Thema: PHIL & ICH

  1. #1
    Registriert seit
    Jan 2002
    Beiträge
    36

    PHIL & ICH

    PHIL & ICH

    Mein Name ist Jerry. Jerry C. Ich hatte. Und zwar zu viel gesoffen und zu viele geraucht. Dann das Gleichgewicht verloren und gleich darauf das Bewusstsein. Jetzt war es kurz nach ... verdammt, David Hamilton hatten meinen Klappzahlenwecker mittels einer Fettblende unkenntlich gemacht. Also war er drin in den Deal. Ich schuldete Geld. Phil würde bei mir keine Ausnahme machen. Seine Dienste gratis? Das kam nur ab und an in Kneipen mal vor. Wenn er in Geberlaune war. Aber nie bei Sonnenschein----

    ---Also katapultierte ich mich selbst auf die Beine, in dem ich ein mittelalterliches Belagerungskatapult imitierte. Die Zeit drängte. Gekonnt ausbalancierend surfte ich in einer Lache Erbrochenem zur Badezimmertür. Aus dem Spiegelschrank schaute mich ein müder Horst Tappert an. Ich ignorierte ihn und gurgelte mit einem Viertelliter Plax, der zwar nicht meinen Belag von der Zunge löste, aber immerhin einen Schleimpfropfen von der Größe des Nazi-Schatzes aus den Tiefen meiner Bronchien lockte. Egal, ich würde ihn später als revolutionären neuen Fensterkitt patentieren lassen. T-Shirt? OK, kaum eine Woche alt. Hose? Plötzlich mit zwei Beinen. Verdammt, das kostete meinem olympischen Duschvorhang alle fünf Ringe...

    Konzentration. Ich zog im Liegen den metallenen keilförmigen Schieber mit beiden Händen langsam gen Bauchnabel, bis der Druck auf die Seitenwände die Stoffbänder zusammenzog und die buckelartigen Zahnketten den Hosenstall durch ineinandergreifen - im genau richtigen Winkel - allmählich schlossen. Als der Schieber die oberen Endstück aus Messing erreichte, ließ ich den Stopper einrasten. Ypp! Den angenietete Knopf in die dafür vorgesehene Öffnung zu bugsieren war nur eine Frage von Minuten. Unfähig zum Schleifen nahm ich mit meinen Tigerenten-Pantoffeln vorlieb und riss vehement die Tür auf. Ungefähr 10 Zentimeter, dann schlug die Kette sie mir wieder aus der Hand. Ich gab ihr zahlreiche Tiernahmen während ich sie mit dem Hammer in Beschlag nahm. Die Sperre war wohl über Nacht irgendwie eingerostet...

    Im Treppenhaus war ein Höllenlärm. Ta-damm-ta-damm-ta-damm-da. Ta-damm-ta-damm-ta-damm-da. Das war ich wie ich drei Stufen auf einmal nahm. Und in dem Gummibaum von Frau Hergesfeld landete. Was stand das Teil auch im Zwischenstock? Ta-damm-ta-damm-ta-damm-da. Hey, langsam kehrte mein Adlerblick zurück----

    ----„Frisch gebohnert!“ Ta-damm-ta-daaaaaaaaamm. Zeitlupe ist schön. Länger bis zum Schmerz. Aber ich konnte keine Rücksichten nehmen. Schon gar nicht auf mich. Phil wusste genau, das ich abhängig von ihm war. Jede Minute konnte es zu spät sein und er würde sich, mir nichts, dir nichts, in Rauch auflösen. Das konnte, nein durfte nicht geschehen. Haustür auf. Kurzer Sprint über den Parkplatz. Hechtbagger über den Volvo und federnd aufgekommen. Wie eine Katze. Die man aus dem zwölften Stock geworfen hatte. Das bisschen Blut, phhh. War das Weiße an meinem aufgeschürften Ellenbogen eigentlich Knorpel? Ich landete weich auf dem Treppengeländer. Mit der linken Arschbacke, denn die war erfahrungsgemäß die schnellere von beiden. Der Fahrtwind blähte meine Backen wie stolze Segel im Wind. Nicht mehr weit----

    ----Bis in die Mülltonnen. Also war heute Freitag, interessant. Oder Dienstag. Wie auch immer, Pizza Prestos Tonne mit dem organischen Abfall landete in einer Schulklasse auf Wandertag und ich fegte wie eine Curling-Kugel hinterher. Selten Kinder so begeistert gesehen. Zwei Grundschullehrerinnen die Beine gebrochen. Wieder auf den Füßen. Und jetzt sah ich ihn. Phil. Staatsfeind Nummer 1. Durch die trübe Scheibe seines Auto----

