1. #1
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    „Meine Sonne scheint in deiner Nacht
    Es ist Zeit loszulassen
    Vom trügerischen Halt deines Lebens
    Und dich mir ganz zu geben
    Bis da nichts mehr ist zwischen dir und mir
    Und du erkennst
    Das du dem Leben näher
    Niemals sein kannst“


    Gedanken dazu

    " Herr, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss."
    David in Psalm 39 / 5

    Oft werde ich gefragt, warum ich mich soviel mit dem Tod beschäftige, dies möchte ich hier einmal kurz erläutern. Eines muß ich jedoch vorweg schicken, wenn ich mich mit dem Tod beschäftige, dann meistens mit meinem eigenen Tod. Das heisst ich rufe mir täglich ins Gedächtnis, dass ich nicht ewig lebe. Nun mögen die meisten entgegnen, das ist ja eine ganz neue Erkenntnis! Doch nur wenn man den Tod der anderen sieht, kann man solch einen Sarkasmus an den Tag legen.
    Das menschliche Leben besteht aus Erfahrung und lernen und je älter man wird desto mehr kommt es einem vor dass das Lernen schwerer wird. Doch das Schwerste was wir erlernen können und müssen ist unser Sterben.
    Heute herrscht im Bewußtsein der Gesellschaft der Eindruck vor, dass Tod und Leben zwei entgegengesetzte, sich ausschließende Phänomene sind, denn wer tot ist kann nicht leben, und wer lebt ist nicht tot. Aus diesem Grunde wird der Tod tabuisiert und das Leben, besonders die Jugendlichkeit vergötzt. Noch schöner, noch besser, das ist der Leistungsdruck, das wir nicht gut damit leben zeigt der Zulauf der Menschen zu psychiatrischen Therapien, weil sie unterschwellig ahnen das diese Trennung von Leben und Tod nicht die Wahrheit ist.
    Es genügt nicht das Wissen allein darum, dass jeder Tag uns zum Tode führt, wir müssen es verinnerlichen. Wir müssen es bewusst bejahen, dann und nur dann können wir die Kostbarkeit des Lebens wahrnehmen und leben, nicht einfach vegetieren.



    Arya

    Ich sehe Dich wie du die gleichen Wege gehst
    Und wie du auf der Stelle trittst
    Ich sehe dich wie du den Weg zu Dir suchst
    Und wie Du Dich verlierst

    Seerosen I Inquisition I Todespoesie I Epilog des Traumes I Chatterleben I Feuer (Wettbewerbsgedicht)






  2. #2
    Niquita Guest
    In anderen Kulturen ist der Tod nicht tabuisiert (bspw. in Mexiko oder auch Guatemala). Der Tod ist in das Leben integriert, so merkwürdig sich das im ersten Augenblick auch anhört. Selbst Friedhöfe sind dort kein Zeichen von Trauer sondern eine Erinnerung dessen, was im Leben schön und wichtig war. Entsprechend bunt sehen Friedhöfe dort auch aus. Mir gefällt diese Sichtweise weitaus besser.

  3. #3
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    Genauso sehe ich es auch. Schade das es viele nicht so sehen.
    Arya

    Ich sehe Dich wie du die gleichen Wege gehst
    Und wie du auf der Stelle trittst
    Ich sehe dich wie du den Weg zu Dir suchst
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  4. #4
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    Ich denke dass viele Menschen den Tod als etwas ausschließlich Negatives sehen weil er direkt mit "Vermissen" und oft auch mit Schmerzen verbunden ist.
    Außerdem ist der Tod meiner Ansicht nach eine "neue Welt" und wer, wenn er ehrlich ist hatt nicht auch immer ein bißchen Angst vor Veränderungen, insbesondere in diesem Außmaß.Soviel nur zum Thema "warum haben wir Angst vorm Tod oder tabuisieren ihn"
    D.

  5. #5
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    ich konnte mich noch nie mit dem gedanken oder dem bild anfreunden, daß hinter friedhöfen steht....warum sollte ich etwas gedenken, daß unter der erde vor sich hin fault? ich brauche keinen grabstein, um mich an die leute zu erinnern, die ich geliebt hab und verloren hab.....selbst der schmerz ist nur von kurzer dauer....denn verlust ist nun mal mit schmerz verbunden...aber ich erinnere mich lieber an das leben, als an den prozess des todes.....
    allerdings - das hört sich jetzt vielleicht etwas morbid an - wenn ich schon einmal auf den friedhof gehe, daß ist so 1 mal im jahr zu allerheiligen....dann hat das für mich noch einen zweiten grund....ich finde es interessant....grabsteine zu betrachten, die namen zu lesen und mir vorzustellen, wie dieser mensch gelebt hat.....und ob es einen besonderen grund gab, daß er diese art von grab - jetzt von prunkvoller gruft bis einfaches holzkreuz - bekommen hat......
    das ruft mir auch immer wieder meine eigene vergänglichkeit in erinnerung, und daß ich mein leben genießen sollte, jeden moment auskosten.....man weiß ja schließlich nie, wie viel zeit man hat....

    vor dem tod allein habe ich auch keine angst.....einzig vor den schmerzen, die ihm voran gehen könnten......

    das sind meine gedanken zu diesem thema....und ich kann mich euch - niquita und arya - nur anschliessen....was andere kulturen betrifft.....man muß sich nur bali vor augen halten....dort gibt es bestimmte feste...an denen sogar die toten teilnehmen....und sie werden somit immer wieder ins leben integriert und nicht vergessen....und ich glaube, daß ist das kostbarste....das die erinnerung an diesen menschen wach bleibt.....

    alles liebe,
    sternentraum
    Stir of time, the sequence
    returning upon itself, branching a new way. To suffer pain, hope.
    The attention
    lives in it as a poem lives or a song
    going under the skin of memory.

    "Heavy" by Denise Levertov

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