1. #1
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    Von da an geht's bergab

    Von da an geht's bergab

    Oh ja, gewiss, es ist vertrackt,
    wenn Mann sein Pensum nicht mehr packt
    wie man's erwartet, einfach so.
    Man wird ermahnt, hört nur: go, go,
    und sucht mit Anstrengung und Willen,
    den Anspruch weiter zu erfüllen,
    wie's vier Jahrzehnte lang geschah.

    Doch plötzlich ist der Kummer da,
    der Rücken schmerzt, die Glieder auch,
    der Arbeitstag, er wird zum Schlauch.
    Und kommt man Heim, total geschafft,
    erwartet frau die Manneskraft
    für mancherlei, nicht nur im Bett.
    Mäh noch den Rasen, geh, sei nett
    und trag dann gleich die Kästen rauf.

    Man nimmt die Plackerei inkauf,
    wischt stöhnend ab den kalten Schweiß.
    Und da man ziemlich sicher weiß,
    dass dieses Leben, öd wie trist,
    an sich ein solches nicht mehr ist,
    zumal schon bald die Rente droht,
    denkt man zuweilen an den Tod,
    der einen nun nicht mehr entsetzt.

    Solang' das Leben dich benetzt,
    mit Jugend, Kraft und schönen Dingen,
    kann niemand dich zu Boden zwingen.
    Sobald es dich jedoch dann beugt,
    und einen and'ren Blick erzeugt,
    kommst du ins Grübeln und erkennst,
    wie du dich langsam von ihm trennst.

    Schnell hat das Alter dich verhärmt,
    wenn niemand da ist, der dich wärmt.
    Denn wirst du einsam alt und grau,
    weil sie schon vor dir ging, die Frau,
    dann ist dein Schicksal mehr als bitter,
    und du erwartest froh den Schnitter.
    Geändert von crux (14.10.2006 um 05:32 Uhr)

  2. #2
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    Lieber crux!

    Gerade Dein Neuestes entdeckt und nun gereicht es mir zum Vorteil, eine Antipode zu sein, da in old Europe nun noch alles tief schlaeft.
    Ich darf daher die Erste sein, die dieses tiefsinnige Werk von Dir kommentiert.

    Zum Inhalt:
    Es kommt traurige, sogar depressive Stimmung auf und es klingt ein gutes Stueck Bitterkeit und Resignation durch.

    Das soll nicht negativ besetzt klingen, es ist sogar sehr aufruettelnd, da man sich als nicht mehr so ganz junger Mensch eben mit solchen Gedanken auseinandersetzen muss.
    Meistens neigt man ja dazu, sie zu verdraengen, aber, wie das Werk sehr treffend beschreibt...manchmal wird man durch kleine, alltaegliche Dinge mit der Nase draufgestossen, dass man vieles nicht mehr so gut bzw. so schnell und muehelos erledigen kann, wie frueher mal.

    Man kann, so wie ich es sehe, manchmal nur froh sein, dass man nicht mehr jung ist. Wenn man betrachtet, wo unsere Welt hinsteuert, bin ich eigentlich ganz gluecklich darueber, dass ich das keine weiteren 50 Jahre mehr miterleben muss.

    Zurueck zu Deinem Gedicht..
    Wenn ein Mensch dann allein ist, der jahre- oder jahrzehntelange Lebenspartner gegangen ist, da kann ich mir schon vorstellen, dass das nicht leicht ist.
    Da wuerde das lyrIch sicher mit Freuden das taegliche 'Mosern' in Kauf nehmen, als die Einsamkeit und die Tatsache, dass niemand mehr da ist, um sich zu besprechen, und wenns bloss solche Kleinigkeiten sind wie z.B. 'was werden wir morgen zu Mittag essen?'...Da ist das 'WIR'..das so ungemein viel zaehlt, bei so vielen Belanglosigkeiten oftmals, aber dennoch...'wir'...

