1. #1
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    Griechenland Teil II

    Doch ich geb `s zu, was halbgeschürzt,
    und sei `s auch nur durch Baumes Äste,
    die Gier der Sinne hräftig würzt:
    Das dünne Hemd, es schenkt uns wahre Feste!
    Es jubelt jedes Hirns Synapse
    über Schleier, Slips und Strapse,
    die Sucht durch Suche noch vermehren
    und prompten Zugriff zart verwehren.
    Ist `s Unnatur? Ich muss gestehn:
    Das Ahnen ist doch gar zu schön!
    Das Finden, das ersetzt doch nie
    den Reiz der eignen Fantasie.

    Es machte uns doch glatt verrückt,
    säh`n wir `nen Pfau, der ungeschmückt
    von Federn nackt herum stolziert.
    Allein der Umstand dass er friert,
    ließ schaudernd uns zu Göttern flehen,
    den Pfau mit Federn zu versehen.

    Nun Augen, seht!, da habt ihr euer Fest:
    Verborgen zwar von Baum und Blatt der Rest,
    schenkt das Wechselwerk des Zufalls
    freien Blick auf Haupt und Hals.
    Zephyrs lauer, duft``ger Hauch
    streichelt offenbar mit Lust
    eine wohlgeformte Brust,
    sanfter noch `nen weißen Bauch.

    Sacht gewölbt, gar lieblich fein,
    nicht fern des Nabels, Dank o Sonne!,
    erglänzt in deinem hellen Schein,
    ähnlich einem goldnen Vliese,
    die traute Walstatt der Liebeswonne.
    Doch plötzlich seh ich nur noch Füße.
    Hab ich im Verein mit Göttern
    den weißen Marmorleib beseelt,
    erweckt zum Leben? - Weit gefehlt! -
    Busen, Bauch und Beine war`n von Blättern
    bedeckt, versteckt, und bald gefunden
    haben trunkne Augen jene feine
    Krause oberhalb der der Knie am Rendezvous der Beine.

    Dreie sind `s, die weiß und bloß,
    marmorn, griechisch, göttlich, groß,
    meine Blicke auf sich lenken.
    Ich hör den Befehl an Priamos Sohn:
    Du sollst den Apfel der Lieblichsten schenken!
    (Jede versprach ihm den reichlichsten Lohn).
    Wär es nicht reizend, so bild ich mir ein,
    könnte auch ich mal Paris sein!?

    War `s nun Aphrodite, die ich erkannt
    am steinernen Vlies von Meisterhand?
    Oder war `s Zeus Tochter, Athene genannt?
    Nach prüfenden Blick auf den Jungfraukörperbau
    war `s auf keinen Fall Hera, des Donnerers Frau,
    die ewig betrogene Gattin des olympischen Gottes.
    Ach glaubt mir, fern jeglichen Spottes
    send ich der Hübschen griechische Grüße,
    ruf "Rolaka" und küss ihr die Füße
    und schau schon wieder auf jene süße,
    gekräuselte marmorne Rose --- jetzt trägt sie `ne Hose ---!
    Nein, - nur wandernder Wolken Beschattung
    malte auf Schenkel und Ort der Begattung
    ein dunkles Gebilde, Hosen sind `s keine,
    was da bedeckte die göttlichen Beine.

    ("Rolaka" eigentlich "Karola". Besondere
    Umstände zwangen mich zu dieser
    Buchstabenverdrehung)
    Geändert von Festival (22.10.2006 um 14:15 Uhr) Grund: Schreibfehler

  2. #2
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    Hallo Kulturheinzi,
    ich folge weiter dem von dir gezeichneten Li, weil mich interessiert, was weiter geschieht. Ich vermute das jetzt immer noch Beobachtungen der schönen Götterstatuen aus der Ferne, vom Frühstückstisch aus beschrieben werden. Zumindest bis S4, da scheinen mir die Beschreibungen zu detailliert, um aus der Entfernung gemacht zu sein.
    In S1 läßt sich das LI über das (ewige) Wechselspiel von Zeigen und Verstecken, Locken und Zurückweisen und Fantasieanregen zwischen Mann und Frau aus. Das hat seinen Reiz, bringt Knistern ins Leben und davon lebt die Modebranche. Das ist wieder flüssig zu Lesen, du fängst mit Jambus an und hast, wo es betonend wirkt Trochäus eingeschoben. Dieser Strophe stimme ich zu, es wäre Thema für sehr viele Gedichte. Hier gehört es nur erklärend zum Thema, zeigt aber, dass du tiefsinnig mit Schalk im Nacken mich weiter einstimmen willst. (reiz) Die S2 ist zwar gut geschrieben und lustig, dient aber m. E. nicht dem Fortgang der Handlung und das Beispiel hinkt auch ein bisschen. Falls du dein Griechenland(zyklus) mal überarbeiten wirst, dann überlege, ob du da nicht den Rotstift ansetzen solltest. (Sei nicht sauer)
    Jetzt S3 werden die Beschreibungen der der Statuen konkreter, und über Brust und Bauch wird augenzwinkernd auch ein Schuß Erotik eingebracht. Mich stört etwas der Reim "Zufalls-Hals" Mein Sprachgefühl betont ZUfalls während Hals betont ist. Aber man kann ja Pegasus mal die Zügel locker lassen.
    In S4 verliert der Stein durch die Sonne seine Kälte (Griechenland) und die Beschreibungen des LI driften immer mehr in die Schamgegend (seltsames Wort) wobei du wieder mit dem Blätterverdecken Bezug zur S1 aufbaust. In S4 lenkt das LI stärker auf die antiken drei Grazien hin, zwischen denen Paris wählen konnte, wobei Paris selbst nicht dargestellt ist. Wobei dort, außer Schönheit noch andere Attribute und Konstellationen eine sehr wichtige Rolle spielten. Diese antike Geschichte ist aktuell, solange es Menschen geben wird.

