Sonntag. Es ist 15.32. Ein Tag wie jeder andere. Regen prasselt gegen meine Fensterscheibe.
Ich denke nach, denke an die bevorstehenden Arbeiten, denke an das Loch in meinem Socken, denke wie so oft an belanglose, unwichtige Dinge.
Mein Blick schweift durch mein Zimmer, bleibt am Holz meines Schreibtisches hängen. Die Schraffur des Holzes fasziniert mich, sie wirkt mit ihren ungleichen Verläufen wie ein kompliziertes Netz, das eigentlich unwichtig, sinnlos ist, da es die Aufgabe des Holzes die Schreibfläche meines Schreibtisches zu sein, nicht wirklich beeinflusst. Das komplizierte Netz von ungleichen Linien, das in gewisser Weise ohne Bedeutung ist, erinnert mich an das tägliche Netz meiner Gedanken. Meine Gedanken kann man auch als kompliziertes Netz bestehend aus Träumen, Sehnsüchten, Hoffnungen, Erwartungen, Gefühlen und Alltagsproblemen bezeichnen. Ein Netz ohne Bedeutung. Nun frage ich mich, was ist meine Aufgabe, die Aufgabe des Holzes ist in diesem Fall bereits geklärt, aber was ist meine Aufgabe, mein Sinn, der Sinn meines Lebens? Meine Gedanken kreisen wie die Fliege über meiner Zimmerlampe. Gibt es überhaupt einen Sinn unserer Existenz, einen Sinn des Daseins der Menschheit? Oft habe ich das Gefühl das Leben, MEIN Leben zieht an mir vorüber, Stunde für Stunde, Tag für Tag, viel zu schnell. Ich habe Angst schon am Ende angelangt zu sein bevor es jemals richtig begonnen hat. Die Frage „Was ist leben überhaupt“, drängt sich in mir auf. Was kann man unter diesem ziemlich vagen Begriff verstehen? Jeder Mensch erhofft und erwartet sich gewisse Dinge vom Leben. Ich messe so vielem im Leben einen so hohen Wert an, obwohl das einzig Wichtige im Leben doch das Kommunizieren der Menschen untereinander ist. Menschen sind keine Einzelgänger. Sie können und wollen nicht alleine existieren. Den Sinn unserer Existenz findet man in Freundschaft und Liebe. Es ist eine pure Illusion, dass Geld, Macht und Erfolg Faktoren sind, die vollkommenes Glück hervorrufen. Ein befriedigtes und glückliches Leben hat man nur dann, wenn man auch Freundschaft und Liebe begegnet. Liebe ist für mich Gefühl, unbeschreibliches Gefühl. Nur allzu oft wird der gebieterische Geschlechtstrieb mit Liebe bezeichnet. Doch Sex ist etwas anderes, eine körperliche Begierde, somit kein Synonym für Liebe. Unter Liebe verstehe ich ohne Handlungen und Aussagen zu wissen wie der andere denkt und fühlt, einen Menschen trotz seiner Schwächen zu lieben. Dieses Gefühl ist so etwas Besonderes, deshalb muss der Sinn unserer Existenz in der Liebe liegen. Vielleicht ist Freundschaften aufbauen und Beziehungen eingehen der Sinn, vielleicht aber auch nicht. Ich bin mir sicher, dass es einen Sinn gibt, möglicherweise habe ich ihn noch nicht gefunden, aber irgendwann wird er sicher mich finden. Deshalb scheint es mir wichtig, anzufangen mein Leben auszukosten, die schönen Momente zu genießen, meine Träume zu leben, in jeder negativen Erfahrung etwas Positives zu sehen, auch wenn manchmal alles sinnlos scheint, gibt es sicher einen Sinn, irgendwo
irgendwann
gibt er mir vielleicht ein Zeichen.

Die Uhr zeigt 16.38. Ich habe einen Ausweg aus dem Netz meiner Gedanken, das einem Labyrinth gleicht, gefunden. Es hat aufgehört zu regnen. Ich merke, dass dieser Gedankentraum nicht sinnlos war. Er hat mir gezeigt, dass man nie aufgeben darf einen Sinn zu suchen. Schon Kleinigkeiten, kleine Lichtblicke im Alltag sind sinnvoll. Man muss sie bloß bemerken und genießen. Natürlich sind diese „Lichtblickzeiten“ im Leben in manchen Zeiten selten und sie vergehen schnell, zu schnell, denn alles geht vorbei, aber nicht alles geht verloren. Erinnerungen an die „Lichtblickzeiten“ bleiben, bleiben oft Monate, Jahre und vielleicht ein ganzes Leben lang.