1. #1
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    Bürgersteigstragödie

    Durchlöchert liegt man am Straßenrand. „Einen Euro bitte“, kratzt es sich aus dem Hals. Aber den Ton vernimmt keiner. Die dreckige Decke, die Nahrungsmittelverpackungen, der lebendige Hundekadaver und Nichts, weites, menschenüberfülltes Nichts. Es spielt keine Rolle. Die Augenlieder heften sich an das körnig strukturierte Grau des Bürgersteigs. Es ist so still, trotz allem lautem Getümmel und Gewimmel. Der Versuch der Aufrichtung des Körpers scheitert am klappergestellartigen der Gebeine, ein Kartenhaus, was in sich zusammenfällt. Wenn es dunkel wird, ist man transformiert: von einer Art Kartoffelsack zur schäbig miserablen Straßenzirkusattraktion. Aber auch nur weil sie besoffen sind. Man selbst fasst das nicht mehr an, weil man kein Geld hat. Der Magen verkrümmt sich oder ist unfühlbar, die Hände zittern, das Gesicht läuft hinunter wie Kerzenwachs. Das Glück besteht im Klebegeruch. Die Menschen haben keine Augen.
    Erkennen selber braucht einen Augenblick, die Erkenntnis auszudrücken ein Leben.

  2. #2
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    uziuz

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