    S5 nimmt stärker Bezug auf die Wahl des Paris, und den Reiz, auswählen zu können. (Das ist natürlich reizvoll und beschäftigt Männerfantasie, aber nach der Wahl hat man wieder nur eine.)
    S6 erkennt das LI Aphrodite am Schamhaar oder habe ich das falsch verstanden? (Setze bitte das dringend notwendige Leerzeichen in V5, auch wenn alles Augenzwinkernd gemeint ist) Ich beschließe alles so lustig zu sehen wie es gemeint ist. Die Karola Rokala ist wohl der Betonung geschuldet, ich habe es nicht verstanden. Jetzt schaut das LI wieder auf das Ende der Beine und spielt auf zeigen und verdecken (durch Wolken) an aber erweckt auch den Stein durch das Hose tragen zum Leben. (Wobei mir Hose als Götterdessous doch schmunzelnd die Brauen heben lässt.

    Ich habe ein leichtes Problem, dem LI in seinen Gedanken zu folgen. Weil mir die Bildhauerkunst bisher nur ein "ach ganz hübsch" entlocken konnte. Es gibt eine starke Diskrepanz zwischen den Werkstoffen, Stein oder Bronze, die kalt und leblos sind und der Seele der Kunstwerke, die für mich zwar durch den Stein dargestellt wird, aber sozusagen auf ihm liegt,an der Oberfläche schwebt und nicht in ihm. Während lebende Menschen ihre Bedeutung in sich tragen. Mit Fehlern und nicht so idealisiert wie antike Standbilder sind sie lebendig und dann auch begehrenswert. Ich habe im Museum von Side auch schon antike Statuen gezeichnet, aber da empfand ich nur das lange Stillhalten (ich zeichne leider sehr langsam) und die vom Künstler gut festgehaltene eingefrorene Dynamik als Vorteil. Deshalb kann ich dem LI nur zögernd folgen. Wer mehr auf Plastiken steht, hat da vielleicht einen anderen Zugang. Aber da man spürt dass alles nicht so bierernst gelesen werden soll, genieße ich noch mal die bewußt gesetzten Verse und werde sehen was im Teil 3 passiert. Handwerklich ist es wieder gut diesmal etwas ruhiger, weil die Wechsel im Versfuß nicht so drastisch sind.

    Krähe
    Geändert von krähe (19.10.2006 um 22:08 Uhr)

  3. #3
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    Hallo, Krähe,
    vielen Dank für Deine Mühe! Du hast mit einem guten Sprachgefühl die eine oder andere Schwäche erkannt; es wird lange dauern, bis ich das alles "schön geglättet" habe. Was das Material - Marmor - angeht: Ich habe es ja auch immer für eine kalte Angelegenheit gehalten, bis ich mal heimlich (weil es ja verboten ist) eine meisterhafte Statue angefasst, beinahe gestreichelt habe und sehr verwundert feststellen musste (vielleicht ist das auch nur eine Empfindung von mir), dass sich diese Statue - und es war auch noch ein dahingestreckter Faun - beinahe weich, seidig und warm anfühlte. Nee, die Rolaka ist nicht dem Reim geschuldet. Ich denke, Du glaubst mir, dass ich auf Karola allemal einen Reim gefunden hätte. Ich musste diesen Namen aus ganz anderen Gründen verklausulieren. Aber das schreibe ich nicht ins Forum, das kriegst Du per persönlicher Mitteilung. Eins auf jeden Fall: Ich freue mich über Deine sehr sachkundigen, mal kritischen, mal auch lobenden Anmerkungen! Vielen Dank. Was Du vor allen anderen völlig richtig erkannt hast, dass ist die augenzwinkernde (und wenn man den Hintergrund der Entstehung kennt) ironische Schreibe.
    Liebe Grüße!
    heinzi
    Geändert von Festival (22.10.2006 um 14:20 Uhr)

  4. #4
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    Hallo Kulturheinzi,
    zu sehr glätten solltest du gar nicht. Ein paar Tippfehler hast du schon weggemacht und alles andere sind persönliche Eindrücke. Ich möchte dir mitteilen, welchen Eindruck deine Gedichte auf mich machen. Du sollst wissen wie ein mit dem Stoff nicht so vertrauter dir folgen kann. Deshalb brauchst du nicht alles umschreiben. Nur beim nächsten Mal noch besser machen . Der Hintergrund der Entstehung ist mir natürlich unbekannt, deshalb sehe ich dein Werk erst mal ohne diesen.

    Krähe

  5. #5
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    .......sag mal wie alt bist du eigentlich...???

  6. #6
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    Hallo, Dogtown,
    für einen, der sein Alter im Profil verschweigt, eine seltsam anmutende Frage!
    Aber ich denke, ein paar Tage älter als Du bin ich allemal.
    Beste Grüße!
    heinzi

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