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  1. #1
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    Gerecht geteilt

    Gerecht geteilt

    Bett, Tisch und Stühle
    waren zuletzt an der Reihe,
    bevor die große Säge kam
    und das alte Holz Späne weinte.

    Gerecht zu beiden Teilen,
    am vorletzten Tag im März,
    Punkt Zehn,
    war vorbei,
    was war.

  2. #2
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    Aloha Kerlchen!

    Ich lese hier eine Scheidung mit einhergehender Gütertrennung heraus. Ich weiß zwar nicht, ob ich damit völlig daneben liege und nur an der Oberfläche kratze, aber mehr entnehme ich dem Ganzen momentan nicht. Das soll jetzt keine Abwertung sein, denn es weint hier interessanterweise mal das Holz und nicht einer der Beteiligten, was das Gedicht schon von vielen anderen abhebt. Wie nathschlaeger das schon bei "Es ist verrückt" bemerkt hat, du hast deine ganz eigene Sprache gefunden, an der man dich wiedererkennen kann und die du im Griff hast. Das gefällt mir.

    Liebe Grüße
    Now, for the Poet, he nothing affirmeth, and therefore never lieth:
    for as I take it, to lie, is to affirm that to be true, which is false.

    An Apology for Poetry - Sir Philip Sidney


  3. #3
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    Morgen Wolle ... Du hast Recht .. Scheidung mit Gütertrennung, die Genauigkeit der Termine soll einfach noch mal mit Nachdruck zeigen wie kühl das von sich geht...deswegen endet es auch nur mit "was war"...

    Ich finde es beschämend für Menschen, die sich einst liebten. Außerdem soll es noch die Sinnloskeit zeigen, weil keiner was davon hat wenn es SO läuft ... was bringt ein halber Stühl, ein halbes Bett usw...

    Danke was die eigene Sprache betrifft - es ist schön, sowas als Poet zu hören.

    Wir lesen uns ...

    PS: Du schreibst selber wenig Texte ?

  4. #4
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    Me again...

    Die Abgeklärtheit hast du schön getroffen, habe ich vergessen zu erwähnen, verzeih mir bitte.

    Ein schönes Wochenende wünsche ich dir und nochmals liebe Grüße nach Stuttgart!
    (Ein schönes Städtchen! Ein guter Freund von mir wohnt dort.)


    P.S.: Stimmt so nicht, ich veröffentliche nur wenige...
    Now, for the Poet, he nothing affirmeth, and therefore never lieth:
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    An Apology for Poetry - Sir Philip Sidney


  5. #5
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    Dir auch ein gutes Weekend... und was Stuttgart betrifft kann ich Dir nur soooo beipflichten

    bis denne

    Stefan

  6. #6
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    Hallo Kerlchen
    Mir gefällt dein Gedicht in jedem Wort. Was du schreibst ist wahr und es macht mich ein wenig traurig. Ich habe einige Freunde, in deren Familie das Leben auch nicht mehr seinen sonnigen Lauf nimmt... ich glaube die Kinder weinen mehr als das Holz... ich hätte sie gern auch in dem Gedicht gesehen... aber so wie du es schreibst, gefällt es mir auch.

    liebe Grüße
    "Zeit die wir uns nehmen, ist Zeit die uns etwas gibt" (Ernst Ferstl)

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    Was dich forttreibt
    Meine Werke auf einen Blick: Infinity's Marmeladenlektüre
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  7. #7
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    Hallo Infinity

    Danke für Deinen schönen Kommentar. Was die Kinder betrifft hast Du recht ..die hätte man noch mit einarbeiten können - vielleicht habe ich nicht an Kinder gedacht, da ich leider keine habe.
    Keine Frau - keine Kinder ...so ist das bei den schwulen Jungs eben...
    Freut mich aber wenn`s Dir gefällt wie es ist.
    Das weinende Holz sagt meiner Ansicht schon viel, obwohl man es vermutlich eher materiell auslegen könnte. Aber ich habe da auch ideelle Werte mit gemeint.

    Gruß vom Kerlchen32

  8. #8
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    Hallo Stefan

    wieder ein echtes kerlchen32 vom Feinsten, mit einer überragenden Metaphorik. "Weinende Holzspäne", wow, darauf muss man erstmal kommen.

    Bin seit Jahren nur noch von sich scheiden lassenden Paaren umzingelt und fast jeder will sich an meiner schwachen Schulter ausweinen, eine Tragik sondersgleichen. Dieses ständige Miteinbezogenwerden in private Rosenkriege hasse ich wie die Pest und habe mich daher längst dazu entschlossen, mich elegant neutral von diesen Zerrüttungsgeschichten fern zu halten.

    Den sarkastischen Titel "Gerecht geteilt" hättest du gar nicht besser wählen können.

    Liebe Wochenendgrüße ins westliche Stuttgart
    crux

  9. #9
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    Gerecht geteilt

    Liebes kerlchen,
    fast "nüchtern" beschrieben in ein paar Zeilen und dennoch bis ins Mark getroffen. Jede der zwei Strophen schliesst mit einer besonderen Aussage. Die weinenden Späne sind nicht zu überbieten.
    Die zweite mit Zeitangabe und "war vorbei, was war" zeigt auf, wie leichtfertig Menschen bereit sind, Jahre und Jahrzehnte hinzuwerfen - für mich immer ein kleines Zeichen dafür, dass diese Zeit nicht sonderlich gefüllt gewesen sein kann.
    Wenn man neben die Zweisamkeit einen Riesensack stellt und jeden Tag mit dem Gelebten füllt (Gutes und Schlechtes), dann lässt er sich gar nicht so leicht über Bord werfen.
    Nochmals ein dickes Lob und
    liebe Grüße,
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  10. #10
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    Hallo

    Ein sehr ausdrucksstarkes Werk mit wenig Worten.
    Wirklich gelungen.

  11. #11
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    Hallo Ihr 3 ...

    ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen, weil dies genau meine Gründe für diesen Text waren!

    Erstaunlich wie Ihr das rausgelesen habt.

    Es grüßt das Schwabenkerlchen32

  12. #12
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    Klasse Gedicht, Kerlchen.

    Wer selbst in noch keiner solchen Situation war, und der dennoch deinen Worten etwas sehr trauriges abgewinnen kann, das muss der Kunde eines fabehaften Gedichtes sein. Ich ein solcher Kunde.
    In einem anderen Thread eines anderen Gedichtes aus deiner Feder schreibst du, dass eigene Emotionen jeden Vers noch wahrer, noch tiefgreifender dastehen lassen. Dieser Funke springt auch hier über.

  13. #13
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    Hallo kerlchen!

    Ob der vielen Antworten bleibt nicht mehr viel zu sagen.

    Dass das Holz Späne weint, schnurt einem fast die Kehle zu und macht sehr betroffen. Dein Werk zeigt mit einer Nüchternheit sehr viel Sensibilität, schön. Und es zeigt, wie erbärmlich angehäufte Dinge doch sind, wenn eine Liebe zerbricht. Großes Lob von mir für dein lyr. Bild.

    lg
    Eva
    EvaAdams

    (c) Mein Werkverzeichnis: Unterm Feigenbaum = überholungsbedürftig, aktuelles bitte unter Profil nachsehen


    Die WÖRTERWUNDERTÜTE ist da!

    Mein Buch Leitersprossen

  14. #14
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    Speedie84

    Danke für Deine Worte ... genau deswegen habe ich es auch geschrieben!

    Hoeyo

    Du bist ja nur selten hier... toll, dass es so aufmerksame Leser gibt

    EvaAdams

    Das war mein Ziel...in Nüchternheit den Text wiederzuspiegeln, wie scheiternde Liebe allzuoft im Leben mit Füßen getreten wird, dass selbst das Holz schon weinen muss und sinnlos daran zerbricht.

    Danke Euch

    Gruß Stefan

  15. #15
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    den zahlreichen Kommentaren ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Dennoch möchte ich sagen, dass ich dein Gedicht gerne gelesen habe. Es hat mit sparsamen Worten erzählt, was aus einer Gemeinsamkeit werden kann, wenn man nicht aufpasst.

    Gemeinsam angeschaffte Dinge werden lieber zerstört, als dass man sie freiwillig dem Anderen überlässt - schauderhaft.

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