Thema: Herbstzeit

  1. #1
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    Herbstzeit

    Blätter fall’n in aller Stille
    ein weit’res Mal von Bäumen,
    bevor sie voller Herbstidylle
    Alleen gelblich säumen.

    Malerisch zerfällt das Grün,
    Pastell in tausend Tönen,
    und während Astern fleißig blüh’n,
    da frönen wir dem Schönen.

    Sanft zieht auch der Nebelschleier,
    er quellt aus feuchten Wiesen
    und einsam stelzt ein grauer Reiher
    inmitten Wurzelriesen.

    Lautlos, starr steht nun Geäst,
    verziert mit Spinnenweben.
    Vernichtet wird auch noch der Rest
    vom tödlich, sauren Regen.
    (Du wärest nicht der Strassenreimer,
    wenn am Ende noch ein Vogelzwitschern zu hören gewesen wäre,
    eher hätte dir der fliegende Freund auf den Kopf gemacht.) Tessa

    Stolpersteine (alles aus Reimerhand)

  2. #2
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    Lieber Strassenreimer!

    Eher selten in dieser Rubrik, hat sichs doch wiederum gelohnt, da ich ein Gedicht von Dir auf keinen Fall uebersehen darf...

    Ein Werk, das ein paar sehr ansprechende Bilder zeichnet, aber diesmal nicht so ganz das ist, was man ueblicherweise schon von Dir gewohnt ist, moechte fast sagen: erwartet.


    In der ersten Strophe stoert mM das Wort 'voller' in Verbindung mit der Herbstidylle ein wenig.
    Schoen jedoch dann die 'gelblich gesaeumten Alleen'.

    Da ich auch das x-en noch ueben muss, versuche ich mich gleichmal hier, da ich beim Lesen einige Male gestolpert bin.

    Blaetter falln in aller Stille
    ein weitres Mal von Bauemen
    bevor sie voller Herbstidylle
    Alleen gelblich sauemen.
    XxXxXxXx
    xXxXxXx
    xXxXxXxXx
    xXxXxXx


    In der 2. Strophe sind die ersten beiden Zeilen wieder sehr ansprechend, jedoch das 'fleissige' Bluehen der Astern find ich net so gelungen..ist eher zu umgangssprachlich...
    Auch die letzte Zeile wirkt erzwungen..

    Malerisch zerfaellt das Gruen,
    Pastell in tausend Toenen,
    und waehrend Astern fleissig blueh'n,
    da froenen wir dem Schoenen.
    XxXxXxX
    xXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxXx


    Die 3. Strophe gefaellt mir am besten, besonders das mit dem Reiher zwischen den Wurzelriesen ist ein tolles Bild.

    Sanft zieht auch der Nebelschleier,
    er quellt aus feuchten Wiesen
    und einsam stelzt ein grauer Reiher,
    inmitten Wurzelriesen.
    XxXxXxXx
    xXxXxXx
    xXxXxXxXx
    xXxXxXx


    Auch die 4. Strophe vermag zu gefallen, aber nach der vorigen faellt sie doch erheblich ab, da fehlt mM nach eine aussagekraeftige Metapher.

    Lautlos, starr steht nun Geaest,
    verziert mit Spinnenweben,
    vernichtet wird auch noch der Rest,
    vom toedlich sauren Regen.
    XxXxXxX
    xXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxXx

    Ich hoffe sehr, dass Du mir die Kritik nicht krumm nimmst.
    Das kommt eben davon, weil Du mit fast allen Deiner Werke die Latte selber ziemlich hoch gelegt hast.

    Gern gelesen und kommentiert!

    Liebe Gruesse
    von Lailany

  3. #3
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    Hallo Lailany!
    Danke für das ausführliche kommentieren und Xen. Das man nicht immer Volltreffer landet liegt wohl daran, dass Teile meines Gehirns auch Urlaub hatten. Sind halt Herbstferien gewesen und da lag das halt mal nahe. Ich hoffe dich mit meinen nächsten Gedichten wieder erfreuen zu können.
    Ich danke dir ehrlich für deine ehrliche und aufrichtige Meinung. Nur so ruht man sich nicht auf den Lorbeeren aus.
    Liebe Grüße vom Strassenreimer
    (Du wärest nicht der Strassenreimer,
    wenn am Ende noch ein Vogelzwitschern zu hören gewesen wäre,
    eher hätte dir der fliegende Freund auf den Kopf gemacht.) Tessa

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  4. #4
    Rosiel ist offline Theatralisches Gebilde
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    Hallo Strassenreimer,
    auch mir vermag dein Gedicht wohl zu gefallen, allerdings hinterließ es keinen bleibenden Eindruck. Du hälst die einzelnen Verse sehr kurz, was beim ersten Lesen sehr abgehackt wirkt. Anstatt den Bildern den vollen Raum zum Wirken zu geben schränkst du sie dadurch an manchen Stellen ein. Trotz allem zeichnet dein Gedicht eine hübsche klein Herbstedylle. Sehr gern gelesen und kommentiert.

    LG
    Rosiel
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    Faust

    ...frech grinsend in Richtung Schweiz

  5. #5
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    Hallo Strassenreimer,

    gut, dass "der echte" wieder da ist, den anderen verstand man nur schlecht .
    Und ein Strassenreimerle ist auch wieder im Gepäck, aber diesmal mit "abgeschwächter" Pointe - heißt nicht, dass sie unwirkunsvoll oder deplaziert rüberkäme, aber sie ist eben diesmal eine weniger skurrile.
    Die meisten Bilder in diesen Zeilen sind nicht neu, aber eins sticht für mich ganz stark heraus: der Reiher zwischen den Wurzelriesen, das wird noch eine Weile bei mir bleiben, einfach, weil's toll ist.

    Lieben Gruß,
    Malle

  6. #6
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    Hallo Ihr beiden!

    Da bereut man es ja fast dieses Gedicht hier reingestellt zu haben.

    Ihr habt ja recht! Aber man muss auch mal ein Gedicht mit dem Zeigefinger schreiben. Und manchmal muss man eben auch mal Eintopf essen. Es kann nicht immer Schweinebraten geben. Ich hoffe trotzdem bis zum Nächsten.

    Danke fürs Ehrliche
    (Du wärest nicht der Strassenreimer,
    wenn am Ende noch ein Vogelzwitschern zu hören gewesen wäre,
    eher hätte dir der fliegende Freund auf den Kopf gemacht.) Tessa

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  7. #7
    Tessa Guest
    Lieber Strassenreimer,

    nun komme ich auch noch daher und was soll ich sagen,
    mir gefällt dein Gedicht.
    Ich finde, du hast schöne Bilder gemalt und ich kann mir alles gut vorstellen.
    Sorry, zu kritteln habe ich auch, doch überwiegt bei mir das Positive an deinem Werk.
    S2 finde ich etwas schwach,
    dafür S3 wirklich gelungen. Der graue Reiher und die Wurzelriesen, dass bleibt auch mir im Kopf.

    Ohne den "sauren Regen" hätte es mir besser gefallen.
    Insgesamt aber, fand ich dein Herbstgedicht ansprechend und
    habe es wirklich gern gelesen.

    Ganz liebe Grüße,
    Tessa

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