Thema: Sauerei

  1. #1
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    Sauerei

    Sauerei


    Die Sau, was nicht verwunderlich,
    ist auch nur’n Mensch wie Du und ich.
    Sie frisst zu viel und kriegt’n Bauch,
    desgleichen gibt’s beim Menschen auch.
    Wenn sie was sagt, dann fehlt dem meist
    wie auch beim Mensch, Substanz und Geist
    doch nur der Mensch, der denkt an Kunst,
    wenn jemand auf ’ner Bühne grunzt.

    Sofern man mal, was sehr zu loben,
    den Dreck entfernt im Schweinekoben
    und dieser dann gereinigt ist,
    erscheint die Sau und meint nur „Mist“,
    geht kummervoll zur Tränke, säuft,
    ihr schöner Mist liegt aufgehäuft,
    sie liebte ihn, denn jener bringt
    Gemütlichkeit, auch wenn es stinkt.

    Der Mensch denkt ähnlich, produziert
    in Mengen Mist, ganz ungeniert,
    und wie das Schwein, so schätzt auch er
    nur das, was stinkt, denn umso mehr
    lässt jenen Mist, von ihm gemacht,
    er dann verschwinden über Nacht,
    was er erreicht und ihn erfreut,
    in dem er neuen drüberstreut.


    Nach umfangreicher Überarbeitung neu gepostet
    Geändert von bruno bansen (17.10.2006 um 00:57 Uhr)

  2. #2
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    Moin Bruno,

    Na, da hast du uns aber wieder eine schöne Sauerei angerichtet, so ein Mist aber auch...

    Einfach nur göttlich dein Sau/Menschvergleich und eine tierisch gute Abrechnung mit diversen Zeitgenossen, die sich eher noch unterhalb des Wutzniveaus verhalten. Frischen Mist über den alten streuen, genau das trifft's, bloß nicht augiasmäßig ausmisten und sich bessern.

    An einigen wenigen Stellen der ersten Strophe, die ich dir gerne näher bezeichne, könntest du mener Meinung nach noch etwas mehr Fluss hineinbringen.

    Die Sau, was nicht verwunderlich,
    ist auch nur’n Mensch. Wie Du und ich.
    ist auch nur Mensch wie du und ich. (Elision + Punkt könnten wegfallen)
    Sie frisst zu viel und kriegt’n Bauch,
    desgleichen gibt’s beim Menschen auch.
    Wenn sie was sagt, dann fehlt dem meist
    Wenn sie was sagt, vermisst man meist
    wie auch beim Mensch' viel Sinn und Geist.
    (Punkt)
    doch nur der Mensch, der denkt an Kunst,
    Doch nur der Mensch denkt gleich an Kunst,
    wenn jemand auf ’ner Bühne grunzt.

    Das Wort "Mensch" kommt zwar 4 x vor, stört mich in diesem Falle aber kaum, zumal es nicht wirklich zu ersetzen ist.

    Wie immer, konnte ich beim Schmunzeln nur beipflichtend abnicken, eine wirklich gelungene Satire, Hut ab.

    Liebe Grüße
    crux

  3. #3
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    Lieber Bruno,
    das ist wieder ein tolles Gedicht von dir, was meinen Geschmacksnerv 100% trifft Kann mich Crux Einschätzung/Ausführungen nur anschließen, hab laut geschmunzelt
    LG Steffen
    Bist du ernst, mit flachen Lippen,
    solltest du mal lachen, flippen.

  4. #4
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    Hallo, ihr beiden

    Natürlich, lieber Dietmar, liest sich "jemand" besser - ändere ich und der Punkt ist an der Stelle ein Irrtum, kommt auch auf den Müll. Aber nur Mensch sein beinhaltet weniger oder besser, anderes, als nur ein Mensch, nur'n Mensch... da hab ich Probleme.

