1. #1
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    Der Internetkritiker - ein Pamphlet

    Der Internetkritiker - ein Pamphlet



    In Vorbereitung zu meinem Text schlug ich wahllos eine Seite in meinen gesammelten Werken von Goethe auf und fand folgenden Text vor:

    An Zacharia



    Schon wälzen schnelle Räder rasselnd sich und tragen
    Dich von dem unbeklagten Ort,
    Und angekettet fest an deinem Wagen
    Die Freuden mit dir fort.

    Du bist uns kaum entwichen, und schwermütig ziehen
    Aus dumpfen Höhlen (denn dahin
    Flohn sie bei deiner Ankunft, wie vorm Glühen
    Der Sonne Nebel fliehn)

    Verdruß und Langeweile. Wie die Stymphaliden
    Umschwärmen sie den Tisch und sprühn
    Von ihren Fittichen Gift unsrem Frieden
    Auf alle Speisen hin.



    Mir ist es ein Graus, wenn ich sehe, mit welch lauteren Methoden ich manche Kritiker hier Gedichte kommentieren sehe.
    Beginnen wir zunächst mit dem Kritikpunkt, der sehr gern angewandt wird - der ausgelutschte Reim. Einen dieser meistgebrauchten Reime finden wir bei Goethes Text in Strophe eins vor, Ort/fort. Er ist nicht minder selten wie der Herz/Schmerz-Reim. Ein jeder, der Goethes Gedichte kennt, weiß, dass unser vorbildhafter Dichterfürst auch auf diesen des Öfteren zurückgriff. Aus gutem Grund:
    Wenn unsere Gefühle verletzt werden, spüren wir die stechenden Schmerzen meist beim Herzen.
    Schon inhaltlich bietet sich der Reim folglich an, warum also soll man gekünstelt nach einem besseren Reim auf Herz oder Schmerz suchen? Das Ergebnis der Hetzjagd gegen den Herz/Schmerzreim ist nämlich schrecklich. Immer wieder entdeckt man Internet-Dichter dabei, wie sie in einem erbitterten Wettbewerb suchen, den originellsten Reim auf Herz zu finden. Mich selbst musste ich auch schon dabei ertappen aus lauter Angst, es könnte einer daherkommen und sagen: Du bist ja ein Ausgelutschter! - Meinen Herz/Kerz’-Reim bedaure ich bis heute.
    Ein weiterer Kritikpunkt ist der unreine Reim. Erst kürzlich lass ich von einer bekannten hiesigen Dichterin, es reize auch sie, gegen die Regeln zu verstoßen, indem sie den unreinen Reim verwendet. Meines Wissensstandes nach stammt das obige Gedicht aus der konservativen Ära Goethes, viel Spaß also beim regelgerechten Dichten, wer es denn braucht! “Wenn ich groß bin, möchte’ ich auch gern Spießer sein.”
    Auch liest man oft Kommentare, wie:” ihh!, den Reim hast Du doch oben schon verwendet”, und das in Beispielen wie hin/dahin. Ein Blick zu seinem Gedicht offenbart nun also, welch schrecklicher Poet Goethe eigentlich war. Auch betrachte man das schreckliche Schrecken das Joethe in der zweiten Strophe in den Zeilen 3 und 4 begeht: Flohn/fliehn. Wie kann man nur ein und denselben Wortstamm wieder und wieder verbraten und dann auch noch den Tempus wechseln? - “Schröklich!”
    Ich sage Bravo!, Herr Goethe. Ein wirklich gekonnter Griff in die rhetorisch Trickkiste. So will ich nun auch zum Punkt kommen: Dieser Punkt ist es also, der mich besonders zu meinem Rundumschlag anfeuerte. Als ich jüngst einen Text kritisierte zum Thema Tschernobyl, gab ich einen meiner wenigen Verbesserungsvorschläge:

    Die Luft trägt tödliche Strahlen,
    Mütter tragen schweres Leid.

