1. #1
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    Und wie ich durch die Straßen lauf

    Und wie ich durch die Straßen lauf


    Da stehst du einsam in der Tür,
    die Zigarette in der Hand,
    den Blick gerichtet auf die Wand,
    und beinah unerkannt
    schleich ich mich aus dem Haus.

    Ein letzter Blick zurück zu dir.
    Die Wehmut in dem Mienenspiel
    von dir ist mir jetzt fast zu viel.
    Und ohne klares Ziel
    verschwind ich durch das Tor.

    Der Wind pfeift eisig durch die Stadt,
    ich stelle meinen Kragen auf.
    Und wie ich durch die Straßen lauf,
    merk ich, dass ich wohlauf
    nie mehr zu sein vermag.
    Geändert von Roderich (19.10.2006 um 10:41 Uhr)
    "Man schreibt nicht, was man schreiben möchte, sondern was man zu schreiben fähig ist."
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  2. #2
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    Guten Morgen Roderich...

    Also ich muss sagen dein Gedicht gefällt mir außerordentlich gut.
    Du wirst nun vielleicht lachen, wenn ich dir sage, woran es mich erinnert. Nämlich
    an die Stories von den Männern, die nur mal schnell um die Ecke zum Zigarettenautomaten
    gehen und nie wieder kommen... Ich kann dir zwar nicht genau sagen, warum das
    so ist, aber ist so...

    Ich glaub durchxen kann man sich ersparen, es liest sich flüssig und ohne Holperer, also für mich passt alles...


    lg... Shadow...
    neu: Düsteres Tal
    Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche bleibt den Augen verborgen.
    ( Der kleine Prinz, Saint Exupéry )


  3. #3
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    Hallo Roderich

    auch mir gefällt dein Text sehr gut.
    Das ungewöhnliche Reimschema tut das seine, um den Text in der Schwebe zu halten, dieser unglückliche Abschied (nach einer heissen Nacht, die aber irgendwie nicht die erwünschte Tiefe und/oder Konsequenz hat ?), das ziellose umher gehen, die ganze Verlorenheit hast du gut in Worte gefasst.

    Beeindruckend.

    LG
    yarasa
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
    yarasas Fingerübungen

    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  4. #4
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    Hallo Roderich,

    ich hoffe, ich wag mich nicht zu weit vor, ich versuch mal zu ixen (und wenn es nix zu ixen gibt?)

    Da stehst du einsam in der Tür,
    die Zigarette in der Hand,
    den Blick gerichtet auf die Wand,
    und beinah unerkannt
    schleich ich mich aus dem Haus.

    xXxXxXxX
    xXxXxXxX
    xXxXxXxX
    xXxXxX
    xXxXxX

    Ein letzter Blick zurück zu dir.
    Die Wehmut in dem Mienenspiel
    von dir ist mir jetzt fast zu viel.
    Und ohne klarem Ziel
    verschwind ich durch das Tor.

    xXxXxXxX
    xXxXxXxX
    xXxXxXxX
    xXxXxX
    xXxXxX

    Der Wind pfeift eisig durch die Stadt,
    ich stelle meinen Kragen auf.
    Und wie ich durch die Straßen lauf,
    merk ich, dass ich wohlauf
    nie mehr zu sein vermag.

    xXxXxXxX
    xXxXxXxX
    xXxXxXxX
    xXxXxX
    xXxXxX

    Perfekt. Was soll man da noch kritteln

    Gefällt mir gut, dein Text.
    Das LI schwankt wohl ein wenig in seiner Konsequenz
    "merk ich, dass ich wohlauf
    nie mehr zu sein vermag."
    - dies zeigt es eindeutig.
    Er ist befreit - wohl aber nicht so glücklich damit.

    Lieben Gruß,
    Katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  5. #5
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    Hallo die Damen,

    ich danke euch vielmals für euer Lob, das mich sehr gefreut hat.

    @ Shadowlady: Das lyr. Ich könnte hier durchaus einer von den angesprochenen Männern sein, da gebe ich dir Recht. Ich habe das Gedicht zwar nicht bewusst darauf bezogen - das lyr. Ich könnte auch nach einer längeren Beziehung verschwinden (das habe ich offen gelassen) - aber passen würde dein Ansatz natürlich sehr gut. Mir ging es hauptsächlich darum, die feige Flucht und die Erkenntnis, damit einen schweren Fehler begangen zu haben, darzustellen. Das dürfte mir soweit, wie ich das aus euren Kommentaren heraus erkennen kann, gelungen sein.

    @ yarasa: Wow - ein "Beeindruckend" von dir - ich bin ganz hin und weg. Vielen Dank! Es freut mich sehr, dass das Gedicht bei dir einen solchen Eindruck gemacht hat, sehe ich doch zu dir als Dichterin auf.

    Was das Reimschema betrifft, so macht es mir derzeit viel Spaß, mit ungewöhnlichen Reimschemata zu arbeiten und hier ein wenig zu experimentieren. Im Moment habe ich viel Freude mit dem Reimen, werde aber natürlich auch weiterhin Gedichte in der freien Form schreiben, nur haben derzeit halt die Reime bei mir wieder Saison. Schön, dass dieses kleine Experiment in deinen Augen gelungen ist.

    @ Katzi: Vielen Dank für deine Metrikanalyse, die (Gott sei Dank ) bestätigt hat, was ich mir vorgenommen habe. Dieses Schwanken des lyr. Ichs hast du sehr gut wahrgenommen und die Schlüsselstelle des Gedichts gut aufgezeigt. Ich wollte übrigens das Gedicht zunächst "Ohne Abschied" nennen, aber das hätte mir ein wenig von dem Schluss, um den es mir vor allem ging, abgelenkt und das Hauptaugenmerk auf die ersten beiden Strophen gelegt. So wird durch den Titel ganz speziell auf die letzte Strophe hingewiesen, die mir persönlich eben wichtiger ist.

    Viele Grüße

    Thomas
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  6. #6
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    Hallo Thomas!

    Auch mir vermag Dein Gedicht zu gefallen. Erstens, weil es eben sehr viel Interpretationsspielraum läßt, zweitens weil es höchstens Wehmut, nicht aber Selbstmitleid vermittelt.

    Was mir auffällt, ist daß Du hier an einigen Stellen Details ansprichst: Die Wand, der steife Kragen, etc. Das vermittelt Alltäglichkeit und eventuell solltest Du in Zukunft versuchen weiter damit zu arbeiten, denn das gelingt Dir ganz offensichtlich.

    Gern gelesen
    gott

  7. #7
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    Hallo Lia,

    was für eine Freude, deinen Namen wieder einmal unter einem meiner Gedichte zu sehen! Ich danke dir vielmals für deinen Kommentar und dann noch so viel Lob dazu - bin ganz hin und weg!

    Deine Anregung bezüglich der Details nehme ich natürlich gerne auf. Da ich ohnehin eine Freude an den alltäglichen, banalen Dingen im Leben habe, passt das sicher ganz gut.

    Liebe Grüße

    Thomas
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  8. #8
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    Hallo Roderich,

    auch mich hat dein Neues sehr ansprechen können. Es schoss mir nach dem Lesen sofort das in den Kopf, was gott geschrieben hat: viel Interpretationsspielraum, und den empfinde ich hier als großes Plus.

    Das Reimschema ist auch ein interessantes, wenn man sich die Zeilen laut vorliest, klingt es und fühlt es sich an jedem Strophenende wie ein Straucheln oder Taumeln an, was inhaltlich auch gerechtfertigt scheint.

    Ein Grundstein für viele mögliche Szenen, aber emotional geprägt in seinem schmalen Handlungsrahmen. Da man in Gedanken die Szenen vor und nach dem Gedicht füllen kann, ist es wie ein kleiner Filmausschnitt.

    Ich glaub, ein kleiner Fallschnitzer ist dir noch durchgegangen:
    Und ohne klarem Ziel
    "klares"

    Ebenfalls gerne gelesen!

    Lieben Gruß,
    Malle

  9. #9
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    N'Abend Roderich,

    ja ich muss meinen Vorrednern zustimmen, das Werk kann überzeugen. Sowohl sprachlich, als auch inhaltlich.

    Sehr gut gefällt mir das von Lia angesprochene, dass du Details sehr schön hast einfließen lassen, dass gibt dem ganzen Text noch mehr Atmosphäre.

    Habs sehr gern gelesen,
    Flo
    Neustes Werk aus meiner Feder:
    Liebe und Romantik - Schlaflied (für L.), Ein Leiserwerden, ohne Titel
    Verzweiflung schreit nicht, Verzweiflung schweigt.

    Die Melancholie des Seins - Fortsetzungsgeschichte
    Die Melancholie des Seins - Gesammelte Werke

  10. #10
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    wow, mal ein gedicht das, obwohl es kein kreuzreim besitzt (ich steh drauf ), mir richtig gut gefällt!!
    auch schön ist, wie du es schaffst ohne "richtige bilder" das geschehen zu schildern, in fast schon neutraler weise, und gleichzeitig die traurige stimmung mich überschwemmt! bin fasziniert

    MfG,
    PoD
    Das Leben ist hart, aber unfair!...............................................36144mal gelesen, 622 Antworten... Danke! (Stand 17.3.2009)

    < Der Fliesenboden > als Fortsetzung von < Ein Routinier? >
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  11. #11
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    Hallo,

    da ist ja was los! Vielen Dank für eure Kommentare.

    @ Signora Malle: Das Wort "Filmausschnitt" gefällt mir hier besonders gut und ich danke dir sehr herzlich dafür. Ich bin immer sehr interessiert an den kleinen Details des Zusammenlebens, an einzelnen Ausschnitten, wie man auch an meiner sich wohl ewig ziehenden Central-Park-Reihe erkennt. Insofern hat mich dein Lob besonders gefreut.

    Und vielen Dank für das Aufzeigen des Fallfehlers. Ich muss gestehen, dass mein Deutsch von Jahr zu Jahr schlechter wird, je länger ich von der Schule weg bin. Echt traurig, aber wenn das so weitergeht, dann kann ich mich in fünf Jahren in einen Volkshochschulkurs "Deutsch für Anfänger" einschreiben lassen ...

    @ Ensi: Freut mich, dass mein Gedicht auch dich überzeugen konnte. Ich schätze dich sehr als sehr kritischen Kommentator mit scharfem Auge, wenn etwas nicht stimmt und wenn du beide Daumen spontan nach oben streckst, ist das schon ein Qualitätsurteil, das Gültigkeit hat.

    @ Patron: Wenn du besonders auf den Kreuzreim stehst, dann wirst du mit mir vermutlich nicht allzu viel Freude haben, da ich immer wieder gerne versuche, aus diesem Schema auszubrechen. Zudem tüftele ich auch viel mit der freien Form herum. Aber umso mehr freut es mich, wenn ich dich mit diesem Gedicht überzeugen und sogar faszinieren konnte. Vielen Dank!

    @ Speedie: Ich danke dir sehr für deine interessante Interpretation, die wieder einmal eindeutig deinen Stempel trägt - scharfsinnig, schlüssig und neue Denkrichtungen eröffnend. Dass die beiden Freunde bleiben könnten, habe ich zwar beim Schreiben nicht so gesehen, ist aber durchaus eine Möglichkeit. Es darf sich natürlich jeder selbst gerne ausmalen, was danach passiert - ob sie wieder zusammenkommen, ob sie sich nie wieder sehen, was auch immer. Das ist doch das Schöne am geschriebenen Wort - dass an der Stelle, wo der Text aufhört, die Fantasie anfängt. In allen anderen Interpretationsdetails kann ich dir nur voll und ganz zustimmen - genau das wollte ich mit meinem Gedicht ausdrücken und du hast meine Intention wieder einmal punktgenau getroffen.

    Viele Grüße

    Thomas
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