1. #1
    Registriert seit
    Sep 2006
    Ort
    Hilden, NRW
    Beiträge
    6.028

    Griechenland (Teil I)

    Saphirhimmel, hochgespannt,
    weites Meer und Möwenschreie,
    Purputrauben, Reih an Reihe,
    roter Wein und goldner Sand:
    So lieb ich mein Griechenland.

    Ich fahre hin, genieße stets aufs neue,
    erschauernd heil`gen Boden still zu grüßen.
    An Hammelbraten, Himmelsbläue
    erquick ich mich und samtnen Nächten,
    die göttlich schöne Braungelockte mir versüßen.

    Safrangewandet erwachte am ersten Morgen die Sonne
    Griechenlands und vergoldete prächtig meine Mansarde.
    Duftende Lüfte strömten durchs weit geöffnete Fenster.
    Schattende Bäume des Parks hinterm Hause labten die Augen,
    dunkles Grün umrahmte das Strahlen glänzenden Steiens,
    - schade, nicht gänzlich sichtbar von meinem Fenster das Kunstwerk,
    sicher von meisterlich kundiger Hand geschaffen aus Marmor. -
    Waagrechte Äste üppig belaubter Bäume voll reifender
    Feigen und senkrecht ragende Stämme im Boden verwurzelter
    Eichen versperrten störend den Blick der spähenden Augen.
    Weibliche Reize zu ahnen vermochten die gierenden Sinne;
    alles zu sehen setzt` ich zum Ziel mir, verschob es auf später.

    Lahmer Bube,
    verlass die Stube!
    Bis Parkes Mitte -
    hundert Schritte!
    Dort wirst du sehn,
    wie sie da stehn,
    die göttlichen Weiber;
    so kunstvoll geschaffen
    die marmornen Leiber!
    Kannst stundenlang gaffen,
    merkst nebenbei:
    `s sind ihrer drei.

    Geraschel der Blätter?
    Geflüster der Götter?
    Ich soll einfach gehen,
    von nahem zu sehen
    was Künstlerhand schuf?
    Folg ich dem Ruf
    in gieriger Eile?
    Genuss heischet Weile!
    Zügelt `s Sehnen,
    ihr marmornen Schönen
    da unten im Garten!
    Es wachsen die zarten
    Gefühle beim Warten.

    Des schmackhaften Frühstücks lieblicher Duft,
    er steigt in die Nase, er schwängert die Luft.
    Doch selbst der Kaffee, griechisch stark,
    er hindert nicht verstohlne Blicke:
    Sie wenden sich erneut zum Park.
    O Bäume weichet! Äste, schwindet!
    Öffne, Blattwerk, eine Lücke!,
    damit mein Auge alles findet,
    was jetzt nur stückweis, torsohaft,
    mir Qual und Pein der Neugier schafft.
    Geändert von Festival (16.10.2006 um 14:51 Uhr)

  2. #2
    Registriert seit
    May 2006
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    44
    Hallo Kulturheinzi
    Habe mich mal an dein Gedicht gewagt.Hab leider noch keine Zeit gefunden alle Teile zu lesen und sie an einem Stück zu interpretieren.Werde deswegen erstmal meine Meinung zum ersten Teil abgeben=)
    Dein Gedicht gefällt mir im großen und ganzen gut.Es gibt nur 2 Sachen die mich etwas stören.1: Ich bin beim lesen über die Zeile gestolpert
    So lieb ich mein Griechenland.
    ich würde eher -so liebe ich...- schreiben! Hört sich in meinen Ohren weicher an.Ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt.
    2. Mir gefällt die ganze 3 Strophe nicht.Sie fällt aus dem übrigen Gedicht raus.Für mich ist es nur ein poetischer Text mit Zeilenumbrüchen,doch nicht wirklich ein dichterische Strophe!Das finde ich Schade,da der Rest des Gedicht sehr schön ist.Habe mich auch gefragt,ob es einen Sinn hat,dass du diese Strophe so hervorhebst,doch konnte keinen plausiblen Grund finden.Würde mich freuen,wenn du mir deine Absicht zu der 3 Strophe erzählen würdest.Vielleicht kann ich es dann ja auch verstehen.
    Die letzten Strophen gafellen mir wieder sehr gut.Sie sind flüssig zu lesen und man kann das Gelesene nachvollziehen!
    Liebe Grüße

