1. #1
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    Jambus und Co. - was bedeuten sie?

    Hi,

    also ich weiß, WAS sie sind (von den Betonungen her), aber kann mir vielleicht jemand sagen, was die vier Versfüße Jambus, Trochäus, Anapäst und Dactylus (meistens) für einen gedichtinternen Sinn haben - was für ein Versmaß wird jeweils besonders bei fröhlichen, was bei traurigen etc. Gedichten angewandt?

    Gruß
    Medus
    "Der Mensch sollte sich besser bemühen, selber intelligent zu werden." - Stanislaw Lem in ZEIT WISSEN, Interview über künstliche Intelligenz

  2. #2
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    Eine ungefähre Zuordnung gibt es schon. Der Jambus zum Beispiel ist eher für fröhliche Texte geeignet als der Trochäus, und zwar dem leichten Einstieg wegen. Trochäus will Aufmerksamkeit erregen, etwas tiefgreifendes erzählen, deshalb ist er rhetorisch betrachtet für ernste Themen recht gut. Daktylus und Anapäst sind melancholische Versfüße.
    Allerdings sollte man nicht ausser Acht lassen, dass auch die Länge eines Verses und die gewählte Reimform viel zur letztendlichen Wirkung beitragen. Bsp. Jambus:
    Vierhebigen Jamben im Kreuzreim haftet eine leichte Brise an. Sie werden deshalb gerne für Oden benutzt. Fügst Du einen zusätzlichen jambischen Versfuss an und setzt die Strophen in einen umarmenden Reim, bekommt die Strophe eine schwere, die den Daktylen recht nahe steht. Daher auch die Verwendung in Sonetten.
    Will heißen, der Sinn kommt dann zum tragen, wenn Du alle Faktoren ausnutzt. Mir zum Beispiel fällt es schwer einen Text über Krieg und Elend ernst zu nehmen, wenn er in vierhebigen Jamben produziert worden ist, die sich kreuzreimen. Dort muss die Wortwahl schon sehr gegensteuern, was selten gelingt.

    Es grüßt

    Kajn
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  3. #3
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    Okay, vielen Dank für die Antworten! Hat mir geholfen!

    Gruß
    Medus
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  4. #4
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    Kleiner zusätzlicher Tipp, wenn man sein taschengeld einteilen muss: Bei Wikipedia nachschauen, da sind auch durchaus hilfreiche Beispiele angeführt.
    Ohne ein tiefgelehrter Kenner zu sein, probiere ich, bestimmte Inhalte durch die Verwendung einer Form anzudeuten (manchmal unabhängig vom Gehalt). Also, wenn ich als "Deutscher" spreche, verwende ich den Blankvers, auch den Knittelvers; komme ich ins klassisch-antike Ausland, bemühe ich mich - oft stümperhaft - Hexa- und Pentameter zu benutzen. Vielleicht hilft es weiter.
    heinzi

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