    Ja...das sind Gedanken, die traurig stimmen. Man weiss so viele Dinge wirklich erst zu schaetzen, wenn man sie verloren hat.
    Daher ist auch der Gedanke an den Schnitter nicht mehr furchteinfloessend.
    Er kommt daher in Deinem Gedicht als willkommener Gast rueber.
    Schon erstaunlich, wie sich die Perspektiven und Prioritaeten im Leben aendern...

    Hat mich tief zum Sinnieren gebracht, lieber crux.

    Ein grosses Lob fuer dieses unter die Haut gehende Werk.

    Es gruesst eine nachdenkliche
    Lailany

  3. #3
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    Liebe Eva,

    Morgenstund hat Gold im Mund und Blei im Allerwertesten, wie der Volksmund meint...

    Eben ist es hier 05:00 Uhr geworden und ich bin immer noch putzmunter. Schon komisch, dass im Moment nur zwei (du und ich) von 15.000 Usern online sind und zwischen uns rund 22Tsd. km liegen, irgendwie unwirklich.

    Ich danke dir sehr für die ausführliche Auseinandersetzung mit meinem bewusst ziemlich pessimistisch angelegten Gedicht, mit dem ich mal das oft verdrängte Thema des alternden Menschen anschneiden wollte, der unter den ständig härter werdenden Gesetzen der Arbeitswelt (Leistungsdruck, Mobbing und Entlassungsängste) besonders zu leiden hat und dadurch immer häufiger erkrankt, zumeist psychsomatisch, da er nicht mehr in der Lage ist wie früher das Arbeitstempo mitzuhalten und deshalb oft genug früher in Rente gehen muss als vorgesehen. Zusammen mit den Erwartungen und Pflichten, die zusätzlich zu Hause auf ihn warten, fühlen sich dann manche doch sehr überfordert und fangen langsam an zu resignieren, fühlen sich ausgebrannt, leergepumpt und auch ausgenutzt. Kommt dann noch eine zu frühe Witwernschaft hinzu, kann es durchaus passieren, dass sich solch ein unglücklicher Mensch den gnädigen Tod herbeiwünscht.

    Wollte es zuerst unter "Trauer und Düsteres" einstellen, denke aber, dass es hier schon gut aufgehoben ist.

    Diesen Satz von dir finde ich sehr bemerkenswert:
    Man kann, so wie ich es sehe, manchmal nur froh sein, dass man nicht mehr jung ist. Wenn man betrachtet, wo unsere Welt hinsteuert, bin ich eigentlich ganz gluecklich darueber, dass ich das keine weiteren 50 Jahre mehr miterleben muss.
    zeigt er mir doch, dass auch du die Zukunft agesichts der aktuellen globalen Entwicklung eher in düsterem Licht siehst.

    Mir persönlich geht es zwar recht gut, bekomme aber immer häufiger mit, wie schlecht es vielen anderen meiner Generation im hier beschriebenen Sinne doch mitlerweile geht.

    Ich freue mich sehr über dein großes Lob, bedanke mich herzlich und wünsche dir ein schönes Wochenende in down under.

    Liebe Grüße
    crux

  4. #4
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    Hallo crux,

    mit diesem Werk von Dir stehe ich auf Kriegsfuß - warum ? Weil es von Dir ist. Ich kann das gar nicht mit Dir in Verbindung bringen. Aber man ist ja nur manchmal sein lyr. ich.
    Zum Text - wie gewohnt gut gemacht obwohl ich Strophe 2 gar nicht in den Text einfügen kann. Er wirkt wie die üblichen Hausfrauenklagelieder aus Mannessicht. "Und heut Abend hab ich Kopfweh wenn Du sagst..komm doch her.."
    Man hätte (Du hättest) dies sicher etwas versteckter einfügen können. So klingt es so - weiß nicht. Passt nicht.

