1. #1
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    Arrow Cote Granit Rose (Nachmittag)


    Bretagne VII
    Côte Granit Rosé (Nachmittag)

    Die Unruhe vor mir zeigt sich oliv
    Die Stunden hinter der Gegenwart eingegraben
    Die Wellen brechen sich immer näher
    Die weißen Kronen glitzern nicht

    Über mir grautöniger Himmel
    Am Horizont mit dem Wasser verwoben
    Beschwören die Möwen Hexengeschrei
    Auf dem roten Stein bin ich wortlos verloren
    Geändert von edorre (16.10.2006 um 21:51 Uhr)

  2. #2
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    Hi edorre,

    schön, aber trüb und doch so als ist man gerade dort. Von dem her hast Du das gelungen eingefangen.
    Ein trübsinniger Moment in sehr schönen Worten wiedergegeben. Allerdings kratze ich mich ständig am Kopf, was der "rote" Stein soll.

    Gruß Stefan

  3. #3
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    Hallo edorre,

    eine wirklich gelungene Naturbeschreibung, die einen sehr eigenen Rhythmus hat, der mir gefällt. Auch die syntaktische Gleichmäßigkeit in der ersten Strophe vermag zu gefallen. Du verwendest allgemein sehr ausdrucksstarke Bilder und obwohl die Landschaft eher als trostlos beschrieben wird, fühle ich mich seltsamerweise sehr wohl in ihr. Da ist dir wirklich was sensationell Gutes gelungen!

    Viele Grüße

    Thomas
    "Man schreibt nicht, was man schreiben möchte, sondern was man zu schreiben fähig ist."
    Jorge Luis Borges


    Mein Wiedereinstiegsgedicht nach all der Zeit: So ist mein Herz ein dunkler Teich

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    Und hier noch auf Wunsch von Nachteule etwas von ihm (als Dank für die Hilfe im Mod-Faden): Nachteule

  4. #4
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    Cote Granit Rose (Nachmittag)

    Liebe edorre,
    mir gefallen die melancholischen, ja trüben, Bilder. Es gibt diese Stimmungen immer wieder, in der Natur und im Leben.
    Dein Gedicht zeigt sie wunderbar auf.
    (Sagst du mir auch noch etwas zum "roten" Stein?)
    Liebe Grüße
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

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  5. #5
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    Hallo edorre,

    dein Bretagne-Gedicht habe ich nun schon mehrfach gelesen und auch schon einmal erfolglos (fremder Computer - Anmeldeprobleme) kommentiert, also hier zum zweiten.
    Wie meine Vorschreiber sprechen mich deine Zeilen stark an. Du hast das eingefangen, was für mich die Bretagne zu einem dieser Orte der Sehnsucht macht, ein Empfinden der Zeit, der Verwobenheit mit der Vergangenheit ("die Stunden hinter der Gegenwart eingegraben"), etwas, das unter oder hinter der Wirklichkeit verborgen liegt ("beschwören die Möwen Hexengeschrei"). Das Ganze in einer Sprache, die wenig lyrisch erscheint, aber viele Bilder und Assoziationen weckt - sehr tief.
    Danke für dieses herb-schöne Landschaftsbild.

    Liebe Grüße
    windflug

  6. #6
    Tessa Guest
    Liebe edorre,

    eine gelungene Naturbeschreibung ist dir da gelungen.
    Obgleich deine Zeilen traurig scheinen, Wellen und Wind hier Unruhe versprühen, lese ich dennoch eine innere Ruhe.

    Das LI sitzt am Küstenabschnitt der nördlichen Bretagne, auf dem berühmten roten Granitfelsen und betrachtet das Schauspiel. Das "wortlos verloren", empfinde ich eher als "beeindruckt und sprachlos sein".
    Ich kenne die Momente der Sprachlosigkeit, vor der Schönheit der Natur.
    Versuche dann alles in mich zu aufzunehmen, den Moment zu speichern,
    um ihn daheim wieder abspielen zu können.

    So empfinde ich dieses Werk, aber du wirst uns aufklären.

    Wirklich gern gelesen, gern geträumt, Meer-sowieso mein Favorit, zwinker.

    Mein Lob an dich,
    ganz liebe Grüße,
    Tessa

  7. #7
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    hi, ihr alle,

    ich war die letzten Tage etwas im Stress und konnte nicht gleich antworten. Aber jetzt

    @kerlchen
    der rote Steine, oder auch rosa Stein, ist die typische Gesteinsformation, ca 5 Kilometer lang an der Nordküste in der Nähe von Ploumanach. Dort saß ich, und schaute aufs Meer. Es war ein trüber, verhangener Tag Ende Oktober.

    @Dana
    freut mich sehr, daß auch dir das Gedicht gefällt, die Frage zum roten Stein habe ich zu Kerlchens Kommentar schon beantwortet. Ja, es gab Jahre, da haben mir die melancholischen Landschaften mehr zugesagt als die hellen, freundlichen.
    Beinahe hätte ich dich in der Antwortflut übersehen, aber Kerlchen hat noch schnell eine PN geschickt. Kommt nicht wieder vor, ich war die letzten Tage etwas gestresst.


    @roderich
    Danke für das tolle Lob, und daß dir die Satzstrenge der ersten Strophe gefällt. Ich habe mich dort immer wohlgefühlt, bei jedem Wetter, der Ort hat was Mystisches.

    @linespur
    danke auch dir für das Lob, obwohl das Gedicht
    "rein lyrisch würde ich es ziemlich weit von dem einordnen,"
    schön, daß es dich dennoch sprachlos macht. Genau das war ich in dem Augenblick, als ich das saß auch eine ganze Weile, bis ich Worte aus der Sprachlosigkeit fand.

    @windflug
    Danke Windflug, ja die Bretagne ist einer meiner Sehnsuchtsorte, eigentlich der Sehnsuchtsort. Ich weiß auch nicht genau, was mich dort so einfängt. Vor allem im Herbst hat die ganze Landschaft etwas Unwirkliches, etwas was sich dem normalen Verständnis entzieht. So empfinde ich es immer.

    @Tessa
    du scheinst die Stelle, die ich meine zu kennen.
    Du schreibst:
    "Ich kenne die Momente der Sprachlosigkeit, vor der Schönheit der Natur.
    Versuche dann alles in mich zu aufzunehmen, den Moment zu speichern,
    um ihn daheim wieder abspielen zu können"
    genau so ging es mir, ich konnte den Text auch erst im Nachhinein, in der Nachschau sozusagen schreiben. Ich machte mir wohl eine kleine Notiz als ich ging, aber das Gedicht als ganzes entstand erst später.

    Lieben dank an euch alle für das positive Feedback, es ist eines meiner Gedichte, das mir sehr am Herzen liegt. Ich sinniere oft selbst noch nach, wenn ich das Gedicht wieder lese, und die damalige Stimmung kommt zu mir zurück.

    liebe Grüße
    edorre
    Geändert von edorre (24.10.2006 um 10:26 Uhr)

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