    Ich gab selbst zu, dass ich das noch nicht für die Mutter aller Grazien hielt, aber als Antwort erhielt ich, das man Wörter nicht doppelt verwenden darf und in Tschernobyl nicht nur die Mütter litten. Ganz ehrlich: Es ging in diesem Gedicht um Tschernobyl im Jahr 2006. Selbst meine Freundin, die sich kaum mit Gedichten beschäftigt, erkannte ohne mein Zutun, weshalb der syntaktische Parallelismus mit sich wiederholendem finiten Verb. Ich will die Autorin hier nicht diffamieren, aber litten in diesen Versen wirklich nur die Mütter?

    Ich kann die Autorin nicht diffamieren, sie selbst ist das gefesselte Opfer. Auch sie betrat die Welt der Lyrikforen und durfte sich zunächst folgenden Floskeln widmen:

    - Keine Wortwiederholungen
    - Reime ausgelutscht
    - unreine Reime

    Die Liste lässt sich beinahe endlos verlängern, beim Thema Sonett wollte ich gar nicht erst anfangen. Der entscheidende Punkt ist mir Folgender: So großartige Gedichte wie das von Goethe wird man in den Foren nur selten erhaschen, weil sich zu oft in Regeln verheddert wird, die nichts mit der lyrischen Realität in der realen Welt zu tun haben.
    Und abschließen möchte ich mit einem Schuldeingeständnis:
    Ich habe den Fehler, auf alteingesessene User mit 1500 Beiträgen und mehr zu hören, die von ihren Attitüden nicht lassen können, am Anfang auch gemacht und meine Kritiken auf diese Punkte ebenso ausgerichtet. Nun will ich, dass man darüber sinniert, inwiefern man den Schaden aus diesen Plattitüden beheben kann?



    Kajn
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  2. #2
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    Hallo kajn,

    ein wirklich lesenswertes Pamphlet, da es einen als Kritiker auch zu mehr Selbstreflexion auffordert. In der Tat finde auch ich manche Kritik an unreinen Reimen oder Wortwiderholungen (die zudem eigentlich als Stilmittel erkannt werden sollten!) eher unverständlich und zeigt das Vorgehen nach Schema F beim Beurteilen mancher Werke - als Kritiker ist man auf bestimmte Signale eingeschossen und zieht diese bei Gelegenheit.
    Was den Herz-Schmerz-Reim angeht: Hier sollte man noch andere Faktoren berücksichtigen. Denn meistens ist in Online-Lyrik-Foren dann auch das restliche Gedicht sprachlich eher einfach gestrickt (soll auch heißen: ohne Verdichtung, Metaphern u.Ä.) und die Kritik wählt dann halt jenen berühmt-berüchtigten "ausgelutschten" Reim exemplarisch aus. Herz-Schmerz lässt sich durchaus elegant einweben, sollte dann aber auch von den 08/15-Gedichten durch den Kritiker unterschieden werden. hier ist wohl auch etwas Feingefühl nötig.
    Außerdem ist jene Wiederholung von Reimen in anderen Gedichten des Autors schon auffällig: Wenn ich bei Gryphius zum dritten Male "Hertzen-Schmertzen-Mertzen-Kertzen" lese, zweifle ich an der Originalität des Autors - auch wenn Gryphius sprachlich einiges drauf hatte.
    Vielleicht ist an jener Herz-Schmerz-Hetze aber auch die Überflutung der Foren mit jenen Phrasen schuld, die letztlich zu einer allergischen Reaktion gegen bekannte und eingetretene Reime führen.

    Nichtsdestotrotz ein wichtiger Ratschlag zu mehr Sensibilität des Kritikers bei Gedichten. Sehr bedenkenswert, gern gelesen.

    Grüße
    Philipp

  3. #3
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    Hallo Kaschne!

    Ich hoffe, dies hier ist nur ein grober Entwurf. Auch wenn ich mich rein von der Sache her in etlichen Punkten anschließen kann, ist ein "Aber Goethe hats doch auch gemacht" ein rhetorisch genauso ungeschicktes Hau-Drauf-Argument wie "Aber meine Freunde findens auch toll".

    gott

  4. #4
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    Sag ich's doch immer! Einen neuen Göthe bräucht' die Literatur!

    Herrgott! Wenn ich nur mehr Zeit hätte...

