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Thema: Nachtszene

  1. #1
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    Nachtszene

    Sag, Liebste, störts dich nicht,
    Wenn uns von draussen heut die Strassenlampe sieht?
    Und samtner Schatten flieht
    Vor ihrem Licht?

    Erkennt sie doch nicht viel,
    Da der Gardinen Tanz ihr doch die Sicht verdeckt,
    Die, durch den Wind geneckt
    In zartem Spiel

    Umschmeicheln sich so leis...
    Und Schultern, suchend Hände dort auf unsern Beinen,
    Hier deine Brüste, scheinen
    In blassem Weiss.

    Alsdann, von Lakenwogen
    Verschlungen, schlingen wir uns selbst, verspielt und wild.
    Ab da wird unser Bild
    Ihr ganz entzogen.

    Der Nachtluft letzter Hauch
    Lässt einmal noch die Stoffe kühlend sich erheben.
    Darauf erlischt das Leben.
    Die Lampe auch.
    Geändert von leporello (27.09.2006 um 10:03 Uhr)
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  2. #2
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    lies, line, lies nur!
    freut mich sehr, dein lob; zumal ich mich hier an dem textchen so schwer tat, wie schon lange nicht mehr.
    allerdings weniger wegen dem inhalt, sondern wegen der mir auferlegten -und übrigens willkürlichen- form.
    gruass lepi
    .
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    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  3. #3
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    Hi leoprello,

    ich finde die Form ganz besonders. Aber auch das Bild der Liebenden, die von der Straßenlaterne beobachtet werden. So wird die Lampe in einer feinen Wortwahl eigentlich personifiziert als Beobachterin des Liebespaares, gut gelungen. Schön ist der Tanz der Gardine.

    Sehr gern gelesen, ehrlich.

    Eva


    PS: Sag, Liebste, störts dich nicht,
    EvaAdams

    (c) Mein Werkverzeichnis: Unterm Feigenbaum = überholungsbedürftig, aktuelles bitte unter Profil nachsehen


    Die WÖRTERWUNDERTÜTE ist da!

    Mein Buch Leitersprossen

  4. #4
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    Zitat Zitat von EvaAdams
    PS: Sag, Liebste, störts dich nicht,
    *schä(hhhh)m* und danke!
    der arbeitstitel "voyeurin" wäre aber doch zu plump gewesen, oder?
    danke fürs lesen und schönfinden.
    g.l.
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    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  5. #5
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    Hi leporello,

    Nunendlich kann ich Dich einmal loben, wunderschönes Gedicht.
    Sanft un zart, und sehr prickelnd. Die Sprache erinnert mich ein wenig an Shakespear: Romeo und Julia.
    Sehr gern gelesen.

    lg katze

  6. #6
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    Zitat Zitat von schmusekatze
    Nunendlich kann ich Dich einmal loben
    ach, dafür gab es doch schon vorher sooo viele möglichkeiten...
    aber ich freue mich natürlich sehr *schnurr*
    r´n´j? weil das fenster offen steht? balkonszene und so.
    oder: "es war die strassenlampe, nicht die morgensonne, die just dein holdes angesicht geblendet..." oder ähnlich
    dankeschön
    g.l.
    .
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    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  7. #7
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    Hi

    Richtig erkannt an diese Szene musste ich denken, als ich Dein Gedicht las.

    Hätte sicherlich gelegenheit gegeben Dich zu loben, und ich hätte es auch getan, wäre ich nicht so lange Zeit dem Forum ferngegblieben.

    lg katze

  8. #8
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    .l.
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    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  9. #9
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    Hallo Lepi!
    Ich bin immer überrascht und überwältigt, dass man mit relativ häufigen, "einfachen" Wörtern soviel ausdrücken kann. Und selbst die Reime, die man sicher schon zigmal gelesen hat, kommen in deinem Gedicht so neu daher, dass man nur staunen und lernen kann. Was soll man konstruktives schreiben ausser einem dicken Lob. Vielleicht denke ich schon heute Nacht an dein Gedicht. Kommt auf mein Weibchen an.... ;o)
    Liebe Grüße vom Strassenreimer
    (Du wärest nicht der Strassenreimer,
    wenn am Ende noch ein Vogelzwitschern zu hören gewesen wäre,
    eher hätte dir der fliegende Freund auf den Kopf gemacht.) Tessa

    Stolpersteine (alles aus Reimerhand)

  10. #10
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    ich freu mich sehr über dein lob.
    da du das mit den reimen ansprichst: ich habe in der tat da nicht auch noch nach spektakulären wortpaaren gesucht; oder ehlicher: mir ist einfach nichts anderes einfallen, da ich inhaltlich und an der form schon genug zu drechseln hatte
    wünsch dir eine wunderschöne nacht
    g.l.
    .
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  11. #11
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    tja...wo wars noch gleich???
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    lieber leporello!
    Dein Gediht hat mir wirklich sehr gut gefallen. Es war schön zu lesen, so wie ich das sehe hast du den Lesefluss nicht ein einziges Mal unterbrochen. Gute Leistung, wirklich beneidenswert.
    Mach so weiter
    liebe Grüße
    deadangel

  12. #12
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    Zitat Zitat von leporello
    ich habe in der tat da nicht auch noch nach spektakulären wortpaaren gesucht; oder ehlicher: mir ist einfach nichts anderes eingefallen...
    ein Lob an deine "Einfallslosigkeit", Lepi !
    möglich, dass vielleicht auch das Gedicht selbst dir seine Sprache hat spüren lassen - sie tritt in den Hintergrund, um deinem Bild die Weite zu schenken, die es wahrlich verdient hat.

    Die Form weiss mich hier echt zu begeistern. Sie verleiht dem Ganzen eine klare Struktur, und vermag die spielerische Leichtigkeit darin umso mehr hervorzuheben.

    traumhaft....

    meint

    die Schattenblume
    Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einen nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

  13. #13
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    hoch noch 2 zusprachen.
    ich bedanke mich recht artik für eure lobenden kommentare, und hoffe die herrschaften auch weiterhin mit ihnen zu gefallenden texten bedienen zu dürfen.
    hochachtungsvoll (eher voll als hochachtungs:)
    lepi
    .
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    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  14. #14
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    Lieber leporello

    Nachdem ich es durch die Nacht ohne Taschenlampe geschafft habe, naja... die Laterne habe ich mit einem leichten *Peng* jedenfalls gefunden, ging sie auch schon an und ließ mich dieses bezaubernde, verzauberte Werk entdecken.
    Mir gefallen die Bilder, die Spielerei mit der Personifikation der Laterne, dem Licht, der Schatten, der Lust, der zwei liebenden Menschen.

    Ein gelungenes Lyrikstück.

    Ein Klatsch in die Hände *das Licht geht aus*



    Liebe Grüße f.D.
    In die Massen zu schreien, ist wie in der Stille zu schweigen.
    Neuste Texte:
    Hörbares-Lied: Rote Lippen

    Mein Werkeverzeichnis:
    Die Lyrikwelt des richtig Falschen

    Lesetipp:

  15. #15
    Tessa Guest
    Hallo leporello,

    auch mir gefällt dein Gedicht, besonders die Form ist interessant.

    Es wirkt unaufdringlich, zart und ein wenig verträumt.
    Der Liebesakt, ein stiller Beobachter und Gardinen im Tanz,
    du hüllst dein Werk in einen Weichzeichner.

    Wunderbar die Umsetzung, gern gelesen,
    gern geschaut, zwinker.
    Ganz liebe Grüße Tessa

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