1. #1
    Marcus ist offline Der, der mit dem Reim tanzt
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    Grundlegendes: Wie schreibe ich ein Gedicht?

    Wie schreibe ich ein Gedicht

    Tipps für Anfänger im lyrisch-, poetischen Bereich der deutschen Sprache.

    1. Allgemeines
    Gedicht und Poesie umfassen in ihrer Bedeutung vieles. Wenn hier von Poesie geredet wir, meint das ALLE Teilbereiche der Poesie. Von konkreter Poesie bis zur Gedankenlyrik. Hier, in diesem Forum, ist die gesamte Bandbreite der Poesie vertreten. Gut und schlecht zu unterscheiden bedarf ein wenig Übung. Das Wichtigste ist sich zu bemühen und das wird zumeist schon als positiv anerkannt.
    Außerdem: Lest euch im Moderationsbereich die Nutzungsbedingungen durch!

    2. Die Kritik
    Erstens: Nur Kritik bringt euch weiter. Die Kompetenz für richtige Kritik erwerbt ihr euch im Idealfall in diesem Forum.
    Zweitens: Die nackte Wahrheit über ein Gedicht sieht manchmal aus wie eine pers. Beleidigung. Es werden jedoch nur die Werke angegriffen. Außer:
    Drittens: Wenn sich im Verlauf der Diskussion das „Diskussionsgegenüber“ als uneinsichtig erweist, oder es keine Argumente zur Verteidigung vorbringen kann, stellt dies ein kognitives Armutszeugnis des dar und man darf sich dann nicht wundern, wenn es dicke kommt.
    Viertens: Bei Gedichten über Selbstmord, Vergewaltigung und Missbrauch ist ebenfalls nur die lyrische Umsetzung interessant. Ich und auch das Forum können kein Therapeut sein.
    Fünftens: Seid euch der Realität bewusst. Ihr seid im anonymen Internet.
    Sechstens: Dieses Forum ist der Qualität verpflichtet. (Siehe Faden der Moderation über die Nutzungsbedingungen) Kinderkram wird als solcher entlarvt und vernichtet.

    3. Wie gehe ich mit Kritik um, die ich überhaupt nicht verstehe?
    In einer Kritik zu eurem Gedicht stehen Begriffe die ihr nicht versteht? Dann solltet ihr die Begriffe nachschlagen. Die Arbeit nimmt euch keiner ab, wir sind ja nicht im Schlaraffenland. Ihr könnt auch in das Sprechzimmer gehen und dort Fragen stellen. (Dieser Faden steht ja auch dort.)

    4. Kritikfähigkeit
    Habt nie eine felsenfeste Meinung. Ihr müsst bereit sein eure Meinung zu vertreten und gegebenenfalls zu revidieren. Versucht immer besser zu werden

    5. Tipps für das Gedichte schreiben (Bei Ergänzungsvorschlägen bin ich gerne bereit diese aufzunehmen)

    1. Das Thema ist vollkommen egal bei einem guten Gedicht.
    2. Schreibt niemals das was ihr sagen wollt hin. (z.B. DARF der letzte Satz in einem Liebesgedicht nicht „Ich liebe dich“ sein. Das ist grausam.)
    3. Haltet die Leser nicht für dümmer als euch selbst!
    4. Haltet lieber euch für dümmer als ihr denkt, aber zeigt das nicht.
    5. Achtet auch die GrOß- UnD KleInScHrEiBuNg! In Nichtgedichteinträgen ist sie nicht so wichtig.
    6. Achtet auf die Rechtschreibung!
    7. Verwendet nicht Alltägliches um Alltägliches auszudrücken. (z.B. Regen für Traurigkeit)
    8. Denkt bei Reimen nach! (Nicht: Herz:Schmerz; Gut:Blut; Welt:Geld; dir:mir)
    9. Wenn ihr Verse macht, achtet auf die Syntax! (Nicht: „Der wo mir so gut gefallen hat“)
    10. Beschäftigt euch mit Metrik
    11. Lest viele andere Gedichte (auch die Klassiker Benn; Goethe; Rike; Brecht; usw.)
    12. Messt euch an den GUTEN und nicht an den SCHLECHTEN!
    13. Einen Satz in Stückchen zu zerhacken und diese in Zeilenform zu präsentieren ist nicht akzeptabel!
    14. Reflektiert in euren Gedichten! Für ein Wiederkäuen der nackten Wirklichkeit kucke ich Nachrichten und gehe nicht in ein Gedichteforum!
    15. Wenn ihr mit bislang unbekannten Gedichtformen experimentiert, lest vorher mit was ihr da experimentiert und beachtet die ästhetischen Regeln der Form.
    16. Beschreibt nicht, sondern gestaltet. Und benutzt dafür Metaphern.
    17. Kauft euch ein gutes Literaturlexikon was euch erklären kann was Metaphern, Ellisionen, Annaphern, Enjambenements, Assonanzen, gebrochene Reime usw. sind.
    18. Zerhackte Prosa ist keine Verslyrik! Zerhackt keine Sätze mit der Entertaste um sie in Gedichtform zu zwingen!
    19. Seid offen auch für NEUES! (Intelligentes NEUES!) "Einfachheit ist kein Stil" Experimentiert ruhig mal.
    20. Schaut, dass ALLES was ihr verzapft habt zusammenpasst!
    21. Vermeidet private Bloßstellung durch eure Gedichte!
    22. (gerne mehr...)