  5. #5
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    @gott

    Das "Goethe hat's auch gemacht" ist an sich keine Begründung, jedoch zeigt es, dass man dazu geneigt ist, mit zweierlei Maß zu messen. Also dass man Online-Poeten für Dinge kritisiert, die selbst die Angesehensten ihrer Zunft so verwendet haben - und das nicht zu knapp.

  6. #6
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    @gottschie: Natürlich ist es ein rhetorisches Hau-Drauf-Argument, aber es ist auch ein Pamphlet und als solches zu nehmen. Es geht darum, das jeder versteht, worauf ich hinaus will. Hätte ich statt mit dem billigen Goethe-Vergleich etwas intellektuell anspruchsvolles gewählt, wäre nicht jedem das Beispiel genüge. Es könnte dann leicht heißen, wer ist denn schon Erich Fried oder besser noch der eigentliche Vorzeigebürokrat der "deutschen Poeterey" Martin Opitz?

    Das auch Goethe das gemacht hat, spricht allein schon Bände, weil jeder ihn als die Vorzeigeikone der deutschen Dichtung kennt. Ein besseres, gewichtigeres Argument gibt es also gar nicht, um zu klären, wie seltsam manche Kritikkriterien gehandhabt werden.

    @ AiAiAwa: Das der Herz/Schmerzreim schmerzt, wenn er ungeschickt eingesetzt wird, will ich nicht bestreiten. Aber Du zitierst Gryphius, der den Reim schon sehr gut kannte , da hätte also auch einem Goethe knapp 150 Jahre später klar sein müssen, dass man den Reim nicht mehr nehmen kann.
    Wenn der Herz-Schmerz-Reim exemplarisch genutzt wird, um Schwächen im Text aufzuzeigen, weil es dem Text auch insgesamt an Originalität und Esprit mangelt, ist das eine Sache, da gebe ich dir recht. Aber nicht selten muss ich vom Wortlaut folgendes lesen: "Tolles Gedicht, überzeugt mich sehr, naja, den ausgenudelten Herz-Schmerz-Reim hättest Du weglassen sollen!", und genau dagegen will ich sensibilisieren. Danke für das Lob !

    Es grüßt

    Kajn
    Geändert von Kajn Kokosknusper (08.07.2006 um 17:14 Uhr)
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
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  7. #7
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    Wenn wir schon Goethe bemühen - was ich nur mit Widerwillen tue -, so kann ich mich seinen folgenden Worten, die durchaus im Sinne des Pamphletes liegen, nur immer wieder anschließen:
    Es gibt eine zerstörende Kritik und eine produktive. Jene ist sehr leicht, denn man darf sich nur irgendeinen Maßstab, irgendein Musterbild, so borniert sie auch seien, in Gedanken aufstellen, sodann aber kühnlich versichern: vorliegendes Kunstwerk passe nicht dazu, tauge deswegen nichts, die Sache sei abgetan, und man dürfe ohne weiteres seine Forderung als unbefriedigt erklären; und so befreit man sich von aller Dankbarkeit gegen den Künstler.
    Die produktive Kritik ist um ein gutes Teil schwerer, sie fragt: Was hat sich der Autor vorgesetzt? Ist dieser Vorsatz vernünftig und verständig? Und inwiefern ist es gelungen, ihn auszuführen? Werden diese Fragen einsichtig und liebevoll beantwortet, so helfen wir dem Verfasser nach, welcher bei seinen ersten Arbeiten gewiß schon Vorschritte getan und sich unserer Kritik entgegengehoben hat.
    - J.W.W. Goethe, zitiert aus "Der neue Conrady", Einleitung
    You know, wars aren’t kids - where you don’t have to pay attention to the youngest one because the older two will take care of it.
    - Jon Stewart

    Schwarze Gezeiten: heichaojing
    in Zusammenarbeit mit Lia: All Along the Watchtower
    (work in progress)

  8. #8
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    Hallo,

    ich finde auch dass du mit der Berufung auf Autorität den gleichschweren Fehler begehst. Es gab auch schon Leute die haben hier Gedichte von berühmten Literaten reingestellt und haben von erfahrenen Usern schlechte Kritiken dafür bekommen - und dann sich über die Kritiker lustig gemacht dass sie jemand so herausragendes heruntergeputzt haben. Ich fand das an der Stelle aber durchaus gerechtfertigt.

