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    Vertrautes unbekanntes Wesen - Ende offen... von Aramis

    VERTRAUTES UNBEKANNTES WESEN - ENDE OFFEN

    Meine Zigarette glüht. Vollmondin berennt. Und Verlangen in mir. Tränen wollen aufsteigen, noch kann ich mich wehren. Gegen dein Bild vor meinem geistigen Auge schon so lange nicht mehr.
    "Spend all your time waitin' for that second chance, for the break that would make it okay…" So zynisch klingt Sarah McLaughlans Gesang in meinen Ohren. Zertrümmert bin ich, Geliebte. In meinen Träumen, so vollendet geschwungene Träume, spazieren wir wieder schweigend durch die Waldgeräusche. Rennst du, mich im Rollstuhl schiebend, lachend mit mir durch den Frühlingsregen. Doch für mich kein Erwachen.
    Natürlich lebe ich im Hier und Jetzt. Mein Alltag fordert mich und hilft mir, bis es Nacht wird, deinen warmen Blick zu vertreiben. Dunkel wird's um mich, und schon bist du da. In mir, um mich herum. Ich versuche, deine Sommersprossen zu zählen, doch das Funkeln deiner Augensterne blendet mich, tanzt in deinen Locken. Noch immer spüre ich deine schmale Hand auf meiner, so behutsam, als ich zum ersten Mal in all meiner Verletzlichkeit vor dir stand.
    Und die ewige Frage: was war ich wirklich für dich. Rede mir immer noch ein, dass du dich und mich belügst. Ein Gedanke an dich, und alle Fassade zerbricht, die Vernunft lacht mich aus und reißt sich von mir los. Da war doch so viel mehr! War das ich allein?
    Der Abschied ist da, selbstverschuldet. Letzte innige Umarmung. Haltung bewahren und wissen, ich werde sterben, wenn du diese Tür schließt. Zutiefst verwundet krümme ich mich in meiner Wohnung. Die Hülle lebt. Es lebe die Hülle... Nur weiterexistieren, weil ich dich wiedersehe. Im September, Café Mozart. Wieso hat ein halbes Jahr so viele Tage? Jeden Tag lettres pour C., ich schicke dir nicht einen. Hörst du die Kassette noch oder ist das Autoradio noch immer kaputt?
    Ich warte schon mit meiner Bitter lemon. Hätte ich vorher gewusst, wie passend ich das Getränk gewählt habe... Heller Blick, forschend wie immer. So klar dein schlanker Körper, ich versinke in alten Gerüchen. Natürlich glaubst du mir nicht, dass ich dich nicht mehr liebe. Recht hast du. Und doch freut dich der Cidre, das Photoalbum, welches nur für dich entstand. Nie wieder eins in der Art. Unsere Bretagne, wir waren beide da, diesen Sommer. Haben uns wohl verpasst... Nie habe ich deine Lippen küssen dürfen. So weiche Lippen. Du fährst mich noch nach Hause. Ich sterbe zum zweiten Mal.
    C., ich habe den rosa Granit mit nach Berlin genommen. Dich mit mir und doch so unendlich weit entfernt von dir. Warum warst du so glücklich mit deinem Pianisten? Ich rufe dich an, du vertraust mir noch nicht, dass ich es schaffen werde, für dich ist es Flucht. Ich flüchte, flüchte. Vor allem, vor allen. Wie immer, das ewig alte Muster. Und doch ist es anders. Entdecke mich neu. Als Frau. Als Künstlerin. Als Lesbe. Neues Urbewusstsein. Wut auf Männer. Bestenfalls schmunzelnde Nachsicht und das Wissen, die Wahrheit zu kennen.
    "Sie werden mich nie verlieren." Ein Satz nur von dir, das Manna für meine ertaubte Seele. Warum hast nur damals nicht gesagt, wie du das gemeint hast? In meinem Herzen werde ich dich nie verlieren. Denn dort hast du dir einen Platz in Stein gemeißelt. Bittersüßer Fluch und ich schreibe dir die Erkenntnis als Weihnachtsgruß. Es war gut, nicht wirklich auf deine Antwort zu warten. Du gabst sie mir in Gedanken.
    Glaube mich neu, befreit und verliebt. Sie ist dir nicht unähnlich und doch so völlig anders. Sie verzaubert mich, weckt verschüttete Kräfte. Und liebt mich nicht wider. Nähe und Distanz, das Spiel spiele sonst ich. Muss unter immer neuen Tränen erkennen, dass Verspielte sein noch mehr weh tut, als selbst zu spielen. Keine Heuchelei mehr. Wieder in die Falle getappt. Wissend. Und wieder nicht fähig, mich anders als für das Leid zu entscheiden. ...Diesmal bestimmt wandeln sich meine Gefühle... Termine, Partys. 20 kg in vier Monaten weg. Körper und Seele rebellieren. Jetzt feiere ich den übervollen Terminkalender kaum noch. Immer öfter krank, ich hatte doch sonst nie Fieber.
    Paranoia. Sehe dich. Dein Mantel, deine Nase, deine Haare, C.! "Willst du mich, wirst du für immer vergeh'n...und ich fand nur schwer zu mir zurück...", Rosenstolz. Weißt du noch, die Gänseblümchen hinter deinem Scheibenwischer? War es nicht gestern noch? Heute vor einem Jahr hast du die Tür für immer geschlossen. Fahre ich durch die Stadt, bin ich das gehetzte Tier, "sehe" Personen aus unserer Geschichte. Vor genau einem Jahr. Ich merke es erst, als ich es schreibe. Der dritte Tod. Werde ich jetzt auferstehen? Wirst du mir jetzt sagen, ob ich dich noch immer liebe oder warum ich mich so nach dir verzehre?
    Schick' mir einen Brief. Leer. Nur deine Absenderin auf dem Umschlag. Nur deine Schrift! Er wird mich nicht erreichen. Du weißt nicht, dass ich aus der WG ausgezogen bin. Wieder alleine leben, meinen Schmerz in die eigenen vier Wände brennen. Du hast mich erkannt und ganz war ich. Mit dir ganz. Komm mich doch besuchen, wir könnten uns meine erste Ausstellung ansehen...bleib' doch noch auf einen Café au lait...! Warte, ich habe bestimmt noch Cidre im Haus...warte doch..C.! Geliebte C. von einst. Sag', wird es einmal nicht mehr wehtun? Quäle ich mich mehr, dir zu schreiben oder es zu lassen? Werde ich mit dem kleinen blauen Stern das Trauma wiederholen oder mich befreien? Werde ich...? Geh' nicht! - und doch, die Nacht verwischt. Ich will meine Kunst finanzieren lernen. Nur von Luft und Liebe leben, wohl eher von Luft allein ist schwer erträglich. Meine FreundInnen fangen mich auf. Bei allem, was ich fühle, bin ich schmerzhaft lebendig. Und Humor trotz(t) allem. Taggespenster und du wartest schon auf mich, die nächste Nacht kommt bestimmt. Ich hätte gerne ein Photo von dir gehabt. Jetzt brauche ich es nicht mehr. Du warst so nah im letzten Traum, süßester Wangenflaum. Watermark spielt und die Tränen strömen wie der Regen auf die Rollläden. Als du bei mir warst...und ich fand nur schwer zu mir zurück...war es ein Wir..?



