1. #1
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    ber das rgernis, eine Beleidigung nicht als solche wahrnehmen zu knnen

    Geschichten der Familie T. Rottel

    Herr Rohweg erzrnte sich ber die Neckereien, unter denen seine Tochter in der Schule litt. Tina Rottel, die Ideengeberin jener vermeintlichen Spe, zog Elisa seit einiger Zeit mit „Du Hollnder!“-Rufen auf, die sie stakkatoartig in ihre Richtung skandierte. Anlass dafr gab ihr die Affinitt der Mitschlerin zu Kleidungsstcken in Orange, sowie ihre Begeisterung fr das Land der Dmme und Windmhlen an sich, aus dem sie nie einen Hehl gemacht hatte.
    Rohweg nahm daher Kontakt zu Tinas Vater, Tim Rottel, auf. Als dieser sich entschuldigte und beteuerte, seiner Tochter ins Gewissen zu Reden, auf dass sie diese Beleidigungen einstellen mochte, fuhr ihm Rohweg ins Wort: „Nein, nein, Herr Rottel, sie missverstehen mich und mein Anliegen. Meine Tochter hat nichts gegen den Ausdruck Hollnder als solchen. Unsere Urlaubsaufenthalte dort bei Verwandten haben bei ihr den Lebenswunsch blhen lassen, in einigen Jahren dort arbeiten und leben zu knnen. Daher fllt es ihr, die sie normalerweise nicht auf den Mund gefallen ist, in diesem Fall so schwer sich zu wehren: sie mchte es nicht! Elisa fhlt sich zwar angegriffen, aber mit etwas, dass ihr so natrlich erscheint, als dass sie die Angriffswaffe nicht erkennen kann. Sie ist viel eher zutiefst verwirrt, weshalb der Ausdruck fr ihre Tochter Tina ein Schimpfwort zu sein scheint.“
    Herr Rottel reagierte reichlich verwirrt: „Wo liegt denn das Problem begraben, Herr Rohweg? Wie knnen sie sich ber einen Vorfall erzrnen, der ihre Tochter scheinbar nicht zu tangieren vermag? Es juckt sie doch berhaupt nicht, da sie sich nicht beleidigt fhlt.“
    Herr Rohweg erklrte, dass es fr seine Tochter beinahe besser wre, knnte sie den Ausdruck als Schimpfwort wahrnehmen. So jucke es sie quasi an Stellen, an denen sie sich nicht kratzen kann. Und er legte Herrn Rottel ans Herz sich darauf zu besinnen, dass eine jede Denunziation erst dann zu einer inhumanen Handlung wird, wenn der Inhalt jener Beleidigungen den Gejagten an Orten treffen, die fr ihn selbstverstndlich sind. An diese Bitte knpfte er den Wunsch, dass Tim diesen Aphorismus doch durch die Lektre einiger geschichtlicher Abhandlungen zu einer Aussage mit Ausruf machen wolle.
    Gendert von hoeyo (13.10.2006 um 17:39 Uhr)
    "Ich lief vom Pontius zum Pilatus. Pontius /
    War weggereist. Pilatus war im Bad."
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  2. #2
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    Danke fr deine Kritik, ferdi.

    Ich hab durchaus vor eine komplexere Sprache zu entwickeln. Unschwer zu erkennen ist die geistige Verwandtheit zu Brechts Keunergeschichten, die ich in meinen Rottel-Erzhlungen aufleben lassen mchte. Aber ich verstehe deine Kritik an der komplizierten Sprache sehr wohl, da sie - auch nach meinem Ideal - dennoch einfach gehalten werden soll. Nun gut: danke fr deine Vorschlge, ich habe das ganze auch nochmal nachbearbeitet.
    Deinen Vorschlag konnte ich jedoch nicht in die Tat umsetzen, da er dann den Sinn und die Moral des Textes torpediert htte.

    Ich glaube meine beiden anderen Rottelgeschichten sind mir besser gelungen.
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