    Am Ende sollte immer ein Kriterium entscheiden. Gefällt es oder gefällt es nicht. Wenn jemand oft gut ist, so wird man dazu geneigt sein auch schlechtere Werke besser zu bewerten, genauso verhällt es sich auch andersrum. Das sollte jetzt keine Wertung sein, in Endeffekt muss man aber die Sache für die Leute doch versuchen greifbar zu machen. Und da fragt man sich als Kritiker: Was ist die große Schnittmenge guter Gedichte und andererseits: Was tritt häufig in schlechten Gedichten auf? Dass wir Sachen ständig bewerten geschieht unbewusst. Wir bewerten Dinge nachweislich sogar egal ob das erforderlich ist oder nicht. Und die Begründungen dafür zu finden fällt und dann verhältnismäßig schwer. Ich hoffe du verstehst was ich damit sagen möchte. Es gibt nicht schwarz und weiß, sondern wahnsinnig viel grau.

    JamZee

  9. #9
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    hallo
    nun, mich hast du zum nachdenken gebracht, auch wenn ich die kritikpunkte der anderen verstehe, so entkräftet das dein pamphlet nicht genug, als das man es nicht mehr annehmen könne.



    Ein Gemisch aus Alkohol und Medikamenten:
    mit ein wenig Zigarettenrauch.

  10. #10
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    @Jamzee: Das es große Literaten gibt, die auch Mal ziemlich stinkenden Käse fabrizieren, habe ich nicht abgestritten. Nur weiß ich nicht, wo dein Problem liegt, dass Gedicht, das ich von Goethe gefunden habe, zähle ich nicht dazu. Ich hätte auch eines seiner ganz großen, weithin bekannten Werke nehmen können und wäre auf erstaunliche Ergebnisse gekommen.
    Das Goethe-Zitat von Kuru ist wirklich treffend, man sollte sich erst vom Ballast einer Strichlistenkritik freimachen und sich auf das einlassen, was ein Dichter produziert. Wenn es dann nicht gefällt, oder man mit Passagen nicht zufrieden ist, kann man zur Not die Strichliste wieder auspacken, um auf Mängel hinzuweisen. Der Fehler, den man dann aber nicht machen darf, ist, zu pauschalisieren: textimmanente Kritik. In diesem Text stört der Paarreim und nicht - was man dann immer wieder von Wortlaut her lesen muss - einen Paarreim darf man nicht benutzen. Im Daktylus wirkt er anders als im Jambus. vierhebig anders als siebenhebig.

    Es gibt nicht schwarz und weiß, sondern wahnsinnig viel grau.
    Der Satz bestätigt mein Pamphlet mehr, als das es dieses widerlegt .

    @SchattenMorelle: Wenn es zum nachdenken anregt, freut mich das. Irgendwo muss man schließlich anfangen .

    Es grüßt

    Kajn
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
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    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  11. #11
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    Ich denke, das Problem liegt bei vielen darin, dass sie den reinen Endreim zum König der Reime erkoren haben. Gut, ab und zu gibt auch der ein oder andere der Assonanz eine Chance und die Alliteration hat hier auch schon ihre Fans gefunden. Aber letztlich scheinen die meisten der Meinung zu sein, dass unreine Endreime, identische Reime oder grammatische Reime nur imperfekte, ungekonnte Reime sind und nicht etwa stilistische Varianten die das Repertoire an Reimmöglichkeiten positiv erweitern.

    Für mich ist das faszinierende am Reim aber nicht etwa, dass er rein ist, sondern dass es auf irgendeiner Ebene eine Klangwiederholung oder auch nur eine Klangähnlichkeit gibt. Natürlich muß man für diese sensitiven Werte des Reimens (welcher Art auch immer) sensibel genug sein, um daran Freude zum empfinden. Der Rest ist nur eine Frage der Aufgeschlossenheit gegenüber der Breite des Reimpools, wie ich meine.
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  12. #12
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    @ Kajn...

    es lag mir fern dich kritisieren zu wollen. Ich wollte bloß meine Meinung in Bezug darauf konkretisieren weil ich das Gefühl hatte dass manche gleich wieder in das andere Extrem umschweifen. Ich habe ja geschrieben wie ich versuche auch meine Entscheidungen zu treffen.

    Lesen ---------> Urteil ---> Begründung
    **|*********** ^********* ^
    **|********** /***********|
    **v**********/*********** |
    unbewusste Bewertung***Merkmale Inhalt/Form

    Es ähnelt einer Erweiterung von Barghs Modell und funktioniert denk ich mal auch recht zuverlässig. Ich habe versucht Punkte bei dir aufzugreifen und in meinen Augen richtig zu konkretisieren. Dabei wollte ich dich nicht widerlegen, wie gesagt, es gibt immer feine Unterschiede. Deswegen zitiere ich auch nie eine andere Kritik für ein Gedicht, selbst wenn es immer der gleich "Mist" zu sein scheint.

    JamZee

    PS: Der Text von Goethe ist auch nicht schlecht. Aber wie gesagt allein Goethe macht noch keine Kunst daraus. Unreine Reime finde ich sowieso hier unterbewertet. Aber ich finde man sollte Gefallen/Nicht Gefallen und die Begrüdung getrennt von einander verarbeiten und nicht sagen: Es hat saubere Reime, deswegen muss es mir gefallen. Das wäre sicher der falsche weg.

  13. #13
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    “Wenn ich groß bin, möchte’ ich auch gern Spießer sein.”
    @ Kajn: Endlich sagts mal einer wies is... Daumen hoch
    Ich freu mich immer über Kommentare:

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    Trauer und Düsteres: Schlafstörungen/ Todes Bruder, Helden weinen blutige Tränen, Falling
    Nachdenkliches und Philosophisches: Ich / Gefangen vor zwischen und nach der Zeit
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  14. #14
    Dr. Üppig Guest
    Das ist - ungeachtet des Erstellungsdatums - ein interessantes und sehr aktuelles Thema. Kajns Einschätzung der Kritikkultur einiger (nicht aller) Forendichter schließe ich mich relativ widerstandslos an.
    Mir geht es in diesem Zusammenhang um den Satz
    "Aber Goethe hats doch auch gemacht"
    und um Jamzees berechtigten Einwand:
    Zitat Zitat von Jamzee
    ich finde auch dass du mit der Berufung auf Autorität den gleichschweren Fehler begehst. Es gab auch schon Leute die haben hier Gedichte von berühmten Literaten reingestellt und haben von erfahrenen Usern schlechte Kritiken dafür bekommen - und dann sich über die Kritiker lustig gemacht dass sie jemand so herausragendes heruntergeputzt haben. Ich fand das an der Stelle aber durchaus gerechtfertigt.
    Und das ist der Clou. Ein unbekannter Text von Goethe, Klopstock, Platen (der mE recht furchtbar dichtete), Hebbel, würde in diesem Forum wahrscheinlich verrissen werden. Und zurecht. Denn ein Gedicht betrachten, heißt zumeist eine Sprache betrachten, die verdichtet und verfremdet wurde. Nun gibt es aber (mindestens) zwei Stufen der Verfremdung: Erstens die Verfremdung durch den Autor, zweitens die Verfremdung durch den Betrachter. Möchten wir die zweite, die die objektive Betrachtung verzerrt, minimal halten, müssen wir den Text im Kontext betrachten, das heißt eben auch, im Kontext der Enstehungszeit, Rezeptionsgeschichte und Mentalitätsgeschichte (uva). Dann müssen wir bei Goethe davon ausgehen, das viele seiner "unreinen" Reime Dialektreime sind bzw. waren und zu seiner Zeit eben rein klangen (das nur als Beispiel). Die Sprache, die uns heute veraltet vorkäme, wäre zur Entstehungszeit Alltagssprache.
    Mit dieser Ausführung will ich bestätigen, dass [...] " ein "Aber Goethe hats doch auch gemacht" ein rhetorisch genauso ungeschicktes Hau-Drauf-Argument wie "Aber meine Freunde findens auch toll" " ist.

    mfG

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