    Irgendwie die vom Leben enttäuscht Story ...vielleicht wäre es in Deiner üblichen witzigen, humorvollen Art leichter rübergegkommen.
    An den anderen Strophen habe ich nichts zu bemängeln - doch das Thema setzte mich in Auffuhr

    Gruß vom Expressle

  5. #5
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    Hallo crux

    für mich hat dieser Text auch etwas verstörendes. Denn einerseits kann ich ihn, wie kerlchen, irgendwie nicht mit dir in Verbingung bringen - andererseits ist es trotz der Bitterkeit eben doch ein 'crux':
    süffige Paarreime, die endlos-strophenlangen Sätze, die Wortspiele, die dann wieder nicht zum Thema passen irgendwie. Die Eloquenz darin widerspricht der Verbitterung. Hier tut sich für mich eine Kluft auf zwischen Thema und sprachlicher Umsetzung, es wirkt nicht kongruent.

    Inhaltlich sicher bedenkenswert, mir aber irgendwie noch recht weit entfernt. Dazu kann ich nicht umhin, es aus der Sicht der Schweizerin zu lesen, die in einem Land lebt, das zwar einen ausgezeichneten Rentenschutz hat für die heute Alten (in 30 Jahren wird das wohl unbezahlbar sein), gleichzeitig aber nur 14 Wochen Mutterschaftsurlaub und erst seit zwei Jahren ein Mutterschaftsversicherung kennt - da kann mich das 'Renten-Lamento' ganz schön in Harnisch bringen... das aber nur als Randbemerkung, und aus einer ganz anderen politischen Alltagssituation heraus.

    Lg
    yarasa
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
    yarasas Fingerübungen

    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  6. #6
    ria.roos Guest
    *
    Hallo crux,
    sehr gut Dein Gedicht, und inhaltsvoll. All das kann ich auch gut nachvollziehen aber deshalb lässt man doch nicht gleich den Kopf hängen und denkt an solche künftigen Zeiten.
    Übrigens hat der Schnitter noch wichtigeres zu tun, als gerade bei Dir mal anzuklopfen, ist doch klar!
    Alles, was man ehemals für seinen Partner war, erledigen und auch erfüllen durfte ist doch ein Werk des Lebens. Es begleitet uns und hat uns beglückt. Irgendwann müssen wir alle von dieser geliebten Welt.
    Du aber hast hier noch Deine Gedichte abzuliefern, noch lange Zeit, hoffe ich!
    Und darauf bin ich ganz wild!

    Ganz liebe Grüße
    ria.roos
    Geändert von yarasa (14.10.2006 um 10:29 Uhr)

  7. #7
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    Hallo ria

    bitte hör auf, alle (oder wenigstens die meisten) der kommentierten Gedichte vorgängig in ganzer Länge zu zitieren.
    Das macht wenig Sinn und braucht nur Speicherplatz.

    Wenn du ganz gezielt auf gewisse Stellen eingehen willst, ist das natürlich etwas anderes, aber ganze Beiträge zu quoten, ist überflüssig.

    Danke

    yarasa / Moderatorin
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    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

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  8. #8
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    hi, crux,

    dein Gedicht hat mich tief berührt.
    Schlage ich mich gerade ja mit der Problematik herum, daß ich körperlich nicht mehr so kann wie ich will auf der einen Seite, und auf der anderen Seite die Ängste um die Enkel.
    Wir, bzw. ich, bin ja noch in eine Zeit hineingewachsen, wo alles erstmal nur besser werden konnte, das sehe ich jetzt gekippt.

    Ich sehe auch viele verbitterte Leute, auch Junge, (ich gehöre nicht zu den verbitterten, da ist mein Temperament vor), weil sie nicht aus sich selbst die Kraft schöpfen können.
    Aber manchmal denke ich auch, 'oh, was soll ich noch hier, alle sind aus dem gröbsten raus, ich kann eigentlich gehen'. Zum Glück gibt es die Raumstation und das Marsprojekt, da hilft mir dann meine unermeßliche Neugier auf die unermeßlichen Weiten beim Weitermachen.

