1. #1
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    Die Nacht erzählte mir ein Lied

    Die Nacht erzählte mir ein Lied
    von sich streckenden Bergen
    vom Schweigen der Wälder
    vom leisen fallen des Schnees.

    Die Nacht erzählte mir ein Lied
    von flüsternden Bäumen
    von Blüten die leuchten
    von Düften die verwehn.

    Die Nacht erzählte mir ein Lied
    von Worten die schmeicheln,
    von Gesten die heilen
    von Menschen, die kommen
    und gehn.
    Geändert von badico (21.10.2006 um 22:58 Uhr) Grund: Änderung

  2. #2
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    So, wie versprochen nun nochmal ein Blick mit etwas mehr Detail drauf geworfen.

    Die Nacht erzählte mir ein Lied
    von flüsternden Bäumen,
    von Blüten die fallen,
    von Düften die verwehn.


    Das lyr. Ich träumt, von Landschaften, von Landschaften die es mit Vorgängen verbindet, so deute ich jedenfalls die Düfte, das flüstern der Bäume. Alles jedoch bewusst sehr vergänglich beschrieben, ob sich das auf den Traum als selbigen oder auf die eigenen Gefühle etc. bezieht bleibt offen.

    Die Nacht erzählte mir ein Lied
    von sich streckenden Bergen,
    vom Schweigen der Wälder,
    vom leisen fallen des Schnees.


    So, und hier hänge ich, denn die Strophe gehört für mich vor die erste. Wird hier doch noch wesentlich grobflächiger betrachtet. Die Umgebung als relativ undetailliertes Wesen dargestellt. Und doch merkt man im Ansatz, dass das lyr. Ich sehr aufmerksam scheint, es hört selbst den leisen Schnee.

    Die Nacht erzählte mir ein Lied
    von Worten die schmeicheln,
    von Gesten die heilen
    von Menschen, die kommen
    und gehn.


    Das lyr. Ich betritt jetzt die stärkste Ebene der Nacht, die in der es über zwischenmenschliches nachdenkt und dies scheinbar sehr resignierend. Es fühlt sich für das lyr. Ich alles wie ein Schein an, der nur noch schwer aufrechtzuhalten ist, der letzte Vers zeigt jedoch deutlich, das lyr. Ich erkennt das Vergängliche, bleibt bedrückt mit seinen Gedanken zurück.

    So, dies meine Interpretation des Ganzen. Hat mir gefallen.

    Gruß,
    Flo
    Neustes Werk aus meiner Feder:
    Liebe und Romantik - Schlaflied (für L.), Ein Leiserwerden, ohne Titel
    Verzweiflung schreit nicht, Verzweiflung schweigt.

    Die Melancholie des Seins - Fortsetzungsgeschichte
    Die Melancholie des Seins - Gesammelte Werke

  3. #3
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    Lieber Flo,
    es ist seltsam du hattest schon einen Kommentar zu diesem Gedicht geschrieben und ich habe dir auf deine Interpretation schon eine Antwort geschrieben . Und nu.....es ist wech einfach wech...
    Ne im Ernst, wie kann das passieren, dass Kommentare verschwinden ohne dass ich es selber gelöscht habe? Oder habe ich schon Halluzinationen?
    Lieber Flo , die erste und zweite Strophe zu tauschen halte ich für eine gute Idee, werd mich gleich mal an die Arbeit machen.
    Deine Interpretation ist sehr interessant für mich, doch trifft sie nicht das was ich meinte. Ich befürchte du hälst mich für tiefgründiger als ich bin...
    Dieses Gedicht ist in einer warmen Sommernacht in meinem Garten entstanden, es war mucksmäuschen still und ich hörte nur den Wind in der riesigen Linde. Unterschiedlich je nach Intensivität des Windes , es war tatsächlich wie eine Geschichte. Irgenwie war der Gedanke in meinem Kopf was der Wind schon alles erlebt und gehört hat auch oder gerade von uns Menschen in unserer Vergänglichkeit, so ist dieses Gedicht halt entstanden

    Ich danke dir sehr sehr herzlichfür deine lieben Worte
    deine Babsi

  4. #4
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    Wow, das ist doch mal ein schönes Gedicht!
    Die Stimmung der warmen Sommernacht liest sich in jedem Wort, der ganze Rhythmus des Gedichtes legt sich wie ein Schleier über die Welt.
    Geil.
    Das ist eine Streicheleinheit für's Ohr.
    Und dieser Gesamteindruck hängt eigentlich komplett vom letzten Satz ab. Der ist wie der Saum, der verhindert, dass der Schleier ausfranst...

    Bei mir entsteht übrigens gar nicht ein "bedrückter" Eindruck.
    Es wirkt für mich eher wie eine umfassende Dankbarkeit und wie ein großes Gefühl, dass man ein Teil ist. Klein, aber dennoch vorhanden.

    Die Strophen würde ich übrigens nicht tauschen! Die zweite baut metrisch, so ich denke, auf der ersten auf, die erste ist noch etwas leichter, die zweite senkt sich über den Leser... nene, lass das mal so...
    Geändert von G.T. (21.10.2006 um 22:51 Uhr)

  5. #5
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    ui ein seltener Gast,
    wie schön von dir zu lesen G.T. irgendwie hat sich dein Kommentar und meine Änderung überschnitten.
    Jetzt bringst du mich sehr zum nachdenken (grübel, qualm...) ich finde eigentlich beide Versionen ganz gut. Ich werde mich wohl nochmal damit befassen müssen und überlegen welche ich letztendlich nehme.
    Eine Worte haben mich sehr gerührt und sehr stolz gemacht(darf man das überhaupt sagen?)
    Du liegst mit deiner Deutung richtig, es war ein um sich herum und in sich hinein hören, verbunden mit einem tiefen Atemzug der eine Klammer vom Alltag wegsprengte.
    Liebe Grüße und vielen Dank für deinen Kommentar

    Babsi

  6. #6
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    P.S.: Ja, das darfst du sagen und dass du es sagst, macht mich ebenso stolz...
    P.P.S.: Wieso "seltener Gast"?

  7. #7
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    weil ich dich heute zum ersten Mal bei mir begrüßen durfte!!!
    weil deine Kritiken immer was aussagen und .... mehr fällt mir jetzt ad hoc nicht ein... sorry(ganz kleinlaut)

  8. #8
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    Mehr musst du gar nicht sagen, fühle mich schon jetzt tierisch geehrt von Euren schmeichelnden Worten, holde Maid...

  9. #9
    Tessa Guest
    Liebe Babsi,

    nun aber mal genug der Säuselei hier, zwinker.

    Du zauberst mit deinem Gedicht eine ruhige Stimmung,
    fast melancholisch, doch gibt es Melancholie im Traum?
    Von der ersten bis zur letzten Zeile lässt du den Leser verträumt durch dein Werk schweben, wirklich gut gelungen.
    Viele Begebenheiten werden hier angedeutet, in Naturbeschreibungen verpackt, mit "menschelnden" Zügen.

    Habe es sehr gern gelesen und wie immer mitten am Tag.
    Das ärgert etwas und ich sage dir, liebe Babsi, um eine Einladung zum
    Kaffee kommst du bald nicht mehr herum.
    Lese es heut abend noch einmal ..oder komme bei dir vorbei, huhu....

    Ganz liebe Grüße,
    Tessa

  10. #10
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    Die Nacht erzählte mir ein Lied

    Liebe Babsi,
    nicht nur dein Gedicht, auch die Kommentare lassen fast träumen .
    Mir gefallen die Verse, weil sie Bilder und Stimmungen erzeugen, die etwas hinterlassen.
    Zum Schluss jedoch wurde ich ein wenig traurig, im positiven Sinne. Genau so ist es, Menschen kommen und sie gehen.
    Diese Stimmung einzufangen ist dir durch und durch gelungen.
    Liebe Grüße
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  11. #11
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    Liebe Tessa,
    du bist jederzeit aufs herzlichste eingeladen. Nur in einem irrst du die ein bischen. Dieses Gedicht soll keinen Traum beschreiben, schön wenn es für dich so klingt, bedeutet es doch für mich das meine Worte so leicht kommen wie ich es beabsichtigt habe.Wie immer nehme ich hocherfreut dein Lob entgegen Frau Wortemalerin.

    Liebe Dana,
    Wie schön das du die Stimmung so schön auffangen konntest, noch ein dickes Lob für mich . Ich danke dir viele tausend mal , da versteht deine slawische Seele wieder einmal meine Grundgedanken.
    Die Seele die es schafft mit Worten Wärme zu erzeugen.

    Ihr Lieben ich bedanke mich noch ein mal sehr bei euch und wünsche euch eine schöne Woche ... bis hoffentlich nächstes Wochenende

    eure Babsi

  12. #12
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    Hei badico,

    Dein Gedicht fasst mehrere Beispiele, erzeugt schlussendlich aber ein Gefühl..
    Bei mir wars Ruhe und irgendwie im reinen zu sein mit dem geschehen, es bedeutet auch eine Pause, ein Luftholen, bevor das Leben weitergeht..
    Ein kraftvolles Gedicht Es lässt sich absolut flüssig lesen, geht runter wie Butter

    Lg Wunnie
    ___Nicht am Rand-nein-Mittendurch___

  13. #13
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    Hallo Wunnie,
    das ist aber ein schönes Kompliment für mich, ich danke dir für deine Worte, es ist schön zu lesen, dass es mir gelungen ist zu schreiben was ich rüberbringen wollte. Denn es gelingt mir leider nicht immer, ich danke dir ...
    Tut mir leid, dass ich erst jetzt antworten kann, war leider eine Zeit lang "verhindert"

    liebe Grüße

    Babsi

  14. #14
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    Hi Badico,

    sehr schön, fast ein Gesang könnte man sagen. Ich weiß, ich bin spät dran (hab zu Hause Forumsverbot -selbstauferlegtes-), aber ich hab deine Zeilen wirklich gerne gelesen.

    Und obwohl du in jeder Strophe mit dem gleichen Vers beginnst, was an sich problematisch enden kann, hast du diese Kurve wunderbar hinbekommen.

    Liebe Grüße
    Eva
    EvaAdams

    (c) Mein Werkverzeichnis: Unterm Feigenbaum = überholungsbedürftig, aktuelles bitte unter Profil nachsehen


    Die WÖRTERWUNDERTÜTE ist da!

    Mein Buch Leitersprossen

  15. #15
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    Liebe Eva,
    vielen lieben Dank für deine Worte. Ja, ich wollte auch das die Wortmelodie gleitend und fließend ist. Ganz am Anfang hatte ich sogar dieses " die nacht erzählte mir..." auch noch zum Abschluß jeder Zeile aber das war dann eindeutig zuviel des Guten. (Darauf hat Flo mich direkt aufmerksam gemacht)
    Liebe Eva wie immer schön von dir zu hören

    liebe Grüße
    deine

    Babsi

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