  3. #3
    Registriert seit
    Sep 2006
    Ort
    Hilden, NRW
    Beiträge
    6.028
    Grüß Dich, Pheobe!
    Klar, mein "Griechenland" ist ganz schön lang. Da freue ich mich natürlich, wenn jemand wie Du die Muße findet, alles zu lesen. Zu Deinen teils lobenden, teils kritischen Worten einige Erklärungsversuche (aber nur, weil Du es bist, denn in der Regel weigere ich mich, eigene Werke zu interpretieren): So liebe ich, das klingt weicher, würde hier aber den trochäisch beginnenden Vierheber stören. Zur Erklärung der gewählten Form: 1. Strophe - regelmäßige Vierheber, mit Hebungen beginnend, Endreime z.T. männlich, z.T weiblich, umschlingender Reim der am Ende noch einen Paarreim hat. "Typisch deutsch", also bin ich noch hier und nicht da, wo ich hin will.
    2. Strophe: Abkehr vom 4-Heber, Rückfall im 4. u. 5. Vers, Schluss mit einem sechshebigen Vers. Die Ankunft in meinem Traumland habe ich in der von Dir so kritisierten 3. Strophe versucht, durch ein (sicher nicht exaktes) griechisches Versmaß (Hexameter) metrisch darzustellen. Ich empfehle, wie z.B. die Ilias von Homer, solche Texte laut zu lesen und sich vom Rhythmus (sollte er vorhanden sein) "einwiegen" zu lassen. Das zur Form. Zum Inhalt: Ich will (noch nicht) verraten, unter welchen Lebensumständen "Griechenland" entstanden ist. Tipp: Nimm das alles mal sehr ironisch und nicht wörtlich. Könnte ja sein, dass die "duftenden Lüfte" und andere Bemerkungen sehr spöttisch und aus einer gewissen verzweifelten Sehnsucht geboren sind. Vielleicht geben solche Einsprengsel wie "nicht gänzlich sichtbar", "waagrechte Äste", "senkrecht ragende Stämme", "gierende Sinne", "verschob es auf später" versteckte Hinweise. Ist die dritte Strophe jetzt plausibler? Auf jeden Fall habe ich mir bei der Wahl der Metrik, den Reimformen usw. was gedacht. Die Feinheiten (Jamben, Trochäen, Daktylen, Kreuz-, Paar- und umschlingender Reim, freie Rhythmen usw.) musste ich mir alle aus dem Gedächtnis abrufen, weil mir keine Fachliteratur zur Verfügung stand. So, genug. Ich würde mich über eine Reaktion von Dir freuen.
    heinzi
    Geändert von Festival (16.10.2006 um 19:38 Uhr)