    Auf jeden Fall hast du mit deinem Gedicht mal wieder in sehr guter Crux-Manier ein brenzliges Thema angeschnitten und sprachlich gut gelöst.

    liebe Grüße aus dem heute grauen Saarland
    edorre

  9. #9
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    Liebe Kommentatoren

    @ Expressle

    mit diesem Werk von Dir stehe ich auf Kriegsfuß - warum ? Weil es von Dir ist.
    Eine solche oder ähnliche Reaktionen habe ich fast erwartet und wundere mich daher nur mäßig. Da du zu den wenigen gehörst, die mich auch persönlich kennen, kann ich natürlich nachvollziehen warum du so reagierst, aber mach dir mal keine Sorge, es ist wirklich nur mein LI, dass ich hier sprechen lasse.

    Wollte ganz bewusst mal die Situation eines Menschen aufzeigen, der in diesen merkwürdigen Zeiten so um die 60 ist und dem nach und nach die bisher gewohnten Lebensgrundlagen wegbrechen, erst die Arbeit, dann der Lebenspartner, der zu früh stirbt. Was denkt, was fühlt so ein Mensch, der sich rund vier Jahrzehnte lang für die Familie krummgeschuftet hat und jetzt die Früchte seiner Arbeit nicht mehr genießen kann. Natürlich werden nicht alle so resignativ darauf reagieren, aber wohl doch eine ganze Menge Betroffener. Also witzig humorig -wie du vorschlägst- hätte ich es gar nicht schreiben wollen, dafür ist es dann doch wieder zu ernst, denke ich.

    Du hast S2 als losgelöst vom Rest empfunden, nicht dazugehörig irgendwie, hm, weiß nicht, ob ich sie nochmal umschreiben sollte, warte erstmal ab, ob es auch anderen so ergeht wie dir.

    Dank dir fürs Kommentieren.

    @ yarasa

    für mich hat dieser Text auch etwas verstörendes. Denn einerseits kann ich ihn, wie kerlchen, irgendwie nicht mit dir in Verbingung bringen - andererseits ist es trotz der Bitterkeit eben doch ein 'crux':
    So hat also auch dich dieser Text verstört und wie Stefan kannst du ihn nicht mit mir in Verbindung bringen. Das soll man ja auch gar nicht, denn mit mir hat das Gedicht recht wenig zu tun.

    Okay, über das Formale ließe sich trefflich streiten. Der Paarreim ist für ein solches Thema zwar nicht unbedingt ideal, habe ihn aber wegen der relativen Länge des Gedichts und somit der Lesegeschwindigkeit zuliebe dann doch bevorzugt.

    Die Eloquenz darin widerspricht der Verbitterung. Hier tut sich für mich eine Kluft auf zwischen Thema und sprachlicher Umsetzung, es wirkt nicht kongruent.
    Verstehe nur bedingt, dass die sog. Eloquenz der Verbitterung (eher Resignation) widerspricht, du meinst wahrscheinlich, es käme zu munter daher, nicht getragen genug? Kann schon sein, dass die Kongruenz ein wenig darunter leidet, hm, bin nicht ganz schlüssig, sehe aber den Punkt.

    Danke dir für die klaren Worte, denn mit dieser Kritik kann ich etwas anfangen.

    @ ria.roos

    Übrigens hat der Schnitter noch wichtigeres zu tun, als gerade bei Dir mal anzuklopfen, ist doch klar!
    Das ist wirklich lieb von dir gemeint, liebe Ria, aber das "Memento mori" ist schon so lange mein treuer Begleiter und Mahner, so dass er anklopfen und eintreten mag, wann immer er möchte, damit habe ich noch das geringste Problem.

    Bin ja regelrecht happy, dass mein Gedicht dich zu einem solch schönen Kompliment hat hinreißen können:
    Du aber hast hier noch Deine Gedichte abzuliefern, noch lange Zeit, hoffe ich! Und darauf bin ich ganz wild!
    Danke für die Blumen, will sehen, was ich tun kann.