    Aramis freut sich über Resonanz

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    Andre Purat

  2. #2
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    Eigentlich bin ich kein Fan von „Kurzgeschichten“, meistens gefallen sie mir schlichtweg nicht, doch dein Text hat mich irgendwie begeistert.
    Du hast der Geschichte einen tollen Charakter verliehen, der sie, wie ich finde interessant (zu lesen) macht. Von Anfang bis „Ende“ durchgezogen und gelungen.
    ....irgendwie stichpunktartig, erzählst du „von alldem“ eigentlich wenig und doch so viel / ohne dass es zusammengestückelt wirkt.
    Auf jeden Fall habe ich den Eindruck, dass die Geschichte mit Herzblut geschrieben wurde. Darum glaube ich nicht – ich kann natürlich auch total falsch liegen – dass sie fiktiv ist. Und es klingt vielleicht unglaubwürdig, doch mit so vielen Zeilen hast du mir aus der Seele geschrieben....
    (Nach langem hin- und herüberlegen habe ich mich doch dazu entschloßen kurz zu erzählen wieso)

    Vor 7 Jahren traf ich „Ihn“, durchlebte dann bittersüße Zeiten. In zwei Jahren sahen wir uns zusammengezählt ungefähr 14 Tage; Telefonate, hier und da ein Brief – doch es war eben noch viel mehr als das. Es war (ist) für mich das „ganz Große“...Seit damals ist der Begriff „Seelenverwandtschaft“ nicht mehr nur irgendein Wort für mich, sondern absolut existent.
    2 Jahre nach unserer ersten Begegnung fand meine Geschichte jedoch ein Ende. Zumindest praktisch sozusagen. Theoretisch lässt mich diese Zeit scheinbar niemals los. Ich denke immer noch oft daran zurück, an die vielen „kleinen großen Dinge“ , an all das was es für mich so besonders macht(e) – das letzte Gedicht schrieb ich erst vor wenigen Wochen...
    Die Sehnsucht, das Verlangen, die vielen Fragezeichen sind mittlerweile verblasst. Doch das Wissen um die „Einmaligkeit“ bleibt.
    Hinter der Frage „was war ich wirklich für dich“ sitzt zwar immer noch ein kleines Fragezeichen, doch dass ich darauf nie eine Antwort finden werde macht nichts mehr; es ist schwer verständlich zu machen: ich bin einfach nur noch dankbar diese Seite des Lebens, der Liebe kennen gelernt zu haben, all das in seiner Form erlebt zu haben.
    Im tiefsten Inneren glaube ich immer noch es war ein „Wir“.....

    Vor 4 Jahren habe ich mich dann, wie du es so treffend schreibst, „neu entdeckt“. Seither lebe ich glücklich mit einer Frau zusammen.
    Nachdem ich deine Geschichte (zum x-ten mal) gelesen habe, dachte ich bei mir: was vor 7 Jahren auf mich zukam und bis heute nachwirkt, hat mich schon total umgehauen. Wenn ich mir nun vorstelle, mir wäre das alles (und dann auch noch zum ersten mal) mit einer Frau passiert: ich wäre wohl durchgedreht!

    So - da es hier ja nicht um mich geht, hoffe ich, nicht zu weit ausgeholt zu haben. Es fiel mir jedoch schwer einen Kommentar zu schreiben - der dir vielleicht ein bißchen von meinem Verständnis rüberbringt und den Grund warum mich deine Geschichte persönlich so anspricht - ohne ein wenig davon zu erzählen.

    ....es sind eben mal wieder Erinnerungen wach geworden, auch wenn sich deine und mein Geschichte sicher nicht miteinander oder mit der anderer vergleichen lässt.
    Den Glanz, der solche Begegnungen umgibt, den kann man nur selbst sehen.........

    Selbst wenn deine Geschichte nun nicht autobiograpisch ist: Ich wünsche bzw. hoffe, daß sie ihren Glanz behält (du kannst ihn hoffentlich „trotzdem“ sehen), die Tränen trocknen und sie ein glückliches Ende findet!

    Abschließend nochmal mein Kompliment! (meiner Freundin gefiel´s auch sehr)

    ....mit lieben Grüßen
    Soulkitchen



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