Thema: BIRKENBRUCH

  1. #1
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    ("Niemand ist zuviel gesagt, wer hier allein sein dürfe: Immer hört sich, was noch Mensch sein will, an und ab.")


    Personal

    Die Frau am Tisch
    Ein Kellner, der alles mitschreibt
    Mit der Zeit: Ein Kind (mit Ball)
    Ein zweiter Gast
    Eine Stimme

    (lange Zeit)

    Die Frau Hühnersuppe
    Salat
    Eier im Kressebett
    Spitzkohl in Currysahne
    Kalbsteak, überbacken
    Topfpalatschinken
    Mit Aprikosensauce

    (blickt den Kellner an)

    Wenn ich nur daran denke.
    Ich kann ja auch nur daran
    denken. Undenkbar, mehr zu
    tun als das.
    Verschwinden Sie!

    (Kellner ab)



    Zweiter Gast, eintönig, aus der Speisekarte verlesend)

    Mehr zu genießen
    Als ausschließlich
    Den Gedanken
    Der Genuss ist der Tod
    So ist das Leben
    Es ist schrecklich
    Und in letzter Konsequenz
    Grauenvoll
    Ja das ist das Leben, das
    kann ja nur
    Das Leben sein
    O wie süß –
    Ein Kind.

    (Kind bühnt sich von links an, hebt dozierend den Zeigefinger)

    Mit der Zeit
    können wir ausschließlich
    Über das Denken altern
    Immer wieder müssen wir
    Die Möglichkeit
    Eines weiteren Tages
    Bedenken
    Diese verlässliche
    Unsicherheit –
    Man wächst zurück in ein
    riesenhaftes Fundament.

    (wie in holdem Erinnern)

    Oben an der Luft:
    Porzellantanz im Wind

    Die Gefahr...

    (rollt seinen Ball von der Bühne)




    Wenn man gut aufpasst
    (schaut nach rechts, links, flüstert)
    Links, rechts, noch mal
    Links
    Gut aufpasst...
    dann passiert nichts.
    (Pause,Pause,Pause)

    Gar nichts.
    (setzt sich)

    (Dunkelheit von rechts, dann völlig)
    (eine Stimme)

    Wird es denn noch was
    Werden?

    (Licht)
    Außer Tag und Nacht.

    (Die Vermögenssteuer wird abgeschafft)

  2. #2
    Registriert seit
    May 2001
    Beiträge
    74
    uff,

    das muss ich mir bei gelegenheit nochmal
    durchlesen, mit etwas mehr ruhe, glaub ich.

    werds dann aber unkommentiert lassen, so gut
    scheints auf anhieb.

    schönes wochenende

    e.

  3. #3
    Registriert seit
    Apr 2001
    Beiträge
    3
    Moin, Ray!

    Dein Text erinnert mich an die Wortfolgen der polnischen Kabaretttruppe "Die Grüne Gans"; Regieanweisungen wie Vater: verblödet langsam, denen eine Textanweisung wie Vater: "Ich glaube, ich verblöde langsam" voraus-geht, lassen dem Regisseur zu viel Spielraum zur unmenschlichen Auslegung. Du läßt dem Leiter&Lenker der menschlich-allzumenschlichen Geschicke Spielraum; Er wird die Vermögenssteuer abschaffen und die HÖLLE und die asbesthaltigen Eternitplatten und die Freiheit, zu denken und & ...
    Es klingt also ein wenig wie "Realitätsverlust", was natürlich sofort die Frage aufwirft, was denn Realität sei, und wodurch sie sich auszeichne, und wer das Recht habe, den Begriff zu definieren.
    Ich fühle mich beim Lesen Deines (im übrigen ausgezeichneten) Textes t(r)aumelig-schwindelig, ein wenig wie im Karussell, dabei aber wissend, daß ich nicht im Karussell sitzen könne.
    Im Worte allein ist Unheil, denn erst wenn das Unfaßbare gefaßt wird in Worte und auf dem Papier festgenagelt, vergeht die Heiligkeit, denn siehe, und schon ist sie dahin! wie ein Hauch im Abendkühl, unfaßbar und doch zerfaßt doch während ich dies überlese, graut mir die Hoffnung: "Alles wird gut!"


    [Geändert durch Gerwalt der Wikinger am 12-05-2001 um 19:44]
    Gerwalt, der Speerschütteler

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