    @ edorre

    die älteren Semester unter uns Hobbydichtern verstehen scheinbar recht gut, was ich da geschrieben habe, im dem Sinne, dass sie es besser nachempfinden können als unsere jüngeren Freunde, für die diese Thematik noch nicht die Relevanz hat wie für unsereinen.
    Aber manchmal denke ich auch, 'oh, was soll ich noch hier, alle sind aus dem gröbsten raus, ich kann eigentlich gehen'.
    Ja natürlich, solche und ähnliche Gedanken kommen einem ab und zu schon, ist ja auch völlig normal. Das bedeutet ja nicht, dass wir uns dauerhaft für überflüssig ansehen, sondern ist oft nur die Reaktion auf ein Zwischentief, das wir alle ab und an durchlaufen.

    Dein Lob hat mich sehr gefreut, lieben Dank dafür.

    Eure Beiträge zu lesen, so gegensätzlich sie auch ausgefallen sein mögen, hat mich gefreut, bedanke mich nochmals sehr.

    Liebe Grüße
    crux
    Geändert von crux (15.10.2006 um 21:03 Uhr)

  10. #10
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    Von da an geht's bergab

    Na gut, crüxchen, dann lasse ich dich außen vor, musstest schon genug beteuern, dass es nicht um dich geht

    Die Gedanken deines lyr. Ich kann ich sehr gut nachvollziehen, gerade weil ich es von vielen Seiten kenne, besonders der humoristischen.
    Sind es nicht meist jene Menschen, die alle Lacher auf ihrer Seite haben, die gerade deshalb fähig sind, tiefer zu schauen und sich auch hin und wieder eine "Depression gönnen". Ich meine die berühmten zwei Seiten: Hell und Dunkel, Gut und Böse, Liebe und Hass usw.
    Auch würde ich es als "Augenblickgedanken" bezeichnen, die einfach da sind.
    Bei dir natürlich wieder in vollendeter Versform, so dass selbst Traurigkeiten nur so dahinfließen.
    Liebe Grüße
    Dana
    Geändert von Dana (17.10.2006 um 00:15 Uhr)
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  11. #11
    Tessa Guest
    Lieber crux,

    kenne, höre und verstehe diese Gedankengänge wirklich gut.
    Jeden Tag erzählt mir mindestens ein Patient, dass es nicht schön ist, alt
    zu werden und es besser wäre zu sterben.
    Krankheiten, Schmerzen, die Kraft schwindet, alles geht langsamer, alles fällt schwer. Ich höre es.
    Wirklich verstehen werde ich es viell. erst später.
    Aber- es gibt genug Menschen, die alles und wirklich alles dafür geben würden, älter werden zu dürfen. Auch diese höre ich.
    Wohin der Weg uns auch führt, was immer auch kommt, Leben- wie wunderbar!
    Zuerst dachte ich, du wärst in der falschen Rubrik, dein Werk kam so humorig rüber.
    Nein, Humor hat es nicht. Tiefe und Erkenntnis und ein wenig Bitterkeit.
    Ich höre es und kann das LI verstehen, ein Verlust, der prägt und leiden lässt.
    Doch geht das Leben weiter und es kommt darauf an, was wir daraus machen. Es gibt ältere Menschen, die einsam vor dem Fernseher sitzen und andere, die aktiv am Leben teilnehmen.
    Ich habe eine Patientin, sie kümmert sich, jetzt im Rentenstand, um die Armenküche und es ist unglaublich, welche Dinge sie mir schildert.
    Obdachlose und wie sie dazu kamen, Kinder, deren Eltern betrunken zu Hause schlagen, schreien und meistens schlafen.
    Sie kümmert sich um diese Seelen, ich bewundere sie sehr.
    Keine Spur von Altersdepression.
    Natürlich ist es schön jung zu sein, unbekümmert, frei und positiv.
    Doch bleibt uns nur dieses eine Leben, wir sollten es sinnvoll gestalten.
    Und alt werden wir alle, zwinker, und das ist gut so.
    Ich möchte alt werden, meine Tochter in ihrer Entwicklung sehen
    und viell.einmal die Enkelkinder.
    Den Schnitter schicken wir mal schnell weg, dein LI auch.

