1. #1
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    Lass die Monster schlafen

    Lass die Monster schlafen


    - den ermüdeten Kämpfernaturen -

    Lass die Monster einmal schlafen, Krieger,
    heute schrecken wir die Nacht.
    Es ist Zeit uns auszutoben,
    als verklärte Überflieger,
    unsre Sünden zu erproben,
    straucheln wir – ganz sacht.

    Lass uns nach den Huren rufen, Bruder,
    heute kaufen wir das Glück.
    Sollen sie uns eifrig reizen,
    wir entbehren gern das Ruder,
    während sie die Beine spreizen,
    blicken wir zurück.

    Lass uns diesem Haus den Rücken kehren,
    morgen reuen wir sogleich.
    Heute aber sind wir Freier,
    die statt Lust den Leichtsinn ehren.
    Wir besingen diese Feier,
    in der Gosse, unserm Reich.

  2. #2
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    Lass die Monster schlafen

    Liebe gott,
    gut, lassen wir sie Mal, die "tapferen Nachthelden"
    Hoffentlich sind sie vor Tagesanbruch wieder daheim.

    Zwei Dinge sind mir aufgefallen, die ich hinterfragen muss:

    Wer sind die schlafenden Monster? Doch nicht die Ehefrauen?
    Warum in Hoffnung und Fröhliches und nicht in Trauer und Düsteres?

    Trotzdem hast du die Helden schön auf die Schippe genommen.
    Zweite Strophe, letzter Vers ist dir besonders "sauber" gelungen, bin begeistert

    Noch etwas. Sind es jene, die im Büro oder zu Haus für die verdorbenen Damen nur ein entrüstetes Kopfschütteln übrig haben?

    (Hoffentlich sind es nicht Metaphern, die ich wörtlich genommen habe ,
    bei dir ist alles möglich.)

    Liebe Grüße
    Dana
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  3. #3
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    Hallo Dana!

    Ich würde wohl kaum ein Werk zueignen, um mich dann über betreffenden zu mokieren (okay, wahrscheinlich würde ich schon, aber in diesem Fall sicherlich nicht).

    Nein, die Adressaten sind Kämpfernaturen, welcher Art auch immer. Seien es Menschen, die anderen ihre Schulter zum ausheulen anbieten, berufstätige Helfer oder diejenigen, die ihre Klappe nicht halten, wenn sie sehen, daß jemandem Unrecht geschieht.

    Verpackt in ein Trink- und Sauflied müssen dann auch die - ein klein wenig derberen - Bilder herhalten. Eben auch Freudenmädchen, dabei gilt das Gedicht durchaus auch Frauen und Männern, die gespreizten Frauenbeinen eher wenig abgewinnen können.

    Dies eben als Kontrast zu den sonstigen Pflichten, der Bürde und Last (den Monstern), denen man manchmal einfach überdrüssig wird und versucht wenigstens einen Tag - oder eben eine Nacht - zu entfliehen.

    Hoffe, das erklärt es besser.

    alles liebe
    gott

  4. #4
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    Lass die Monster schlafen

    oh gott,
    so war meine Vorahnung, falsch zu liegen, sehr angebracht.
    Danke für die Klärung. Lese gleich noch einmal mit anderen Sinnen, ok?
    Lieben Gruß
    Dana
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  5. #5
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    Hallo Lia,

    dein Gedicht hat wirklich was von einem Sauflied, das aber weniger fröhlich, als ein klein bisschen wehmütig daher kommt, da jede Nacht einmal zu Ende geht. Das wird aus deinem Gedicht sehr deutlich.

    Sprachlich und formal ist natürlich wieder alles tiptop, wie man es von dir gewohnt ist und auch die Bilder wissen zu überzeugen, wenngleich mir hier ein wenig eine Überbetonung des Sexuellen zu vorliegen scheint und mir persönlich es gut gefallen hätte, wenn du der Nacht auch noch andere Freuden abgerungen hättest. Aber sei's drum - das ist nur die Winzigkeit einer Winzigkeit und lediglich persönlicher Geschmack und nicht ernsthafte Kritik.

    Alles in allem wieder ein wunderbares Gedicht von dir, das ich sehr gern gelesen habe und auch in Zukunft viele Male sehr gern lesen werde.

    Liebe Grüße

    Thomas
    Geändert von Roderich (16.10.2006 um 10:04 Uhr)
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  6. #6
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    Pff, nie darf ich das Sexuelle überbetonen...

    Nein, ehrlich mir ging es auch wirklich um die Laster, nicht unbedingt um eine harmlose Vergnügungsfahrt mit Achterbahn und Zuckerwatte. Gerade diejenigen, die sich selbst durch was auch immer Last aufbrummen, brauchen hin und wieder ein Ventil. Und das effektivste Ventil sind immer noch die Laster.

    Danke fürs Lesen
    alles liebe
    gott

  7. #7
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    Hallo Lia,

    nun, Achterbahn und Zuckerwatte für Erwachsene kommt schon deutlich durch, keine Frage. Und, wie gesagt, habe lediglich meinen persönlichen Geschmack kund getan - ist nicht wirklich als Kritik zu verstehen. Ach - manchmal sollte ich einfach meine Klappe halten, denn dein Gedicht gefällt mir eh so, wie es ist.

    Du darfst natürlich jederzeit gerne und immer das Sexuelle überbetonen. Das Forum dankt es dir.

    Liebe Grüße

    Thomas
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  8. #8
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    Ja, das gefällt mir.
    Stil, Aufbau und Wortwahl überzeugen mich absolut.

    Es hat fast etwas Antikes an sich. Aber immer sind es die, die versuchen stets die "Stütze" zu sein, auf die sich alle verlassen können - Krieger des Lebens eben. Einen solchen Menschenschlag zum Saufen und Huren, zum einfach mal Abschalten zu überreden, ist an sich schon eine Meisterleistung. Meistens gelingt es solchen Menschen nur schwer alles hinter sich zu lassen und sei es nur für eine kurze Zeit.

    Lia, ich sagte es schon und wiederhole mich nur ungern, aber diesmal nicht:

    es gefällt mir!

    Liebe Grüße
    Eva
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  9. #9
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    Hallo Ihr beiden!

    Eigentlich wollte ich gestern schon antworten, aber dann ist mir doch das eine oder andere dazwischen gekommen.

    @ Thomas: Ja, wir wissen alle, dass der Mensch tendeziell eher mit Sex als mit Zuckerwatte aus den Löcher zu locken ist. Deshalb darf und sollte man das Thema auch ruhig ab und an in der Lyrik verwenden - vor allem, wenn es so schön passt.

    @ Eva: Wir hatten ja bisher nicht so oft das Vergnügen.
    Ja, sie sind schwer zu überzeugen - nicht selten muß man da zu härteren Methoden greifen, denn bei aller Aufopferung (auf welche Art auch immer), irgendwann ist Sense und man/frau braucht Zeit, Ruhe und Entspannung für sich.
    Eigentlich hatte ich nicht unbedingt die Absicht Assoziationen zur Antike zu wecken. Nehme ich aber trotzdem - gefällt mir.

    Danke fürs Lesen
    alles liebe
    gott

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