Thema: Ach

  1. #1
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    Ach

    Ach

    Ach Wind,
    am Fenster steh’ ich, du berührst mein Haar,
    woher weißt du, dass er bei einer Andern war?
    Und das er sie wie du grad mich berührt?
    Weil die Gedanken manchmal ganz woanders sind?
    Hast du denn auch den fremden Duft gespürt?

    Ach nein!
    Weil er jetzt abends schrecklich müde ist
    und alles, was ich sage, viel zu schnell vergisst?
    Und viel zu oft erklärt wo er gewesen war?
    Der Stress, oft Arbeit in die Nacht hinein!
    Ach, kühle mir die Stirn und streichel nur mein Haar.

    Ach Wind,
    er weiß genau, ich würde nie verzeihn!
    Das Haar am Sakko kann auch aus der S-Bahn sein.
    Dein Säuseln nimmt mir langsam meine Ruh.
    Was heißt das, alle sehen es, nur ich bin blind?
    So kalt ist es, ich mach das Fenster zu.
    Geändert von krähe (15.10.2006 um 22:06 Uhr)

  2. #2
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    huhu!

    gefaellt mir sehr gut das gedicht.
    vor allem die sythese zwischen klassik (das gespraech mit dem wind) und der modernen welt find ich gut. vor allem das mit der s-bahn

    wirklich gelungen

    gruss
    "Die groessten Kritiker der Elche,
    waren frueher selber welche!"
    -F. W. Bernstein

  3. #3
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    Ach Krähe,
    wie sehr ich Dir jede Regung - sollte es sich beim lyrischen Ich um Dich handeln - nachempfinden kann. Dein "Ach": Sehr anrührend, empfindsam, Inhalt und Form einander entsprechend. Perfekt wäre es, wenn Du ein paar klitzekleine Fehler rausschmeißt. "... woher weißt du, dass er ...", stilistisch für mich bedenklich: "Und dass er sie wie du ..." (lies das mal für sich allein genommen), "was heißt das...". Ansonsten: Großes Lob!

  4. #4
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    Hallo,
    Ich freue mich, dass ihr jetzt noch Zugange seid und Zeit habt mich zu lesen und zu kommentieren.
    @ Qon,
    es freut mich, dass dir mein Gedicht gefällt. Die Menschen in der modernen Welt tragen die selben Zweifel mit sich wie die Menschen vor ihnen. Deshalb können uns auch "klassische Werke" noch berühren.
    @ Kulturheinzi,
    ein konstruktives Lob von so wortgewaltigen Dichtern freut mich sehr. Auch das du die zarten Töne herausgelesen hast, freut mich. Seit es für "ß" neue Regeln gibt, bin ich unsicher und kommafaul war ich schon immer. Aber das LI ist weit von mir entfernt, ich habe leider kaum noch Haare, die der Wind streicheln kann. Ich danke dir für dein Lob und die Hinweise. Das "berührt" bezieht sich ja auf "er". Da werde ich drüber nachdenken. Danke für deine Hilfe.

    Krähe

  5. #5
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    Guten Morgen krähe,

    auch ich muss sagen das mich dein Gedicht sehr angesprochen hat, man merkt beim lesen, wie sehr es das LI beschäftigt, der Zwiespalt zwischen Kopf und Herz "Das Haar am Sakko kann auch aus der S-Bahn sein."- nicht zu wissen was man glauben soll.
    Habs sehr gern gelesesn

    Liebe Grüße
    Südwind
    Vergangenheit- wie Zukunft, sind nur Formen der Gegenwart

  6. #6
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    Hallo Südwind,
    man kann mit dem Wind reden. Die Ungewissheit ist oft schlimmer als das Wissen. Wenn man was Genaues weiß, kann man logisch reagieren. Aber man schiebt das gerne hinaus. Ich freue mich dass dir mein kleines Gedicht gefallen hat.

    Krähe

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