1. #1
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    Ich will hier raus

    Ich Will Hier Raus

    Ich bin am denken
    Ich möchte schreien
    Ich bin am schreiben
    Könnt ihr mich hören
    Meine Worte
    Wollen euch vorsingen
    Wollen euch erreichen
    Ich möchte euch zwingen
    Zuzuhören
    Wenn ich rede, ohne Worte
    Wenn ich ruf und wenn ich tob
    Hört mir zu, hört mir zu, hört mir zu

    Ich hör euch reden
    Wenn ihr euch einbringt
    In die Gespräche
    Über die sogenannte
    Über meine
    Generation
    Ihr habt sie verraten
    Ich hab den Glauben verloren
    An so was wie ne Jugend
    An so was wie Magie
    Doch das ist meine
    Wie ich meine
    Generation
    Voller Resignation
    (Die Jugend ist tot!)

    Drum hört mich reden, wenn ich schweig
    Und hört mich schweigen, wenn ich red
    Ich will hier raus
    Ich will hier raus

    Doch dies ist meine
    Meine einzige
    Generation
    In die ich gehör
    Die ihr zerstört
    Die ich liebe
    Die ich doch lieb!
    Die ich doch lieb!

    [Geändert durch faces&feelings am 11-06-2002 um 20:34]
    "Wie hass ich dagegen alle die Barbaren, die sich einbilden, sie seien weise, weil sie kein Herz mehr haben, alle die rohen Unholde, die tausendfältig die jugendliche Schönheit töten und zerstören, mit ihrer kleinen unvernünftigen Mannszucht!"

    Hölderlin - Hyperion an Bellarmin

  2. #2
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    huhuu aces&feelings,

    dein gedicht gefällt mir sehr gut.
    wobei es wohl seit je her so ist, das über die jugend geschipft wurde, und sie aus diesem grunde schon immer auf eine art risignierte.

    was ich aber sehr gut finde ist:

    Zuzuhören
    Wenn ich rede, ohne Worte
    Wenn ich ruf und wenn ich tob
    Hört mir zu, hört mir zu, hört mir zu


    denn wie oft gehen denn die stummen hilferufe in der erwachsenen trampelhaftigkeit unter?
    viel zu oft.
    und wenn sie gehört werden,
    ist es oft zu spät.

    lieben gruss
    pi



    Ich weiss nicht was,
    desswegen lass ich das...

  3. #3
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    Hallo Pinchen!

    Danke dafür, dass dich mein Gedicht interessiert hat. Hierzu möchte ich kurz was sagen:
    Ich gehöre ja wohl selbst mit 20 zur Jugend und das will ich auch. Doch was hier in diesem Gedicht zu diesem Thema (mehr oder weniger) zum Ausdruck kommt ist ein gewisser Abstand zu dem Bild, was in Medien oft als Jugend proklamiert wird. Ich will keine rebellierende Jugend, aber eine, die erkennt, was Jugend zur Zeit ist. Irgendwelche Modezaren und Vivastrategen, die sich darüber Gedanken machen, was denn bloß die nächste Mode sein sollte machen Jugend.
    Der Punkt ist doch der, dass jede Eigenständigkeit von Jugend im Keim erstickt wird. Das war vielleicht schon immer so, doch heute in einem zu schnellen Zeitraum. Wenn ich das Ganze an so etwas wie Musik festmachen will, dann kann man doch sagen, dass daran Stile wie Grunge und zuvor schon Punk zugrunde gerichtet wurden. Und im Gegenzug sieht man an den Attitüden von den neuen Punks oder HipHoppern, wie sehr sich diese anpassen. Ich bekomme das blanke Kotzen, wenn ich sowas wie "Teenstars" im Fernsehen sehe (zur Entschuldigung, beim durchzappen bin ich mal für 3 Minuten dran klebengeblieben).
    Es ist klar (um jetzt von Musik zu reden), dass man nicht außerhalb dieses großen Geldgeschäftes wirklich Erfolg haben kann, doch muss man sich denn für jeden Scheiß prostituieren lassen?
    Und wenn man die Musik außen vorlässt, vielleicht auch Mode und Marketing, dann sieht man nämlich, in welcher Öde man hockt. Jugend sitzt doch genauso in der Klemme, wie die gesamte Gesellschaft. Sei es wirtschaftlich oder idealistisch oder politisch, oder wie auch immer. Und Jugend ist nicht mehr die Jugend wie wohl einst in grauen Tagen, in denen vielleicht 2 bis 4 "Jugendbewegungen" parallel nebeneinander herliefen. Doch nichts ist so ziellos, planlos und ideenlos wie Jugend in der heutigen Zeit.
    Was ich mir wünschen würde wäre so etwas wie mehr Authentizität und ein wenig mehr Selbstbewußtsein. Wir stecken doch weiterhin in dieser Generation X Misere drin. Nur ist es halt keine Mode mehr mit dem Modebegriff Generation X Geld zu machen. Also lassen sie/wir es und spiegeln uns so etwas vor wie Spiel, SPASS und Spannung. Wir lassen es uns vorgaukeln. Selbstironie scheint das einzige zu sein, was Jugend geblieben ist.
    Ich gehöre weiterhin zur Jugend und weiß nicht, wie es in Zukunft besser oder anders werden könnte. Ich weiß es nicht, doch seh ich ein Dilemma, dass mich etwas zerfrißt.

    Das Gedicht möchte ich im übrigen noch verlängern mit einem neuen Schluß:

    Doch dies ist meine
    Meine einzige
    Generation
    In die ich gehör
    Die ihr zerstört
    Die ich liebe
    Die ich doch lieb!
    Die ich doch lieb!



    P.S.: Ach übrigens habe ich einige Gedichte in dieser Art geschrieben, doch auch einige, die vollkommen abgekehrt von der Alltagsproblematik sind [z.B. "4 Jahreszeiten"; Vorsicht: Werbung in eigener Sache]. Vielleicht eine Flucht in die Welt der Natur und der Fantasie... (Ich will hier raus)

    [Geändert durch faces&feelings am 11-06-2002 um 20:38]
    "Wie hass ich dagegen alle die Barbaren, die sich einbilden, sie seien weise, weil sie kein Herz mehr haben, alle die rohen Unholde, die tausendfältig die jugendliche Schönheit töten und zerstören, mit ihrer kleinen unvernünftigen Mannszucht!"

    Hölderlin - Hyperion an Bellarmin

  4. #4
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    hallo faces&feelings,
    ich glaube/hoffe, ich verstehe was du meinst.
    ich bin am ende der offiziellen jugend nun (bin 26). tatsächlich hast du recht mit der authentität (kann das wort nicht schreiben).
    weisst, wenn ich mich selbst betrachte, und denke, ich habe und hatte nie lust mitzuschwimmen in diesem absoluten konsum, habe und hatte nie lust, mich selbst zu verleugnen für markenklamotten und beschrängte musik, dann merke und merkte ich aber auch immer wieder aufs neue, wieviel kraft man dazu aufbringen muss.
    ich selbst zu sein ist wunderschön. aber eben auch mit einem so hohen maß an durchhaltevermögen gesattelt.

    ich geb dir mein jüngstes beispiel:
    ich bin ich selbst, sehe aus wie 23 und somit noch jung und frisch, zieh mich modisch, aber nicht übertrieben an. bin halt normal, vielleicht.
    habe aber eine meinung.
    und letztens waren ein kumpel und ich auf so nem gruppenbesäufnis und dabei kam das thema achselenthaarung und intimrasur auf.
    ich stehe da nicht sooo drauf, vorallem an den achseln nich.
    wieso auch?
    ist da halt gewachsen.
    aber: ich bin ne frau.
    und als die meine achselhaare dann zu gesicht bekommen "mussten" war ich total abgestempelt.
    weisst, ich mein -hä?
    so, dass will mir also sagen:
    alle müssen gleich aussehen.
    und das schlimmste daran ist, dass sie tatsächlich nicht nachdenken, wieso.
    ich meine, sieh dir die werbung an, alle sind rasiert, alle sind mager und alle titten sehen gleich aus.
    mich kotzt es auch an!
    aber eltern leben diesen mist ihren kindern vor.
    wie sollen kinder lernen sie selbst zu sein, wenn sie ihr maß an liebe oder an schlägen anhand von mit nachhause gebrachten mathenoten bekommen?
    wie sollen kinder sie selbst sein, wenns ie statt der zerfransten hose lieber die jeans von keine ahnung was für ner marke tragen sollen.
    in der schule lernen die kinder nicht wie das leben ist, sie werden vollgestopft mit lauter müll und haben keine werte mehr.
    und keine vernünftigen vorbilder.
    vorallem das nicht.
    ich finde es nicht schlimm, wenn jugentliche idole haben, aber du hast recht, die zeit lebt zu schnell und diese komischen girlygroops sind vielleicht auch nicht das richtige.
    ich verstehe deinen ansatz hoffentlich jetzt besser, ich hoffe wirklich!

    vielleicht können wir uns ja noch mehr darüber, in welcher art auch immer, auslassen *g*

    lieben gruss
    pi

    ach, ähm, bist du etwa eine? brotverkäuferin???
    Ich weiss nicht was,
    desswegen lass ich das...

  5. #5
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    Ich wäre Brotverkäufer und keine Brotverkäuferin, doch bin ich es gar nicht. Bin selbst der Kunde, der sich eigentlich nicht an den Brotverkäuferinnen stört.
    Ich glaub hierzu muß ich noch mehr schreiben...
    Aber heute Abend nicht mehr!
    "Wie hass ich dagegen alle die Barbaren, die sich einbilden, sie seien weise, weil sie kein Herz mehr haben, alle die rohen Unholde, die tausendfältig die jugendliche Schönheit töten und zerstören, mit ihrer kleinen unvernünftigen Mannszucht!"

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