1. #1
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    Endlich unendlich

    Endlich unendlich

    Im Schlafe der Erinnerungen liegt ein grünes Band
    geflochten aus den Gräsern jener schönen Zeit,
    die pure Freude uns gebar. Das warme Land
    um unsre Seelen dehnt sich aus und weit
    bekleidet anthrazitgefärbtes Erdgewand,
    in welchem das Naturgeflecht verschwand,
    die Körper, die wir nur geliehen hatten, zum Geleit
    in unser neues Heim - die Ewigkeit.
    Now, for the Poet, he nothing affirmeth, and therefore never lieth:
    for as I take it, to lie, is to affirm that to be true, which is false.

    An Apology for Poetry - Sir Philip Sidney


  2. #2
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    Endlich unendlich

    Hallo wolle,
    was es auch ist, Vision, Glaube oder eine "Möglichkeit".
    In warmer, fließender Sprache schilderst Du eine Betrachtung aus dem neuen Heim, der Ewigkeit. Endlich angekommen. Schön für den, der mit solchen Erinnerungen an das Erdensein dort bestehen kann.
    Mir gefällt die Sprache, ich kenne und anerkenne solche Visionen - jedoch ganz vorn steht ein tiefes, durchdachtes und sprachlich schönes Gedicht.
    Lieben Gruß,
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  3. #3
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    Liebe wolle,

    etwas neues, wollte auf die blöde Flasche nicht antworten und darf hier hoffentlich der Erste sein.

    Endlich unendlich

    Im Schlafe der Erinnerungen liegt ein grünes Band
    geflochten aus den Gräsern jener schönen Zeit,
    die pure Freude uns gebar. Das warme Land
    um unsre Seelen dehnt sich aus und weit
    bekleidet anthrazitgefärbtes Erdgewand,
    in welchem das Naturgeflecht verschwand,
    die Körper, die wir nur geliehen hatten, zum Geleit
    in unser neues Heim - die Ewigkeit.


    Du bist lyrisch gewachsen in der Zeit in der du hier warst. (ganz im Gegenteil zu dem Schrott, den ich hier heute eingestellt habe.)
    Ich kann heute nicht viel zu deinem Text sagen. Er ist sehr interessant und ich werde mich morgen gerne in eine lange Schlange einstellen um etwas intelligentes zu sagen. Heute ist es schon für mich zu spät...denn ich bin sehr müde. Melde mich morgen nochmal, habe aber den Bonus des ersten Kommentares.

    Ganz liebe Grüße
    Woitek

  4. #4
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  5. #5
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    Aloha ihr beiden!

    @Dana: Vielen Dank für deine lieben und anerkennenden Worte. Es freut mich sehr, dass dich mein Gedicht überzeugt und dass dich der Inhalt anspricht, zeigt mir, zu welchen gedanklichen Ufern auch du manchmal segelst (nicht, dass mir das nicht schon vorher klar gewesen wäre... ).

    @Woitek: Ach du. Da ist dir genau das passiert, was mir erst kürzlich woanders widerfuhr. (Ich sage nur: Abkürzungen - da sieht mein Kommentar ähnlich merkwürdig aus.) Nun ich hoffe, du hast dich nicht so lange geärgert, wie du darüber nachgedacht hast. Und von anstellen kann noch keine Rede sein, denn wir sind hier schließlich bislang nur zu dritt. Danke für dein Wachstumslob (und mach deine Gedichte nicht so nieder, denn du weißt, dass sie mir gefallen).

    Ich grüße euch ganz herzlich.
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  6. #6
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    Liebe Wolle,

    da bin ich nochmal, ausgeschlafen.

    Ich möchte deinen Text als ein Übergangsgedicht bezeichenen. Den Übergang von bewussten Erfahrungen hinüber in einen anderen größeren (wenn auch unbewussten) Seelenzustand.

    Endlich unendlich( schon im Titel wird die Sehnsucht des reflektierenden Subjektes nach einem überkörperlichen Zustand ausgedrückt)

    Im Schlafe der Erinnerungen liegt ein grünes Band( Erinnerungen von Glück als "geflochtenes grünes Band" symbolisiert, liegen im "Schlafe der Erinnerung")
    geflochten aus den Gräsern jener schönen Zeit,
    die pure Freude uns gebar./ Das warme Land
    um unsre Seelen dehnt sich aus und weit
    bekleidet anthrazitgefärbtes Erdgewand,
    in welchem das Naturgeflecht verschwand,
    die Körper, die wir nur geliehen hatten, zum Geleit
    in unser neues Heim - die Ewigkeit.(Hier wird die Auflösung des Körperlichen, bzw. der Übergang des Körpers in andere organische Verbindungen; dabei gleichzeitige Ablösung und Ausdehnung eines Seelenbegriffes, der sich seiner selbst nicht bewusst ist beschrieben. Alle Erinnerungen verschwinden, verlieren Wichtigkeit.)