    Gruß
    Marcus
    Geändert von Marcus (22.07.2006 um 22:50 Uhr)
    - GEDICHTSDARWINIST -
    Was heißt Gedichtsdarwinist? GDB

    "Die Genügsamkeit des Publikums ist nur ermunternd für die Mittelmäßigkeit, aber beschimpfend und abschreckend für das Genie." (F. Schiller)

    Was Kritik nötig hätte: Uns wärmend, crux gewidmet:Mit meiner Identität hier stimmt was nicht?
    Anderes: Nüchtern betrachtet, nicht Spielen Kinder, Frühlinsstimmung eines Wintermenschen, 1880, Ein Strebender

  2. #2
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    Und mir blutiger flagge zieht er in seinen Kampf,


    du solltest das unbenennen in:

    Grundlegendes für Dichter von Marcus

    die leute die im sprechzimmer lesen, wollen in der regel etwas lernen.
    I ATEN'T DEAD

  3. #3
    Niquita Guest
    15. Wenn ihr mit bislang unbekannten Gedichtsformen experimentiert, lest bitte vorher mit was ihr da experimentiert und beachtet die Regeln dieser Gedichtsform. Viele Infos findet ihr bereits im Forum.

  4. #4
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    16. Beschreibt nicht, sondern gestaltet. Und benutzt dafuer Metaphern.

  5. #5
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    17. Wenn ihr in "freier Form" schreiben möchtet, so informiert euch in der entsprechenden Fachliteratur wie diese geschrieben wird, anstatt einen Prosatext durch intermettierendes Drücken der Entertaste mit Zeilenumbrüchen zu versehen.
    - Gedichtsdarwinist im Ruhestand -


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  6. #6
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    16b. Sorgt dafür, dass die Metaphern in den Sinnzusammenhang des Gesamtwerkes passen.
    - Gedichtsdarwinist im Ruhestand -


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  7. #7
    zuckerschnäuzchen ist offline DroElfteEdeLyrikProstiStuTante
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    18.
    verfolgt einen roten faden der sich durch das gesamte gedicht zieht

    18.a
    vermeidet private bloßstellung durch eure gedichte,ihr schadet euch damit nur selbst denn ein kritiker kritisiert was er sieht und in diesem falle sieht er euch,klar das ihr euch dann angegriffen fühlt

    19.
    schreibe immer in zusammenhängenden sätzen und versuche nicht dir die worte zurecht zu biegen,wenn es nicht gut klingt,stell den gesamten wortlaut um bis er dir gefällt und den sinn nicht verfälscht,ein satz sollte nie gezwungen klingen oder zu gewollt

    20.
    achte auf den wortlaut und lies es dir selber flüssig vor so wie du die betonungen setzen möchtest,überprüfe die betonung nach dem metrikanalyse verfahren Xx,insofern du dazu imstande bist

    21.
    immer von vorne nach hinten abwischen
    Oh,was das Verzeichnerisches?

    Für angehende Dichter und Kritiker Erste Schritte von Levampyre

  8. #8
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    mein gedicht

    ich habe ein gedicht verfasst


    42-
    was bist du für eine nummer
    so schön wie prosa - nur krummer
    du machst mir kummer
    maurice ist dummer
    als ein hummer
    watn brummer!!!!

  9. #9
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    Hallo,

    erstmal danke, Marcus, für diesen Thread. Ich finde ihn interessant - und kann ihn dementsprechend nur empfehlen.

    Mir ist aufgefallen, dass dir ein paar kleinere Rechtschreibfehler unterlaufen sind (z.b. schreibst du Annapher statt Anapher). Ich denke, dass das für Anfänger verwirrend sein könnte.



    22. Gebt nicht auf - auch wenn der "böse" Kritiker euer Werk niedermacht.
    23a. Versucht, aus allen Kritiken zu lernen und es - wenn nicht schon am kritisierten Werk - am nächsten besser zu machen.
    23b. Fragt nach, wenn ihr euch nicht auskennt. Keiner wird euch beißen.
    24a. Kritisiert selbst. Dadurch lernt man Dinge wie Metrik am schnellsten.
    24b. Verbessert euch beim Kritisieren. Schaut, wie andere Kommentieren (Aufbau, Wortwahl, ...).


    lg, maXces
    Geändert von MisterNightFury (28.06.2009 um 10:19 Uhr)

  10. #10
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    Zitat Zitat von Marcus Beitrag anzeigen
    2. Die Kritik
    Erstens: Nur Kritik bringt euch weiter. Die Kompetenz für richtige Kritik erwerbt ihr euch im Idealfall in diesem Forum.
    Zweitens: Die nackte Wahrheit über ein Gedicht sieht manchmal aus wie eine pers. Beleidigung. Es werden jedoch nur die Werke angegriffen. Außer:
    Drittens: Wenn sich im Verlauf der Diskussion das „Diskussionsgegenüber“ als uneinsichtig erweist, oder es keine Argumente zur Verteidigung vorbringen kann, stellt dies ein kognitives Armutszeugnis des dar und man darf sich dann nicht wundern, wenn es dicke kommt.
    Viertens: Bei Gedichten über Selbstmord, Vergewaltigung und Missbrauch ist ebenfalls nur die lyrische Umsetzung interessant. Ich und auch das Forum können kein Therapeut sein.
    Fünftens: Seid euch der Realität bewusst. Ihr seid im anonymen Internet.
    Sechstens: Dieses Forum ist der Qualität verpflichtet. (Siehe Faden der Moderation über die Nutzungsbedingungen) Kinderkram wird als solcher entlarvt und vernichtet.
    Danke Marcus

    Alles ist lesenwert, für mich persönlich hebe ich noch dies hervor:

    3. Haltet die Leser nicht für dümmer als euch selbst!
    Auch das hier finde ich sehr wichtig:

    21. Vermeidet private Bloßstellung durch eure Gedichte!
    LG Farbkreis

  11. #11
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    Krek-krek,

    mich hat dieser Faden stellenweise sehr erheitert. Gut, dass am Anfang explizit steht, dass es sich um "Tipps für Anfänger im lyrisch-, poetischen Bereich der deutschen Sprache" handelt. Mein Lieblingspunkt steht bereits im WZ.
    Auch folgende Punkte mag ich aber nicht so stehen lassen:
    2. Schreibt niemals das was ihr sagen wollt hin. (z.B. DARF der letzte Satz in einem Liebesgedicht nicht „Ich liebe dich“ sein. Das ist grausam.)
    Hier müsste stehen: schreibt niemals, was ihr ausdrücken wollt, sondern drückt es im Text aus. Denn auch ein Ballast an Bildlichkeit kann sich gegen die Qualität des Textes wenden und die ein oder andere klare Aussage ebenso ein Gefühlsregung erzeugen.
    3. Haltet die Leser nicht für dümmer als euch selbst!
    Klar darf ein Autor von seinem Talent überzeugt sein. Wenn ein Autor gezielt gegen ein Reglement wie das obige verstösst und seine Kritiker wiederum ein Reglement wie das obige als Grundlage für ihre Kritik zitieren, dann darf der Autor auch arrogant sein und über der Kritik drüberstehn. Als Autor widersetze ich mich beispielsweise gegen folgende Punkte im Besonderen:
    5. Achtet auch die GrOß- UnD KleInScHrEiBuNg! In Nichtgedichteinträgen ist sie nicht so wichtig.
    [...]
    7. Verwendet nicht Alltägliches um Alltägliches auszudrücken. (z.B. Regen für Traurigkeit) [Hervorhebung: Kajn: Vermutlich soll hier ausgesagt werden, dass man nicht auf abgedroschene Phrasen zurückgreifen soll, worin Kajn zustimmt. Doch so stehts da nicht und somit kann man Mutmaßungen anstellen, was der AUtor dort meint.]
    8. Denkt bei Reimen nach! (Nicht: Herz:Schmerz; Gut:Blut; Welt:Geld; dir:mir)[Hervorhebung: Kajn]
    [...]
    13. Einen Satz in Stückchen zu zerhacken und diese in Zeilenform zu präsentieren ist nicht akzeptabel!
    [...]
    15. Wenn ihr mit bislang unbekannten Gedichtformen experimentiert, lest vorher mit was ihr da experimentiert und beachtet die ästhetischen Regeln der Form.
    [...]
    18. [...] Zerhackt keine Sätze mit der Entertaste um sie in Gedichtform zu zwingen!
    [...]
    Die Punkte 13 u. 18 meinen das gewiss nicht so autoritär, wie sie klingen. Aber das ist auch oft der einzige Satz, den mancher Kritiker herauskriegt, um gute freie Lyrik von schlechter zu unterscheiden, was aber total falsch und unlogisch argumentiert ist. Im selben Kontext liest man zur freien Lyrik bisweilen, dass sie ehernen Regeln unterworfen sei. Welche, können entsprechende Kritiker meist eh nicht erklären. Und geben tuts die sowieso nicht.

    liebe Grüße
    Kajn
    Geändert von Kajn Kokosknusper (14.03.2011 um 14:29 Uhr)
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  12. #12
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    ein unbedeutender, nasser Planet nah am Zentrum des Dunklen Universums
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    Im selben Kontext liest man zur freien Lyrik bisweilen, dass sie ehernen Regeln unterworfen sei.
    Das wundert mich auch immer. Ich habe solche Regeln noch nicht gefunden. Die heißt freie Lyrik, weil es keine Regeln gibt, außer einer:



    Ein zerhackter
    Prosatext
    muss noch lange kein

    Gedicht
    sein.
    Kann aber.

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