1. #1
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    Talking Die enttäuschte Käuferrin

    Letztens war ich beim Bäcker. Dachte ich.
    Ich stand so vor dem Verkaufstresen und wartete darauf, dass ich gleich bedient werde, von einem hübschen, jungen Mann, vielleicht um die Mitte zwanzig herum oder auch Anfang dreißig. Ja, ich kann ruhigen Gewissens sagen, dass ich schon regelrecht gespannt war, welcher nette Kerl mir denn wohl mein Brot in die Tüte packt.
    Sie können sich wohl meine Enttäuschung vorstellen, als kein junger, dynamisch wirkender Bäcker vor mir stand, sondern eine Frau um die fünfzig. Ehrlich gesagt war ich so geschockt, dass ich den Laden fluchtartig verließ.
    Ich meine, kennen sie das Gefühl? Sie malen sich etwas aus, erschaffen ein Bild, stellen sich vielleicht etwas ganz besonderes vor (wie erotisch muss es sein, wenn dieses dicke, saftige Brot ganz langsam von starken Männerhänden in die Papiertüte geschoben wird, dazu ein leichtes, leises Knistern...) und dann zerplatzt der Traum wie eine Seifenblase. Nichts. Da kommt eine Frau! Und das ist doch wirklich nicht das Selbe!
    Na ja, aber so oder so brauche ich Brot, doch zu diesem Bäcker gehe ich bestimmt nicht noch mal. Mir meine Träume so zu nehmen. Nein, das ist wirklich die Höhe!
    Also ging ich drei Strassen weiter zu einem Bäcker, wo ich mir auch ganz sicher war, dass ich von einem Mann bedient werden würde. Irgendwie hatte dieser so einen Namen für sein Geschäft gewählt, so wie: Der Bäcker von heute weiß was gut tut
    Also, dachte ich, auf ein Neues. Vorsichtshalber sah ich vorher durch die Fensterscheibe. Doch da war gerade niemand. Egal, dachte ich und trat ein.
    Gerade als ich meinen zweiten Fuß über die Schwelle setzten wollte, kam doch, tatsächlich, schon wieder eine Frau!
    Diesmal allerdings dachte ich, ich könne nicht schon wieder kehrt machen. Erstens brauchte ich das Brot und zweitens wollte ich sie nun zur Rede stellen. Es kann doch nicht angehen, dachte ich, überall wo ich hin gehe, sehe ich nur Frauen!
    „Guten Tag, was kann ich für sie Tun?“ drang mir ihre schrille Stimme ans Ohr. Sie war so Mitte zwanzig (dass was ich eigentlich bei ihrem männlichen Kollegen gehofft hatte) und war stark geschminkt. Ich sah so gut wie nichts von ihrer Haut, alles voll Rouge, ekelhaft.
    „Sie können mir erst mal eine Frage beantworten, ich dachte nämlich, ich würde von einem Mann bedient, ich meine, können sie sich vorstellen, wie verdutzt ich bin?“
    War es zu hart? Aber ich war wirklich ziemlich durcheinander. Sie jedenfalls nahm einen nahezu bösartigen Gesichtsausdruck an.
    „Wie kommen sie denn da drauf? Wurden sie schon jemals von einem Mann beim Bäcker bedient?“ fast feindselig kam sie mir vor.
    „Hm, nee, eigentlich nicht. Aber ich meine, ich gehe zum Bäcker und gerade sie werben noch mit dem Slogan Der Bäcker von heute weiß was gut tut und da denke ich, na ja gut, Der Bäcker hört sich ja vielversprechend an, und nun steht schon wieder eine Frau vor mir.“
    „Der Bäcker backt das Brot. Und ich verkaufe es.“
    Das verstand ich nun noch weniger. Ist es denn nicht eigentlich so, seit je her, dass es Aufgabe der Frauen ist, zu kochen, zu Backen und all so was eben, und Aufgabe des Mannes, die Dinge zu verkaufen? (Können die ja auch meist viel besser. Ich meine, waren sie als Frau schon mal in einem Elektrogeschäft und wollten eine Beratung, was verschiedene Steckdosenleisten betrifft? Die Männer, die mich da beraten, die machen mir richtig den Mund wässrig, und ich kaufe mir dann meist dreißig dieser Leisten, weil die einfach enorm praktisch sind. Habe im übrigen nun schon an die vierhundertfünfzig Leisten, das ist einfach genial.) Na ja, wie dem auch sein, sagte ich nur „Hm“ und bestellte mein Brot.
    Ich sah, wie die Verkäuferin das Brot ruppig in die Tüte steckte (nicht mal das nötige Feingefühl hatte sie) und dachte beim hinausgehen,
    an sich ist es ja ganz lobenswert, dass sich die Geschlechterrollen, wenn auch langsam, ändern.

    Ich weiss nicht was,
    desswegen lass ich das...

  2. #2
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    Es Leben All Die Jungen Brotverkäuferinnen!

    (sorry - mußt ich jetzt so schreiben)
    "Wie hass ich dagegen alle die Barbaren, die sich einbilden, sie seien weise, weil sie kein Herz mehr haben, alle die rohen Unholde, die tausendfältig die jugendliche Schönheit töten und zerstören, mit ihrer kleinen unvernünftigen Mannszucht!"

    Hölderlin - Hyperion an Bellarmin

  3. #3
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    Eine nette, kleine und harmlose Geschichte. Die Szene gibt viel her, regt zum Grübeln an. Hier, die erwartungsvolle Käuferin, eine junge Seele, voller Sehnsucht, dort die ungewünschte Frau, die an Stelle des Bäckers das Brot reicht. Vom Schlusssatz ausgehend sollte man den Text noch einmal lesen. Ob es ein geschlechtsspezifisches Rollenverhalten ist, Brot verkaufen, weiß ich nicht. Aber die Empfindung, die Erwartung, die Sehnsucht nach dem Ernährer, der in Mehl gepudert einem entgegentritt und das in knisterndes Papier gewickelte Brot reicht, dieses Bild hat schon etwas. Kann einen anrühren. Kleinere Fehler sollte man wohl noch verbessern.

    Viele Grüße

    Hans Werner

  4. #4
    Niquita Guest
    Liebe Pi,

    diese Geschichte bringt mich doch irgendwie zum Schmunzeln und passt hervorragend in die Reihe, die ich für mich "Rätsel unseres Alltags" genannt habe. Tatsächlich bin auch ich noch nie von einem jungen Mann in einer Bäckerei bedient worden. Nur in einer Baguetterie, gilt die auch?
    Selbige "Überdominanz von Frauen" gibt es auch an der Wurst-Theke. *g*

    Auf der anderen Seite kommt mir die Kundin so vor, als würde sie das erste Mal in ihrem Leben Brot kaufen. Das ist doch ein bisschen an den Haaren herbeigezogen. Ich denke mal, da findest du vielleicht noch einen besseren Einstieg. Und wenn da nur die Radio-Werbung einer stadtbekannten Bäckerei herhalten muss.

    Kleiner Tipp zum Abschluss: Du neigst zum "Vertippefix" Vielleicht solltest du vorher mal die Rechtsschreibprüfung von Word o. ä. benutzen?

    Liebe Grüsse
    Nicole

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