eben neugierig gemacht haben! Würde mich freuen, wenn du mir mitteilst, warum du dieses Gedicht ausgerechnet in diese Rubrik gestellt hast. Nun gut, eine "Vogel-Rubrik" gibt es noch nicht. Aber so Richtung Natur geht es ja schon. Was soll es aussagen?

    Gruß,
    C.
    Nicht Kunst und Wissenschaft allein, Geduld will bei dem Werke sein. (Goethe)

  3. #3
    1428 Guest
    Hi Elvis
    die Aussage deines Gedichts kommt klar rüber.
    Dass du deine nachricht noch in dieses vogelkostüm gesteckt hast ist eine feinheit deinerseits und wirkt recht erfrischend.
    hat mir gefallen
    LG
    Tchanny

  4. #4
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    Talking

    @ Chimath80: *lach* Vogelgrippe, sorry damit hat das Gedicht nichts zu tun, aber du keinnst es natürlich reiniterpretieren. Ich meine Epoche und Steal passen recht gut dazu... Blabla (Jetzt tu ich so als ob ich mich in der Kunstgeschichte auskennen würde )
    Warum Liebe und Romantik? Okay, die Hintergründe: Eine Schwalbe fliegt zwischen Süden und Norden, verliebt sich in eine Taube und will mit ihr durch die Welt segeln, leider versteht das die Taube nicht, weil sie keinen Zugvogeldrang hat. So bleibt die Schwalbe in der Kälte zurück, mit einem gebrochem Flügel (=Herz), weil sie merkt das ein Zugvogel und ein Bleibvogel keine Zukunft gemeinsam haben können, weil sie zu unterschiedlich sind. So verliert die Schwalbe ihre Gruppe und ihre Liebe.
    Ich hoffe ich habe dich nicht noch mehr verwirrt.
    Tauben in meinen Gedichten stehen für Menschen die einen festen Wohnsitz haben, die ich auch sehr beneide.
    Schwalben sind Leute wie ich, die keine richtige Heimat haben, und zwischen zwei Orten hin und her reisen und egal in welcher Heimat sie sind die Tauben mit der anderen Heimat belässtigen. (Das merkt man Beispielsweise an meinem Wohnort: Salzajevo oder auch Sarajburg... )

    @ Tchanny: Danke schön. Freut mich dass es dir gefallen hat. Ich würde mich freuen, wenn du vielleicht im Vergleich kurz schreiben könntest, wie das Gedicht bei dir angekommen ist, vorallem was klar rüber gekommen ist. Ich bin voll neugierig ob es Parallelitäten zu meinen Hintergründen gibt.
    Und ich warte auf den Tod, wie andere Menschen auf den Bus. By Prezident

  5. #5
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    Hallo Elvis!

    Nein, es ist nicht so, dass ich da irgendwelche Parallelen zu Viruserkrankungen interpretiert hätte. Der Vogel an sich ist mir momentan einfach nur unsympatisch. Den Satz hätte ich mir im Grunde auch sparen können....

    Nach deiner (kleinen) Hilfestellung kann ich mit dem Text jetzt viel mehr anfangen und verstehe auch so einiges besser. Vor allem weiß ich jetzt, weshalb es in dieser Rubrik steht.

    Danke,
    C.
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  6. #6
    1428 Guest
    Hi Elvis

    Wir beide haben wohl sehr ähnliche Hintergründe. Obwohl ich mich sowohl in Shanghai, als auch in dem kleinen verschneiten Lauffen zu Hause fühle, gibt es auch Momente in denen ich ein wenig zwischen den Fronten hin und hergerissen werde.

    Nun zu Deinem Gedicht:

    Der Ersteindruck war, dass Du hier relativ gelassen und manchmal auch ein wenig spielerisch (cf. die tauben Tauben) über ein ernstes und trauriges Thema schreibst. Als ich die Schwalben im Titel sah, dachte ich mir schon, dass von Abschied, Rückblick und Sehnsucht die Rede sein könnte (denn Schwalben sind ja bekanntlich ein Symbol für jenes).

    Dann kam mir noch die Idee das Gedicht auf Liebe zu beziehen (schließlich steht es in dieser Rubrik) und die Schwalbe als nicht geliebten einsamen Mann und die Taubenmasse als die Frauenwelt anzusehen.

    Eine unglückliche Liebe ?

    betrachtet mit verschlossenen Augen die Taubenmasse.
    Sieht heimlich Frauen nach

    sie sehnt sich nach dem Süden oder einem warmen Halt.
    Liebessehnsucht

    die Tauben sind taub, die Schwalben nicht da,
    Er findet keine, die ihn versteht

    wenn man zurückbleibt sind sie eben nicht nah.
    Ein Hinweis dafür, dass die er einst geliebt wurde, die Liebe ihn aber verlassen hatte

    Die Schwalbe schweigt, die Schwalbe schreit,
    Antithetik zeig die innere Zerissenheit.

    die Tauben sind mit dem Winter altvertraut
    Eine Kritik an der Frauenwelt? Frauen zeigen allzugerne mal „die kalte Schulter “

    der zwar hier wohnt, aber ständig von Woanders spricht.
    Für mich ein Hinweis dafür, dass er noch nicht wirklich mit der Situation umgehen kann, dass die Liebe ihn verlassen hatte und er dennoch die hoffnung hegt, dass sie zu ihm zurückkehrt.