  4. #4
    Registriert seit
    Jan 2004
    Beiträge
    466
    Hallo Kulturheinzi,
    Da hat dich wohl das kulturelle Erbe sehr beeinflusst. Dein Griechenland ist ein sehr langes Werk, dass sicher viel Mühe bereitet hat. Die einzelnen Teile wirken nur zusammenhängend und es ist mühselig, sich jedesmal alles zusammenzusuchen. Ich hatte bei meinem Kranzsonett am Anfang und Ende jeweils einen link gesetzt, damit der Leser leicht vorwärts oder rückwärts wechseln kann. Das wäre hier auch gut.
    Die erste Strophe sehe ich als Einleitung an, sie könnte auf dein Titelland einstimmen (Wortwahl), so wie wir es aus dem Urlaub kennen. Die Worte sind wie aus dem Katalog, man könnte die Augen schließen und an Urlaub denken. Allerdings kommt diese Stimmung nicht richtig hoch, weil du alle Zeilen in den Trochäus (dem Reimschema folgend m/w Kadenzen) gesetzt hast, der ist alles andere als ruhig. Die letzte Zeile steht etwas extra, nicht nur weil sie wie eine Schlußfolgerung wirkt und dem Dopelpunkt, sondern sie ist dem (von mir erwarteten) Reimschema abba(a) als a angehängt. Mir wäre es lieber gewesen, wenn ich nach vier Zeilen Rennen eine Zeile zum Auslaufen gehabt hätte. Eine unbetonte Silbe am Anfang oder das e bei "lieb(e)" hätte es hingebogen. Aber das wolltest du ja nicht. Eigentlich schreit diese S1 nach dem Jambus, vor allem die letzte Zeile. (Ich bin mir nicht sicher, ob der Trochäus hier gut ist, denn solche Stilmittel, wenn auch gekonnt, sollten sparsam eingesetzt werden.) Dadurch erzeugst du eine gewisse Spannung,
    ich bin dann dankbar, dass die S2 im Jambus weitergeht. Die S2/Z1 ist einfach formuliert, die Z2 fast zu pathetisch, aber das reißt der Hammelbraten wieder raus. Ein Vorschlag hätte ich für Z4, damit der letzte Nebensatz sich besser einfügt:
    "An Hammelbraten, Himmelsbläue
    erquick ich mich, an samtnen Nächten,.." Ich hatte Probleme mit dem Satz wegen dem Enjambement. Aber das ist Ansichtssache. Formal ist S2 im Jambus, w Kadenzen 4-6 Hebungen.
    So, nun geht es los, du beschreibst sehr klischeehaft deine ersten Eindrücke, die deinen Erwartungen entsprechen und deutest schon die Mamorstatuen an.
    Dann deutest du die griechische Lebensart (waggerechte Äste mit Feigen) und im Gegensatz dazu die senkrechten Stämme (auch Symbol) der Eiche (deutscher Symbolbaum) an. Hier sehe ich schon kurz das Feigenblatt. Das LI scheint durch die sie umgebenden Einflüsse der der Bildhauerkunst sehr zugeneigt zu sein. Es sind auftaktige 6heber, ob es saubere Hexameter sind kann ich nicht beurteilen, da quäle ich mich erst durch, wenn ich sie nutzen möchte. Sie bringen aber Ruhe ins Lesen. (Z5 scheint ein Tippfehler, soll wohl Steines heißen?)
    In S4/5 kommt das LI in den Zwiespalt, sich gleich die Kunstwerke auzusehen, oder erst mal (es ist Urlaub) zu frühstücken. Das ist auch in der Form zu spüren, Trochäus, Jambus, dann übergehend in Daktylen beschließt es zu warten, vielleicht auch um die eigene Spannung zu erhöhen. Diese beiden Strophen scheinen mir etwas lang, aber da sich ja hier deine Geschichte dem Thema nähert, ist das noch in Ordnung. Mich stören die Ellisionen am
    Ende von S4.
    "merkst nebenbei" (lese ich XXxX kann man aber mit sehr viel guten Willen xXxX lesen.)
    "s' sind ihrer drei." ist kaum zu sprechen ohne das das "s" verloren geht. Beide Zeilen wirken wieder angehägt, thematisch, rythmisch und vom Reim. Aber das machst du ja gerne. Diese Zeilen sind dir wichtig wegen dem Gleichnis (Apfel des Paris). Manchmal ist es auch gut für den Leser, wenn er nicht geschubst wird, sondern später im Verlauf der Handlung merkt, ach so, deshalb waren da diese Zeilen.
    Die Reimschemata der beiden Strophen sind nicht gleich, aber das merkt man nur wenn man es sich aufzeichnet, beim Lesen stört das nicht.
    Jetzt kommt bei S6 wieder ein ganz anderer Versfuß, auftaktiger 4 hebiger Daktylus mit eingestreuten Jamben. Das passt zum Früstück im Urlaub und liest sich flüssig. Aber die Statuen lassen Das LI nicht los. Darauf deutet auch die Z7 hin "Öffne, Blatwerk eine Lücke!" extra im Trochäus. Das ist alles, was sich das LI wünscht, die Neugier wird zur Qual.

