1. #1
    Registriert seit
    Jun 2002
    Beiträge
    106

    Zwischen Angst und Hoffnung

    Zwischen Angst und Hoffnung

    Seit vielen Stunden regnete es schon. Als es anfing stand ich schon da. Allein. Ich hatte ein neues Hemd an und neue Jeans. Ich fragte mich wozu ich mir die Mühe machte ihr mit meinen Klamotten zu imponieren. Doch eine klare Antwort blieb mir versagt. So stand ich da, im Regen. Das neue Hemd klebte an meinem Körper und die neuen Jeans sahen mittlerweile so aus wie alte. Es war später Abend. Oder auch frühe Nacht. Ich wusste es nicht. Das kalte Regenwasser lief mir über das Gesicht. Mir war kalt. Jede Sekunde verrannte wie eine Ewigkeit, eine Ewigkeit voll Schmerz und Zweifel. Ich wollte sie sehen, sie in die Arme nehmen, ihr durch das Haar fahren, sie küssen, aber ich traute mich nicht. Ich hatte Angst. Zum ersten mal in meinem Leben hatte ich Angst. Sonst viel mir der Umgang mit Frauen sehr leicht. Ich verstand mich mit vielen sehr gut, und an Erfahrung mangelte es mir auch nicht. Diese Punkte rief ich mir immer wieder in das Bewußtsein zurück. Immer wieder, und immer wieder. Doch dieses für mich so neue Gefühl wollte nicht weichen. Vielleicht lag es an dieser Frau. Sie war nicht wie die anderen. Sie war kompliziert und intelligent, fröhlich und traurig, rücksichtsvoll und egoistisch, erfahren und neugierig, und all das in perfektem Maße. Von keinem zu viel, von keinem zu wenig. Sie war die Frau, die man normalerweise das Leben lang suchte, und trotzdem nie fand. Ich hatte sie gefunden. Aber was folgte dem finden? Was erwartete das Schicksal von mir? Was sollte ich tun? Die Rosen in meiner Hand, waren hin. Vom starken Wind zerstört. Durch meinen ganzen Körper brannte sich die quälende Frage: "Soll ich klingeln?". Aber die Angst vor einer Absage ließ mich immer wieder erstarren. Der Regen verwandelte sich zu einem Wolkenbruch. Ich verfluchte alle höheren Kräfte, soweit vorhanden. Doch stand ich da, und rührte mich nicht von der Stelle. Mir wurde klar, das ich jetzt klingeln musste. Jetzt klingeln oder den Rückzug antreten. In jeder anderen Situation, hätte ich die zweite Möglichkeit gewählt. Die Flucht, die Flucht vor dem versagen. Allerdings macht sich plötzlich eine Euphoriewelle in mir breit. Ich habe dem Wind getrotzt und dem Regen. Auf einmal stand es fest, daß ich es riskieren musste. Langsam schritt ich zur Tür. Es waren nur ein paar Meter, aber es kam mir vor wie Kilometer. Meine Hand hob sich zur Klingel und ich drückte den verhängnisvollen Knopf, der mein Schicksal besiegeln sollte. Sofort öffnete sich die Tür, und da stand sie. Mir versagte die Stimme, so das ich nur ein schiefes Lächeln auf die Lippen brachte.
    "Ich dachte, du würdest nie mehr klingeln.", sagte sie und fiel mir um den Hals.

    ---------

    Meine erste Kurzgeschichte. Kritik wie immer erwünscht. Hoffe sie gefällt euch


    [Geändert durch JBU am 10-09-2002 um 21:14]

  2. #2
    Registriert seit
    Mar 2002
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    3.530
    Also, im großen und ganzen schmeckt sie mir gut, aber ich finde, es fehlt noch ein bißchen Gewürz. Ich weiß nicht, etwas mehr Dynamik und Feinschliff. Vielleicht mehr Bewegung einstreuen, so daß er am Anfang der Geschichte noch auf dem Weg ist, und ab und zu kleine Details des Weges einarbeiten, um es noch etwas mehr aufzulockern. Mit Sätzen wie "Die Rosen waren hin" etc. gelingt Dir das schon sehr gut. Einfach etwas strecken, würde ich sagen.

    Ach ja, und über folgenden Satz bin ich gestolpert:
    "Sie war nicht kompliziert und intelligent, fröhlich und traurig, rücksichtsvoll und egoistisch, erfahren und neugierig, und all das in perfektem Maße."
    Das klingt, als wäre sie nicht intelligent, fröhlich etc. Irgendein Wort vergessen?

    Alles in allem mag ich sie - und bedaure, daß ich nie den Mut gefunden habe, bei ihr zu klingeln.

    es grüßt
    kurushio
    You know, wars aren’t kids - where you don’t have to pay attention to the youngest one because the older two will take care of it.
    - Jon Stewart

    Schwarze Gezeiten: heichaojing
    in Zusammenarbeit mit Lia: All Along the Watchtower
    (work in progress)

  3. #3
    Registriert seit
    Jun 2002
    Beiträge
    106
    Danke für die Kritik. Um ehrlich zu sein, war da ein Wort zuviel. Das "nicht" gehört da nicht rein. Werde das sofort ändern.

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Neue hoffnung paart sich mit der angst...
    Von MinimeMaximus im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 01.09.2018, 11:51
  2. Zwischen uns
    Von AleksandraMaja im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 06.03.2009, 14:08
  3. Zwischen Stolz und Angst - Homosexualität in Deutschland
    Von CoralBlack im Forum allgemeine Diskussionen
    Antworten: 11
    Letzter Beitrag: 21.02.2008, 14:44
  4. Sterben ohne Angst (Ohne Angst,mit Freude von dieser Welt gehen)
    Von Perkla1987 im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 18.07.2006, 19:43
  5. Panische Angst vor der Angst
    Von Joana im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 18.11.2005, 17:03

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden