1. #1
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    Letzter Blättertanz (Gedanken, die mich nicht loslassen)

    Die schweren Wolken bedeckten den Himmel.
    Mit seinem silbergrauem Bart musterte er mich düster.
    Der gefrorene Wind spielte.
    Die dunkelbraunen Blätter tanzten zu seiner eisigen Melodie.
    Die Bäume sagen im Chor klagende Lieder der Einsamkeit.
    Mit zittriger und verbitterter Stimme wisperten die Gräser.

    Es war ein kalter Herbstabend.
    Unsanft streifte mich der Atem des Windes.
    Ich lief einen schmalen Weg entlang und lauschte dem brausenden Spiel des Windes und dem Chor Bäume und Gräser:

    "Man erzählt es sich.
    Es gab einmal ein Gefühl, das nannte man Liebe.
    Oh nein, nicht doch diese Liebe, die man Liebe nennt.

    Es war die Hoffnung,
    die mit sanftem Lächeln in die Ferne blickte.
    Es war die Geduld,
    die zärtlich über das Meer hauchte.
    Es war die Sehnsucht,
    die mit weichem Flügelschlag 'gen Horizont flog.
    Es war die Lust,
    die leidenschaftlich im Kerzenlicht las.

    Oh, ein Gefühl, das nannte man die Liebe.

    Die Liebe hatte einen Bruder, man nannte ihn Schmerz und eine Schwester, man nannte sie Angst.
    Sie haben sich gegen sie verschworen sie wurden zum Tod.

    Seither ist die Liebe weit entfernt.
    Vielleicht wird sie nie zurückkehren.

    Oh, wohin sie nur gegangen ist.
    In ein fernes Land, man nennt es Traum.

    Oh, heute, heute Nacht werd ich ihr begegnen.
    Schweigend, still und stumm."

    ___________________________
    Über Anregungen und Kritik würde ich mich sehr freuen.

    Liebe Grüße
    Swirly
    Geändert von Swirly (15.10.2006 um 14:32 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Swirly,
    zwar habe ich nicht so viel Ahnung, aber vielleicht hilft es dir ja trotzdem, wenn ich dir schreibe, was ich über deinen Text denke

    Ich finde du beschreibst die Stimmung, Melancholie des Herbstes gut. Auch finde ich einige Bilder die du kreierst hübsch, besonders gefällt mir
    Es war die Geduld,
    die zärtlich über das Meer hauchte.
    Wird der zweite Teil von den Blättern und Gräsern gesungen oder gewispert? Das geht aus dem Text nicht ganz hervor (Blätter tanzen, Gräser wispern, aber im Chor?) denn wenn sie singen hätte ich auf gleichlange Verse und Metrik geachtet und es lyrisch gemacht.

    Ich finde einige "Oh"s unpassend. Für mich ist "Oh" ein Ausruf der mit einer starken Gemütsbewegung verbunden ist und z.B hier nicht authentisch wirkt.
    Oh, heute, heute Nacht werd ich ihr begegnen.
    Schweigend, still und stumm.
    Ansonsten vielleicht noch Wortwiederholungen vermeiden und abgegriffene Ausdrücke wie "Lieder der Einsamkeit". Und die optische Gliederung/ Layout würde ich nochmal überdenken.

    lg
    Beware of all enterprises that require new clothes.
    Henry Thoreau

  3. #3
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    Hallo Little One,

    danke erstmal für deine Antwort.

    Also, eigentlich möchte ich mit den "Oh's" das wispern der Gräser hervorheben.
    (Gut, vielleicht einwenig ungeschickt.)
    Für mich persönlich hat dieses kleine Wörtchen nicht unbedingt immer eine starke Gemütsbewegung inne... Ansichtssache, denke ich.

    Huch, und ich habe mich wohl vertan. Es singen nicht die Blätter - die tanzen ja - sondern die Bäume mit den Gräsern im Chor.
    (Werds gleich mal ausbessern...)

    Zu den Liedern der Einsamkeit:
    Ja, das ist abgegriffen. Ich finde nur, dass es an dieser Stelle aber auch genau das darstellen soll.
    Trotzdem bin ich für weitere Verbesserungsvorschläge immer offen

    Die Wortwiederholungen (am Anfang und im Mittelteil) sind bewusst von mir eingesetzt worden um die Situation zunächst (widersprüchlich) eintönig zu gestalten und später (Mittelteil) um die Aufzählung zu unterstreichen.
    ->Ob das gut ist, sei einmal dahingestellt.

    Liebe Grüße
    Swirly

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