    Ein wirklich gut gelungenes Werk, der Paarreim passt hier perfekt,
    lässt einen schnellen Lesefluss zu.
    Nachdenklich wird der Leser und ich hoffe und wünsche mir,
    dass jeder auch eine positive Seite sieht,
    nicht zuletzt deshalb schicke ich diesen Kommentar.
    Heee..crux..und nun schreib wieder in deiner gewohnten Art,
    dass gefällt mir sehr viel besser.
    Sinniere noch darüber.
    Du bist ein positiver Mensch, darfst auch Bitterkeit erzeugen,
    dass Leben ist kein gewonnener Blumentopf,
    aber wem sag ich das, lächel.
    Lesen uns, viell in Humor?
    Ein Licht zu dir,
    ganz liebe Grüße Tessa

  12. #12
    Falderwald Guest
    Lieber crux,

    auch ich las mit etwas Verwunderung dieses Gedicht und dachte so bei mir, nanu, das hat crux geschrieben?
    Nicht weil ich es dir nicht zugetraut hätte, daß ist es nicht, aber die Thematik an sich ist ja normalerweise nicht deine Übliche.
    Du läßt dein Lyrisches Ich hier im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen. Doch auch das ist es nicht, was mich zweifeln ließ, sondern die Art und Weise, in der du es ausgedrückt hast.
    Am Anfang noch nimmst du das Älterwerden in gewohnt cruxscher Manier leicht satirisch aufs Korn, nur um dann zu Einsichten zu gelangen, die ziemlich nüchtern betrachtet, also mehr analytisch aussehen.
    Am Schluß dann stellt das Lyrische Ich ziemlich verbittert und resignierend fest, daß es sich doch recht einsam und verlassen vorkommt und den Tod (das hiesige Existenzende) schon froh erwartet.
    Und das ist für mich der Knackpunkt. Das alles klingt sehr real und hat eine plausible Aussage, die prima in der üblichen Gründlichkeit und in sauberen Reimen getätigt wird. Ganz zweifelsohne ein anspruchsvolles und gutes Gedicht und doch, da ich ja den Autor ein wenig zu kennen glaube, fehlt mir das übliche kämpferische Element, das Aufbäumen, welches die Hoffnung wiederspiegelt, das sonst in den meisten deiner Gedichte zu finden ist.
    Dies ist jetzt keine negative Kritik, im Gegenteil, doch es zeigt einen ganz anderen Dichter crux, als den, den ich bisher kannte.
    Sag mal mein Freund, wirst du etwa langsam alt?

    Trotzdem komme ich mit diesem Thema sehr gut klar, da es verdichtete Emotionen widerspiegelt, aus einer Sicht, die heutzutage leider oft nicht beachtet wird, da ältere und alte Menschen oft nur noch als Last empfunden werden. Nur ganz wenige geben sich die Mühe, Verständnis für ihre Gefühle und Empfindungen aufzubringen, und das läßt sie oft vereinsamen mit ihren Gedanken und Emotionen.

    Danke, daß du uns einmal diese Sicht der Dinge gezeigt hast. Vielleicht nützt es ja ein ganz klein wenig.
    Und daraus ziehe ich dann sogar noch ein wenig Hoffnung aus deinem Gedicht, so daß es am Ende wohl doch noch ein richtiger crux geworden ist.

    Gerne gelesen, gerne kommentiert.

    Liebe Grüße

    Bis bald

    Falderwald

  13. #13
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    Oh je....

    ...schon wieder zu spät dran, manno, wird ja immer schlimmer mit mir, ob das wohl am Alter liegt? Jetzt aber ran...

    @ liebe Dana,

    Na gut, crüxchen, dann lasse ich dich außen vor, musstest schon genug beteuern, dass es nicht um dich geht
    Wie wahr und danke, dass ich mich nicht nochmal rechtfertigen musste für den Fauxpas, ein solch resignatives Gedicht eingestellt zu haben.

    Deine Gedanken zum Thema wie stets stimmig und vielsagend, ich danke dir.

    @ liebe speedie83,

    Obgleich es sich so leicht liest, bleibt doch eine ernste Aussage zurück. Das Gefühl der Bitterkeit einer Person, die es im Leben nicht leicht hatte.
    Genau das war mein Anliegen, einfach mal jemanden zu Wort kommen lassen, dem der Verlust der Arbeit und der Frau so zu schaffen macht, dass er nicht mehr am Leben hängt, sondern sich still den gnädigen Tod herbeiwünscht. Natürlich ein ungewöhnliches Thema, aber ich denke, dass es in diesem Land viele Menschen gibt, denen es so oder ähnlich ergeht.

    Danke fürs Lesen und Kommentieren.

    @ liebe Tessi,

    gerade du, so wusste ich, wirst noch am ehehsten nachempfinden können, was ich da geschrieben habe, hast du ja auch prompt bestätigst, denn durch deine Arbeit kommst du viel mit älteren Menschen in Kontakt, von deren Reaktionen du berichtest.
    Du bist ein positiver Mensch, darfst auch Bitterkeit erzeugen,
    dass Leben ist kein gewonnener Blumentopf, aber wem sag ich das
    Heee..crux..und nun schreib wieder in deiner gewohnten Art,
    dass gefällt mir sehr viel besser.
    dein Wunsch sei mir Befehl, und schon habe ich mich wieder auf der eher komischen Schiene ausgelassen, wenn du mal schauen möchtest.

    Auch dir herzlichen Dank für die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema.

    @ hallo R. Haselberger,

    bin sehr erfreut auch dich mal wieder bei mir begrüßen zu können, ist schon etwas her... Danke dir für die zustimmenden Worte.
    Auch im Alter kann das Leben schön sein. Bleibt zu hoffen, das der alte Mensch wieder einen höheren Stellenwert erhält, seine Erfahrungen gewürdigt werden und die Zukunft lebenswert bleibt!
    Dem kann man sich nur anschließen.

    @ lieber Faldi,

    habe ich also auch dich ein wenig verunsichert, alter Freund, aber das ist ja das Schöne am Dichterhandwerk, man kann sich in jede x-beliebige Person, Sache oder Gruppe hineinversetzen und aus der jeweiligen Perspektive heraus seine Gedanken entwickeln. Wer sonst außer uns und den Schriftstellern kann das schon?

    Komisch, da ihr mich fast alle in erster Linie als Komiker seht, glaubtet ihr bis zur dritten Strophe noch, dass es auch hier wieder um Satire geht, bis euch danach die Kinnlade runterfiel und auch du erkennen musstest: ne, das ist nicht mein crux wie ich ihn zu kennen glaube, muss ich ja sagen.

    Sag mal mein Freund, wirst du etwa langsam alt?
    Nö, wie kommst du denn darauf, schnell werd ich alt, schnell... Scherzo grosso..

    An deinen Worten erkenne ich schon, dass dir das Thema etwas sagt und auch du dir manchmal Gedanken über diese bedauernswerten Menschen machst, was dich ehrt.

    Ich freue mich sehr über die rege Beteiligung in diesem Faden und eure Gedanken zu diesem schon etwas ungewöhnlichen Thema, sie sind mir alle wichtig.

    Liebe Grüße
    crux

  14. #14
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    Liebe speedie84

    also doch, liebe Musemaus, manno, schon wieder was überdehen, tz..tz..so goes it not...

    Deinen Kommentar schätze ich sehr, weil du mir bestätigst, dass ich durchaus auch die ernstere Schiene fahren kann. So ganz kann ich zwar nicht das leicht satiriche Element außen vor lassen, aber das stört ja auch nicht weiter.

    Nun sagt man ja oft, dass sich der Paarreim für ernste Themen weniger eignen würde, hier aber erschien er mir dennoch vertretbar, eben weil ich das Thema nicht unbedingt überdüstern wollte.

    Danke für deinen Besuch und deine wohlmeinenden Worte.

    Liebe Grüße
    crux

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