    Liebe Grüße
    Woitek

  7. #7
    königindernacht Guest
    Guten Morgen und ein großes Lächeln für das gelungene Okto. Du hast in ganz freier Gestaltung die formellen Ansprüche an diese Gedichtsform eingehalten, sondern auch eine sehr lyrische Sprache gefunden, dem Inhalt angepasst.
    Dabei ist es dir gelungen den Leser zu anzuregen, den Text mehrfach zu lesen, sich auf ihn einzulassen.Meine ehrliche Anerkennung.
    Wenn ich dir überhaupt noch einen Tipp geben könnte, bezieht der sich auf die erste Zeile: Ich empfehle dir, das Wort "liegt" auszutauschen. Ein Band liegt selten, es webt sich ein (in die Träume), es umschlingt (die Träume), es windet sich (um die Träume)... Zudem entseht so ein weicherer Klang.

    Ein guter Einstieg in den Tag, herzlichst, Kö

  8. #8
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    Ihr Lieben!

    @Woitek:
    Ja, mit deiner Interpretation deckst du eine Schwachstelle auf, wie ich finde, denn trefflicher wäre es wohl, wenn dieser Seelenbegriff, wie du es nennst, sich seiner selbst bewusst wäre. Die Beschreibung ist wohl noch zu körperlich. Ich bin dir für diese inhaltliche Analyse sehr dankbar, denn sie ist für mich ein guter Denkanstoß. Ich werde dieses Gedicht zwar nicht umschreiben, aber mich eventuell auf ein Neues an das Thema wagen.

    @KöniginderNacht:
    Ich danke dir sehr für deine Anerkennung und für dein Lächeln. Das dieses Gedicht den Regeln eines Okto mehr oder weniger genügt, ist mir, ehrlich gesagt, gar nicht aufgefallen. Was deine Empfehlung anbelangt, möchte ich sagen, dass "liegt" dort steht, weil das Band im Schlafe (im 'Vergessen') liegt und ich mich nur ungern davon trennen würde. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht krumm. Auch wenn es so unsanfter klingt.

    Liebe Grüße euch beiden
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  9. #9
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    Hallo wolle77

    nach einem Tag der Abwesenheit wieder am PC, entdecke ich soeben dein sehr schön betiteltes Gedicht, das sich textlich in meine bevorzugte Denk- und Dichtrichtung bewegt. Allein schon das ist für mich erfreulich zu erkennen.

    Du beschreibst mit harmonisch ineinandergreifenden Bildern die (Rück)-Sicht der Seelen bei Ankunft im (alten) neuen Heim, wo sie die mit den abgelegten Körpern verflossenen Dinge mit anderen Augen sehen und mit einem anderen Geiste deuten. Der ruhig voranschreitende Text unterstreicht durch die gewählten Synonyme das ausgelichene, jetzt temperamentfreie und von Zweifeln befreite Sein der Seelen im heimatlichen Urzustand. Eine eher neutrale Betrachtung des ewigen Zyklus "Leben" im Wechselspiel der Zustände zwischen erdverhaftetem körperlichen und dem rein seelischen Sein.

    Gefällt mir wirklich gut, da es auch zum Lesen zwischen den Zeilen anregt.

    Liebe Grüße
    crux
    Geändert von crux (27.05.2006 um 15:11 Uhr)

  10. #10
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    Hallo Crux!

    Es freut mich, dass dir mein Gedicht gefällt. Mittlerweile bin ich zu der Einsicht gekommen, dass ich das Thema noch einmal aufgreifen sollte, um (siehe Woiteks Kommentar) die Seelen ihren Zustand bewusst wahrnehmen zu lassen. Der Text entstand sehr spontan, als ich Musik hörte, die mich sehr weit forttrug (vielleicht auch nur tief in mich?). Ich kehrte zurück und da stand ein halbes Gedicht vor meinen Augen, sagte "Schön, dass du mich hierher eingeladen hast" und lächelte mich an. Ich weiß also nicht genau, wie es dazu kam. Doch behandelt es ein Thema, dass mich auch so schon oft beschäftigt hat. Freut mich auch, dass du es als neutral empfindest, denn als Woitek meinen Titel interpretierte schoss mir der Gedanke 'Oh nein, es kann eventuell doch mit Todessehnsucht assoziiert werden' durch den Kopf. Denn das trifft es ja eigentlich nicht und liegt meiner Intention auch sehr fern. Zum Glück jedoch wurde ich bisher noch nicht missverstanden.

    Ich danke dir herzlich für's Lesen, Verstehen und Kommentieren.

    Liebe Grüße
    Geändert von Francine (23.05.2006 um 21:56 Uhr)
    Now, for the Poet, he nothing affirmeth, and therefore never lieth:
    for as I take it, to lie, is to affirm that to be true, which is false.

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  11. #11
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    Hi Verschollene

    nach dem Lesetipp dem ich gerne folgte muss ich Dir nun mein Glückwünsche für dieses edle Verslein überbringen.

    Es schwingt, wiegt und fliegt "unsterblich schön" über mich hinweg!

    Das Kerlchen32

  12. #12
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    Endlich unendlich

    ich kann nur sagen: Ein perfektes Gedicht.

    Poetin

  13. #13
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    Das ist so ne schöne Sprache ich wünschte ich würd das auch schaffen.

    Ist echt gut geworden
    Kommentare sind immer erwünscht
    Nur eins ist im Leben sicher
    und das ist der Tod!

    Ein neues von mir!
    Heirat

    Nicht meins aber das bestewas ich je gelesen habe
    Mit den Messer in der Hand

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