    Oder, lieber Steffen, was würdst du sagen?

    freut mich auf jeden Fall, dass ihr auch meine Archiv-Bewohner nicht gar so schlecht findet.


    Lieben Gruß an euch
    von Bruno

  5. #5
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    Hallo Bruno,
    was hältst du von dieser Variante:

    Die Sau, was nicht verwunderlich,
    ist nur ein Mensch wie Du und ich.

    Hier hättest du "nur ein" explizit drin, das "auch wäre vielleicht eher verzichtbar, oder?
    LG Steffen
    Bist du ernst, mit flachen Lippen,
    solltest du mal lachen, flippen.

  6. #6
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    ...ja, hab ich auch schon gehabt, gleich am Anfang, aber das schließt die andern , die auch nur Mensch sind, wie wir, eigentlich aus.

    Und was dabei auch zu bedenken ist, es darf nicht zu poliert sein, zwar flüssig lesbar, ohne große Kanten, aber eben Umgangssprache und die ist schwieriger glaubhaft zu machen als sonst was.

    Aber die Erleuchtung kommt uns sicher noch! Danke jedenfalls erstmal für die Mühe, für eure Mühe, deine auch, lieber Dietmar

    Grüße an alle
    von Bruno

  7. #7
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    Der Mensch was sehr verwunderlich ist auch nur ein Schwein wie du und ich.

    Hätte mir besser gefallen.

    Die Sauereien aber so anzuprangern ohne auch nur einen Moment des demütigen Innehaltens, ob das selber produzierte, möglicherweise, ganz entfernt, und sei es auch nur minimal, um nicht zu sagen hauchdünn selbst eine witzfreie, hausbackene Moralpredigt kurzum: auch eine klitzeklitzekleine Sauerei ist, macht dieses Werk sehr selbstbewusst. Es strotzt den Ankränkelungen der Ironie und stellt sich selbstbewusst in den Wind. Hier wird ordentlich ausgemistet. Starkes Stück.

  8. #8
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    hi und Moin moin,

    nee, dein Vorschlag geht nicht, ist eine Silbe zu lang, eine einzige!

    Aber Danke für den durchdachten Kommentar!

    Grüße von Bruno

  9. #9
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    Hallo Bruno,

    ich weiß nicht, wie die vorherige Version war, aber die nun gepostete ist jedenfalls absolut perfekt! Ich habe breit grinsen müssen beim Lesen und die Kritik an den Sauereien der Menschen kommt auch nicht zu kurz.

    Vielen Dank fürs lesen lassen!

    Grüße

    Thomas
    "Man schreibt nicht, was man schreiben möchte, sondern was man zu schreiben fähig ist."
    Jorge Luis Borges


    Mein Wiedereinstiegsgedicht nach all der Zeit: So ist mein Herz ein dunkler Teich

    Meine Werke und meine Empfehlungen.

    Freiwillige Selbstverpflichtung 3:1

    Und hier noch auf Wunsch von Nachteule etwas von ihm (als Dank für die Hilfe im Mod-Faden): Nachteule

  10. #10
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    Die Sau

    hi Roderich,

    ....die war auch nicht ohne, aber diese ist bissiger und durch das theatermäßige Grunzen, das zur Kunst hochstilisiert ist, erweitert. Letzteres durch aktuelles Erleben in der Hamburger Theater- und Musikszene, aber nicht nur da, auch auf den virtuellen Literatur-Plattformen, wo etwas zur Kunst erklärt wird, was lediglich Mist ist, der stinkt und durch gleichfalls übelkeitserregenden neuen Mist, der ebenso stinkt wie der vorherige, überdeckt wird - ohne Rücksicht auf Verluste.

    Aber bitte nicht missverstehen, es sind einige, die ich meine, natürlich nicht alle, um Himmels Willen, nein, es
    sind aber leider zu viele und jedenfalls hier mit einem Kommentar nicht vertreten...


    Vielen Dank jedenfalls Dir und
    viele Grüße von Bruno

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