    ----Auto von links. Glück für mich! Ich packte mit meinem rechten, stählernen Handgelenk eine Laterne. Das brachte mich schlagartig auf Null. Und mein Schultergelenk aus seiner Pfanne. Immerhin verlor so das Auto nur seinen Außenspiegel – und ich große Teile meiner linken Hüfte. Was keine Rolle spielte, denn nun stand ich vor ihm. Sein Geld hatte ich in der linken Hand, die leicht zitterte. Wahrscheinlich der nahende Herbst. Wir schauten uns an. „Zum Teufel mit deinen drei Euro“, sagte ich und ließ sie kaltblütig in einem Schlitz verschwinden. Dann griff ich unter seine Gürtellinie und zog mit aller Härte. Er fiel wie in einen Schacht. Schon hatte ich ihn an seiner empfindlichsten Stelle und entledigte ihn seiner wasserdichten Oberbekleidung. So klein war er jetzt; schlohweiß und der Kopf fleckig und in ungesunden beige. Ich eröffnete das Feuer. Sog den Triumph tief in meine Lungen. Mit seinen 19 Kumpels würde ich genau so umspringen. Und das wäre dann das Ende von diesem Philip Morris, diesem Light American. Geschah ihm recht, dem Pack!

    (inspiriert von Bastei-Lübbe Krimi Nr. 89657 „G-Man Jerry Cotton - Phil und ich schändeten den Mädchenjäger“)


    oder umgekehrt


    [Geändert durch palewriter am 12-09-2002 um 22:00]
    Vielen Dank für das Interesse
    und Ihr Vertrauen!

  2. #2
    Registriert seit
    Mar 2002
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    3.539
    Um Gottes Willen - bis auf die massiven Körperverletzungen des Protagonisten und der Nebendarsteller habe ich mich darin ganz schön wiedergefunden.

    Ich halte es für einen gelungenen Aufbau, der noch dazu den Pulp-Stil ziemlich gut trifft. Auch wenn bei nochmaligem Lesen die früheren Hinweise klar sind, war ich beim ersten Mal erfreut und, gelinde gesagt, überrascht.

    Und jetzt rauche ich eine. Wenn ich noch Kippen habe.

    es grüßt
    kurushio
    You know, wars aren’t kids - where you don’t have to pay attention to the youngest one because the older two will take care of it.
    - Jon Stewart

    Schwarze Gezeiten: heichaojing
    in Zusammenarbeit mit Lia: All Along the Watchtower
    (work in progress)

  3. #3
    Registriert seit
    Jan 2002
    Beiträge
    36
    Ich wollte mal eine Verwirr-Kiste schreiben a la "Wartezimmer", aber mit den Hinweisen, die die Fairness gebietet. Schön, wenn man mir trotzdem auf den Leim gegangen ist.

    Ausserdem musste irgendwie "Phil & ich" vorkommen. Wegen Bastei.

    Dann habe ich noch versucht, die gebotene Hektik durch "Zeitlupenphasen" zu durchbrechen. Das ist mir leider weniger gut gelungen. Entschuldigungen dafür: a) es war ein langer Tag, b) es ist die erste Version und c) ich hatte keine Kippen mehr.

    Wenn das Lesen trotzdem Spaß gemacht hat, freut es mich...
    Vielen Dank für das Interesse
    und Ihr Vertrauen!

  4. #4
    Registriert seit
    Aug 2002
    Beiträge
    1
    Manchmal sind Namen nicht Schall, aber Rauch.
    Oder 100'% Cotton. Oder beides, wie hier.
    Und am Ende war´s fast wie bei den binomischen Formeln: Ich musste erst mal zwei Sekunden nachdenkden.
    Hier aber wenigstens mit dem Ergenbnis, das ich´s kapiert hab.
    Danke dafür.

    PS: Will ist IBIZA.
    --------

    a-a.
    Rosetta: vom Küssen?
    Leonce: vom Gähnen!

  5. #5
    Registriert seit
    Mar 2002
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    3.539
    Oops. Ist ja auch schon zwei Wochen her, daß ich den Film gesehen habe... Und im Buch kommt es nicht vor... Aber danke!
    You know, wars aren’t kids - where you don’t have to pay attention to the youngest one because the older two will take care of it.
    - Jon Stewart

    Schwarze Gezeiten: heichaojing
    in Zusammenarbeit mit Lia: All Along the Watchtower
    (work in progress)

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Dr. Phil. erklärt
    Von Volker LL im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 29.01.2009, 16:09

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden