1. #1
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    Griechenland Teil III

    Den weiteren Tag verbracht ich, die kühlende Brise vom Meere
    auf kaum gebräunter Haut wohltuend spürend, am Ufer
    Poseidons Reiches, trank die glutenden Strahlen der Sonne
    und teilte kraftvoll als kundiger Schwimmer die rauschenden Wogen.
    Spät, als die feurigen Rosse eilenden Hufes gen Westen
    den schimmernden Sonnenwagen zogen und Orions Auge
    aufglänzte, wandte ich dem bleiernen Meere den Rücken,
    lenkte heimwärts die Schritte, überließ dem boitischen Nimrod
    allein seine ew`ge Verfolgung der Töchter des titanischen Atlas,
    die zum Kummer Pleiones der zürnende Zeus zum Sternbild gewandelt.
    Beim schäumenden Weine genoss ich schläfrig entspannt die Kühle
    des sternreichen Abends, erwartete des Mondes wandelnde Scheibe,
    die rund und glänzend am Himmel das Dunkel silbrig erhellt.

    Blätter wispern,
    leise, leise
    weht der sanfte Abendwind;
    bringt der Blumen Düfte hin zum Meere.
    Sterne flimmern,
    melodischen Klanges kündet die Nachtigall
    die rechte Stunde
    verliebten Geflüsters und raschelnder Seide.
    Majestätisch betritt der Nächte Silberkönig
    seine Bahn.
    Feuchte Küsse schenkt er Blumen,
    deren Blüten halbgeschlossen, liebestrunken
    sie erwidern.
    Voller Träume und Gedanken,
    Liebesseufzern,
    Leid und Weh,
    Hoffnung auf den nächsten Tag
    ist das Zauberreich der Elfen.
    Feen und Hexen,
    Gnome, Riesen
    herrschen nun bis morgen früh.
    Schlafe, schlafe ...
    leise,
    leise wispern Blätter.

    Seh ich eine Göttin winken?
    Ihre Hand bewegte sich!
    Sollt ich keinen Rotwein trinken,
    oder ist `s ein Sonnenstich?
    Doch ich schwöre: Auf und nieder
    winkt die Hand der Dame wieder.
    Narrt mich nächt`ger Geisterspuk?
    Übt ein Droll erneut Betrug?
    Kaum noch trau ich meinem Sinn, -
    Marmor kann sich nicht bewegen!
    Sollte mich zu Bette legen,
    aber ich schau noch mal hin.
    Da ... schon wieder ...,
    zwischen Blättern und Geäst
    winkt mir Kypris Gruß und Kuss!
    Ach, - lachend ich erkennen muss:
    Eine Taube wählt zum Nest
    die Hand der Schönen für die Nacht.
    Vom Olympos donnernd lacht
    die gesamte Göttergilde.
    Doch ich ahne, süß und milde
    lächelt Kypris Aphrodite.
    Ich entschlummre sanft und müde,
    sinke tief in Seidenkissen,
    träum von Liebe und von Küssen.
    Geändert von Festival (22.10.2006 um 14:12 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Kulturheinzi,
    ich grabe mich durch. Dein Griechenland sinkt in diesem sehr lebendigen Forum auch schnell in die Tiefe. Wie gesagt, wenn du unter jeden Teil einen link setzt, würde man leichter die Fortsetzung finden.
    Der 3. Teil S1 beginnt mit ruhigen Versen Daktylus und Jambus und beschreibt einen schönen, aber auch einsamen Tag am Strand und Meer. Danach greifst du in die Mytenkiste der alten Griechen um den Ausklang des Tages zu schildern. Das klingt sehr romantisch.
    In S2 wechselst du wieder das Metrum und bringst es fertig, einen Trochäus (durch gute Wortwahl) sanft klingen zu lassen. Dann geht es über in den Daktylus und vertieft das lyrische und die Ruhe. Das LI ist müde und schon fast träumend im Märchenreich.
    S3 Im Halbschlaf sieht das LI dann auf dem ersten Blick Unglaubliches. Die steinernen Göttinnen hatten seine Fantasie ja nie richtig losgelassen. Er wird wach und schaut noch mal und alles entpuppt sich als Spiel der überreizten Sinne und der Müdigkeit. "Lahmer Bube" im 2. Teil und "Dame" als Bezeichnung der Göttin sind die Stellen, an denen du mich zum Schmunzeln veranlasst. Es war ein Irrtum, warum sollte auch die antike Göttin dem LI winken? Aber erwartet hat er es doch. Wer träumt nicht von göttlicher Liebe?
    Im Teil 3 ist mir die S1+2 etwas stark mit Adjektiven überladen. Das dient der Aussage, ist aber manchmal an der Grenze des Überladenen. Wie bei allen Stilmitteln sollte man sorgsam dosieren. (klingt jetzt klug, ich bin leider auch oft vom Schaffensdrang gepackt zu betriebsblind.) Je länger ich jetzt lese, desto mehr werde ich mir bewußt, dass es verdammt schwer ist, ein Werk mit dieser komplizierten Handlung glaubhaft rüberzubringen. Vom Aufbau scheint es eher ein Epos zu sein, aber ich kenne mich da nicht aus und bin zu müde, um mich zu informieren. Epen sind auch viel ernster als dein Text.

    Krähe

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