Herr Rottel bremste scharf an einem Zebrastreifen, da sich eine alte Vettel in letzter Sekunde dazu entschieden hatte, die Straße zu überqueren. „Meine Wut“, sprach er zu seinem Beifahrer Herrn Jung, „über dieses kleine Ärgernis schlucke ich herunter, da ich weiß, dass ich richtig gehandelt habe. Ähnlich verhält es sich, sobald ich ein Martinshorn erklingen höre: Mein Puls steigt stressbedingt in die Höhe, ich muss komplizierte Manöver vollführen, um dem Krankenwagen Platz zu machen und gebe meine eigene Sicherheit in Bruchstücken für wenige Momente auf. Aber meine Moral verbietet es mir, Zorn zu empfinden, da ich richtig handele.“
Herr Jung verwirrte diese starre Geisteshaltung sehr: „Wieso kann man nicht etwas richtiges tun, aber dennoch Zorn, oder zumindest ein Gefühl der Benachteiligung darüber empfinden? Selbst wenn wir im Unrecht sind, so erachte ich dieses Gefühl als Grundrecht. Wenn du mich fragst: am liebsten halte ich an Fußgängerüberwegen an, wenn eine junge Frau, gut gebaut und am besten brünette, die Straße überqueren möchte. Denn dann weiß ich meine verloren gegangen Sekunden als genutzt: ich konnte ihr einen schmachtenden Blick nachwerfen. Wichtig ist nur, dass ich auch bei allen anderen Menschen anhalte.“