    Eventuelle Kritik: für ein Gedicht ist es vielleicht etwas zu lang geraten, aber dafür lässt es sich wunderbar lesen und auch verstehen.

    LG
    Tchanny

  7. #7
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    Thumbs up

    @ Chimath80
    Zitat Zitat von Chimath80
    Nein, es ist nicht so, dass ich da irgendwelche Parallelen zu Viruserkrankungen interpretiert hätte. Der Vogel an sich ist mir momentan einfach nur unsympatisch. Den Satz hätte ich mir im Grunde auch sparen können....
    Der Satz hat einen äußerst sympatischen und netten Eindruck auf mich gemacht. Also bitte spar ihn dir nicht ^^

    Nach deiner (kleinen) Hilfestellung kann ich mit dem Text jetzt viel mehr anfangen und verstehe auch so einiges besser. Vor allem weiß ich jetzt, weshalb es in dieser Rubrik steht.
    Das freut mich sehr, dass das Gedicht jetzt bei dir mehr Assoziationen als den Vogelvirus auslöst. .

    @ Tschanny: Noch ne Schwalbe im Forum. Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast auf mein Gedicht einzugehen. Ich habe mit den Symbolen deine Komentare ein wenig ergänzt **
    Im großen und ganzen spielen zwei Hauptfaktoren in diesem Gedicht mit.
    1. Ein gebrochenes Herz wegen zwei Damen. (eine Taube/ eine Schwalbe)
    2. Die Liebe zu zwei Orten, die auch mitschuld ist, dass es mit der Taubendame nicht geklappt hat.

    Eine unglückliche Liebe ?
    Ja! Vielleicht sogar 2.

    betrachtet mit verschlossenen Augen die Taubenmasse.
    Sieht heimlich Frauen nach
    *Sieht in eine Menschenamasse, hat aber nur seine eine Herz-Taube im Blick in der er glaubte seine Schwalbe gefunden zu haben, weil die Augen plus Herz für alle anderen verschlossen sind.*

    sie sehnt sich nach dem Süden oder einem warmen Halt.
    Halt = Liebessehnsucht
    *und auch Süden=Abwechslungssehnsucht/FernHeimweh*

    die Tauben sind taub, die Schwalben nicht da,
    Er findet keine, die ihn versteht
    *Wow *

    wenn man zurückbleibt sind sie eben nicht nah.
    Ein Hinweis dafür, dass die er einst geliebt wurde, die Liebe ihn aber verlassen hatte
    *Das war ein kleiner Hinweis auf die Schwalbendame die vor der Taubendame da war*

    Die Schwalbe schweigt, die Schwalbe schreit,
    Antithetik zeig die innere Zerissenheit.
    *Jep *


    die Tauben sind mit dem Winter altvertraut
    Eine Kritik an der Frauenwelt? Frauen zeigen allzugerne mal „die kalte Schulter
    *:P Vielleicht ein ganz, ganz, ganz, ganz kleines bisschen. :P Aber eher eine Kritik am Unverständniss der Menschen mit Heimat gegenüber den Menschen ohne Heimat bzw. zwei Heimaten *

    der zwar hier wohnt, aber ständig von Woanders spricht.
    Für mich ein Hinweis dafür, dass er noch nicht wirklich mit der Situation umgehen kann, dass die Liebe ihn verlassen hatte und er dennoch die hoffnung hegt, dass sie zu ihm zurückkehrt. Eventuelle Kritik: für ein Gedicht ist es vielleicht etwas zu lang geraten, aber dafür lässt es sich wunderbar lesen und auch verstehen.
    *Ich finde es extrem erstaunlich, dass du das aus der Zeile rauslesen konntest, weil ich mit der Zeil eigentlich das was ich genau fühle, ein wenig verstecken wollte indem ich ein wenig mit dem "Woanders" ablenke. Nur die Hoffnung ist schon lange weg, es ist nur noch die Erinnerung an die schöne Zeit da. Und das "Ich" weiß, dass es für Beide hinten und vorne nicht gepasst hat, aber trotzdem bleiben die Spuren der Erinnerung die ihn an diesen Menschen weiterhin binden.*

    Zu mir noch: Ich glaube ich habe die Eigenschafft, dass ich eine herumreisende Schwalbe bin die sich weder binden kann, noch die Menschen und Orte ganz los lassen kann und das ist keine angenehme Eigenschafft für mich und meine Mitmenschen. Somit bin ich für jeden zwar da, aber nie ganz, sondern eben nur halb, weil ich auch noch für andere da sein will, und im Endefekt bin ich für keinen da aber doch für alle... Zerissen. Ja

    Danke nochmal für Alles
    Elvis
    Geändert von Elvo (05.03.2006 um 16:44 Uhr)
    Und ich warte auf den Tod, wie andere Menschen auf den Bus. By Prezident

  8. #8
    1428 Guest
    Hallo Elvis
    das Leben bietet einem eben verschiedenste Hürden und legt einem auch so manchen Stolperstein in den Weg ob das gut oder schlecht ist mag dahingestellt sein.
    Fakt ist: es ist gar nicht so einfach das Leben auch wirklich zu Leben. Aber wir tun unser Bestes nicht wahr
    LG
    Tchanny

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