1. #1
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    Das Lied der Suchenden

    Das Lied der Suchenden

    Ich kenne dich: Dein Tun ist mehr als nur Fassade,
    du suchst dich selbst und blickst verstohlen himmelwärts;
    Im Meer der süßen Träume schwimmt dein müdes Herz
    umher, zerschmilzt in stiller Sehnsucht zur Ballade.

    Du bist in einer fremden Einsamkeit versunken;
    Ich weiß es, denn ich fühlte deine Emotion,
    ich spürte deutlich deinen sanften Unterton
    in mir und sah die Bilder deiner Götterfunken.

    Ich bete zu dir, öffne deine weißen Schwingen
    und lass die holden Engelschöre wieder singen
    in alter Pracht und neu belebter Eleganz;

    Und wandelst du noch immer durch verlass'ne Sphären,
    dann wisse, dass wir deine Seele noch begehren
    und staunend noch belauschen deiner Verse Tanz.
    Geändert von Flamme (16.10.2006 um 14:10 Uhr)


    Sag nichts dagegen, gewiß, Du kannst alles widerlegen, aber zum Schluß ist garnichts widerlegt. (F. Kafka - Das Schloß)

  2. #2
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    Hallo Flamme

    ein impossantes Sonett, das du da geschrieben hast. Du wählst schöne Reime, und auch die Enjambements finde ich gut gelungen.
    Was ich etwas schade finde, ist, dass du das klassische Reimschema der Quartinen nicht einhälst, also das ABBA ABBA - wäre spannend gewesen, zu sehen, auf was sich Herz alles reimen lässt...

    Auch der klassische Aufbau von These - Antithese - Synthese fehlt.
    Aber: vor allem ist ein Sonett ein Klanggedicht, und deines klingt sehr schön, imposant und wortgewaltig eben. Wie es sich für einen Text über die Dichter gehört.

    Gerne gelesen

    LG
    yarasa
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
    yarasas Fingerübungen

    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  3. #3
    Flamme ist offline Krauseminze, Minze, krause
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    hallo yarasa

    die quartinen, ja die quartinen... mit den A- Reimen hätte es vielleicht noch geklappt, da findet sich ja viel, aber für Herz?
    da fällt mir nur ein:
    Schmerz (und dieser Reim erfreut sich ja nicht grade großer beliebtheit )
    Scherz- passt hier absolut nicht
    also in der Not zwei völlig verschiedene umfassende Reime
    aber vielleicht das nächste mal...

    das mit dem inhaltlichen Aufbau (These und so weiter) habe ich noch nie so wirklich hinbekommen und hab es auch ehrlich gesagt gar nicht erst versucht...

    aber schön, dass es dir trotzdem gefallen hat- auf den Klang meiner Gedichte leg ich am meisten Wert, selbst wenn der Inhalt manchmal darunter leidet
    ( aber ich denke doch, hier nicht )

    und ein Gedicht für die Dichter muss eben auch mal sein

    lg
    Flamme
    Geändert von Flamme (15.10.2006 um 02:47 Uhr)


    Sag nichts dagegen, gewiß, Du kannst alles widerlegen, aber zum Schluß ist garnichts widerlegt. (F. Kafka - Das Schloß)

  4. #4
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    Hallo Flamme,

    da hattet ihr wohl beide fast gleichzeitig eine ähnliche Idee, du und yarasa, denn soeben kommen ich von ihrem neuesten Sonett im Nachbarfaden, in dem es ebenso um das Dichten geht.

    Auch dein "Lied der Suchenden" gefällt mir sehr, wobei es mir weniger auf die Erfüllung der Sonettkriterien ankommt, sondern mehr auf die Ausdrucksstärke und die Form. Beides scheint mir sehr gut gelungen, zumal du recht ansprechende Reimpaare gefunden hast, die nicht abgeleiert wirken. Wie schon yarasa halte auch ich dein Werk rundum für gut gestaltet und sehr ansprechend. Habe in letzter Zeit eine besondere Schwäche für die klassische Form des Sonetts entwickelt und weiß gar nicht so genau, woran es liegt.

    Liebe Grüße
    crux

  5. #5
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    Hallo crux

    ja, diesen Nachbarfaden hab ich mir gleich mal angesehen, danke für den Hinweis (es lohnt sich ja schließlich immer, so ein klasse Gedicht zu lesen)

    Habe in letzter Zeit eine besondere Schwäche für die klassische Form des Sonetts entwickelt und weiß gar nicht so genau, woran es liegt.
    für mich ist es zum Beispiel interessant, weil sich schon viele mitunter berühmte Dichter daran versucht haben und diese Form im Lauf der Geschichte entwickelt haben- heute liegt es an uns, das zu tun

    schön, dass dir mein Gedicht gefällt (ich hoffe nur, es leidet nicht zu sehr unter dem großen Schatten, den Yarasas Gedicht wirft )

    lg
    Flamme


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  6. #6
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    Hallo Flamme!
    Habe gerade ein wenig in den unteren Regionen gestöbert und schon sehe ich hier ein wortgewaltiges Sonett von dir.
    Ich kann mich Crux und Yarasa nur anschließen...
    Es fasziniert aufgrund seiner Sinnbildlichkeit, seinem Inhalt und den gelungenen Reime, die dein Werk schön umranken.
    Die Melodie schwingt gänzlich zwischen den Zeilen mit und besonders den Ausdruck "Verse Tanz" hat es mir angetan - wunderschön.
    Ich hätte noch einen kleinen Vorschlag bezüglich dem fehlenden Reim für Herz.
    Ich denke, "Terz" könnte passen -ich hoffe, dies ist kein abgedroschener Reim - zu dieser Thematik; ob sie jedoch dir gefällt und ob sie hier reinzubringen ist, weiß ich nicht. Das überlasse ich dir.
    Selbst wenn du keinen geeingneten Reim finden solltest, zerstört es nicht die Qualität deines Werkes in meinen Augen.
    Ich habe es sehr gerne gelesen und auch kommentiert.
    Ein schönes Gedicht, das der Thematik Dichtung sehr gerecht wird(und dies ist nicht gerade leicht).
    Ein stimmiges Werk, dass wiedermal einen Nachhall bei mir hatte und deshalb möchte ich dir mein Lob aussprechen bzw. schreiben.
    Liebe viele Grüße,
    Kügelchen
    PS: "spührte" schreibt man - glaube ich- ohne "h".Aber ich habe nichts gesehen...du etwa?-zwinker-
    "Kunst ohne Ethik ist Kosmetik"
    (Marina Abramovic)

  7. #7
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    Hallo Kügelchen

    schön, dass die mein Sonett gefällt- ich denke aber, dass ich keine so großen Veränderungen wie das Reimschema ABBA ABBA an diesem Gedicht mache- es sollte in erster Linie gut klingen

    Die Melodie schwingt gänzlich zwischen den Zeilen mit und besonders den Ausdruck "Verse Tanz" hat es mir angetan - wunderschön.
    und da lese ich so was besonders gern -danke für die Blumen
    die Idee mit Terz ist gut -ich werd sie mir merken- vielleicht nächstes Mal -also abgedroschen finde ich den nicht

    und die Sache mit "spürte" vergessen wir am besten

    danke nochmal für deine lobenden Worte, Kügelchen
    liebe Grüße
    Flamme


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  8. #8
    Falderwald Guest
    Hallo Flamme,

    erst jetzt entdecke ich dein wunderschönes Sonett über einen Dichter und bin erstaunt über die Wortgewalt, mit der du uns hier deine Verse "um die Ohren haust".
    Könnte es sein, daß du dieses Gedicht dem großen Friedrich Schiller gewidmet hast, daß er es war, der dich dazu inspirierte?
    Im Übrigen bin ich nicht der Meinung, daß ein Sonett zwangsläufig dem Reimschema ABBA, ABBA folgen muß.
    Ich habe hier jede Menge Sonette von Rainer Maria Rilke vorliegen, die kaum diesem Schema folgen und auch nicht unbedingt dem Aufbau von These, Antithese und Synthese folgen.
    Es sind mehrere Möglichkeiten des Aufbaus gegeben, und ich denke, daß sich auch das Sonett im Laufe der Zeit verändert hat.
    Deshalb möchte ich dir aus meiner Sicht auch ein uneingeschränktes Lob für dieses wundervolle Gedicht aussprechen.
    Gerne gelesen und dieses kundgetan.

    Liebe Grüße

    Bis bald

    Falderwald
    Geändert von Falderwald (01.11.2006 um 23:31 Uhr)

  9. #9
    Flamme ist offline Krauseminze, Minze, krause
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    Hallo Falderwald

    vielen Dank für deinen Kommentar und dein uneingeschränktes Lob (das vor kurzem noch unumschränkt war )

    Könnte es sein, daß du dieses Gedicht dem großen Friedrich Schiller gewidmet hast, daß er es war, der dich dazu inspirierte?
    du spielst sicherlich auf das Wort Götterfunken an . Ich muss sagen, dass mich der gute Schiller zumindest zu diesem Vers inspiriert hat, aber das gesamte Gedicht sollte eher allgemein gültig sein für jeden, der sich angesprochen fühlt - ob nun der Großmeister vom Fach (auch wenn er es leider nicht mehr lesen kann) oder alle Forumsmitglieder, was zählt ist ihre Verbundenheit zu dieser schönen Kunstform
    die Götterfunken sollten das Lyr Ich stellvertretend für alle Dichter als Teil von etwas Wunderbaren verdeutlichen, eben annähernd göttlich - ich habe an dieser Stelle überlegt, was denn passt, dann kam mir diese wunderbare Wortkreation in den Sinn (danke dir, Schiller )

    die diversen klassischen Formen eines Sonetts sind ja alle schön und gut, aber ich stimme dir zu, dass das Sonett heute noch viel mehr als nur das ist

    liebe grüße

    flamme


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  10. #10
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    Hallo Flamme,

    von These - Antithese - Synthese habe ich , zumindest in der Literatur, wenig Ahnung.
    Irgendwie klingt mir dein Gedicht im Stile der alten Meister.
    Es gefällt mir ausgezeichnet.
    Die Worte wirken gewaltig und trotzdem leicht.
    Eine seltsame Stimmumg, die man hier selten zu lesen bekommt.

    Ich kann mich den Loben meiner Vorschreiber nur anschließen.

    Lieben Gruß,
    Katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  11. #11
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    Hallo Supikatzi

    ich danke auch dir für deinen lobenden Kommentar-
    schön, dass es dir gefällt

    lg
    flamme


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  12. #12
    Tessa Guest
    Hallo Flamme,

    auch ich lese ganz fasziniert dein Werk,
    welches eine besondere Stimmung transportiert, schwer und doch leicht.
    Starkes Wortbild in weicher, fließender Form.
    Eine Ode an einen Dichter, an sein Schaffen und sein Wesen.

    Habe mich bisher noch nicht mit dem Sonett beschäftigt,
    viell.sollte ich das nachholen.

    Gern gelesen, mein Kompliment.
    Ganz liebe Grüße,
    Tessa

  13. #13
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    Hallo Flamme!


    Zitat Zitat von Falderwald
    Deshalb möchte ich dir aus meiner Sicht auch ein uneingeschränktes Lob für dieses wundervolle Gedicht aussprechen.
    Da schließe ich mich ganz und gar uneingeschränkt an

    Dein Gedicht gefällt mir auch wirklich gut, schöne und, wie supikatzi sagte, zugleich gewaltige und leichte Worte.
    Sehr gern gelesen!

    Liebe Grüße
    Veröffentlich wird jetzt schwarz auf weiß, auf echten Seiten. Infos auf meinem Blog.

  14. #14
    Flamme ist offline Krauseminze, Minze, krause
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    Hallo Tessa,

    ich muss sagen ich bin ganz gerührt, wenn ich hier Kommentar für Kommentar lese, dass die erzeugte Stimmung, die einerseits schwer, andererseits leicht ist, hier jeden gefällt - ich dachte nämlich erst, dass ich mich mal wieder in der Kryptik verirrt habe, obwohl ich immer wieder versuche, sie ein bisschen zu zähmen - anscheinend ist mir das hier sogar ein wenig gelungen

    Habe mich bisher noch nicht mit dem Sonett beschäftigt,
    viell.sollte ich das nachholen.
    es lohnt sich auf jeden Fall - es ist eine schöne Form, auch wenn man sie nicht ganz im klassischen Sinne umsetzt

    Hallo GreyDream

    erstmal gratuliere ich dir nachträglich zu deinem 14. - ich wünsch dir alles Gute

    ich fühle mich geehrt, dass ich jetzt sogar schon von Frankreich aus gelobt werde - schön, dass auch dir meine Wortwahl gefällt.

    ich danke euch beiden für euer Lob und die Kommentare

    liebe grüße
    flamme


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