    So, jetzt versuche ich mal mich zu sortieren nach diesen Wechselbädern. Griechenland I ist auf jeden Fall lesens- und kommentierenswert, es wäre schade, wenn es hier im Forum versacken würde. Es ist kein Gedicht, das man liest, sagt ja ganz schön und dann vergisst. Man spürt, dass du sehr viel Gedanken investiert hast, man spürt auch das jetzt schon die Fäden der späteren Handlung andeutungsweise eingeflochten sind und wird neugierig. Mir gefallen S2+S3+S6 am besten. S4+5 scheinen mir noch etwas zu ausgedehnt, weil ich ja eigentlich noch nicht den Fortgang kenne. Die S1 erzeut schon zu Beginn Spannungen, ich glaube das der jambus da die bessere Wahl gewesen wäre. Dann führst du langsam auf dein Thema hin. Aber das sind persönliche Eindrücke, ich möchte damit nicht dein Werk schmälern, sondern dir zeigen, wie es auf mich wirkt. Zum formellen und stilistischen kann ich nur sagen, du klimperst nicht nur auf dem Klavier, du spielst sehr gut, es ist aber keine leichte Musik. Ich werde mir die anderen Teile später vornehmen. Hoffend dir doch etwas zu helfen und wissend das dir plattes Lob nichts nutzt, lobe ich dich trotzdem zum Abschluß. Gute und viel Arbeit hast du geleistet!

    Viele Grüße
    Krähe
    Geändert von krähe (18.10.2006 um 23:06 Uhr)

  5. #5
    Registriert seit
    Sep 2006
    Ort
    Hilden, NRW
    Beiträge
    6.028
    Hallo, Krähe,
    wenn ich wüsste, wie man einen Link setzt, würde ich das tun. So hat halt jeder seine Schwächen. Wenn ich bei Dir eine EMail-Adresse finde, schicke ich Dir das ganze Ding mal im Anhang rüber (inkl. einiger Hintergrundinformationen).
    Liebe Grüße,
    heinzi

  6. #6
    Registriert seit
    Jan 2004
    Beiträge
    466
    Hallo Kulturheinzi,
    die links sind nicht so schwer. Kann ich ja sogar. Zuerst gehst du im Forum auf dein Gedicht. Dann gehst du mit der Maus auf die Adressezeile im Browserfenster und markierst sie mit einen Klick. Dann drückst du Strg+c und schon ist sie in der Zwischenablage. Dann schreibst du: [*url=" Jetzt fügst du mit Strg+v die Adresse ein und machst dahinter "] Dann schreibst du zB Griechenland II und : [*/url]. Was du in den eckigen Klammern hast, sieht man normalerweise nicht. Deshalb habe ich da ein* eingefügt, damit es sichtbar bleibt. Dieses Sternchen sollst du nicht mitschreiben, sonst geht es nicht. Viel Spaß beim probieren.

    Krähe
    Geändert von krähe (22.10.2006 um 23:00 Uhr)

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Griechenland Teil IV
    Von Festival im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 28.11.2006, 15:38
  2. Griechenland Teil VI
    Von Festival im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 10
    Letzter Beitrag: 06.11.2006, 18:17
  3. Griechenland Teil II
    Von Festival im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 22.10.2006, 13:29
  4. Griechenland Teil III
    Von Festival im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 21.10.2006, 22:39
  5. Griechenland Teil V
    Von Festival im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 16.10.2006, 01:44

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden