Thema: Steinblicke

  1. #1
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
    Registriert seit
    Jan 2005
    Ort
    Nomadin
    Beiträge
    1.892

    Steinblicke




    hinter Steinen nisten Schatten
    Stunden auf dem Weg,
    vom Licht ins Relief getrieben,
    Augenblick, geprägt

    kopfüber Brachland, rauchbedeckt,
    Schwalben ziehen auf,
    zwischen Hauptschlag: Adern
    tragen Zeitverlauf


    Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einen nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

  2. #2
    1428 Guest
    Hallo liebe Schattenblume,
    der Titel ist schon sehr ansprechend und man fragt sich gleich was denn "Steinblicke" sein mögen: sind es etwa versteinerte Blicke, hart und emotionslos oder ist es die einfache Betrachtung von Steinen durch das LI?
    Inhaltlich bin ich dem Gedicht noch nicht so ganz auf die Schliche gekommen. Momentan malt mein Kopf lediglich Bilder von verrauchten Bergkuppen, gespickt von spitzen Gesteinssplittern, durch welche nur unklar Sonnenstrahlen dringen; und ich sehe blutgefärbte Flüsse, die ihren Weg zwischen den Schluchten zum Horizont bahnen ...
    Sprich: Ich hab noch (!) keine Ahung wovon es geht
    Aber allein die Wortwahl ist schon sehr -ich will mal sagen- berrauschend, dass so Leute wie ich auf seltsame Gedanken kommen.
    Liebe Grüße
    Tchanny
    Geändert von 1428 (14.10.2006 um 19:02 Uhr)

  3. #3
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
    Registriert seit
    Jan 2005
    Ort
    Nomadin
    Beiträge
    1.892
    wie schön, lieber Tchanny,
    dass ich dich nicht auf die .com Vermissten-Liste zu setzen brauche
    und du stattdessen auf meiner (noch) wirren Geröllhalde zu finden bist !

    Dafür habe ich lange nach einem Titel gekramt,
    der nicht allzu viel von der Substanz verrät - umso erfreulicher,
    dass er von dir mit ´sehr ansprechend´ ausgezeichnet wurde.

    Dich auf seltsame Gedanken zu bringen, ist ja nicht gerade leicht - fühle mich also geehrt. Und das, was du sehen kannst, bringt wiederum mich auf merkwürdige, neue Gedanken.

    vielleicht verhilft der Hinweis, dass ich zuvor den Titel ´Stein, Zeit, Licht´
    im Sinn hatte, ja ein wenig zu Klarheit - ich habe ihn verworfen,
    weil er mir zu verräterisch erschien. und noch etwas: deine Eindrücke passen methaphorisch auch in die Gedanken-Landschaft, die ich umschreiben wollte...

    mit liebem Gruss
    ...blume

    p.s.:"Tchanny
    Aber dein"

    --> ???
    Geändert von Schattenblume (14.10.2006 um 17:52 Uhr)
    Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einen nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

  4. #4
    Registriert seit
    Oct 2005
    Beiträge
    6.325
    Hallo Schattenblume,

    kann es sein, dass du versteinerte Bäume meinst, oder Kohleadern (was im Endeffekt das gleiche ist)?
    Blicke in die Vergangenheit, als die Erde noch bedeckt war mit 90% Natur ohne die Hochhäuser, Autobahnen.....

    Schöne sinnige Worte. Gefallen mir, was sie auch immer bedeuten sollen

    Lieben Gruß
    ,Katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  5. #5
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
    Registriert seit
    Jan 2005
    Ort
    Nomadin
    Beiträge
    1.892
    oh, was für faszinierende Bilder tauchen da auf,
    solange ich selbst meine noch in der reinen Betrachtung schlummmern lasse...

    ´versteinerte Bäume´ - an die dachte ich nicht, und nun erscheint es mir,
    liebe Katzi, als hättest du mir ein feines Geschenk mit diesem Bild gemacht -
    für mich sind sie wie ein Zeit-Denkmal (--> Hinweis, versteckt )

    und ´Kohleadern´ würde ich am liebsten adoptieren - was für ein Wort !

    danke, Katzi
    Geändert von Schattenblume (14.10.2006 um 19:10 Uhr)
    Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einen nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

  6. #6
    1428 Guest
    Zitat Zitat von dieSchattenblume
    p.s.:"Tchanny
    Aber dein"

    --> ???
    das ist peinlich ^^ ... ich glaube ich wollte noch was schreiben, habe es aber dann wieder verworfen.
    Über dein Gedicht muss ich noch etwas nachdenken ... bin aber zuversichtlich, dass noch ich zu etwas Schlüssigem komme

  7. #7
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
    Registriert seit
    Jan 2005
    Ort
    Nomadin
    Beiträge
    1.892
    Zitat Zitat von Tchanny
    das ist peinlich ^^ ... ich glaube ich wollte noch was schreiben, habe es aber dann wieder verworfen...
    Tchanny, es muss dir nicht peinlich sein, dass du mir einen Antrag machen wolltest
    Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einen nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

  8. #8
    Registriert seit
    Oct 2005
    Beiträge
    6.325
    Liebe Blume,

    Zitat Zitat von dieSchattenblume
    oh, was für faszinierende Bilder tauchen da auf,
    solange ich selbst meine noch in der reinen Betrachtung schlummmern lasse...

    ´versteinerte Bäume´ - an die dachte ich nicht, und nun erscheint es mir,
    liebe Katzi, als hättest du mir ein feines Geschenk mit diesem Bild gemacht -
    für mich sind sie wie ein Zeit-Denkmal (--> Hinweis, versteckt )

    und ´Kohleadern´ würde ich am liebsten adoptieren - was für ein Wort !

    danke, Katzi

    ach, mit diesen schönen Worten kann man so viele Gedichte und Texte machen - ich schenk sie dir

    Katzi
    Geändert von Chavali (15.10.2006 um 10:25 Uhr)
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  9. #9
    Registriert seit
    Jul 2005
    Beiträge
    2.387
    Liebste Judith,

    ich will jetzt nicht schon wieder sagen lyr. Antimaterie - weil es doch ein wenig schwerer daherkommt. So hab ich doch hinter den Schteinen (Absicht!) den durch die Finger fließenden Lauf der Zeit erspürt - Augenblicke.

    Melancholisch stimmt es mich auf jeden Fall, ganz erschließt sich mir der Inhalt aber nicht, trotzdem ein Blumengedicht, das auf der Zunge zergeht.

    Liebe Grüße
    Eva
    EvaAdams

    (c) Mein Werkverzeichnis: Unterm Feigenbaum = überholungsbedürftig, aktuelles bitte unter Profil nachsehen


    Die WÖRTERWUNDERTÜTE ist da!

    Mein Buch Leitersprossen

  10. #10
    Registriert seit
    May 2005
    Beiträge
    103
    Hallo Schattenblume,

    dein Gedicht von Steinen, Schatten und Licht und von der Zeit habe ich nun schon einige Male gelesen und begrübelt.
    Es lässt viel Raum zum Nachdenken und erschließt sich nicht so leicht.
    Was ich sehe, ist der Schatten hinter den Dingen/Steinen, der sich einnistet, ein langsamer Prozess (Stunden) und dann das jähe Licht (Augenblick), das etwas erkennen lässt, ins Relief rückt, klärt.
    Die zweite Strophe ist noch rätselhafter. Bei "kopfüber Brachland" muss ich daran denken, wie ich als Kind oft die Welt um mich herum von unten, mit den Knien an einer Stange hängend betrachtet habe - ein Perspektivwechsel, der das Vertraute anders erscheinen ließ. Andere Assoziationen: Brachland - brach liegende Felder des Lebens, ungenutzte Potentiale. Dann ziehen nicht Wolken, sondern Schwalben - Hoffnungsträger? - auf. Ein sehr schönes Bild ist dir mit den Adern - denen zwischen den Hauptschlagadern - gelungen, die den Zeitverlauf tragen.
    Insgesamt viel Stoff zum Nachspüren, Nachklingen lassen. Ich lese es gern.

    Liebe Grüße
    windflug

  11. #11
    Registriert seit
    Aug 2006
    Beiträge
    892
    Liebe Schattenblume,

    es scheint, als stehe ich vor den Steinblicken ein wenig wie du anfangs vor den Salzwiesen.
    Die "Steinblicke" enthalten aber einiges, das mich immer wiederkommen lässt, und vor allem die erste Strophe gefällt mir enorm gut. Also wage ich mich auch mal ans Schreiben von Gedanken zu diesem Gedicht.

    hinter Steinen nisten Schatten
    Stunden auf dem Weg,
    vom Licht ins Relief getrieben,
    Augenblick, geprägt
    ---
    Tolle Wortwahl in der ersten Zeile, vor allem das "nisten" lässt sich mit dem 'i' schön aus der Alliteration pieken.
    Stunden sind also auf dem Weg, zusätzliche Stunden, kommende Stunden, die von der Gegenwart, die im Licht steht, ins Relief getrieben werden. Was geprägt wird, ist der Augenblick, an die Stunden ist kein Herankommen außer in der kurzen Prägezeit (besonders schön das Spiel mit "geprägt" und Relief", dieses Spiel hat mir auch in der zweiten Strophe so gefallen).

    kopfüber Brachland, rauchbedeckt,
    Schwalben ziehen auf,
    zwischen Hauptschlag: Adern
    tragen Zeitverlauf
    ---
    Das Lesen deiner Zeilen verleitet manchmal einfach dazu, Worte zu splitten und sie mit anderen enthaltenen Splittern zu verbinden oder getrennt zu lesen, z.B. "Kopf über Brachland", "rauchbedeckt" und "die Schwalben", die "Rauchschwalben", der "Haupt(flügel)schlag", "Hauptschlagadern" ... auf sowas steh ich (unter anderem *g*) einfach .
    "Adern tragen Zeitverlauf", ein Fluss in Bahnen eines Menschenlebens, in denen die Augenblicke zum Relief geprägt werden und man nicht "in die Steine blicken kann", um zu sehen, wie viele Stunden noch darin verborgen liegen, oder wo die Stunden hin sind, die man nicht als besonders "geprägt" empfunden hat.
    Gleichzeitig hast du's mit dem Titel geschafft, etwas sehr kurzlebiges, den (Augen)Blick mit etwas sehr beständigem, Stein, zu verbinden.

    Keine Ahnung, ob's deine Intention trifft, aber: interessant, spannend, gehaltvoll, hat Spaß gemacht - sehr, sehr gern gelesen.

    Lieben Gruß,
    Malle

  12. #12
    1428 Guest

    ein Antrag - wie wo ...

    Hallo Schatti
    Nein! ... jetzt ist es raus ... ich glaub ich darf mich hier nicht mehr blicken lassen .
    Ein Antrag gibt es leider noch nicht (noch ?! ) – aber du kriegst eine kurze Interpretation als Entschädigung:

    hinter Steinen nisten Schatten
    Stunden auf dem Weg,
    vom Licht ins Relief getrieben,
    Augenblick, geprägt

    Es schein als würde, das LI sein Leben mit all den höhen und tiefen, wo bei hier wohl die Tiefen überwiegen, überdenken und sich an prägende Ereignisse in seinem Leben erinnern.

    kopfüber Brachland, rauchbedeckt,
    Schwalben ziehen auf,
    zwischen Hauptschlag: Adern
    tragen Zeitverlauf


    Nun ist es aber so weit gekommen, dass das LI in einen neuen Lebensabschnitt aufbrechen (Schwalben) muss, welcher noch sehr vernebelt liegt und das LI unsicher ist, was die Zukunft ihm/ihr bringen mag.
    Vor dem Auge des LI verästeln sich unzählige Wege (bezogen auf V3), aber eines scheint sicher: Wie auch schon zuvor, wird das LI dem Weg seines/ihres Herzens folgen.

    Hmm ... war ja gar nicht so schwer. Ich hoffe jetzt nur, dass meine Gedanken nicht zu abwegig waren.

    Liebe Grüße
    Tchanny

  13. #13
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
    Registriert seit
    Jan 2005
    Ort
    Nomadin
    Beiträge
    1.892
    hallo (wo fang ich nur an?),
    ihr habt mir ja richtig Nahrung gegeben, mit den herrlichen Blickwinkeln
    und Gedanken zu meinen Steinblicken...bin richtiggehend gerührt

    besonders du, liebe Malle, hast mir geradezu Gänsehaut verursacht,
    so nahe und direkt bist du meinen Empfindungen gerückt, die ich mit
    diesem Bild verbinde.

    ...Stunden sind also auf dem Weg, zusätzliche Stunden, kommende Stunden, die von der Gegenwart, die im Licht steht, ins Relief getrieben werden. Was geprägt wird, ist der Augenblick, an die Stunden ist kein Herankommen außer in der kurzen Prägezeit...
    "Adern tragen Zeitverlauf", ein Fluss in Bahnen eines Menschenlebens, in denen die Augenblicke zum Relief geprägt werden und man nicht "in die Steine blicken kann", um zu sehen, wie viele Stunden noch darin verborgen liegen, oder wo die Stunden hin sind, die man nicht als besonders "geprägt" empfunden hat.
    Gleichzeitig hast du's mit dem Titel geschafft, etwas sehr kurzlebiges, den (Augen)Blick mit etwas sehr beständigem, Stein, zu verbinden.
    !
    was Intensionsergründung anbelangt, kann ich da vor dir nur neidlos den Hut ziehen.vielleicht magst du mir ja irgendwann das Geheimnis deiner kriminologischen Fähigkeiten verraten (?).

    Auch deine Art, beim Lesen die Worte zu splitten, und neu mit anderen zu verbinden, wird meinen Autoren-Absichten voll gerecht, und es freut mich sehr, dass sie ihre Beachtung durch deinen scharfsinnigen Blick finden konnten. so lassen sich auch ´Rauchschwalben´ erkennen, zwischen den Steinblicken...
    Da wird es mir immer mehr zum Vergnügen, von dir eine Kritik zu erhalten. grosses Dankeschön !

    hallo windflug,
    du schreibst von ´Perspektivenwechsel´, von brachliegenden Feldern, ungenutztem Potential...
    das kann ich nur bejahend benicken
    ´kopfüber Brachland´ symbolisiert für mich einen Bereich, dessen Zugang verwehrt zu sein scheint. Einerseits übt dieses unberührte Arial Faszination aus , und nährt den Hunger nach neuen Erfahrungen, spiegelt aber auch die Angst wieder, sich nicht von seiner selbstproduzierten Beschränktheit/Starre (Stein) lösen zu können, nicht genug erlebt zu haben.

    Die (Rauch-)Schwalben zeigen auf, das der Blick des lyrI nach oben geht,
    dorthin, wo die Schatten kleiner werden, die Wege erkennbarer, die Grenzen überschaubarer, und die Hoffnungen erreichbarer.

    und so, wie Tchanny treffend bemerkt hat:

    Nun ist es aber so weit gekommen, dass das LI in einen neuen Lebensabschnitt aufbrechen (Schwalben) muss, welcher noch sehr vernebelt liegt und das LI unsicher ist, was die Zukunft ihm/ihr bringen mag.
    Vor dem Auge des LI verästeln sich unzählige Wege (bezogen auf V3), aber eines scheint sicher: Wie auch schon zuvor, wird das LI dem Weg seines/ihres Herzens folgen.
    damit, lieber Tchanny, hast du mich mehr als entschädigt,
    für den ausbleibenden Antrag - ich verzeihe dir - rein platonisch, selbstverständlich !



    von Eva
    So hab ich doch hinter den Schteinen (Absicht!) den durch die Finger fließenden Lauf der Zeit erspürt - Augenblicke.
    liebe Eva,
    du hast´s auf den Punkt gebracht. das war der erste Grundgedanke,
    der Hauptimpuls zu diesem Gedicht...

    liebe Grüss+Dank

    Schatti

    *ächz* das nächste mal schreibe ich eine plumpe Büttenrede - dann hab ich nicht so viel Mühe mit dem ganzen Schlammassl
    Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einen nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden